11. Januar 2010 Lesezeit: ~7 Minuten

Winterlandschaften fotografieren: 5 Tipps für Einsteiger


Tief Daisy hat Deutschland ein weißes Kleid übergestülpt. Landschaften, die sonst höchstens vom Raureif winterlich anmuten, erstrahlen nun in glänzendem Weiß. So haben wir die Gelegenheit, jetzt Landschaftsfotos zu machen, die wir vielleicht in den nächsten 10 Jahren nicht mehr machen können.

Deshalb mein erster Tipp: Diese Chance nutzen. Und wenn es nur für eine Stunde ist – es lohnt sich.

Mit vier weiteren Tipps möchte ich Euch einerseits Lust aufs Fotografieren machen und andererseits ein paar Erfahrungswerte mit auf den Weg geben. In den Punkten 2 und 3 werde ich auf Kameraeinstellungen und in 4 und 5 auf die Bildkomposition eingehen.

Wie im Titel schon erwähnt, ist dieser Artikel für Einsteiger gedacht.

2. Im M-Modus fotografieren

Winterlandschaften fotografieren: 5 Tipps für Einsteiger

Jede digitale Spiegelreflexkamera hat Belichtungsprogramme, die uns beim Fotografieren etwas Arbeit abnehmen sollen. Je nach gewähltem Programm kümmert sich die Kamera dann um eine Einstellung, beispielsweise die Blende und berechnet selbst, was in der jeweiligen Situation „optimal“ ist. Eine ausführliche Erklärung der Belichtungsprogramme findet ihr hier.

Ich selbst verzichte gerne auf diese Automatiken und stelle alles selbst ein. Dadurch habe ich volle Kontrolle über die Kamera und beim Fotografieren im Winter hat das einen ganz entscheidenden Vorteil:

Wenn wir beispielsweise mit der Blendenpriorität (Kürzel: Av oder A) fotografieren, dann wird die Kamera die Belichtungszeit festlegen – wir kümmern uns nur um die Blende. Weil der Schnee sehr hell ist, trickst der aber die Kamera aus – welche prompt das ganze Foto unterbelichtet. Das Ergebnis sind viel zu dunkle Fotos. Logisch, oder?

Nun – wer in Raw fotografiert, mag in solchen Situationen sicher noch etwas retten können. Doch auch das nachträgliche Aufhellen von Raws in Lightroom hat Grenzen. Deshalb mein Tipp: Mit „M“ fotografieren, tendenziell etwas überbelichten und dabei auf das Histogramm achten. So können wir präzise festlegen, was die Kamera macht – und Unterbelichtungen vermeiden.

Update 1: Für manche Einsteiger wird es einfacher sein, erst einmal mit Av (A) zu fotografieren – weil ihr dadurch erst mal eine Sorge weniger habt. Schaut einfach, was Euch am Besten liegt.

3. Das Histogramm nutzen

Winterlandschaften fotografieren: 5 Tipps für Einsteiger

Ob ein Foto korrekt belichtet ist, das kontrolliert man hin und wieder gerne über das kamerainterne Display. Ist ja auch praktisch. Doch draussen im Schnee ist es manchmal so hell, dass wir auf dem Display fast nichts mehr erkennen können, weil es verhältnismäßig zu dunkel ist.

In diesem Fall macht es Sinn, wenn uns das Histogramm anzeigen lassen. Daran können wir im Zweifelsfall gut erkennen, ob das Foto insgesamt eher hell oder eher dunkel ausfallen wird.

Kurze Erklärung des Histogramms: Auf der linken Seite sehen wir die dunklen Pixel des Bildes, auf der rechten die hellen. Wenn sich überwiegend auf der linken Seite Pixel ansammeln, dann können wir daraus schließen, dass das Foto dunkel ausfallen wird. Sind die meisten Pixel auf der rechten Seite, ist das Foto ein helles.

Wenn wir eine Winterlandschaft fotografieren, sollten wir lediglich darauf achten, dass das Histogramm auf keiner von beiden Seiten „ausschlägt“ – somit erhalten wir möglichst viele Details. Manchmal ist das ein Drahtseilakt – aber mit ein bisschen Übung klappt das ganz gut.

