kwerfeldein
12. Februar 2010 Lesezeit: ~3 Minuten

Fotografie-Porn

Liebe Leute, ich möchte mal wieder etwas einstreuen, was ich an manchen Stellen sicher schon angedeutet habe. Es ist nichts großartig-neues, kann aber in der Praxis einen enormen Unterschied machen.

Foto-Theorie wird tendenziell überbewertet.

Natürlich nicht immer, natürlich nicht bei jedem. Aber:

Manchmal habe ich den Eindruck, dass wir in etwas verfallen, was unter „Getting-Things-Done“-Denkern auch als Productivity Porn bekannt ist. Oliver Gassner hat das in einem Blogpost mal schön ausgeführt:

„Man glaubt, bevor man nicht das perfekte Notizbuch, das perfekte Onlinetool oder die perfekte Büroeinrichtung zu haben, könne man ja nicht gut loslegen.“

In Fotografen-Sprache umgewandelt könnte das so klingen:

„Man glaubt, bevor man nicht die richtige Kamera, das perfekte Objektiv und die besten 10 Tipps zur XY-Fotografie gelesen hat, könne man ja nicht gut loslegen. Man meint, bevor man nicht mindestens 10 Bücher durchgearbeitet und 30 Blogposts über die Basics gelesen hat, würde das mit dem Fotografieren nicht funktionieren.“

Eine spannende Frage zu dem Thema ist sicher: Wie viele Stunden verbringn ich in Büchern, Blogartikeln, Foren im Vergleich zu den Stunden hinter der Kamera?

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Also bei mir klingelts da gewaltig.

Ich mag es nicht, wenn Fotografie-Blogger oder Buchautoren ihre Leser mit sportlichen Parolen anpfeifen wie „Geht raus! Fotografiert was! Tu dies, tu das!“ Es wirkt, als ob der ganze Online-Wissens-Kram obsolet erklärt wird und klingt meist arrogant und militärisch. Das ist mir zu Schwarz-Weiss, zu Pro-Kontra und zu pauschal sowieso.

Denn Bücher, DVDs und FotografieCommunities sind super. Wir lernen von anderen, streichen wichtige Tipps in Büchern an, tauschen uns mit Leuten aus und hinterfragen uns gegenseitig. Mittels spannender Tutorials lernen wir Photoshop, Lightroom und andere Tools kennen und das inspiriert uns.

Doch ab und zu macht es vielleicht Sinn, uns zu fragen, ob das Verhältnis von „Information aufnehmen“ zu „Information anwenden“ stimmig ist.

Ich bin mir da manchmal nicht so sicher. Auch bei mir selbst nicht.

{Achtung überspitzte Formulierungen folgen}

Denn im schlimmsten Fall wissen wir alles und können nichts. Wenn wir zu Superhirnies werden, die jeden fotografischen Zusammenhang aufsagen und 1000000 Tricks&Tipps zur XYfotografie im Schlaf runterbeten können, aber eigentlich keine Ahnung haben, wenn wir mal ein Foto machen sollen.

Übel ist es dann, wenn wir uns mit jemand anderem darüber totdiskutieren, ob jetzt Blende 8 statt 10 mit 3,9 mm längerer Brennweite oder 1/100 kürzere Belichtungszeit bei halber ISO kompositorisch-technisch-anschaulich das bessere Ergebnis gebracht hätte.

Und dabei im Glücksfall einmal im Jahr, also ab und zu vor die Haustür treten um das auch nur annähernd zu erproben, was wir da wissen. Spätestens dann sind wir im Fotografie-Porn gelandet. Womit auch dieses Wort mal aus der Taufe gehoben wäre ;)

{überspitzte Formulierungen Ende}

Der Ernstfall der Fotografie ist die Praxis.

Und ich bin der erste, der sich all diesen Fragen aussetzen möchte & muss. Wer mag, kann ja mitmachen ;)

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62 Kommentare

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Netiquette: Bleib freundlich, konstruktiv und beim Thema des Artikels. Mehr dazu.

  1. Recht hast Du. Ich ertappe mich auch immer wieder, wie ich mich mit der Theorie befasse – und dazu gehört eigentlich auch das Lesen Deines Blogs – streng genommen ;-)

    Ich bin halt ein „Ausrüster“: teure, umfassende Technik anschaffen und dann sich damit vertraut machen und DANN loslegen.

