04. Januar 2010 Lesezeit: ~6 Minuten

Bildvorstellung: Sheds

Heute möchte ich Euch eins meiner neuesten Fotos vorstellen. Ich habe es vor fast exakt 2 Jahren geschossen und kurz nach Weihnachten 2009 wiederentdeckt. Es ist ein Bild, das genau so lange reifen musste – auch wenn es zwischenzeitlich in Vergessenheit geraten ist.

Vorgeschichte
An einem frostig-nebligen Mittag war ich mit einem Freund auf Fototour gegangen. Wir kutschierten durch den Schwarzwald und hielten Ausschau nach attraktiven Stellen. Nach ein paar Stunden war der Tag eigentlich schon gelaufen und ich hatte mehrere hundert (hoffentlich) gute Fotos im Kasten.

Foto Vorstellung: Sheds

Als es zu dämmern begann, fuhren wir an einem Dutzend nebelumschlungener Hütten vorbei. „Komm, wir drehen um“ meinte einer von uns beiden. Am Seitenrand geparkt, Stativ und Fotorucksack umgehängt liefen wir schnurstracks auf diese beiden Hütten zu.

In alter Manier habe ich provisorisch eine Aufnahme mit dem Superweitwinkelobjektiv gemacht. Hier einmal das Foto – wer genau hinschaut, sieht im Hintergrund die zweite Hütte, die in der finalen Version rechts platziert ist.

Doch irgendwie schien das nicht recht zu funktionieren. Zu viel freier Himmel. Und das Hüttendach durchkreuzte den Horizont. Schlechte Vorraussetzungen für ein gutes Foto. Beim Umherlaufen sah ich die beiden Hütten aus größerer Entfernung nebeneinanderstehen – obwohl sie ja eigentlich meterweit auseinander waren. „Schon viel besser“.

Also steckte ich das Teleobjektiv auf die Kamera und diese aufs Stativ. Mit dem Fernauslöser entstand dann dieses Foto.

Ich akzeptierte den minimal ins Bild ragenden Horizont – den würde ich später (sehr viel später, nämlich 2 Jahre) einfach weglassen. Ausserdem schnitten hier nun die Dächer nicht mehr in die Baumkronen hinein. Sehr gut.

EXIFS

Belichtung: 1/8 Sek. bei f/8,0
ISO: 100
Brennweite: 190mm
Aufnahmezeit: 10.01.08 17:52 Uhr
Belichtungsprogramm: Zeitautomatik

Bildbearbeitung

Auf den ersten Blick sehen wir einen klaren Unterschied zwischen Original und Endfassung, denn ich habe in Lightroom stark in das Bild eingegriffen. Das musste sein, denn das Original hätte ich so unter keinen Umständen in die freie Laufbahn gelassen. Folgend ein kleiner Einblick in mein Protokoll. Warum ich Euch das ganze Protokoll zeige, erkläre ich Euch gleich.

Ihr seht – auch bei mir verläuft eine Bildbearbeitung nicht gradlinig zum Ziel. Zwar habe ich schon einwenig Erfahrung in Lightroom und hatte eine wage Vorstellung, wohin es gehen soll. Aber auch bei mir ist das viel mehr ein vorsichtiges Herantasten und Ausprobieren als ein zielstrebiges Erledigen einer Hausaufgabe mit Blick auf die Feierabenduhr.

Deshalb ging die Bearbeitung des Bildes nicht fünf, nicht zehn, sondern über 45 Minuten. Ich werde versuchen, Euch im Groben zu erklären, wie ich das Bild bearbeitet habe und lasse ein paar Zwischenschritte raus.

Beschneidung
Jedes Mal, wenn ich ein Landschaftsfoto bearbeite, nehme ich mir zu allererst den Beschnitt des Bildes vor. So ich konnte das Foto um den störenden Horizont erleichtern und auf das Wesentliche reduzieren.

Verläufe
In der finalen Fassung des Bildes habe ich insgesamt vier Verläufe. Zwei davon stelle Euch kurz mal vor.

Mit Verlauf a) habe ich von unten nach oben das Bild aufgehellt. Warum? Um den Effekt des Nebels deutlicher zu machen.

Mit Verlauf b) habe ich dann einen schmalen Streifen von unten nach oben wieder abgedunkelt, um die Details, die durch Verlauf a) im Vordergrund verloren gingen, wieder hineinzuholen. Ich hoffe, das klingt nicht allzu kompliziert.

Grundeinstellungen

Da das Foto in sich doch recht flach (kontrastlos) war, habe ich immer wieder kräftig an den Kontrasten gedreht. Die stehen hier nun bei 100%, was die komplette Präsenz des Bildes verstärkt hat. Im Nachhinein bin ich mir nicht ganz sicher, ob ich da nicht etwas übertrieben habe – aber jetzt ist das Foto, wie es ist. Punkt.

Wie ihr der Grafik entnehmen könnt, habe ich die Farbtemperatur ordentlich aufgezogen und die Lebendigkeit herabgesetzt. Das lief aber in engem Zusammenspiel mit der …

Teiltonung

Ich mag es, ursprüngliche Farbinformationen in einem Bild abzuschwächen, und die dadurch entstandene Leere durch Einfärben (über die Teiltonung) auszufüllen. Ihr seht hier, dass ich den Lichtern einen Gelbton und den Schatten einen Blauton gegeben habe. Das hat die geheimnisvolle Stimmung hier verstärkt – und das Blau passt super zur vorhandenen Abendstimmung.

Kleine Korrekturen

Den Maulwurfshügel im Vordergrund habe ich weggestempelt – so wirkt das Bild etwas „sauberer“. Das Wegstempeln setze ich bei Landschaftsbildern selten ein, aber hier tut es meiner Meinung dem Foto keinen Abbruch.

Zusätzlich habe ich mit dem Korrekturpinsel die Kontraste auf der linken Hütte verstärkt. Dadurch fällt sie noch mehr ins Auge, und das wollte ich auch, denn …

… die rechte Hütte wurde bei einer Blende von f/8.0 nicht so scharf wir die linke. Da hätte ich beim Fotografieren schon drauf achten sollen, das weiß ich. Deshalb habe ich mit dem Korrekturpinsel den Hintergrund und die rechte Hütte etwas unscharf gezeichnet, um das Augenmerk noch mehr auf die linke zu setzen.

In der kleinen Fassung des Bildes fällt das fast nicht auf. In der Großen allerdings schon.

Schärfen

Abschließend habe ich das Foto in die Lightroom 3 Beta importiert, um es dort nachzuschärfen. Das Schärfen-Modul von Lightroom 3 lässt mich auch in der kleinen Ansicht des Bildes erkennen, was passiert, wenn ich es nachschärfe.

Exportieren, hochladen, fertig.

Foto Vorstellung: Sheds

Fazit
Mit der Bildvorstellung wollte ich Euch einen kleinen Einblick in meine Arbeitsweise geben, da ich weiß, dass viele unter den Lesern daraus etwas lernen können. Ich hoffe, es war nicht allzu ausführlich.

Habt Ihr Fragen dazu? Habe ich eine Sache kompliziert ausgedrückt? Natürlich freue ich mich wie immer über Euer Feedback und bin gespannt auf Eure Kommentare!

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