kwerfeldein
05. Dezember 2009 Lesezeit: ~8 Minuten

Sandra Bartocha: Eine Naturfotografin im Interview

sandra bartoachaIhr erinnert Euch sicher an die Zeitschrift Forum Naturfotografie, die ich Euch kürzlich vorgestellt habe. Die Herausgeberin der Zeitschrift – Sandra Bartocha – ist ebenfalls Naturfotografin und in meinen Augen eine ausgesprochen Gute.

Ich habe ihr im Rahmen eines Interviews Fragen zu Ihrer Arbeit gestellt und hoffe, dass Euch der kleine Plausch zwischen mir und Sandra gefällt.

Viel Spaß damit!

Hallo Sandra! Magst Du Dich kurz den Lesern von kwerfeldein.de vorstellen?

Hallo an die Kwerfeldein-Leser. Ich lebe und arbeite in Potsdam, seit letzten Jahr freiberuflich als Naturfotografin. Außerdem gestalte ich zusammen mit meinem Freund Marc Hesse die Zeitschrift „Forum Naturfotografie“ der GDT.

… welche ich hier ja schonmal vorgestellt habe. Sag mal, was war der Anlass dafür, solch ein Magazin zu machen? Was hat Euch inspiriert?

Hach, das ist eine längere Geschichte, denn das Magazin gibt es ja schon viel länger als wir es machen. Die GDT (Gesellschaft Deutscher Tierfotografen) gibt es seit 1971 und seit vielen, vielen Jahren gab es dort bereits eine Art Mitgliederzeitschrift mit News aus der Fotoszene. Im Jahr 22 wurde das Ganze dann zum ersten Mal in Farbe und etwas bildlastiger gestaltet. Viele Jahre von einem Redaktionsteam, später dann einige Jahre von Florian Möllers – seit 28 sind wir jetzt dran und versuchen, die Leser weiter mit interessanten Beiträgen und Interviews zu versorgen. Inspiration sind dabei in Interviews meist die eigenen Fragen, die einem auf der Zunge brennen … und was die Auswahl der Autoren angeht, ein möglichst großes Spektrum zu zeigen sowie neue Tendenzen in der Naturfotografie aufzudecken.

Sonnentau

Und das gelingt Euch meiner Meinung nach auch gut. Du selbst bezeichnest Dich ja auch als Naturfotografin – und wenn ich Deine Fotos so betrachte, dann bist Du schon eine Weile dabei, stimmts?

Ich bin quasi mit der Fotografie aufgewachsen. Mein Vater war Fotograf für die Presse und hat mich viel auf seine Außentermine mitgenommen. Fand das immer faszinierend. Auch wenn ich selbst nur experimentell in der Dunkelkammer gestanden habe, begleitet mich alles Fotografische also schon sehr lange. Seit etwa 10 Jahren interessiere ich mich etwas intensiver für die Naturfotografie.

Schluesselblumen

„Etwas“ – finde ich leicht untertrieben. Du hast ja schon einige Fotos gemacht, die sich sehen lassen. Komm, verrat uns mal ein, zwei Fotografen, die Dich aktuell inspirieren…

1998 war ich für ein Jahr als Au-Pair in Minnesota und habe damals Jim Brandenburg kennengelernt. Dieser Fotograf ist damals wie heute eine absolute Inspirationsquelle für mich. Seine Art Emotionen und Stimmungen in einem Foto rüberzubringen ist für mich immer wieder tief berührend. Vincent Munier, ein junger französischer Fotograf zählt für mich in die gleiche Liga.

Ich könnte jetzt aber sicher dutzende Fotografen und Fotografien aufzählen, die ich inspirierend finde … sie inspirieren mich aber nicht zur Nachahme, sondern vor allem dazu, raus zu gehen, zu fotografieren.  Wenn ich selbst fotografiere, konzentriere ich mich auf die jeweilige Situation und schaue, was ich fühle, was ich spannend finde … und versuche das umzusetzen.

Gerste

Das hört sich tatsächlich inspirierend an! Was machst Du, wenn die Luft mal draussen ist und Du gar keine Lust mehr auf „Natur“ hast? Wie gehst Du mit solchen Phasen um?

