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09. Januar 2010 Lesezeit: ~7 Minuten

Andreas Levers {96dpi} im Interview


Andreas Levers wird einigen Lesern unter dem Nickname „96dpi“ bekannt sein. Und so heißen auch Blog, Flickr und Twitter bei ihm. Vor Weihnachten habe ich mit ihm über Skype ein kleines Interview geführt – und hoffe, dass ihr Andreas dadurch einwenig kennenlernt. Viel Spaß damit!

Hallo Andreas – einige Leser werden Dich sicher schon von Deinem Blog kennen. Magst Dich trotzdem kurz meinen Lesern vorstellen?

Hallo Martin. Danke für Deine Einladung zum Interview. Ich bin 31 Jahre alt und lebe in Potsdam. Dort arbeite ich als Mediengestalter und versuche, so viel Zeit wie möglich in meine Hobbies, die Fotografie und die elektronische Bildbearbeitung, zu investieren.

Und Deinen Blog nutzt Du, um die gelernten Sachen weiterzugeben – liege ich da richtig?

Ja. Meine Webseite änderte sich in der Vergangenheit zwar mit meinen Interessen immer wieder, aber im Moment versuche ich kurze und informative Tutorials in Text und Video zu erstellen. Ob das auf Dauer so bleibt kann ich jetzt noch nicht einschätzen. Das positive Feedback bestärkt mich allerdings darin, diesen roten Faden weiter zu verfolgen.

Ich möchte jetzt mal nicht mit der Frage einsteigen, was Dich zur Fotografie gebracht hat – sondern anders herum: Was inspiriert Dich heute? Wann juckts Dir so richtig in den Fingern?

Ich finde Inspiration in Fotos anderer, in Filmen, durch das Besuchen von neuen Orten und in vielen anderen Dingen des Alltags. Ich denke nach einigen Jahren ist es mit dem Fotografieren wie mit Sport. Wenn man sich daran gewöhnt hat wird man unruhig, wenn man keine Zeit dafür findet. Ich versuche einfach immer dran zu bleiben, auch wenn ich mal uninspiriert und träge bin. Oft mache ich dann doch überraschend in solchen Momenten die besten Fotos.

Oh ja, das kenne ich gut. Und dem Thema Video mit der 5DMk2 bist Du auch nicht abgeneigt, nicht war? Oder war Dein „Wintermorgen“ eher ein Experiment?

Beruflich habe ich mehr mit Videos als mit Fotos zu tun. Daher war es nur konsequent die neuen Möglichkeiten der Mark II zu nutzen. Wintermorgen ist aus der Not geboren, dass ich nicht die Fotos hinbekommen habe, dir mir vorschwebten. Durch den starken Wind war an Makroaufnahmen nicht zu denken. Ich wollte die Gelegenheit des Sonnenaufgangs im klirrend kalten Winter aber nicht ungenutzt verstreichen lassen. Dank des technischen Fortschritts konnte ich so darauf reagieren. Vor einem Jahr wäre ich noch unverrichteter Dinge nach Hause gekommen. Grundsätzlich glaube ich, dass Video, vor allem diese kurzen Stimmungsschnipsel, in Zukunft häufiger in meinem Flickr-Account auftauchen.

Sehr cool. Hast Du mal auf die Uhr geschaut, wie lange Du an dem Video gesessen bist, bis es fertig war? Oder schaust Du da gar nicht drauf?

Ich verliere mich gerne in der Bearbeitung, deswegen habe ich keine genaue Dauer parat. Wenn ich die ganze Konvertierung, die Suche nach der Musik und das Hochladen mit einbeziehe waren es um die zwei bis drei Stunden.

… was ja noch recht moderat ist. Du hast vorhin gemeint, dass Du beruflich viel mit Videos zu tun hast – ist ja schon ein in sich zwar ähnliches Medium im Vergleich zu Fotos. Aber kannst Du Dinge, die Du in Sachen VIdeo lernst auch in Deine Fotos einbringen oder umgekehrt?

