kwerfeldein
02. Dezember 2009 Lesezeit: ~8 Minuten

Wasserzeichen sind nicht schön – Eine Stellungnahme

Wasserzeichen Stellungnahme

Im Juli 2009 habe ich den kürstesten Artikel auf kwerfeldein.de geschrieben, der nur aus einer Überschrift bestand:

„Wasserzeichen machen Fotos kaputt“.

Daraufhin haben einige Leser ihre Meinung kundgetan, indem sie mir zugestimmt oder widersprochen haben.

Gestern Abend habe ich dann ein Status-Update auf Twitter und Facebook gepostet:

„Ich kann Wasserzeichen immer noch nicht leiden. Es gibt wenig Vergleichbares, das ein Foto so zerstören kann.“

Daraufhin entstand hier und da eine interessante und teilweise kontroverse Diskussion. Ich habe interessiert mitgelesen und die verschiedenen Argumente habe mich dazu angeregt, das Thema einmal größer aufzuziehen und aus den Grenzen der 140 Zeichen zu heben.

Ich gebe zu, beide Aussagen waren sehr deutlich und in ihrere Aussage „nicht verhandelbar“ – und genau so wollte ich das auch. Denn ich habe meine Position kundgetan, die bei diesem Thema eindeutig ist. Ich finde Wasserzeichen nicht schön.

Das bedeutet aber nicht, dass ich keine andere Meinung dulde oder mir keine Gedanken zu dem Thema mache.

Und bevor ich hier nun loslege, möchte ich wie gestern etwas betonen. Meine Meinung ist nur ein Bruchteil von dem, wie man etwas sehen kann. Ich möchte hiermit weder jemanden schlechtreden noch sagen, dass ein Fotograf, der Wasserzeichen verwendet, doof ist. Jeder kann tun und lassen, was er möchte und es ist jedem freigestellt, das mit seinen Fotos zu machen, was er/sie will.

Doch ich möchte sagen, wie Wasserzeichen auf mich wirken und damit eine Diskussion anstoßen, die meiner Meinung nach sehr wichtig ist.

Ich finde Wasserzeichen nicht schön, denn sie überlagern ein Foto und verändern dessen Wirkung.

Um das zu verdeutlichen, benutze ich eine Metapher (dabei ist mir bewusst, dass jede Metapher Grenzen hat):

„Ich sitze in einem Saal und höre mir ein klassisches Konzert an. Volles Orchester am Start, der Saal dröhnt. Eigentlich ist alles so ziemlich das Beste, was ich je gehört habe. Wäre da nicht diese eine eine Geige, die fies dazuzwischensägt, weil sie verstimmt ist.

Alle anderen Instrumente können noch so schön klingen und korrekt bedient werden –  die schräge Geige macht das Stück ungenießbar.

Doch der Komponist wollte es genau so. Seine Absicht war, zu verhindern, dass das Werk aufgenommen und an anderer Stelle wiedergegeben wird, ohne ihn als Komponist zu nennen. Oder das Werk zu klauen und unter eigenem Namen zu veröffentlichen.

Dieses Ziel hat er auch erreicht. Niemand kann (und möchte) dieses Stück reproduzieren.“

So empfinde ich Wasserzeichen auf Fotos. Sie verändern alles.

Natürlich gibt es Abstufungen, was den Grad der Veränderung betrifft. Ein Wasserzeichen kann ein Bild vollständig überdecken und dermassen entfremden, dass das Foto als solches fast nicht mehr erkennbar ist.

Ein Wasserzeichen kann aber auch gefühlvoll gestaltet und an einer unauffälligen Stelle positioniert werden. Schön finde es zwar nicht, aber der Unterschied ist offensichtlich.

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Kleiner Exkurs: Welchen Sinn haben Wasserzeichen? Wofür sind sie eigentlich gut?

Nun, Wasserzeichen gibt es nicht erst seit ein paar Jahren. Sie wurden schon 1282 in Italien von Papiermachern benutzt, in dem sie ein Symbol in Form eines Abdrucks aufs Papier druckten. Das Symbol gab Auskunft über Papiermühle, Papiermacher und viele andere Dinge.

Übrigens: Wasserzeichen dienen heute noch zur Sicherung von Banknoten und Briefmarken. Prinzipiell also gar keine dumme Idee.

Auch in der digitalen Welt gibt es Wasserzeichen. Ihr habt sicher schon einmal ein Lied gehört, über das im 20-Sekunden-Takt gnadenlos eine tiefe Männerstimme posaunt und einem jeden klar ist, dass das Lied „geschützt“ ist. Somit bekommt man einen Einblick in das Werk, kann (und will) es aber nicht weiterverwenden.

