kwerfeldein
14. Januar 2010 Lesezeit: ~4 Minuten

Nicht ganz so glatt

„We all spend a lot of time being impressed by folks we’ve never met. And we spend even mor time trying to keep up with them… Your idea doesn’t have to be big. It just has to be yours.“ Hugh MacLeod, Ignore Everybody*

Manchmal, vielleicht auch sehr häufig stehen wir uns selbst kreuzweise im Weg, wenn es darum geht, gute Fotos zu machen. Irgendwas stimmt doch eigentlich immer nicht so ganz. Wir fotografieren beispielsweise eine Landschaft, aber es ist wieder der verdammte Winter, scheißkalt und wir haben ja sowieso das falsche Objektiv drauf.

Wir haben uns mit einer Person verabredet, um sie zu fotografieren, doch das Licht stimmt einfach nicht. Viel zu hell oder zu dunkel oder keins von beidem. Und zu allem Überdruss scheint uns kein einziges Foto zu gelingen. Wenn etwas perfekt ist, dann unser Malheur und holterdiepolter purzeln wir von einem Shooting – das doch hätte so gut werden können – ins Nächste.

„Bis zum Mond und zurück“ lieben wir es eigentlich, hinter der Kamera zu stehen und zu fotografieren. Doch ganz, ganz selten können wir sagen: „Mensch, das war gut heute. Ich bin rundum zufrieden.“

Gerade nach der ersten Kamera-Verliebtheit-Phase, wenn wir die rosa Brille abgelegt haben, fällt uns auf, dass die Fotografie zwar ganz „heißer Scheiß“ ist, aber manchmal Letzteres uns begegnet, wenn wir unsere eigenen Bilder betrachten. Es ist scheinbar doch gar nicht so einfach, wie wir dachten.

Dabei wollen wir doch nur eines: So richtig gute Fotos machen, die uns selbst und andere in den Bann ziehen. Und wir legen uns die Messlatte selbst lieber etwas zu hoch, als zu niedrig.

Was dabei entsteht, liebe Leute, ist Druck. Wir erwarten von uns (oder der teuren Kamera) das perfekte Bild. Und es fällt uns schwer, das zu akzeptieren, was uns nach dem Klick auf dem Display begegnet: ein Foto, das nicht perfekt ist.

„Es ist normal, dass es nicht gleich so aussieht, wie Sie es gerne hätten“. Martina Mettner, Wie man ein großartiger Fotograf wird*

Doch ich glaube, dass wir, vielleicht mal nur aus Jucks und Dollerei die Messlatte runternehmen sollten. Nur mal so ausprobieren, vielleicht um den Spaß an der Fotografie nicht zu verlieren. Das perfekte Bild wird es sowie nie geben (1), vielleicht deshalb, weil die Welt nicht perfekt ist – und das ist auch gut so.

(1) Wer es gefunden hat, bitte mir direkt zuschicken.

Ja, eine gewisse Unzufriedenheit kann gut sein und uns über eigene Grenzen heben – doch wenn wir nie zufrieden sein können, wird es für uns (und unsere Mitmenschen) unerträglich. Dann brauchen wir uns nicht zu wundern, warum wir uns von einem „kreativen Loch“ zum nächsten durchringen.

Wenn wir es schaffen, unseren Ist-Zustand anzunehmen, können wir vielleicht auch gnädiger mit uns sein. Dann können wir gelassener mit Kritik umgehen – denn dass unser Foto nicht perfekt ist, das wissen wir ohnehin.

Wim Wenders hat einmal zu seiner Frau Donata gesagt, dass sie nicht gleich gute Ergebnisse bräuchte, um ein Talent für etwas zu haben. Diese Entspanntheit kann uns den Mut geben, auch mit unseren mittelprächtigen Fotos zu arbeiten und produktiv zu sein – obwohl nicht gleich alles sitzt.

Ich möchte mich nun davon distanzieren, irgendeine allgemeingültige Diagnose festzustellen – aber nicht immer sind aalglatte, bis ins letzte Detail ausgeputzte Fotos am Aussagekräftigsten. Natürlich hängt das immer von der eigentlichen Bestimmung des Bildes ab. Aber Perfektion ist kein Garant für Exzellenz.

Zum Inhalt: Ich habe absichtlich in der 1. Person (plural) gesprochen, weil ich mich selbst ebenso dazuzähle. Regelmäßig ertappe ich mich dabei, mir zu viele Gedanken über ein Foto zu machen und die Messlatte viel zu hoch zu setzen.

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