kwerfeldein
01. März 2010 Lesezeit: ~7 Minuten

Ich stelle vor: Kill Your LCD, ein Projekt (Teil 1/2)

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Letzte Woche habe ich ein Projekt gestartet, das ich schon lange mal durchziehen wollte. Die alten Hasen unter den Lesern haben mich bestimmt schonmal sagen hören, dass man „doch mal sein LCD zukleben sollte“.

Letzten Montag habe ich mein Kameradisplay zugeklebt. Und bin eine Woche jeden Tag mindestens 30 Minuten fotografieren gegangen. Ausserdem habe ich in JPG fotografiert und Schwarzweiss (was aber eher unbeabsichtigt war, das kommt aber weiter unten).

Denn es hätte für mich keinen Sinn gemacht, ohne LCD zu fotografieren und dann in RAW die Fehler wieder gerade zu biegen. Ergo nächster Schritt: Keins der Bilder wurde bearbeitet, die Fotos wurden nicht einmal angerührt. Alles, was ich an diesen Fotos gemacht habe war, sie zu verkleinern fürs Web. That’s it.

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Warum das Ganze? Nun, ich weiß, dass ich mit meiner Kamera und den Objektiven 1000 Möglichkeiten habe und manchmal in so eine Art Gleichgültigkeit verfalle, in der ich alles für selbsverständlich halte – was es aber nicht ist.

Um da rauszukommen und mich selbst einwenig zu fordern, habe ich mich freiwillig in meiner Freiheit beschränkt.

Mir ging es nicht darum, mir zu beweisen, dass ich auch ohne LCD fotografieren kann. Das wäre es nicht wert gewesen. Vielmehr wollte ich diese Erfahrung machen, wie es ist, sozusagen nur durch den Sucher zu fotografieren, einzustellen und… das wars dann. Ende. Kein Bearbeiten mehr. Nichts. Kein Beschneiden, nada.

Somit habe ich ein Platt Papier, Schere und Thesa in die Hand genommen und meine Kamera hinten zugeklebt. Ich habe jeden Tag fotografiert und danach ein kleines Tagebuch geschrieben. Ich habe überlegt, ob ich die Cuzzwords rausnehmen soll, aber das würde zu viel Authenzität nehmen.

So, jetzt gehts aber los. Heute zeige ich Euch Tag 1-3 und morgen Tag 4-7. Hier nochmal die Settings:

# Zugeklebtes Display
# Nur JPEG
# Schwarzweiss, festgelegt in der Kamera
# Keine Bildbearbeitung im Nachhinein

Wichtig: In diesem Artikel / Projekt geht es nicht zu allererst um die Qualität dieser Fotos. Ich weiß, dass viele unterbelichtet sind oder qualitativ keine Vorzeigefotos sind. Aber darum geht es nicht. Es geht um diesen Prozess, in den ich mich selbst begeben habe und die Dinge, die mir dabei wiederfahren und aufgefallen sind. Das ist wichtig zum Verständnis. Trotzdem habe ich ein kleine Auswahl der Fotos, die ich am Gelungensten finde hier vorbereitet – alle Fotos zu zeigen, hätte den Rahmen sicher gesprengt.

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Tag 1

Draussen regnet es. Egal, ich gehe trotzdem raus. Bevor ich überhaupt loslege, bemerke ich, dass ich Schwarzweiss eingestellt habe. Jetzt nochmal die Kamera aufreissen? Nö. Jetzt ist es auch egal. Fotografiere ich halt monochrom. Wie mit nem Schwarzweissfilm halt, tut meinen Fotos vielleicht sogar gut.

Weil es nieselt, laufe ich zur Jöhlinger St. Martin-Kirche, da regnet es nicht drinnen. Meistens zumindest.

