06. Januar 2010 Lesezeit: ~6 Minuten

Drei signifikante Erkenntnisse über die Fotografie

Seitdem ich begonnen habe, mit dem Fotoapparat die Welt zu dokumentieren, befinde ich mich in einem kontinuierlichen Lernprozess. Der wird auch nicht abreissen – und wenn ich will, mein ganzes Leben lang. Mit jeden Shooting lerne ich dazu.

Dementsprechend hat sich in den letzten Jahren einiges in meinem Umgang mit der Kamera verändert. Ist ja klar – ich fotografiere heute nicht mehr so, wie ganz am Anfang. Unter anderem habe ich in der Zwischenzeit ein paar Sachen dazugelenrt. Und drei „Erkenntnisse“ möchte ich Euch jetzt kurz und knackig (1) vorstellen.

(1) Hat nicht gekappt. Wurde doch etwas länger ;)

Weniger abdrücken

Im direkten Vergleich zu den Klickraten im den Jahren 2008 und zuvor, liege ich pro Shooting gefühlt 30% darunter. Denn wenn ich eine Sache 2009 gelernt habe dann das: Mehr Zeit nehmen für die Bildkomposition und weniger darauf verlassen, das schon irgendein Glückstreffer dabei sein wird.

Natürlich ist das abhängig vom Ziel meines Fotografierens: Wenn das Brautpaar samt Blumenmädchen an der gesamten Sippschaft vorbei aus der Kirche trabt, werde ich nicht zögern, soviele Fotos zu machen, wie ich nur kann – die Kunst dabei ist, die Bildkomposition nicht aus den Augen zu verlieren.

Doch wenn ich in der Landschaft stehe und alle Zeit der Welt habe – warum soll ich dann um Himmels willen alle 5 Sekunden ein Bild machen?

Dauerfeuer macht mich selbst nur nervös und irgendwann leidet dann auch der Spaß am Fotografieren darunter. Willkürliches drauflosballern ist eine Weile ganz witzig, streichelt den Technik-Nerd in mir, wird aber auf Dauer langweilig und verliert allmälig seinen Reiz.

So richtig Reizen hingegen tut mich das filigrane Suchen nach dem optimalsten Winkel und der brilliantesten Brennweite für diese eine Situation. Dann abzudrücken ist die Sahnehaube auf dem Kuchen, aber nicht der Kuchen selbst.

Fotografieren ist nicht nur „The Moment it clicks“ – nein, es sind die vielen kleinen Details davor und danach.

Kontinuität ist der Shit: Dranbleiben, dranbleiben, dranbleiben.

2007/2008 kam ich nach meinen Shootings in der Natur häufig mit einem komischen Gefühl  nach Hause. „Das war nix heute“ oder „Irgendwie fehlt mir grad die Inspiration“ und die Frage „Warum klappt das bei mir nicht so wie bei allen anderen?“ nisteten sich in meinem Unterbewusstsein ein.

Ich dachte immer, dass es doch nicht so schwer sein könnte, ein gutes Bild zu machen. Ich könnte es ja einfach genauso machen, wie meine großen Vorbilder. Doch eines kann man eben nicht „machen“ – und das ist Erfahrung. Und die zählt einiges, wenn es um Motivauswahl und Bildkomposition geht.

Denn mit jedem Shooting, jeder vollen Speicherkarte und jedem Tropfen Schweiss habe ich dazugelernt. Ich habe vor allem begonnen zu erkennen (und lerne immer noch), wann es sich lohnt, die Kamera auspacken und abzudrücken. Und wann nicht. Dafür gibt es keine Anleitung, und keinen 10-Punkte Leitfaden. „In einer Woche zum Profi-Fotografen“ – ist nicht.

Hingegen hat es sich ausgezahlt, weiterzumachen. Auch dann, wenn ich nicht immer sicher war, ob das jetzt ein gutes Bild wird oder nicht. Ob es sich lohnt, die Sachen zu packen und aus der kuschligen Wohnung raus in die Kälte zu ziehen. Es hat sich gelohnt.

Fotografiere, was Du liebst

Klingt erstmal wie ein Werbespruch aus den 90ern. Flach, oberflächlich und nicht alltagstauglich. Denn das Schwierige daran ist: Woher weiß ich, was ich liebe? Manch einer ist sich darüber sofort im klaren, ich wusste das erstmal nicht.

Ich gebe zu – an dieser stelle wird der Artikel sehr theoretisch. Aber die Frage nach der Liebe ist ganz schön wichtig, wenn ich entscheiden muss, wohin ich beim nächsten Shooting gehe. In die Stadt oder raus in die Landschaft? Freunde fotografieren oder doch zu Hause Alltagssituatinen einfangen? Fashionfotografie oder doch die Kuh auf dem Felde?

Mir hat da nur eins geholfen – fotografieren. So komisch da auch klingt, aber es ist so.

Ich habe Gebäude fotografiert, um zu schauen, ob die Architekturfotografie was für mich wäre. Nach dem dritten Shooting wurde mir das zu langweilig.

Ich habe Landschaften fotografiert und .. aaaah, da ist was.. Diese Dramatik.. Okay, mal festhalten.

Ich habe mich in der Studiofotografie versucht und… uh, nee zu viel Technik, zu künstlich alles.. Also streichen…

Ich habe mich an der Stockfotografie versucht und.. nach ein paar mal hatte ich ebenfalls keine Lust mehr….

Ich habe Kinder fotografiert und … oh – auch gut. Spannend. Lebendig. Macht irgendwie Sinn…

Ich habe meine Freunde fotografiert und.. ja, das macht Spaß! Gemütlich um die Ecke stellen und meine Freunde beim Lachen oder Nachdenken ablichten und die fertigen Fotos dann in eine Email packen.. Hm.. cool…

Ich habe Business-Portraits gemacht und.. nee, zu klassisch-werbemäßig…

Ich habe Hochzeiten.. Hochzeiten! Leute sind gut drauf, 2 Menschen kommen sich nahe, Party ohne Ende, alle schick und ich mittendrin. Yea. Das rockt. Dann noch viel Schwarzweiss und… geil.

Ich habe Bäume, Wälder, Gebirge und Wege in der Natur fotografiert und jaaaa. da ist was. Rockt.

Ihr seht – bei mir war das keine lineare Entwicklung. Ich habe ganze 4 Jahre gebraucht, um herauszufinden, was mir eigentlich gefällt. Die Suche war teilweise mühevoll und frustrierend – doch heute bin ich einen großen Schritt weiter. Ich fotografiere, was mich fasziniert. Und darin bin ich am effektivsten.

Frage an Euch: Welche Dinge habt ihr in der letzten Zeit dazugelernt?

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