Bisher gab es diese Situation noch nicht wirklich. Dazu mache ich nebenbei zu viele andere Sachen … ehrenamtlich für die GDT, ich engagiere mich im Fotoclub Potsdam und organisiere Ausstellungen und Veranstaltungen. Ich mache auch mal Portraits und ab und zu Hochzeiten … ;-) Und dann bin ich einfach gern in der Natur – draußen sein, egal, bei welchem Wetter, Elemente spüren, das ist irgendwo sehr befreiend. Natürlich gibt es Frustrationsphasen. Ich versuche mich aber insgesamt nicht so sehr unter Druck zu setzen.

Es ist, wenn man selbstständig ist, nicht einfach, denn man muss sehen, dass Miete und Krankenversicherung bezahlt werden … und auch in der Naturfotografenszene gibt es einen enormen Konkurrenzdruck. Ein bisschen geht es ja auch darum sich immer wieder neu zu erfinden, neue Sichten und Blickwinkel zu finden … gerade in der Landschaftsfotografie gibt es ja nichts, was nicht schon mal fotografiert worden ist. Die Konzentration auf konkrete Projekte hilft aber diese Frustration zu überwinden und einfach das zu machen was Spass macht – unterwegs sein, fotografieren …

Buchenwald

Das kann ich voll unterschreiben, Sandra. Wie oft bist Du (im Schnitt) draussen in der Natur? Mehr als einmal in der Woche?

Das geht meist phasenweise je nach Spannungsgrad in der Natur. Ich muss gestehen, dass ich hier in Potsdam nur sehr selten fotografiere. Ich bin in Mecklenburg-Vorpommern aufgewachsen und mein Herz schlägt für die Heimat. In diesem Jahr war ich sehr viel im Müritz-Nationalpark, wo ich an einem größeren Projekt arbeite, unterwegs.

Von Ende März bis Anfang Mai war ich täglich draußen, im Mai/Juni war ich 1 1/2 Monate unterwegs für Wild Wonders of Europe in Italien und Dänemark und die letzten beiden Wochen habe ich wieder täglich auf Nebel im Wald gewartet. Ich plane meine Fototouren meist so, dass ich bestimmte Aspekte, bestimmte Phasen in der Natur mitnehmen kann, z.B. Frühblüher, Maigrün, Wollgrasblüte im Moor, Herbstfärbung etc.

Ostsee

Das klingt mal nach einem Plan! Jetzt mal eine etwas „technische Frage“ nebenbei: Mit welcher Kamera fotografierst Du an was sind Deine 2 Lieblingsobjektive? Ich bin mir sicher, der ein oder andere wird sich das fragen.

Das ist einfach. Seit April mit einer Nikon D700. Lieblingsobjektive, mein 20er Weitwinkel und mein 60er Makro. Technik wird im Allgemeinen aber überbewertet.

Moos

Sicher. Was ist Deiner Meinung nach das, worauf es ankommt?



In der Naturfotografie – auf die Bereitschaft sich auf das Motiv einzulassen … man muss das lieben, was man fotografieren will. Und man sollte sich die Zeit nehmen, sich dem Motiv anzunähern und seine eigene Interpretation der Szene finden. Dazu kommt das Wissen um bestimmte Vorgänge in der Natur und die Fähigkeit Szenen zu prävisualisieren. Alles basiert darauf, dass man seine vorhandene Technik (egal welche) im Schlaf beherrscht und sich dann in der jeweiligen Situation voll auf die Szene konzentrieren kann.

Wie Du oben schon beschrieben hast, ist der Konkurrenzkampf in der Naturfotografie nicht gerade niedrig – wie schaffst Du es da, Dich durchzusetzen? Gerade dann, wenn alles schon einmal fotografiert wurde ist das keine leichte Aufgabe, oder?

Fotografisch erfolgreich sind ja leider oft nicht die Besten, sondern die marketingtechnisch am agilsten. Ich bin nicht der große Vermarkter, ich mache lieber Bilder … aber durch meine ehrenamtliche Arbeit habe ich mir bereits viele Kontakte in der Szene aufgebaut. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Ellbogen sich nicht in allen Fällen rentieren, Engagement ist meist langlebiger.  Und wenn man dann einen Auftrag hat, dann steht bei mir professionelles und verlässliches Arbeiten im Vordergrund.

