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15. März 2010 Lesezeit: ~4 Minuten

Quicktipp: Tonwertkorrektur

Quicktipp: TonwertkorrekturDies ist ein Gastbeitrag von Daniel Bollinger (Flickr). Daniel ist 22, studiert momentan Musikinformatik und beschäftigt sich in seiner Freizeit mit Fotografie und digitaler Bildbearbeitung.

Seit ich angefangen habe, mich etwas mehr mit Bildbearbeitung zu beschäftigen, stoße ich im Internet immer wieder auf Fotos, bei denen ich denke „Hey, eigentlich geiles Bild, aber irgendwas fehlt…“. Die Bilder sind meist etwas matt und flau und wirken nicht so richtig lebhaft.

Früher habe ich mir diese Bilder ab und zu spaßeshalber runtergeladen, um sie in Photoshop (bzw. anfangs noch Gimp) genauer unter die Lupe zu nehmen. Und siehe da, in 95% der Fälle ließ sich mit einem kleinen Eingriff schon erhebliche Verbesserung erzielen – mit einer Tonwertkorrektur.

In diesem Artikel möchte ich euch mit zwei Beispielen einen kurzen Einstieg in das Thema geben.

Quicktipp: Tonwertkorrektur

Das Bild, das ihr hier seht, ist an einem verschneiten Wintertag mit bedecktem, grauem Himmel entstanden, und genauso sieht es auch aus: grau. Ein Blick aufs Histogramm zeigt uns weshalb:


Quicktipp: Tonwertkorrektur

Es gibt im Bild weder Bereiche, die in die Tiefen (ganz links im Histogramm) fallen, noch welche in den Lichtern (entsprechend ganz rechts). Das Bild nutzt also nicht den vollen uns zur Verfügung stehenden Tonwertumfang aus, es gibt kein reines Weiß oder Schwarz.

Um dies zu korrigieren öffne ich den Kurven-Dialog (es geht auch sehr ähnlich über „Werte“, aber ich bevorzuge die Kurven, da ich dort normalerweise gleich noch mehr mache), und passe die Kurve entsprechend an. Dazu ziehe ich einfach das obere rechte Ende soweit in die Mitte, dass es den höchsten im Bild bereits vorhandenen Wert erreicht; und das gleiche umgekehrt mit dem Ende links unten für den niedrigsten Wert.

Wie wir im Histogramm sehen können, wurden die vorhandenen Tonwerte dadurch auf den gesamten Umfang gespreizt, es gibt jetzt auch rein weiße und schwarze Bildteile.

Quicktipp: Tonwertkorrektur Quicktipp: Tonwertkorrektur

Das Ergebnis: Der Schnee ist schön weiß, der Kontrast erheblich höher und ich habe einen insgesamt wesentlich besseren Bildeindruck:

Quicktipp: Tonwertkorrektur

Diese Methode lässt sich natürlich nicht nur auf s/w-Bilder anwenden. Als Beispiel hierfür habe ich ein typisches Konzertfoto ausgewählt: Die Bühne war stark vernebelt, dazu farbiges Gegenlicht, das ganze Bild ist wie von einem bläulichen Schleier überzogen, man ist schon versucht es gleich zu löschen. Doch auch hier lässt sich mit Hilfe der Tonwertkorrektur noch einiges rausholen.


Quicktipp: Tonwertkorrektur

Der Blick aufs Histogramm sieht zunächst mal ganz ok aus, und die kleine Korrektur, die hier möglich ist, bringt auch keine allzugroße Verbesserung.

Quicktipp: Tonwertkorrektur

Der Fehler: Wir haben nur das gesamte RGB-Histogramm betrachtet und auch nur dort die Tonwerte korrigiert. Bei Farbbildern sollte man aber unbedingt immer alle Kanäle einzeln betrachten! Nur so kann man die Tonwerte optimal korrigieren und vermeiden, dass einzelne Kanäle in den Tiefen oder Lichtern clippen (bzw. dies ggf. bewusst in Kauf nehmen).

Schauen wir uns also einmal die Histogramme der einzelnen Kanäle an (s. unten erstes Bild) und nehmen dort die Korrektur (s. unten zweites Bild) vor. Dazu gibt es oben im Dialogfenster ein Drop-down, über das man auf die Einzelkanäle zugreifen kann, so sieht das Ergebnis gleich ganz anders aus.