  2. Sehr schön formuliert, worüber ich mir des Öfteren Gedanken mache. Ein bekannter von mir kritisiert Fotos auch immer nach dem „Blende-8-statt-10-Prinzip“. Wenn wir beide mit der Cam am selben Ort sind, muss ich auch immer feststellen, dass ich eher der Knipser und er eher der Denker ist (was nicht heißen soll, dass ich dabei nicht nachdenke).
    Fakt ist allerdings: wer mehr raus geht, hat mehr Möglichkeiten ein gutes Foto zu schießen. Und wenn ich ehrlich bin: viele meiner Fotos, die mir selber gefallen, sind eben nicht die, wo ich die Perfekte Belichtungszeit oder Blende habe, sondern die, bei denen ich mir Gedanken über die Bildkomposition gemacht habe oder auch einfach mal aus der Hüfte abgedrückt habe.

  3. Hallo Martin,

    ist jetzt natürlich irgendwie nichts Neues, du hast das Thema ja schon des Öfteren in vergangenen Artikeln angeschnitten…
    Trotzdem toller Post und man kann eigentlich nicht oft genug daran erinnert werden, dass die Praxis nicht vernachlässigt werden darf (vor allem bei Leuten, die NICHT jeden Tag beruflich mit der Fotografie zu tun haben) =)

    Lg, Tristan

  4. Schöner Artikel.

    ich glaube, das es häufig in den Wintermonaten so ist, dass man lieber in der warmen Bude sitzt und kwerfeldein ließt;-) als das man sich draußen den A**** abfriert.
    Im Sommer kann ich Stundenlang draußen fotografieren. Aber im Winter bleibe ich dann auch öfters zuhause.

    Lg.Arne

  5. Schon beim lesen der ersten Zeilen fühlte auch ich mich ein wenig ertappt.
    Wenn ich mal genau überlege, liegt bei mir das Verhältnis Information:Anwendung deutlich auf der Informationen sammeln Seite.
    Von daher Danke für den Tip und auch den Link auf den GTD Porn Artikel, ich sollte da mal was ändern :-)

  6. Fotografieren ist ja nicht unbedingt auf drinnen oder draußen beschränkt. Man kann auch bei schlechtem Wetter drinnen gute Bilder machen. Das ist sogar sehr spannend mal etwas Neues auszuprobieren und dabei vielleicht einen neue Neigung zu erkennen.

  7. ich stimme dir vollkommen zu, möchte nur ne kleinigkeit anmerken. man sollte nicht die zeit, die man mit der theorie verbringt, mit der zeit, die man hinter der kamera verbringt vergleichen. denn selbst wenn man nur ein dickes buch durchliest, braucht man dafür solange wie wenn ich 5 mal fotografieren gehe. grob geschätzt. bei mir ist das jedenfalls so. und deswegen verbringe ich auch mehr zeit mit der theorie als in der praxis, trotzdem mach ich praktisch mehr als theoretisch. also vom gehalt her, nicht vom zeitaufwand. hoffe das war verständlich.

    zum abschluss noch ein kleiner tippfehler: „Wie viele Stunden verbringen ich in Büchern“

  8. Hoi,

    Ich bin leider auch eher der Theoretiker. Aber das läuft bei mir in Lernzyklen ab: Einiges lesen -> ausprobieren und nicht ganz zufrieden sein -> nochmal nachlesen -> nochmal probieren -> great!…
    …und dann zum nächsten Thema.

    Mir gefältt Dein Satz: „Der Ernstfall der Fotografie ist die Praxis.“ Denn theroetisch beherrschen heißt nicht verinnerlicht haben und intuitiv anwenden können. Und genau darauf kommts an wenn ich 3 Sekunden ein saugeiles Motiv vor der Linse habe.

    Gruß Martin

  9. Wunderbar, herrliche Ausführung. Ja, das ist wohl was dran. Bei mir ist das Verhältnis aktuell bei 100% / 0%, bedingt durch mein fehlendes Notebook und den Hausbau. Jetzt mal eine kleine Floskel: Ich werde auf jeden Fall in 3-4 Wochen wieder stärker fotografieren ;-)
    Aber ich habe ja auch Lust auf meine Fotoprojekte. Das wird schon gut werden.
    Ansonsten: Wann machen wir ein Fotografie-Porn Rock n‘ Roll What’s up Meeting?

  10. Kann Dir voll und ganz zustimmen. Ich selber habe sogut wie noch kein Fotobuch gelesen, ich lese auch sonst wenig Tutorials etc. Mein Fotowissen habe ich mir selber gelernt und auch nur das was ich wirklich brauche. Ich dikutiere oft mit Arbeitskollegen und Freunden über die Fotografie. Wenn ich dann Bilder von mir zeige kommt oft die Bemerkung mit was für einen Objektiv ich es fotografiert habe oder ob nicht die Blende von X besser gewesen wäre weil man es in der Regel so macht. Doch ich entscheide vor Ort wie ich meine Kamera einstelle. Je nachdem wie meine Stimmung gerade ist… So werden die Bilder auch mal verschieden und spiegeln genau meine Stimmung wieder. Immer nach festen Werten fotografieren finde ich dann doch schon sehr langweilig.