Wasserzeichen kennen wir ebenfalls von unzähligen Fotos im Internet. Jeder Fotograf hat eigene Intentionen, warum er seine Fotos mit Wasserzeichen versieht und somit mehr oder weniger entfremdet.

Einerseits wird dadurch ein Foto geschützt und kann nicht ohne Weiteres wiederverwendet werden. Andererseits kommuniziert ein Wasserzeichen von wem das Foto stammt und kommt einer Signatur recht nahe. In Zeiten des Internets ist das ein Weg, um sich und seine Werke vor dem „Diebstahl“ zu schützen – dieses Thema werde ich weiter unten noch einmal aufgreifen.

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Doch es entsteht offensichtlich ein Dilemma, das nicht leicht zu lösen ist:

Je mehr der Fotograf sein Werk vor Mißbrauch bewahren möchte (ein breit über das Bild gelegtes Wasserzeichen schützt mehr als ein winziges „MG“ am linken unteren Rand), umso stärker wird das Werk, das er eigentlich zeigen möchte entstellt.

Und umgekehrt: Je kleiner das Wasserzeichen ausfällt, umso weniger erfüllt es seinen ursprünglichen Zweck.

Hier gibt es keine einfach Antworten, sonden Grauzonen und Abstufungen. Beispielsweise kann ich jeden Hochzeitsfotografen verstehen, der seine Fotos mit Wasserzeichen überdeckt, weil er seine Kunden schützen möchte. Es wäre ja fatal, wenn ein Pärchen sich beim morgentlichen Surfen auf einer Seite wiederentdeckt, die nichts mit dem Fotografen zu tun hat.

Doch dies ist ein – meiner Meinung nach – sehr nobler Grund. Quasi die Ausnahme, die die Regel bestätigt.

Denn die Frage die hier von entscheidender Rolle ist, lautet ungefähr so:

Wie stehe ich dazu, wenn jemand etwas von mir weiterverwendet? Ist das für mich dann Diebstahl? Oder einfach nur ein Zeichen der Zeit, in der wir leben?

Selbstportrait Martin GommelNatürlich muss das jeder für sich beantworten. Ich kann da nur für mich sprechen. Meine Landschaftsfotos sind schon x-Mal weiterverwendet worden und es gibt einige Leute, die sogar ein Selbstportrait von mir als Profilbild benutzen. Wisst ihr was?

Ich freue mich darüber! Ist doch schön, wenn andere Leute ihre Webseite mit meinen Fotos schmücken wollen! Das ist ein Zeichen dafür, dass meine Fotos scheinbar gefallen. Natürlich erwarte ich unter Bloggerkollegen, dass man nachfragt, wenn man das Bild eines anderen Bloggers nutzt, um seinen Artikel aufzuhübschen. Und ich habe noch nie „nein“ gesagt, wenn es sich um ein Landschaftsbild handelt. Warum auch?

Ich hatte erst einen Fall, in dem jemand mutwillig meine Fotos in seinen Flickrstream gestellt und als seine eigenen ausgegeben hat. Ich habe ihn in einem Kommentar dazu ermutigt, die Fotos von mir (und anderen) herunterzunehmen. Als er darauf nicht reagiert hat, informierte ich Flickr. Kurz darauf war der Account gelöscht.


Freie Software  & Creative Commons

Wordpress LogoWisst ihr, dieses Blog basiert auf WordPress, einer freien Software für Blogs. Meine Videos landen auf Vimeo, Youtube und in iTunes, ohne dass ich dafür einen Cent bezahlen muss. Über Lastfm und andere Anbieter kann ich jederzeit kostenlos Musik hören, die mich inspiriert. Facebook, Twitter und alle anderen Services da draussen, mit denen ich tagtäglich umgehe (und die mir sehr viel Freude bereiten) sind kostenfrei und finanzieren sich durch Werbung.

Ich für mich kann da schlecht hingehen und sagen: Das sind MEINE Fotos! MEINE! Und wehe jemand verwendet eines, ohne mich zu fragen! Irgendwie passt das nicht. Deshalb habe ich alle Landschaftsfotos auch unter eine Creative Commons Lizenz gestellt – eine Möglichkeit, die mir erlaubt, zwischen gehört mir und gehört keinem zu wählen und jedem, der mag eine Erlaubnis zu erteilen, meine Fotos weiterzuverwenden.

Wasserzeichen sind da für mich gerade aus diesen Gründen keine Option. Wie gesagt, auch ich werde mich bei jemandem melden, der ungefragt ein Foto verwendet, auf dem eine andere Person (z.B. eine Braut) abegebildet ist. Denn die Rechte dieser Person muss ich schützen – auch wenn das bisher noch nie vorkam.

Doch unter allen anderen Umständen entscheide ich mich ganz klar dafür, keine Wasserzeichen zu verwenden. Wasserzeichen sind nicht schön. Sollen sie ja auch nicht.

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