4. Was möchte ich zeigen?

Winterlandschaften fotografieren: 5 Tipps für EinsteigerWenn wir draussen mit der Kamera in der Kälte stehen, dann kann es uns manchmal gar nicht schnell genug gehen. Hier ein paar Fotos, da kurz etwas einfangen und dann gleich wieder zurück ins Auto oder gar nach Hause. Doch diese Hektik wirkt sich auch auf die Qualität des Fotos aus, und zwar in Sachen Bildkomposition.

Hingegen macht es durchaus Sinn, sich beim Fotografieren zu fragen: „Was möchte ich eigentlich zeigen?“ und sich dann voll darauf zu konzentrieren. Wenn ich gerade einen eingeschneiten, alleinstehenden Baum faszinierend finde, dann brauche ich unter Umständen die Straße im Vordergrund gar nicht mit im Bild haben – da sie den Betrachter von dem ablenken könnte, was ich zeigen möchte: Den Baum.

Das schöne an Winterlandschaften ist ja, dass sie manchmal ein Objekt völlig isolieren können. Denn wenn drum herum nur Schnee liegt, lenkt auch nichts anderes ab – ich finde das einerseits praktisch und andererseits sehr ästhetisch.

Deshalb: Zeit lassen bei der Bildkomposition. Und als Nächstes die Frage stellen: „Wie kann ich das, was ich zeigen will am besten zeigen?“ Wenn wir uns also im Klaren sind, dass wir einen eingeschneiten Baum fotografieren wollen, dann können wir beginnen, mit den Perspektiven zu spielen.

Mein Tipp für solche Situationen: Mindestens einmal drumherum laufen. Denn manchmal sieht ein Baum aus der entgegengesetzten Richtung ganz anders aus, weil er durch den Perspektivenwechsel vor einen anderen Hintergrund steht.

5. Die Drittel Regel nutzen (und brechen)

Winterlandschaften fotografieren: 5 Tipps für Einsteiger

Unter Landschaftsfotografen ist die Drittelregel sehr bekannt. Und wer jetzt gerade nicht genau weiß, wovon ich spreche: Die Drittelregel ist eine Entscheidungshilfe bei der Bildkomposition, die besagt, dass wichtige Elemente des Bildes nicht die Mitte, sondern eher nach oben, nach unten, etwas nach rechts oder links gesetzt werden.

Wenn wir also draussen in der Natur die überwältigende Weite einer Landschaft fotografieren wollen, dann können wir ganz bewusst den Horizont ins obere oder untere Bilddrittel setzen und unser Foto somit fürs Auge interessant gestalten.

Alternativ dazu: Die Drittel Regel ganz bewusst brechen und ein wichtiges Element provokant in die Mitte setzen. Je nach Situation kann das unserem Foto ein ganz eigenen Reiz verleihen. Doch dafür gibt es kein Gesetz – wir müssen selbst ausprobieren, ob es Sinn macht oder nicht.

Die Drittel Regel ist eine Entscheidungshilfe – sollte aber niemals zu einer starren Regel werden, da auch sie kein Garant für perfekte Bildkompositionen ist. Wir entscheiden, was gefällt.

Update 2: Zusätzlich möchte ich noch darauf verweisen, dass sich bei zu schnellem Erwärmen der Kamera nach dem Shooting Kondeswasser in der Kamera bilden kann. Ich lasse deshalb meine Kamera direkt nach dem Shooting in der Kameratasche (weit weg von irgendeiner Heizung in einem nicht ganz warmen Raum), damit sich die Kamera langsam aklimatisieren kann. Mehr dazu bei Martin Hülle und bei Henning Wüst.

Haben Euch die Tipps geholfen? Was war Euch neu?

Ich hoffe, dieser Eintrag war für Euch ergiebig und nicht allzu ausführlich. Über Eure Kommentare und Ergänzungen freue ich mich wie immer!


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