    Viele Freunde sagen mir immer was sie so alles über die Fotografie wissen, behaupten aber das sie kaum zum fotografieren kommen. Vielleicht wollen sie einfach alles wissen um mitreden zu können wenn sie schon kaum Bilder vorzeigen können. :)

  11. Klar befasse ich mich mit Technik, klar lese ich dies und das, oder schaue mir Videos an zum Thema Fotografie.
    Aber bessere Bilder mache ich deshalb nicht.

    Dies erreiche ich nur mit Praxis, … viel Praxis, … ja eine gewisse Besessenheit.
    Ich glaube, so komme ich dann zu dem von mir gewünschten Bildern.

    Eine gute Freundin von mir ist eine recht gefragte People-Fotografin mit über 20 Jahren Berufserfahrung. Sie hatte zu ihren Studienzeiten fast jede Nacht ein Shooting mit allen möglichen Menschen gemacht. Welche sie zum Teil auf der Straße oder der Uni angesprochen hat. Meist nie unter 200 Bildern pro Shooting. Dazu kamen dann die endlosen Stunden in der Dunkelkammer.
    Wenn sie heute Bilder von Menschen macht, redet sie ersteinmal mit dem Menschen. Sie erfasst ihn mit seiner ganzen Art. Das Bild hat sie meist im Kopf und sie beendet das Shooting niemals bevor sie nicht dieses Bild umgesetzt hat. In ihren Bildern sieht man nicht das bloße Abbild des Menschen, man erkennt seine Seele.
    Fragt man besagte Fotografin über irgendwelche technische Dinge, passt sie recht schnell. Sie sagt dann meisten von Technik habe ich keine Ahnung ich kann nur Fotografieren.

  12. Hi, ich finde beides hat durchaus seine Berechtigung.

    Es kommt immer ein wenig auf den Menschen an. Ich mag es nicht so gerne lange in einem Sachbuch zu lesen. Ich nehme mir da gerne ein Kapitel und versuche das auszuprobieren, was beschrieben wurde (oder eben einen Blog-Artikel, wenns kein Buch ist). Ich kenne aber andere, für die es sehr wichtig ist zu planen und vorher alles mögliche Wissen angelesen zu haben. Die machen dann vielleicht weniger Bilder, haben dafür aber meist weniger Ausschuss.

    Ich hatte letztens eine Diskussion, ob man die ganze Theorie überhaupt braucht. Und ich finde schon. Denn nur wenn man die Regeln kennt, kann man sie auch mutwillig bzw. zielgerichtet brechen. Ob man die Theorie durch langes studieren der Bücher lernt oder über learning by doing, ist dann eben eine Typfrage.

    Gruß, Paul

  13. Wie wahr. Aber ich ertappe mich auch immer dabei. Ich lese und lese und lese, schau mir Fotos an, hol mir Inspiration, anstatt dass ich mir auch einfach mal die Kamera schnappe und aufs Geradewohl loslege.
    Aber wie gesagt: Manchmal ist es auch einfach inspirierend und macht Lust auf mehr.

    Dennoch: Ich denke immer wieder: Mädel, nimm die Kamera in die Hand und los geht’s.

    off-topic: Hast du mir ein paar Tipps, wo man in Karlsruhe gut fotografieren kann? Nette Ecken für Street. Ich kenn mich hier irgendwie nicht wirklich aus und wäre froh, mir gibt mal jemand einen Anstoß.

  14. ja ich kenne das, vor allem bei schlechterem wetter sitzt man ja doch mehr vor fotos als sie zu machen. ich finde das aber auch nur bedingt schlimm! solange man nie vergisst sich an die angelesenen oder angeschauten sachen zu erinnern, so lange bringt es einen auch vorran.
    ich denke jeder muss seinen weg finden und ich persönlich stehe total auf technik und kompositions theorie, lese dem entsprechend auch viel, und versuche es dann beim shoot auch umzu setzen.
    recht hast du aber jeder sollte seinen eigenen weg finden.

