low key, dunkel,
18. Februar 2010 Lesezeit: ~5 Minuten

Low-Key fotografieren

Eine spannende Technik, Fotos mit Stimmung zu erstellen ist die Low Key Fotografie. Wird diese bewusst eingesetzt, kann sie unser Repertoire an Gestaltungsmöglichkeiten erweitern und uns den Blick für besondere Momente eröffnen.

Was ist eine Low-Key Aufnahme?

Low-Key Aufnahmen haben – je nach Foto –  viele schwarze oder dunkle Bildanteile. Das fotografierte Objekt wird häufig von einer Lichtquelle gestreift und Konturen besonders hervorgehoben. Somit entsteht manchmal eine düstere (traurige, gedämpfte) Stimmung, die das Gegenteil der fröhlich positiven Wirkung von High Key Aufnahmen ist.

Um die Wirkung zu intensivieren, werden Low-Keys bevorzugt in Schwarzweiss erstellt. Je nach Situation kann die Farbversion ebenfalls eine eindrückliche Variante sein – und es obliegt dem Fotografen (also uns), das zu entscheiden.

Low Key Fotografie

In welchen Bereichen ist die Low-Key Fotografie geeignet?

Prinzipiell gibt es für die Anwendung von Low-Keys keinerlei Regeln. Dennoch finden wir diese Technik häufig in der Aktfotografie, um körperlichen Formen Kontur zu verleihen. Auch Stillleben, Einzelportraits und Landschaftsaufnahmen (eher selten) profitieren von den Stimmungen, die man mit Low-Keys erreichen kann. Wenn wir genauer hinschauen, finden wir Low-Keys auch im Fotojournalismus und in traditionellen Filmen.

Low Key Fotografie

Manchmal entstehen Low-Key Aufnahmen aus dem Zufall heraus, wenn der Fotograf aus Versehen ein Foto unterbelichtet und beispielsweise eine Person in einem günstigen Licht dafür steht. Andererseits sind Low-Key Fotos nicht immer die optimalste Lösung, sondern müssen jeweils zur vorgefundenen Situation passen.

Weil ich selbst in den vergangen Jahren hin und wieder mit Low-Key gearbeitet habe, möchte ich ein paar Anregungen dazugeben, wie solch ein Foto gelingen kann. Wie schon angesprochen sind aber auch diese Tipps an die jeweilige Situation anzupassen und keine Garantie für ein gutes Foto.

Tipps zum Erstellen von Low Keys

Dunkler Hintergrund

Weil schwarze oder dunkelgraue Bildanteile den Betrachter nicht ablenken, macht es Sinn, das Objekt (oder die Person) vor einem dunklen Hintergrund zu fotografieren. Das kann ein schwarzes Stück Stoff sein, aber manchmal bieten sich auch alltägliche Situationen, die einen solchen Kontrast begünstigen. Doch der Hintergrund muss nicht zwingend schwarz sein – es ist lediglich von Vorteil.

Eine Lichtquelle

Viele herkömmliche Low Key Aufnahmen wurden mit einer einzigen Lichtquelle gemacht (auch das sollte als Hinweis und nicht als Regel verstanden werden). Normales Tageslicht oder der Einsatz eines meist entfesselten Blitzes sind meiner Meinung nach eine gute Lösungen, denn so bleibt genügend Platz für breite Schatten. Oder – wie in diesem Beispiel – leuchtet ein Teil des Bildes selbst, hier mein Macbook.

Low Key Fotografie

Belichtung

Wenn wir mit Belichtungsautomatiken arbeiten und die Kamera am dunklen Teil des Bildes misst, wird das Foto evtl. gar kein Low-Key werden, sondern für unsere Zwecke viel zu hell ausfallen. Es bietet sich an, entweder den Messpunkt auf (beispielsweise das Gesicht) zu setzen und ggf. ein bis zwei Blendenstufen unterzubelichten, um keine wichtigen Details zu verlieren.

Alternativ dazu können wir uns auch mit einer vollmanuellen Belichtung langsam an das gewünschte Ergebnis herantasten. Fotografieren im RAW-Modus erweist sich auch hier als klarer Vorteil, da wir dann im Raw-Editor feine Anpassungen auch im Nachhinein vollziehen können.

Schwarzweiss oder Farbe

Häufig kann die Wirkung eines Low-Keys durch eine Schwarzweiss-Konvertierung verstärkt werden – und wie oben schon angesprochen hat auch die Farbversion ihren Reiz. Hier bietet sich an, in Lightroom (oder Gimp, usw.) auch mit der Sättigung zu spielen und diese ggf. etwas abzusetzen oder mit einer Teiltonung zu ergänzen.

Weitere Bearbeitungstipps

Low Key FotografieDie dunklen Partien des Bildes können selektiv im Bearbeitungsprogramm noch dunkler gemacht werden, um die Stimmung zu verstärken. Mittels Gradationskurve können wir auch durch anheben der Lichter und hellen Töne Details im Hauptobjekt herausarbeiten und ggf. verstärken.

Beides kann auch über ein einfaches Dogde&Burn in Lightroom (Korrekturpinsel), Photoshop oder anderen Bildbearbeitsungsprogrammen erreicht werden.

Hilfreiche Links

# Die Lowkey-Gruppe auf Flickr
# Der Wikipedia Artikel zum Thema
# Andreas Bitesnich’s Portraits
# Don McCullin’s Fotoreportagen

Abschließende Worte

Low Key ist eine Technik, die mir quasi am Herzen liegt, was wohl damit zu tun hat, dass sie eher die melancholische und authentische Seite des Lebens betont. Im Gegensatz zu den fröhlichen High-Key Aufnahmen (die wir evtl. auch mal behandeln können) gefällt mir die Tiefe und das Geheimnisvolle in diesen Fotos.

Ich hoffe, Euch mit dieser Einführung in die Low-Key Fotografie etwas angeregt zu haben, es auch mal zu testen und bin nun gespannt auf Eure Reaktionen.

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