Quicktipp: Tonwertkorrektur

Quicktipp: Tonwertkorrektur

Quicktipp: Tonwertkorrektur

An dieser Stelle möchte ich noch darauf hinweisen, dass es durch so drastische Korrekturen wie gerade gezeigt zum einen zu erheblichen Farbverschiebungen (was bei diesem Beispiel nicht weiter stört, im Normalfall aber sehr unschön ist) und zum andern zu Tonwertabrissen kommen kann. Dies sollte man auf jeden Fall im Auge behalten.

So, ich hoffe der eine oder andere von euch konnte aus dieser kleinen Einführung etwas für sich mitnehmen. Freue mich über Nachfragen, Kritik und sonstige Anmerkungen in den Kommentaren. :)

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38 Kommentare

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  1. Sehr schöne Einführung. Ich denke viele (ich will mich da gar nicht ausschließen) trauen sich nicht so richtig an Kurven ran. Da hilft es sehr zu wissen was man (auch auf einem einfachen Level) machen kann.

    Grüße,

    Wolfgang

  2. Super Erklärung, danke schön. Jetzt weiß ich endlich, wie ich mit den Kurven umgehen muss und werde das gleich direkt mal ausprobieren. Bisher hab ich da immer viel zu planlos dran rumgezogen, bis es mir irgendwie gefiel.

  3. Schön, dass der Hinweis auf „Farbverschiebungen und Tonwertabrisse“ direkt mit im Artikel steht. Das passiert nämlich gern mal, wenn man zu experimentiertfreudig ist und keine Ahnung hat, was man da eigentlich tut! ;-)

  4. Aber eigentlich sollte man doch statt in PH zu spreizen eher in LR korrigieren, oder?!? Ich denke das sich der Farbschleier unter Zuhilfenahme einer Einstellebenenmaske entfernen lässt. Somit kann die Umfärbung in nicht gewünschten Bereichen verhindert werden. Was meint ihr?!?

    Trotzdem ein sehr schöner Histogramm/Tonwert Beitrag!

  5. Schöner Artikel, Daniel. Vielleicht solltest Du noch auf die Problematik eingehen, dass insbesondere bei 8Bit-Bildern durch die Spreizung der Tonwerte, sichtbare Farbverlaufs-Abstufungen eintreten können (sichtbar durch die Lücken im Histogramm). In der Regel wird das bei 16Bit-Bildern vermieden. Also falls geht, sollte man bei solchen Problemen kurzfristig zumindest beim Tonwertespreizen in den 16Bit-Modus wechseln.

  6. Hmmmm. Mal abgesehen davon, dass dieser ‚Quicktipp‘ schon wirklich sehr sehr ‚quick‘ war:

    1. Für so eine Bearbeitung kann man gleich Picasa oder dern Bildqualitätsverhunzungsdienst eines beliebigen Bilderausbelichters nehmen. Da ist die Sache dann auch mit einem Klick erledigt…
    2. Kann ich immer gar nicht glauben, dass es Menschen geben soll, die ein Programm im Wert von hunderten EUROs besitzen (hoffentlich legal) und die sich dennoch über so einen Tipp freuen können.
    3. Ist das Ausreizen der Tonwertkurve oft aber doch nicht immer sinnvoll. Und die beiden gezeigten Bilder beweisen das. Über Bild zwei will ich fast nicht reden: Das hat im Original Stimmung und in der Bearbeitung ein Holzhammeroutfit. Wer’s mag… Aber Bild eins ist dieser Website in der bearbeiteten Fassung ebenso unwürdig wie unbearbeitet. Statt über die Tonwertspreizung eine Klarheit in die Situation zu bringen, die gänzlich unpassend ist, wäre es sicher sinnvoller gewesen, das Bild von vornherein (oder meinetwegen auch erst in der Nachbearbeitung) einfach 2/3 bis 4/3 heller zu belichten. Dann sind zwar die dunklen Partien noch heller, dafür kommt das nebelhafte besser rüber. Im Zweifelsfalle hann man ja dem Text auf dem Schild einen anderen Schwarzpunkt verpassen, um einen ‚crispen‘ Aufänger zu haben. Wenn man meint, dass es das braucht…

  7. Blogartikel dazu: uberVU - social comments

  8. Freut mich, dass der Text doch einigen weitergeholfen hat.

    @Chris (#12) Ja, du hast natürlich Recht, dass man bereits im RAW-Konverter für ein möglichst ausgeglichenes Histogramm sorgen sollte. Da ich allerdings kein LR nutze, kann ich zu deinem konkreten Bearbeitungsvorschlag nicht so viel sagen.

