kwerfeldein
04. März 2010 Lesezeit: ~4 Minuten

Sich in die Lage eines Bildkäufers versetzen

omori_de.jpeg Das ist ein Gastartikel von Michael Kirchner, der als Fotograf vor allem im Bereich People-Fotografie für Firmen und Privatpersonen arbeitet. (Blog, Twitter). In begrenztem Umfang verkauft er darüber hinaus Stockfotos an die Agenturen f1online und imagepoint.

Das Verkaufen der eigenen Fotos an Bildagenturen, egal ob Microstock oder etablierte Bildagenturen, ist für viele Fotografen eine erstrebenswerte Angelegenheit. Im Idealfall, so zumindestens die Vorstellung, kann man Bildmaterial, das nebenbei entstanden ist, gewinnbringend verkaufen.

Selbst wenn das einzelne Bildhonorar nicht sehr hoch ist, könnten sich die Einnahmen bei guter Nachfrage summieren und ein interessantes Zusatzeinkommen darstellen.

Amateurfotografen spekulieren damit, sich von den Einnahmen Fotoequipment kaufen zu können und Berufsfotografen möchten mit den zusätzlichen Einnahmen die wegbrechenden Tagessätze etwas aufbessern, indem sie im Anschluss an einen Fotoauftrag noch einige Stockfotos schießen.

Aber nicht immer erfüllt sich diese Hoffnung: Bildagenturen lehnen die eigenen Fotos ab. Oder sie nehmen die Bilder an, anschließend verkaufen sich die Bilder aber nicht. Dabei ist man selber doch so sehr von der Qualität der Fotos überzeugt. Und der andere „Käse“, den die Bildagentur listet, verkauft sich doch auch, nur die eigenen Bilder eben nicht.

Bei dieser Denkweise macht man leicht einen Fehler: Gesucht von Bildkäufern ist nicht das perfekte Bild, sondern Bildmaterial, das ein bestimmtes Thema visualisiert.

Daher ist ein raffiniert ausgeleuchtetes Studio-Portrait von einer attraktiven und leicht bekleideten jungen Frau vielleicht gar nicht so sehr gesucht, das Bild eines Automechanikers bei der Arbeit (beispielsweise) aber umso mehr.

Daher mein Tipp: Versetzt Euch in die Lage der Bildkäufer und versucht, zu verstehen, welche Bilder gebraucht werden.

Am besten ist es, wenn man selber von Zeit zu Zeit in der Situation ist, Bilder zu kaufen. Dann lernt man automatisch die Sichtweise der „anderen Seite“ kennen. Wenn man dann einen Flyer für eine Bank oder einen Steuerberater entwerfen soll und Bildmaterial sucht, fällt einem auf einmal auf, wie ungeeignet ein Großteil der angebotenen Fotos sind.

Aber es müssen ja nicht kommerzielle Aufträge sein: Schon die Visualisierung der Artikel in eigenen Blog ist nicht immer einfach zu lösen. Selbst viele Fotografen haben Schwierigkeiten, geeignete Fotos für ihre Blogartikel zu finden.

Relativ einfach ist das, wenn man die üblichen Bildagentur-Themen darstellen möchte. Das hier gezeigte Stockfoto kann z.B. für vielfältige Themen im Bereich „Business“, „Beratung“, „Management“ u.s.w. verwendet werden.

stockfoto

Viel schwieriger ist das schon bei etwas ausgefalleneren Themen. Beispielsweise plane ich gerade einen Artikel zum Thema „Foto-Assistenten“. Dazu fehlt mir ein passendes Bild und es stellt sich die Frage: Wie soll ich das Thema fotografisch darstellen? Einfach meinen Assi vor die Kamera stellen? Das kann es ja nicht sein. Ihn bei der Arbeit fotografieren? Ja, aber was ist die typische Arbeitshaltung eines Foto-Assis?

Oder in das Archiv einer Bildagentur schauen? Wenn man dort „Assistent“ eingibt, erscheinen vor allem Fotos von Sekretärinnen oder Telefonistinnen. Das passt also nicht. Versuchen wir es mit „Handwerker“. Schon besser, aber auch nicht genau das, was ich brauche.

Macht doch selber einmal den Versuch, zu einem bestimmten Thema, beispielsweise zu dem hier angesprochene Thema „Fotoassistent“ oder zu einem anderen Thema ein passendes Foto bei einer Bildagentur zu suchen. Oder, wenn ihr ein eigenes Blog habt, macht euch zur Gewohnheit, für jeden Artikel ein passendes Foto zu verwenden. Auf einmal wird deutlich, dass das alles andere als einfach ist. Und man versteht, welche (eigenen oder fremden) Fotos als Stockfoto geeignet sind und welche nicht.

Hilfreich sind auch die Tipps von Robert Kneschke, der auf seinem Blog Alltag eines Fotoproduzenten beschreibt, wie er Fotos erstellt, die sich bei Bildagenturen verkaufen.

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18 Kommentare

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  1. Den Artikel finde ich sehr interessant. Ich versuche hin und wieder mal ein Foto bei einer Agentur zu verkaufen, nur denke ich, wenn man so ein Foto wie oben machen möchte, muß das mit Modellen insziniert werden. Wenn man ein derartiges Foto erhascht irgendwo, dann hat man ja noch das Problem mit den Rechten. Wenn ich falsch liege, dann kannst du mich gerne kritisieren.

  2. Also so langsam juckt mich das Thema Stock immer mehr.
    Wenn ich eh für etwas Bilder mache, dann gefällt mir der Gedanke, anschließend einfach noch ein paar Bilder mehr zu machen um diese auf Stock-Seiten anzubieten.