Märchenwald

Sandra – welche 3 Tipps würdest Du einem Einsteiger geben, der Deine Fotos sieht, sich inspiriert fühlt und ebenfalls die Naturfotografie für sich gewinnen möchte? Was würdest Du dem raten?

1. Finde ein Gebiet in der Naturfotografie was Dir Spass macht und beschäftige Dich intensiv damit. Plane ein Projekt und bleib dran!
2. Licht ist das wichtigste Element in der Natur. Lerne es einzuschätzen und damit umzugehen – und versuche in jeder Situation zu hinterfragen, ob eine andere Lichtsituation Deiner Intention gegebenenfalls näher kommt.
3. Über den Tellerrand (in andere Sparten der Fotografie/Kunst) schauen, sich selbstkritisch einschätzen und den Willen haben, sich beständig weiterzuentwickeln.

Teilen


Ähnliche Artikel


19 Kommentare

Schreib’ einen Kommentar

Netiquette: Bleib freundlich, konstruktiv und beim Thema des Artikels. Mehr dazu.

  1. Tolles Interview, toller Interviewpartner!
    Vor allem wirkt das ganze auf mich sehr durchdacht und erfahren!
    Da steckt ein richtiger Plan dahinter und das wirkt vertrauenerweckend. Erfrischend so was zu lesen.
    Ich glaube hier spricht die Erfahrung!
    Vor allem in dem Abschnitt über Konkurrenz!

    Die Bilder sind sehr fesselnd und gefallen mir außerordentlich gut. Wirken modern auf mich und nicht „schon 1000mal gesehen“
    Viel Glück weiterhin mit den Arbeiten!

  2. Sehr schönes Interview! Interessante Aspekte und mit Inhalten, die zur eigenen Auseinandersetzung mit dem Thema Fotografie und fotografischen Projekten anregen.

    Ich bin vor längerer Zeit schon über Sandra Bartocha gestolpert und war inspiriert von vielen ihrer Bilder!

    Frage am Rande: Sie fotografiert mit einer Nikon „D7“?! Ist nun eine D3 oder eine D700 gemeint? Ist nicht wirklich wichtig, denn wie sie selber sagt, die Ausrüstung wird überbewertet.

  3. schönes Interview und die Bilder sind ja mal wirklich toll.
    Ich mache selbst sehr gerne Naturfotografie, sehr inspirierend das ganze. Das Zusammenspiel von Licht, Farben und Fokus ist wirklich außergewöhnlich auf ihren Fotos.

  4. Blogartikel dazu: Tweets die Sandra Bartocha: Eine Naturfotografin im Interview | Digitale Fotografie Lernen - KWERFELDEIN - Martin Gommel erwähnt -- Topsy.com

  5. Auf jeden Fall sehr gute (und inspirierende) Fotografien zum Artikel. Passenderweise habe ich mir selbst gerade ein Landschaftsprojekt vorgenommen und anhand des Artikels beschlossen, das Konzept noch mal zu überarbeiten!
    Feine Sache!
    LG Jan

  6. Bin einfach nur überwältigt. Das Magazin wird, wie ich von Herrn Hesse erfahren habe, auch nach Österreich versendet und ich überlege mir gerade ein Abo zu bestellen ;) . Zum Interview: Ich finde es sehr toll und ansprechen. Gerne hätte ich noch mehr Bilder gesehen ;). Ich bin auch seit einer geraumen Zeit draufgekommen, dass ich mich in die Naturfotografie verliebt habe.

    Viele Grüße
    Flo

  7. Ich „kenne“ Sandra schon recht lange aus der fc und ich kann ur sagen: Sandra rockt! :-)

    Ich bin kein großer Naturfotofan, aber wenn es Bilder aus dem Bereich gibt die mich immer wieder faszinieren, dann die made by Sandra. Sorry für die Lobhudelei, ist aber eine Tatsache.

  8. Sehr hübsche Fotos.
    Ist garantiert super entspannend, durch die Natur zu streifen. Mach ich auch sehr gerne – aber OHNE Kamera.
    Zwar seh ich mir diese Art von Fotografien immer wieder gerne an, aber für mich ist das nichts. Ich geh da mehr in die Richtung „Paparazzi“ :-D
    Spontane, lebendige Fotos, Menschen, Events, Street… Das fasziniert mich!