    @Olaf (#13) Auf die Gefahr von Tonwertabrissen habe ich ja am Ende hingewiesen. Ich hatte noch überlegt, ob ich 16bit erwähne, fand das dann aber für die kurze Heranführung ans Thema, die ich mir vorgenommen hatte, zu viel. Aber ist ein berechtigter Hinweis.

    @archinaut (#14) Was ich hier gezeigt habe, stellt natürlich keine vollständige Bearbeitung dar, sondern lediglich einen Schritt daraus. Ich wollte wie gesagt kurz an das Thema heranführen, und habe dazu zwei Beispiele ausgesucht, die den Effekt der Tonwertkorrektur gut veranschaulichen. Und ich habe es zu diesem Zweck (v.a. beim zweiten Bild) auch bewusst etwas übertrieben.
    Es ging mir nicht darum zu zeigen, wie ich die beiden Bilder bearbeiten würde, und ich erhebe auch keinen Anspruch auf einen gesteigerten künstlerischen Wert der beiden ;)
    Deine Verbesserungsvorschläge sind also mit Sicherheit richtig, insbesondere was die von vornherein bessere Belichtung angeht; sie gehen einfach etwas an der Intention des Artikels vorbei.

  9. Tja, hättet ihr alle mal in der Schule aufgepasst, wüsstet ihr, was ein Histogramm ist.

    Wie ein Lehrer immer sagte: „Sicherheitskopien von halb Hollywood besitzen, aber keine Ahnung vom Computer.“

    Ansonsten: So einen Artikel könnte man auch durchaus in der Computer Blöd veröffentlichen. Eine Sache von zwei, drei Worten umständlich auf langen Text aufgeblasen und dann nicht mal ne Warnung dabei, dass man beim Entfernen der Lücken rechts und links sich das Bild versauen kann (ich vergleich so was immer gern mit HDR, wo die ganzen „Noobs“ auch immer irgendwelche Halos und sonstiges drin haben, weil sie die Regler bis zum Anschlag schieben).

  10. Jetzt hackt doch nicht alle auf dem Artikel rum. Auch ein Noob muss irgendwo anfangen. Und wenn es den ein oder anderen dazu bringt, sich zum ersten Mal mit Kurven & Co. auseinander zu setzen, find ich dass der Artikel schonmal seinen Zweck erfüllt hat.

    Und wer im Endergebnis nicht sieht, wenn das Bild verhunzt ist, weil zu viel an den Farben gedreht wurde, dem kann man nicht helfen.

    Was mir aber ganz dringend in diesem Artikel fehlt:

    SCHRITT 1: Das Bild duplizieren, damit man ohne Angst dran rumschrauben kann.

    Sonst sollte man tatsächlich die Finger weg lassen, wenn man keine Ahnung davon hat, denn ist das Original erst mal mit doofen Korrekturen überspeichert ist das schöne Bild weg.

  11. Ähnlichkeiten/ Unterschiede zur Gradaditionskurve und deren möglichen Veränderungen (wie von Manne schon angesprochen) würde mich auch sehr interessieren. Vielleicht kannst Du da noch kurz was sagen. Danke schon mal.
    Joe

  12. Hallo Daniel,

    die hier geeigte Verschiebung der einzelnen Farbkanäle übernimmt doch die „AUTO“ Funktion der Gradationskurve. Jedenfalls in mienem Photoshop. Wenn’s mir dann de Farbverschiebung zu heftig wird, fahre ich einzelne Kanäle leicht zurück !!!