  15. Interessant ist auch, dass man zwar mit der Zeit viel Wissen aneignet und dies versucht anzuwenden, jedoch manchmal so ein Schnappschuss aus der Hüfte zum Beispiel oftmals ein super Bild im Vergleich zu 100% durchgestylten. Dies ist natürlich zum Glück nicht die Regel aber manchmal bringt mich dies auch zum grübeln ;-)

  16. Was ich mich umgekehrt frage: warum schreiben so viele denn in Blogs (und in den Kommentaren) über theoretisches, zeigen aber so selten (eigene) Fotos? Woran liegt das? Kein Interesse? Angst vor Kritik?
    Ich verfolge eine gute Zahl Blogs, die es genau umgekehrt machen. Sie zeigen ihre Arbeiten, schreiben dazu vielleicht etwas über die Situation, die Person oder die Natur, die sie fotorgafiert haben, usw. Aber ihnen würde es wahrscheinlich nie in den Sinn kommen, EXIF Daten hinzuschreiben. Und das ergibt für mich sehr viel Sinn. Ich habe jedenfalls noch nicht mitbekommen, das jemand aufgrund der eingesetzten Brennweite und Verschlusszeit eine Ausstellung bekommen hat :)

    Worauf ich hinaus will: es zählt am Ende nur das Ergebnis, selten der technische Weg, aber davon erzählen uns die wenigsten Blogs, oder?

    Und deshalb finde ich den Satz Der Ernstfall der Fotografie ist die Praxis ein wenig gewagt. Was doch zählt ist ausschließlich die Praxis in der Ergebnisse entstehen. Zur Praxis zählt für mich übrigens sowohl die Vorbereitung (das was im Hirn passiert), die Umsetzung (das Fotografieren) und die Nachbearbeitung.

  17. Da stellt sich mir doch die Frage, wie haben es die Fotografen damals gemacht. Mit „damals“ meine ich die Zeit als das Kommunikationszeitalter via Internet noch nicht am Vormarsch war. Keine Blogs oder Foren. Naja vielleicht gabs da einige Bücher, ok.
    Die Leute gingen noch in Galerien oder Ausstellungen.
    Heute geht man auf Flickr oder sieht ein Bild auf irgendeiner Website und denkt sich: „Hey das muss ich auch gleich ausprobieren“.
    Das soll jetzt natürlich nichts schlechtes sein, auch ich mache das. Aber manchmal kommt es mir schon so vor als leide die Kreativität darunter, sich selbst nichts mehr neues auszudenken sondern nur zu kopieren.

    Was das GTD Syndrom angeht, das kenne ich auch von einigen Kollegen. „Erst Fotografiere ich Landschaften und erst dann fange ich mal mit Makro an, danach…“

    Ich finde jeder sollte das machen was ihm gefällt. Ich schließe mich auch dir an was das Verhältnis von „Information aufnehmen“ und „Information anwenden“ angeht, da gibt es einige Themen bei welchen die Umsetzung der Informationsaufnahme hinterherhinkt. Aber so ist das nun mal.

  18. Gibt genug Fälle denen das ähnlich geht. Ich mag es auch eher mich mit genügend Informationen zu versorgen. Beim Thema Fotografie, allerdings nicht. Bin eher der Typ der einfach mal knipst. Da kommt oft Schrott raus und ich bin gefrustet, aber suche dann nach Lösungen. Oder lese oft im Nachhinein zu speziellen Fehlern etwas nach. Allgemein kann ich nur dazu raten learning by doing. Denn jede Sekunde in Theorie ist verlorene in der Praxis. Meine Meinung!

  19. Ach komm Martin, jedem das seine. Mit solchen Artikeln wird die Kluft zwischen den Bild-Orientierten und den Technik-Orientierten Fotografen doch immer größer!

    @Kai(25) Erstmal wirfst du € 5.- in das Phrasenschwein. Für deinen Satz: „es zählt am Ende nur das Ergebnis“ über denn haben wir schon vor 15 Jahren im Fotoclub geschmunzelt. Man muss sich halt auch bewusst machen das es Fotografen gibt, die auch Fotografieren der Tätigkeit wegen, dem Fotografieren selbst.
    Denn auch wenn man mal mit keinem guten Bild Nach Hause kommt, so war das Fotografieren selbst doch ein geniales Erlebnis. Kommt ein tolles Bild dabei raus, Großartig, wenn nicht auch Ok. Ich zb. versuche diesen Moment immer weiter zu dehnen, so ein bisschen nach dem Motto: Der Weg ist das Ziel.
    Und jetzt schmeiße ich einen 5er in das Phrasenschwein.

    • @Zoomyboy: Interessant, dass das auf Dich so wirkt. Worauf basiert Deine Annahme, dass dadurch die Kluft größer wird?

      @Kai: Guter Kommentar, regt zum Nachdenken an. Ob es bei der Fotografie ausschließlich um das Ergebnis geht, da bin ich mir nicht so sicher. Zum Thema Exifs: Ich denke, dass EXIFs ihr Berechtigung haben, so lange Fotos nicht alleine dadurch gewertet und darauf reduziert werden. Sie sind nur ein Teil der Geschichte, aber können ergänzend sicher interessante Informationen bringen. Übrigens, das Thema Praxis sehe ich ziemlich genauso wie Du – ergänzend vielleicht dazu: Praxis bedeutet für mich die Arbeit (und das kann auch denkend passieren) am konkreten Bild. Das schließt Bildidee, Umsetzung, Nachbearbeitung und auch die Kritik/Beurteilung im Nachhinein mit ein.