Viel zu tun wäre übertrieben aber ich habe beruflich mehr damit zu tun. Das Aufnehmen von Videos hat meine Fotografie bewusster gemacht. Vor allem, weil man bei bewegten Bildern viel weniger und oft gar nicht in der Art nachbearbeiten kann wie bei Fotos. Deswegen gebe ich mir vor dem Druck auf den Auslöser mehr Mühe mit der Gestaltung. Aus der Fotografie haben mir die Regeln der Komposition weitergeholfen. Ich versuche Videos so zu gestalten, das auch ein Standbild für sich genommen gut aussieht.

Hört sich gut an! Wenn man Deinen Flickr Stream etwas genauer unter die Lupe nimmt, kann man erkennen, dass Du Deine Fotos in voller Auflöung und ohne Wasserzeichen ins Netz lädst (worüber ich mich natürlich freue). Ist dahinter eine Ideologie oder machst Dus einfach aus Spaß?

Ich habe wahnsinnig viel im Netz gelernt. Und das war meistens kostenlos von Leuten, die Fotografie, Bildbearbeitung, Programmierung oder Design lieben und diesen Enthusiasmus ohne eine Gegenleistung weitergeben. Ich möchte mich mit vielen Bildern die als Creative Commons zur Verfügung stehen daran beteiligen und mich auf diese Art auch bedanken. In diese Sichtweise passen Wasserzeichen einfach nicht. Natürlich gibt es Bilderklau und damit habe ich auch schon Erfahrungen gesammelt. Für mich überwiegen aber die positiven Reaktionen. Natürlich bin ich in der komfortablen Situation mit Fotografie kein Geld verdienen zu müssen. Bei Profis habe ich durchaus Verständnis für kleinere Auflösungen und Wasserzeichen.

… ich bin jedenfalls dankbar, das Du’s so machst. Viele Deiner Fotos eignen sich super als Wallpaper. Ist das reiner Zufall – oder hast Du das manchmal schon im Hinterkopf?

Ich denke das ist Zufall. Da ich selbst nie Wallpaper auf meinem Rechner habe, ist das für mich nicht unbedingt das Ziel. Aber wenn jemand meine Bilder gerne im Hintergrund hat freut mich das natürlich sehr.

Es kann auch einfach daran liegen, dass Du grafisch ansprechende Motive wählst und kompositorisch einiges drauf hast. Aber sag mal, Du hast ja schon recht viele Genres mit Deinen Fotos abgedeckt. Street, Architektur, Produkt, Natur und vieles mehr. Was reizt Dich aktuell am meisten?

Im Moment tendiere ich wieder zu Landschaftsaufnahmen, bei denen ich mehr mit Langzeitbelichtungen und Schwarz-Weiß experimentieren möchte. Eine auf Dauer für mich spannendere und viel größere Herausforderung ist aber das Fotografieren von Menschen. Hier würde ich gerne mehr machen.

Gibt es etwas, bei Dir auf dem „Index“ steht – was Du nicht fotografieren würdest?

Das ist eine schwierige Frage. Ich möchte nicht im Vorfeld etwas ausschließen. Allerdings würde ich menschliche Tragödien nicht fotografieren, außer der Betroffene bittet darum. Ich denke es kommt sehr auf den Einzelfall an.

Auf jeden Fall – ist auch eine schwierige Frage von mir. Letzte Frage, Andreas: System of a Down oder The Roots (und natürlich, was Du so beim Bearbeiten hörst)?

Auf jeden Fall System of a Down. Beim Bearbeiten wählen ich diesen Soundtrack: Isis, Mogwai und Nine Inch Nails.

Na – einen guten Geschmack hast Du also auch noch ;) Danke für das Interview, Andreas! Hat mir sehr viel Spaß gemacht – cool, dass Du Dich bereit erklärt hast, mitzumachen!

Noch mal vielen Dank für Deine Einladung zum Interview. Ich hab mich sehr darüber gefreut.

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