    Fande den oben beschrieben Gedankengang daher sehr hilfreich…

  3. Schöne Vielfalt hier auf Kwerfeldein.

    Danke für den Tipp, Michael. Müssen denn die Bilder dann auch technisch immer einwandfrei (und nachbearbeitet) sein um sie gut zu verkaufen? Das erhöht ja den Arbeitsaufwand enorm.

    Viele Grüße, Martin

  4. @ Martant: Ja absolut, die Bilder müssen technisch einwandfrei und digital optimiert sein. Gradationskurvenkorrektur, Rauscharmut, Fleckenretusche, Hautretusche sind Grundvorausetzung. Außerdem muss das Bild scharf sein (scharf aufgenommen, aber nicht oder nur wenig nachgeschärft).

    Gruß Michael

  5. @Omori (#8) das wäre jetzt der passende Zeitpunkt um die Verbindung zu „Fotografie-Porn“ herzustellen. ;-)
    Man darf nur nie vergessen, dass der Kern am Stockfoto wohl die Idee sein dürfte und dass man entweder extrem viel Arbeit oder extremes Talent investieren muss, um tatsächlich ein Objektiv im Jahr davon finanzieren zu können. Im Artikel kommt das für mich sehr gut rüber, aber wenn man sich so umhört …

    @Martin: Schöne Vielfalt, da kann ich mich Martant nur anschließen!

  6. Hab auch schon mal mit dem Gedanken geliebäugelt, ihn aber schnell wieder verworfen.
    Ich mag keine „Studiofotografie“ und ich habs eben auch nicht mit der Nachbearbeitung. Wenn dann eher in Richtung Pressefotografie. Aber da müßte ich schon richtig dran verdienen, um die Anfahrtswege, die Strapazen und sonstige kostenspielige Angelegenheiten finanziert zu bekommen.
    Der Blick fürs „richtige Foto“ ist dagegen kein Problem für mich, da hab ich ein Naturtalent dafür. Und vllt wird aus dem Nebenberuf mal eines Tages ein Hauptberuf??

  7. Ich finds witzig: ich glaube bei Robert Kneschke irgendwo gelesen zu haben, dass eine bestimmte Bildagentur so argumentiert: sorgen sie sich nicht um die Verkaufbarkeit. Machen sie einfach nur gute Fotos, wir kümmern uns darum dass sie verkauft werden.

    Aber das funktioniert halt nicht immer und insbesondere bei den Microstocks muss jeder sehen, wie und mit was man den Markt bedient. Da schmeisst man sich natürlich auf die Trendthemen und Feiertagsmotive :-D

    Obs für ein neues Objektiv reicht? Mal gucken. Im besten Fall kann man so mit einem Hobby das einem sowieso Spaß bereitet auch noch etwas Geld verdienen. Gibts was schöneres?

  8. Hallo zusammn,
    vielen Dank für den Artikel. Ich habe durch Bekannte von Microstock erfahren und Anfangs Bilder aus meinem Bestand hochgeladen, welche sich von Anfang an gut verkauften (ausschließlich Landschaftsaufnahmen). Später immer mal gezielt Landschaft für Microstock fotografiert und entsprechend bearbeitet, d.h. Farben leicht (!) übersättigt, die Bilder zum „Eyecather“ hergerichtet. Ultra-penible Fleckensuche, retuschieren von Markennamen, Symbolen, etc und gute Verschlagwortung erfordern allerdings viel Zeit und Geduld. Das fertige Bild sollte dann noch eine starke Symbolkraft haben, aus nur wenigen aussagekräftigen Elementen bestehen und dem Betrachter ohne Nachdenkzeit vermitteln, um was es sich handelt, damit Texte, Flyer etc aussagekräftig illustriert werden können. Dann hat es auch reelle Chancen auf konstant hohe Verkäufe. Nach 18 Monaten Microstock ist meine D700 + 3 Objektive (14-200mm f/2.8) jedenfalls komplett finanziert.

  9. @FoG: Kann gut sein, aber ich denke, das war dann eher eine Macrostock-Agentur. Bei den billigen Microstock-Agenturen ist es unbedingt erforderlich, selbst zu überlegen, was sich verkaufen wird. Die haben eben auch keine „klassischen“ Bildredaktionen mehr.

  10. Da stimme ich Dir, was die Inhalte Deines Berichtes betrifft, voll und ganz zu – was mich an dieser Stelle interessieren würde, wie gut verkaufen die beiden Agenturen im Vergleich? Ich schwöre ja auf f1 online – mit imagepoint dagegen bin ich sehr unzufrieden – allerdings habe ich andere Schwerpunkte was die Themen meiner Bilder betrifft. Aber Verkauf hin oder her: das wichtigste ist meiner Meinung nach, daß man sich und seinem Bildstil treu bleibt.

  11. Man kann mit Stockfotografie nur dann Geld verdienen, wenn jedes Bild gleich passt. Das heißt, man überlegt sich nicht nur, wofür der Käufer dies oder jenes Motiv brauchen kann. Man soll dem Käufer die meiste Arbeit abnehmen. Am Besten stellt man sich gleich das Endprodukt vor: Werbeplakat für eine Bäckerei, Titelbild für einen Finanzblogartikel etc und erstellt dementsprechend abgeschlossene Konzepte.

  12. @Beate: Beide Agenturen haben in der Vergangenheit sehr gut für mich verkauft. Aktuell hat das stark nachgelassen, was aber an mir liegt, weil ich lange kein frisches Material mehr geliefert habe.

    Gruß Michael