Ich fotografiere ein paar Gesangsbücher und finde es ganz toll, jetzt diese Aktion gestartet zu haben. Wahnsinn. Doch nach einer Weile fotografieren geht mir das nicht-auf-den-LCD-schauen enorm auf die Nerven. Nicht nur das, irgendwann fühlt es sich nicht sehr weit entfernt von SCHEISSE an. So ähnlich wie in den wenigen Momenten meines Lebens, in denen ich nicht den Eindruck hatte, alles unter Kontrolle zu haben.

Und nein, ich schaue nicht wie erwartet ständig hinten auf meine Kamera, ich weiß ja, dass das nichts bringt. Jedenfalls ist es was ganz anderes, als einfach nur die Rückschauzeit auf „aus“ zu stellen.

Ich schaue ständig auf die Uhr. Wann sind die 30 Minuten um? Irgendwie komisch, war ich doch noch zu Beginn zu damn begeistert von meiner Idee, die Kamera zuzukleben. Aber so muss es wohl sein. Wäre ja auch komisch, wenn ich flippy-floppy jodelnd durch die Gegend fotografieren würde, als ob mich das gar nicht jucken würde.

Tut es aber.

Ich habe keine Ahnung, ob die Fotos was geworden sind. Nicht ein bisschen. Für andere wäre das warscheinlich superspannend. Ich finde es grauenvoll. Fühle mich wie ein Anfänger, der zum ersten Mal fotografiert. Kein Yea-Geile-Aktion. Viel mehr: Was hab ich da blos angefangen?


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Tag 2

… fühlt sich gleich besser an. Mit einem leichten Grinsen (und etwas übermütig) ziehe ich los und es juckt mich wesentlich weniger, nicht mehr auf den LCD schauen zu können. Weniger Jucken heisst aber nicht, dass es mir egal ist.

Es fängt wieder an zu nieseln – aber nur kurz. Bleib blos weg, Du Regen.

Ich schaue etwas bewusster auf Belichtungszeit, ISO und Blende und mache mir Gedanken um diese 3 Komponenten. Nicht, dass ich das vorher nicht auch schon getan hätte, aber jetzt lasse ich mir mehr Zeit dafür. Die Abblendtaste nutze ich bei fast jedem Bild, weil ich wissen will, was scharf ist und was nicht.

Zuhause angekommen, will ich mir die Fotos gleich anschauen. Sie wirken etwas fad auf mich, denn ich weiß ja, dass ich sie nicht mehr bearbeiten werde. Ausserdem bin ich ja festgelegt, was die Farbkanäle betrifft und würde am Liebsten jetzt jedes Bild bearbeiten, Kontraste rein, Vignettierungen raus/rein und so. Geht aber nicht. Weil ich mich dafür entschieden habe.

Ist gut, zu spüren, wie sehr die Bildbearbeitung Teil meines Fotografierens geworden ist. Manchmal merkt man’s halt erst, wenn es einem fehlt.


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Tag 3

Heute beginne ich n der Wohnung ein paar Aufnahmen zu machen. Das LCD interessiert mich mittlerweile nicht mehr wirklich, vielleicht habe ich mich aber auch einfach dran gewöhnt. Dann gehe ich mit Enna spazieren. „Tata“, wie wir immer sagen. Die Kamera geht natürlich mit.

Enna schläft nach 20 Minuten ein und ich kann am Wegrand hier und da interessante Motive einfangen. Unterwegs wird mir erneut klar, warum ich dieses Experiment mache: Ich möchte die vielen Möglichkeiten, die mir die Technik bietet neu schätzen & einsetzen lernen.

Die EOS 5D Mk2 und meine Objektive sind zwar super, aber ich will nicht in eine diese scheiss Gleichgültigkeit verfallen, die ich von mir selbst so gut kenne.

Durch dieses „Korsett“ möchte ich mich freiwillig in meinen Freiheiten reduzieren, um mich auf wesentliches zu Konztrieren, zu spüren, was mir fehlt und dann neu Dankbar zu sein. Dankbarkeit ist eine Quelle der Inspiration, das weiss ich. Da will ich wieder hin.


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Morgen geht es weiter mit Tag 4-7.

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