    Grüße,
    TVL

  13. Also für mich als Anfänger war das schonmal ne gute Einführung, hatte sonst immer nur eine ungefähre Ahnung wie das geht. Aber wenn die Kritisierer vielleicht einen Link wissen wo es noch besser beschrieben ist, wär das für Anfänger wie mich sicher hilfreicher als die reine Kritik! Also postet Links Leute! Oder schreibt doch selbst mal einen Gastartikel, vielleicht wird er ja veröffentlicht :)

  14. Gut beschrieben, sollte immer der 1. Schritt der BEA sein. ;-)
    Auch wenn es den Anschein hat das es für einige meiner Vorposter “ kalter Kaffee“ ist, für einen Anfänger ist genau dieser Schritt oft nicht klar.
    Ich denke mal das war genau der Sinn des Artikels ….. denn um die „Profis“ ging es metallissimus wohl eher weniger. ;-) :D

  15. Danke für die Tipps, bisher funktionierte die Tonwertkorrektur bei mir hauptsächlich nach Bauchgefühl. Werde ich doch gleich mal Photoimpact anwerfen (ja, das kann das auch) und ein paar Winterbilder mit weißem Schnee versehen.

  16. @Anette: Hintergrundebene zu kopieren ist in diesem Fall auch nur unnötiger Ballast. Sinnvoller ist es, eine Einstellungsebene Gradationskurven oder Tonwertkorrektur anzulegen. Denn die lässt sich anpassen, ohne dass ich eine neue Ebenenkopie brauche und immer wieder von vorn anfangen muss.

  17. @Annette Stimmt auffallend. :) Ich verwende normalerweise Einstellungsebenen, hab das aber weggelassen, weil es die nicht in allen Programmen (bspw. Gimp) gibt, an Duplizieren hab ich dann in dem Moment nicht mehr gedacht.

    @Joe Das sind die sog. Gradationskurven, mit denen ich hier gearbeitet habe. Allerdings bieten diese noch viel mehr Möglichkeiten, als nur Schwarz- und Weißpunkt zu definieren, man kann damit sehr differenziert an Farben und Kontrasten drehen. Ich hab sie sozusagen für eine einfacherere Aufgabe „missbraucht“.

    @TVL Ich hab die Autofunktion ehrlich gesagt noch nie benutzt, weil „Auto“ mir immer signalisiert, dass ich nicht mehr manuell eingreifen kann. Hab es jetzt aber mal ausprobiert, und du hast natürlich Recht; erfreulicherweise kann man hier aber sogar noch von Hand nachsteuern. Danke für den Hinweis!

  18. Ich kann die Bilder nicht sehen…!! :-))))
    Das Problem hatte ich ja schon mal und hatte auch entsprechend einen Kommentar geschrieben. Kann mir mal jemand erklären, wieso „alle“ die Bilder sehen können, ich aber nicht.
    Danke schön und viele Grüße,
    joos

  19. Ist zwar schon ein paar Tage her, ich möchte dennoch ein paar Worte zu diesem Artikel loswerden:
    Das die Gradationskurve „curves“ heißt, hat einen bestimmten Grund. Sobald vertikale oder horizontale (wie hier beschrieben) Abschnitte in der Gradationskurve auftreten läuft eigentlich Grundsätzlich etwas falsch. Vertikale Abschnitte produzieren einen zu hohen Kontrast, Horizontale Abschnitte produzieren null Kontrast-bei beiden Extremen gehen jeweils alle Mittentöne des jeweiligen Abschnitts verloren, die mühsam gesammelten Daten sind weg. Um das zu vermeiden sollte man immer mit Kurven arbeiten, und rein vertikale oder horizontale Abschnitte (clipping) vermeiden! Eine gute Kontrasterhöhung erbibt sich immr aus einer S-Kurve, dabei verliert man auch keine Daten. Genau das ist auch der Vorteil gegenüber einer reinen Tonwertkorrektur, die die Daten am Schwarz- bzw. Weisspunkt abschneidet. Man kann im Prinzip alle Dinge die man mit der Tonwertkorrektur machen kann, auch in den Gradationskurven regeln. Andersherum ist das nicht der Fall, da die Kontrolle in der Tonwertkorrektur viel eingeschränkter ist, und man lediglich den Schwarz- und Weisspunkt, sowie Gamma verschieben kann-mit allen Nachteilen die sich daraus ergeben. Also bitte clippt eure Bilder nicht zu tode, es gibt wesentlich bessere Methoden um den Lokalkontrast zu erhöhen!

  20. Auch etwas verspätet (hatte nicht damit gerechnet, dass hier noch jemand kommentiert), möchte ich nur kurz ergänzen, dass die hier gezeigten horizontalen Abschnitte fast ausschließlich in Bereiche fallen, die im Bild gar nicht „besetzt“ waren. Von daher ergibt sich auch annähernd kein Clipping.