  20. flickr, foren, communities… das sind alles solche Zeitfresser. Mit denen habe ich mich noch nie anfreunden können. Ich betreibe meinen Blog und noch einen Photoblog, das war es aber auch schon. In großer Regelmässigkeit quillt mein RSS-Feed-Reader über und ich verpasse mit Sicherheit viele interessante Artikel anderer Blogger. Auch habe ich bisher noch kein einziges Buch über die Fotografie gelesen.. hin und wieder gucke ich lediglich den einen oder anderen kurzen Podcast zum Frühstück.

    Was ich sagen will.. ich verbringe meine viel zu knappe Zeit am liebsten damit, um mein Hobby auszuleben – ich ziehe los und fotografiere. Wichtig dabei ist mir nur, dass mir die Fotos selbst gefallen, die dabei entstehen.

    Was ich empfehlen kann, ist, sich mit Gleichgesinnte zu treffen, sich gemütlich bei einem Bierchen auszutauschen oder auch mal in einer kleinen Gruppe um die Häuser zu ziehen und beobachten, wie jemand anderes die Sache angeht. Die Technik ist dazu nur ein mittel zum Zweck und interessiert mich ehr weniger…

  21. Stimmt auffallend.

    Ich bin mittlerweile soweit, dass ich ohne mein in den nächsten Tagen ankommendes Sigma 28/1,8 wahrscheinlich nicht mehr fotografieren werde.

    Dabei habe ich kürzlich noch ein 85er gekauft.

    Mit Software und Tools sieht es genauso aus.

    Viel wichtiger als die Erkenntnis der Existenz von Fotografie-Porn ist die Frage: Was kann ich dagegen machen?

    Erster Ansatz für mich ist es, ab sofort das DSLR-Forum zu meiden. Da laufen genügend solcher Leute herum.

    traurig aber wahr

  22. Nicht ganz. Im Grunde geht man ja als Fotografie-Porno-Abhängiger nicht einfach so vor die Tür zum Fotografieren. Sondern man geht gepflegt in einen Workshop! Da kann man dann zumindest auch alles mal ausprobieren, wirklich machen, perfekte Bedingungen! nicht so Ringelpietz-mit-Anfassen, sondern ohne Hemmungen. Und das mit echten Professionellen, die wissen wie das geht!

  23. Ich denke, dass man zwei Dinge getrennt betrachten muss:
    Die Kenntnisse der photografischen Zusammenhänge sind wichtig. Sein Werkzeug zu kennen ebenfalls.
    Die Länge des Schwanzes (um bei der großartigen Metapher zu bleiben) spielt allerdings kaum eine Rolle. Zu wissen wer alles noch längere hat ist sogar eher Kontraproduktiv.
    Was mir noch einfällt: „Er ist ein Foto-Eunuche.“
    -> Er _weiß_ wie es geht. (Mehr aber nicht.)

  24. Jetzt mal ganz entspannt, es ist Winter, draussen ist saukalt, nach der Arbeit dunkel.
    Kann man die Zeit auch danz locker mit dem lesen und schreiben von Blogs verdaddeln…
    Wann wirds mal wieder richtig Sommer? Frühling würde schon reichen…

  25. Wenn ich das so lese werde ich das Gefühl nicht los dass ich nicht fotografieren kann.

    Weil ich keine 10 Bücher oder mindestens ebensoviele Webbeiträge gelesen habe, ergo will ich nix dazu lernen.
    Und wer auf gute Linsen setzt (z.b. ich) will angeben und blenden. Wer mit Offenblende fotografiert (finde ich super) will die schlechte Bildkomposition retten. Fakt ist was raus kommt ist wichtig und das ist auch noch Geschmacksache!
    Exifs sind eine feine Sache, wer analog angefangen hat kann nachvollziehen wie schwierig es war einen Bezug zu Blende, „verwacklungsfreie“ Belichtungszeit her zu stellen. Bei Nachtaufnahmen die Ungewissheit ob man die richtige Belichtung gewählt hat, die gewollte Bewegungsunschärfe richtig darstellt, wurde erst nach der Entwickung etwl. nach Wochen klar. Ich wußte dann oft nicht mehr welcher Blende und welche Zeit eingestellt war. Dafür M.E. sind die Exifs da, nur dafür!

