kwerfeldein
19. März 2010 Lesezeit: ~5 Minuten

Bullshit Boomerang.

Auf dieser Seite geht es darum, Einsteiger (und ein paar Fortgeschrittene) fotografisch weiterzubringen. Ich versuche Dinge, die mir geholfen, mich inspiriert oder einfach ein Stückchen weitergebracht haben auszuformulieren, in der Hoffnung, dass jemand anderes vielleicht etwas davon mitnehmen kann.

Da geht es um meine Stärken, das, was ich gut kann. Doch es gibt auch eine andere Seite Martin Gommels, die nämlich im Umgang mit der Kamera ganz und gar nicht stark ist, sondern offensichtlich Fehler hat. Macken. Unebenheiten. Auf gut‘ Deutsch: Schwächen.

Um die wird es heute gehen. Oder besser gesagt: Mal um eine.

Um es mit Durs Grünbein zu sagen: „Die Schwächen sind, mit einer gewissen Leidenschaft und Sympathie betrachtet, sein wahrer Reichtum. Sie sind das Kapitel des Künstlers.“

Natürlich habe ich auch bei der Formulierung meiner Schwächen die Hoffnung, das sich vielleicht jemand anderes damit identifizieren kann. Nicht, dass sie oder er etwas „davon mitnehmen kann“. Nein, dass ein Leser sich nicht mehr allein fühlt mit den Problemzonen.

Und ich bin mir bewusst, dass das Beschreiben der Schattenseiten ganz und gar nicht in unser westliches Bild eines starken Vorbildes, eines heroisch und stoisch kämpfenden Künstlers, der sich von Auftrag zu Auftrag, von Erfolg zu Erfolg und von Feature zu Feature schwingt, passt.

Wir sehen lieber einen lächelnd glänzenden Erfolgsstar, der alles weiß, alles kann und vor allem nicht im Geringsten mit sich selbst zu kämpfen hat. Und wenn, dann nur mal so nebenbei erwähnt, um dann wieder feucht-fröhlich dem nächsten Erfolg entgegenzusehen. Eher belächelt er sarkastisch-triumphierend die Schwächen der anderen.

Doch das entspricht viel eher einem Wunschdenken, das der Realität nicht im Geringsten nahekommt. Zumindest bei mir. Das ist so nicht.

Früher regelmässig, heute nur sporadisch werde ich hier und da Zeilen niederschreiben, in denen nichts beschönigt, sondern schonungslos direkt und ehrlich das notiert wird, was explizit nicht gut ist.

In der Hoffnung, dass durch das Niederschreiben manche Dinge klarer werden und kwerfeldein.de an Tiefe gewinnt. Und dass sich jemand, der ähnliches von sich kennt, verstanden fühlt.

Kommt es an?

Es ist eigentlich jedes Mal das gleiche Spiel: Schon beim Bearbeiten eines meiner Fotos stelle ich mir die Frage, ob es die Leute mögen werden. Ob sie es gut finden, was ich da fotografiert habe.

Oder – das wäre das Schlimmste – vielleicht ignorieren sie mein Foto sogar, weil es gänzlich langweilig aussieht. Fad und ohne Würze. Kalt und ohne Aussage. Eins wie alle anderen.

Dann zeige ich mein Foto. Lade es ins Netz. Schreibe Titel, Tags und Bildnotizen dazu und setze es wie ein kleines, selbstgebasteltes Schiffchen auf den Ozean des World Wide Webs. Und warte, was zurückkommt. Ob jemand antwortet.

„Ist es gut? Wieviele Kommentare werde ich bekommen? Werden es die Leute mögen?“ Oder sogar „Gefällt es mir eigentlich selbst? Und wenn ja, woran merke ich das?“

Diese Unsicherheit ist mal stärker, mal schwächer ausgeprägt. An guten Tagen bin ich mir einfach dessen bewusst, an schlechten drücke ich alle 2 Minuten die Reload Taste, um auf Flickr zu schauen, ob nicht doch wieder jemand kommentiert hat.

Zeige ich jemand meine Fotos am Rechner, bin ich völlig fixiert darauf, wie sie oder er auf meine Bilder reagiert. Und falls dann ein Freund wohlwollend, aber trocken-direkt vorschlägt: „Joa. Hm. Weiß nicht“, dann trifft mich das ungeheuerlich. Nicht so sehr wie vor 3 Jahren, aber immer noch ordentlich.

So, dass ich manchmal innerlich trotzdend mir sage: „Pah! ICH finds toll. Soll er doch denken, was er will. Mir doch egal“ Tja – ist es eben nicht.

Meine abgrundtiefe Sehnsucht nach Wertschätzung (wohl eher WerKschätzung) geht mir gewaltig auf die Nerven. Was bin ich doch nur ein Sensibelchen. Ich drehe mich um mich selbst. Bullshit Boomerang.

Die großen Fotografen meiner und vor meiner Zeit, die standen da bestimmt drüber. Die hatten da keine Probleme mit. Die waren abgehärtet. Klar. Ganz klar.

Ein Ansel Adams hat einfach gemacht, was er wollte. Ja, ganz bestimmt. Und die jungen Hüpfer, die heute Fotos machen, von denen ich nur träumen kann, die wissen, wo das Ziel ist. Diszipliniert und unbeeindruckt von dem was andere sagen jagen sie dem nächsten Foto entgegen. Die stellen sich meine Fragen nicht. Die – nicht.

Oder etwa doch?

Gleichzeit weiß ich, dass ich nicht so hart mit mir selbst ins Gericht gehen sollte. Geduld haben – und – mich nicht allzusehr auf das Lob meiner Fotos konzentrieren. Doch wie geht das?

.
.
.

Diese Frage bleibt offen.

Und das wird sie wahrscheinlich immer bleiben. Eventuell gehört sich sogar dazu und ich werde immer damit zu kämpfen haben. Mal mehr, mal weniger.

Eins steht fest. Ich werde weitermachen. Fotografieren. Und meine Fotos von der Welt zeigen, wie ich sie sehe. Das wird gut. Darauf freue ich mich. Und die Schwächen – so komisch das klingen mag – die Schächen sind okay.

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