    Da hat sich einiges angestaut was mal raus mußte
    Alle Leser haben eines gemeinsam, sie fotografieren gerne.

  26. Ich arbeite im technischen Support in nem Call Center. Kann da jeden Tag stundenlang auf den zentralen Platz in unserer schönen Altstadt gucken.. Da kommt die Straßenbahn vorbei. Da haben wir unserer Gericht, die Post, Lokale. Ständig wechselndes Licht (Bin ja auch mal nachts arbeiten) Daher habe ich oft, einfach so weils Spaß macht, meine einigermaßen neue Kamera mit dabei. Keine DSLR, sondern „nur“ eine Fuji FinePix S 200 EXR. Meine erste große..

    „Ist das eine Spiegelreflex?“ ..
    „Nö, nur ne etwas größere ’normale‘..
    „Warum haste denn keine Spiegelreflex gekauft? Ist doch viel besser?? Keine Kohle wa?“
    „Nö, war auch ca. 500€… “
    „Echt??“
    „Ja, und guck mal wie cool das aussieht, wenn ich die Straßenbahn hier mit Belichtung 30″ durchs Bild fahren lasse…“
    ……

    „Na eben, kommt gut.. “

    Ich erhebe da keinen Anspruch auf Perfektionismus.. Aber.. Mir gefällts! :-) einfach so..

  27. Ich halte nicht soviel von „einfach rausrennen und loslegen“ – das klappt vielleicht bei Streetfotografie oder einfach nur „Schnappschüsse“. Fakt ist doch aber, dass wenn ich ein Spezialgebiet der Fotografie beschreiten möchte, ich Hintergrundwissen und vorallem auch Basics benötige, oder etwa nicht? Wenn ich mich für Makrofotografie entscheide, dann informiere ich mich darüber, genauso bei Panorama, Landschaft, Architektur usw… alles Fachgebiete wo – wenn ordentliche Ergebnisse bei rauskommen sollen – Arbeit hineingesteckt werden muss.

    Was mir persönlich auch etwas gegen den Strich geht sind Foren, ich bin in einigen sehr gern unterwegs, kenne ein paar Nutzer privat, und wir waren auch schon auf Fototour. Beim stupiden Lesen, und wo sich einige Leute immerwieder an technischem Schnickschnack „aufgeilen“, bin ich nicht interessiert. Ich persönlich bin im Internet auf eine Veröffentlichung erpicht, nutze flickr, habe einen kleinen Blog auf welchem ich auf einige meine Bilder, aus meiner Galeriehomepage, eingehe, und darüber etwas schreibe. Das ist meine kleine Welt.

    Zusätzlich lese/kaufe ich zu interessanten Fachgebieten auch die jeweiligen Bücher und vertiefe mein Wissen. Soll dies schlecht sein? Bin ich dadurch ein schlechter Fotograf? Ich denke nicht…. es gehört einfach dazu.

  28. Ohne Praxis geht nichts. Das ist nunmal so.
    Aber Bücher, Blogs, DVDs sind eine verdammt gute Ergänzung dazu.

    Ich habe einfach angefangen. Kamera in die Hand genommen und viel ausprobiert. Man lernt eigene Fähigkeiten, Vorlieben und nicht zuletzt auch Kamera und Objektiv kennen. Bei speziellen Dingen habe ich mir aber auch einfach alles angelesen, bevor ich in die Welt hinaus marschierte, Tiltshift beispielsweise.

    Es kommt aber auch auf das persönliche Lernverhalten an. Im Grunde finde ich, dass jeder selbst entscheiden muss wie er am besten lernt. Und wenn man so ein Hardwarehecht ist: Ja mein Gott, dann fängt man eben mit der 5D Mk II und nem L-Objektiv an. Die Industrie freut es und der Fotograf wird auch seinen Spaß haben.
    Wie schon der alte Fritz sagte: „Möge jeder nach seiner Fasson glücklich sein.“

  29. genau DAS ist auch meine meinung. ich denke, dieses ganze equipment- und wissensgelaber kann man sich auch gut sparen (zumindest in hochdosierter form. drüber reden mag und soll jeder mal).
    ich bin auch eher der praktiker. habe sehr, sehr oft meine cam einfach dabei und shoote, sichte, sortiere aus…
    genau so viel zeit verbringe ich mit der bearbeitung. auch so ein thema. im moment neige ich dazu, mich zu fragen, ob ich das überhaupt will.
    manchmal ist es vielleicht auch anzustreben, out of cam zu arbeiten… egal mit welcher hardware.
    deshalb steh ich zB. sehr auf den charme der lomography oder diesem holga dingens. DA seh ich sehr oft die eigentlichen perlen.
    naja, ich schweife ab… ich kann deine aussage nur unterschreiben. danke, dass du das mal erwähnt hast.

    btw. seite, auf denen die fotografen ihr equipment „vor sich her tragen“ und jedem um die ohren hauen, verlasse ich erstaunlicherweise sehr schnell wieder. egal, welche eyecandys ich dort finde.
    da steh ich mehr auf das „unfertige“, das rohe… und ich kenne auch meine eigenen grenzen recht gut. :)

  30. @Martin (39): Das war keine direkte Frage, eher rhetorisch. :-) Deinen Artikel habe ich so interpretiert, dass wenn man sich zu sehr auf die „theoretischen“ Werte beschränkt, die „praktische“ Erfahrung auf der Strecke bleibt, und das man auch ohne Vorwissen loslegen kann/soll.

    Nur was machen die Fotografen, welche sich intensiv mit der Materie theoretisch beschäftigen, und dies dann anwenden? Fallen die dann durchs Raster oder werden sie als Theoretiker abgestempelt? ;)

  31. Hihi… DSLR-Forum… Kommt mir seeehr bekannt vor :-D
    Learning-by-doing heißt meine Devise. An einem Abend ca. 400-1000 Fotos machen, davon 150-300 veröffentlichen. Das ist das, was ich an meiner digitalen Kamera liebe. Ich kann übenübenüben, ohne viel Kohle auszugeben.
    Man trifft bei Shootings immer Kollegen, mit denen man sich locker austauscht, Tipps und Tricks weitergibt und fachsimpelt, wo Nicht-Fotofreaks längst das Weite suchen. Dann ein paar gute Bücher wälzen, n bischen googeln, die Zeitschrift „Foto-Video Digital“ find ich auch ganz prima und manchmal hilft auch der Zufall „WOW das kommt ja geil, wenn man die ISO raufjagt!!“
    Auf das „Das-muß-man-so“ und „Das-muß-weg“ und Dergleichen-Gesülze geb ich schon lange nix mehr.

    Das ist auch der Grund, warum ich mich hier so gern aufhalte und das oben genannte Forum nur sporadisch nen Besuch abstatte…

  32. Blogartikel dazu: Ein altes Foto ausgegraben | MonoStep

  33. Was Du meinst, ist Foto-Technik und Foto-Wissen, aber nicht Foto-Theorie. Sauber bleiben mit den Begriffen. Ansonsten: alter Hut!

    Wissen und Können sind zwei unterschiedliche Sachen. Mit ersterem kann ich klasse über Bilder reden, mit dem zweiten kann ich klasse Bilder machen. Jeder das, was er will – ich will beides… ;)

  34. Also ich war noch nie der probieren geht über studieren Typ. Ich brauch immer Bücher, Magazine, Videos und Foren. Macht mir einfach Spass über mein Hobbi zu lesen und neues zu lernen. Mir hilft das für die Praxis sehr viel. Habe auf der Arbeit auch immer was mit und lese dann zwischendurch wenn Zeit ist darin. Jetzt ist gerade null los und ich bin mim iPhone hier im Blog….und aufm Klo vergeht die Zeit auch schneller wenn man was zum lesen dabei hat ;-) .
    In der Praxis wird das gelesene dann probiert und auch experimentiert.

  35. Blogartikel dazu: Kulturbolschewismus.de » Blog Archive » Hardware-Pornographie

  36. Übrigens fällt mir zu dem Thema auf: bei den Kommentaren zu den persönlichen Foto-Geschichten (vorletzter Beitrag) kreisen die meisten Beiträge um die Histrie der diversen Kameras. Also auch da: die Definition der eigenen Fotografie erfolgt über die Technik…
    ;)

  37. Wissen wird tendenziell überbewertet, denn man braucht wie ich zu sagen pflege kein Physik und Optik Studium um gut zu fotografieren. Die Grundlagen sind wichtig, Tipps sind gut, aber Fehler machen ein Kunstwerk erst organisch. Ausserdem kann man nur durch Praxis einen eigenen Stil entwickeln, der außerhalb von Lehrbüchern liegt.

  38. Kann Martin hier nur zustimmen. Bei manch einem Thema fühlt man sich mit viel theoretischem Background wie der Könner, aber in der Praxis ist das Wissen dann nicht zur Hand.

    Ist wie bei einem Eunuchen – der weiss auch, wie es es geht ;)

    VG Thomas

  39. Das stimmt. Ich habe mittlerweile ja auch den starken Wunsch entwickelt mir eine Spiegelreflex zu kaufen/schenken zu lassen/teils-teils. Und neige als absoluter Anfänger in allem schon dazu nur das Beste zu wollen. Und habe völlig unrealistische, utopische und hochgegriffene Vorstellungen.

    „Aber so ein Body…wenn ich jetzt noch hundert Euro mehr…so als Investition, wenn ich später mal…“ und „vielleicht zwei Objektive? Eine Festbrennweite und eine mit Zoom…weil ich Zoom doch so mag aber Festbrennweite so gut sein soll und ich mir das so cool vorstelle richtig aktiv zu sein…“ und „ein Stativ brauch ich auch noch…und eine Druckluftdose… einen Blitzer…dann werden meine Fotos sicher richtig toll“

    Auf der anderen Seite hätte ich aber Angst, wenn ich all das habe, nicht die Zeit zu finden (oder auch die Motivation) mich richtig reinzuhängen. So langfristig gesehen.

    Mhmh…da werden noch viele Stunden nachdenken und nachlesen reinfließen glaube ich. ^^ Ich möchte so gerne schicke Fotos machen <3

    Der Point.

  40. Hallo Martin,

    im Augenblick überwiegt das Lesen in Büchern, Foren und Blogs ganz klar dem eigentlichen Fotografieren und bei mir auch der anschliessenden Bildbearbeitung.

    Wenn das Fotografieren zu kopflastig wird, tut das der Kreativität glaube ich einen ganz schönen Abbruch. Ich selber neige auch dazu, dass muss ich ganz ehrlich zu geben.

    Ich versuche mich dann immer wieder an etwas neuem, damit ich die ausgetrampelten Pfade verlassen kann.

    Da ich aber hauptsächlich Menschen fotografiere, ist da das Prinzip Try and Error nicht immer ganz leicht einzuhalten, schliesslich wollen die Modelle auch schöne Fotos haben.

    Insgesamt kann ich sagen die Theorie ist wichtig, aber der richtige Spass kommt nur in der Praxis … also Kamera raus und fotografieren ;)

    LG Marco

  41. Martin, Du sprichst mir aus der Seele!
    Wie froh bin ich, grade durch Zufall über grade diesen Eintrag gestolpert zu sein. Erst vor zwanzig Minuten (kein Scherz!) habe ich mich bei meiner besseren Hälfte beklagt, meine Fotos seien alle schlecht, würden nichts taugen, es wäre es be******en, nur weil ich ständig versuche, Regeln anzuwenden, die ich vorher gelesen/gelernt habe, nur weil ich dann denke, meine Fotos seien wirklich etwas…
    Dazu kam bei mir dann auch die Frage auf, ob es so etwas wie das „perfekte“ Foto wirklich gibt, in dem wirklich alles stimmt vom Rahmen bis zur Farblehre.
    Ähnlich wie mein Vorredner denke auch ich, dass zu viel kopflastiges Planen der Kreativität einen Abbruch tut und am Ende nur „Mist“ dabei raus kommen kann, da man teilweise merkt, dass es gezwungen, statisch ist und nichts wirklich mit der Freiheit zu tun hat, die man versucht einzufangen. Nichtsdestotrotz finde ich es wichtig, zumindest „Basics“ zu verinnerlichen wie beispielsweise den Goldenen Schnitt o.ä., allerdings gleichzeitig nicht zu übertreiben und sich daran zu „klammern“.
    So langsam scheine ich zu verstehen, dass es nicht zu 100% auf Regeln ankommt und dass man stattdessen manchmal einfach nur seiner Intuition nachgeben sollte.
    Meine Devise für die nächsten Wochen wird jedenfalls lauten: Ran an die Kamera und raus! ;-)

    Du hast mich und mein Gewissen schwer beruhigt, danke!

    Viele Grüße,

    Julian

  42. … aber was macht man wenn die bilder die man/frau mit ihren augen sieht einfach nicht im bild erscheinen, hier hilft doch nur die technik??? oder probieren, probieren, probieren bis zum erbrechen??? ich verliere dann schnell die lust ;-(
    tina

  43. uiii ja erschreckend welche Abgründe sich durch das Informationszeitaler auftun…

    … also ich finde die Theorie schon sehr wichtig vor allem wenn man relativ neu in die Materie einsteigt… man muss das Rad ja nicht immer wieder neu erfinden.

    Leider ist es wirklich oft so das man sich im Internet mit Infos vollpumpt mit stolz geschwellter Brust nach draussen geht und dann doch nix funktioniert.

    Vieleicht frustriet genau das!! Weil der innere Anspruch durchs theoretische Wissen steigt aber die Theorie dann in der Praxis nicht umgesetzt werden kann.

    –> wie oft bin ich schon stundenlang in der Gegend rumgefahren und habe das Motiv gesucht welches ich mir gerade theoretisch zurechtgelkegt habe –> schade nur das es eben nur in meinem Kopf exsistiert

    … bin ich PORN Süchtig?!?