kwerfeldein
01. Dezember 2009 Lesezeit: ~5 Minuten

Wie ich Menschen fotografiere: So wie sie sind



Seitdem ich das erste Mal auf den Auslöser gedrückt habe, war das Fotografieren von Menschen immer Teil meiner kreativen Arbeit. Es hat mich schon immer fasziniert, Personen in ihrer Eigenart und ihren Besonderheiten abzulichten. Das zieht mich an, das empfinde ich nie als langweilig. Wahrscheinlich deshalb, weil ich Menschen anziehend finde.

Über die letzten Jahre hinweg habe ich bemerkt, dass mir immer bestimmte Dinge wichtig waren, wenn ich eine oder mehrere Personen vor der Kamera hatte. Sachen, auf die geachtet habe, Herangehensweisen, die zur Gewohnheit wurden. Darüber möchte ich mit Euch sprechen.

Und deshalb starte ich heute eine kleine Reihe. Heute beginne ich damit, dass ich Menschen gerne so fotografiere, wie sie sind, denn das ist die Grundlage meiner fotografischen Arbeit mit Menschen.

Vorab eine kleine Notiz: Ich habe mich ganz bewusst dafür entschieden nicht darüber zu schreiben, „wie man Menschen fotografiert“, sondern wie ich das tue. Denn ich kann und möchte nur aus meiner Sicht berichten und beanspruche keinesfalls Allgemeingültigkeit für das, was ich hier sage. Nein, das Ziel ist es, Euch einen kleinen Einblick in meine Denk- und Arbeitsweise zu geben. Und die ist mit Sicherheit nicht perfekt und soll es auch nicht sein.

Personen unberührt und möglichst natürlich darzustellen ist eine Art zu fotografieren, die ich über die letzten Jahre entwickelt und zunehmend zielstrebiger verfolgt habe.

Das hört sich wahrscheinlich erstmal relativ unspektakulär an, zieht aber einige Konsequenzen nach sich.

Denn in erster Linie sehe ich mich nicht als Dirigent, der Anweisungen gibt und bis ins kleinste Detail plant, was vor der Kamera passiert. Viel eher mag ich die Rolle eines unsichtbaren Beobachters, der sich gut versteckt und unsichtbar macht.

Dabei versuche ich, Folgendes einzufangen:

Momente, die komisch, witzig, interessant, tief, charmant, berührend oder gar traurig sind. So wie Menschen eben sind. Vielfältig und ungeschminkt (meistens).

Dies dürfte auch der Grund dafür sein, warum ich bisher nie mit Models gearbeitet und mit der Fashion und Stockfotografie nicht wirklich warm geworden bin (bis auf Ausnahmen). Denn dann müsste ich ja immer der Dirigent sein. Das liegt mir nicht.

Die Rolle des stillen Beobachters mag ich.

In dieser unauffälligen Rolle fühle ich mich wohl, das passt zu mir. Mir ist es am liebsten, Fotograf zu sein, ohne als solcher wahrgenommen zu werden. Das klingt wohl ebenfalls etwas komisch, ist für mich aber so.

Dann, wenn Menschen sich unbeobachtet fühlen, verhalten sie sich am Natürlichsten. Das möchte ich erreichen, auch wenn das nur eingeschränkt möglich ist. Man sieht mich ja, ich bin ja anwesend. Alleine das reicht in den meisten Fällen aus, dass sich Menschen anders verhalten als „normal“.

Aber es gibt Momente, in denen Leute vergessen, dass sie fotografiert werden. Wenn ich sie dann „erwische“, entstehen häufig die besten Fotos.

Aber um Menschen natürlich zu fotografieren, muss ich nicht zwingend unsichtbar sein. Nein, es gibt einige Situationen, in denen ich Personen sehr genau sage, wie sie sich stellen oder in welche Richtung sie schauen sollen. Beispielsweise beim Outdoorshooting eines Hochzeitspaares oder bei Bewerbungsfotos. In solchen Situationen brauchen Menschen die Sicherheit, dass ich ihnen genau sage, was sie tun sollen.


Hier habe ich den David gebeten kurz in die Kamera zu schauen.

Doch die Frage ist, wie weit das geht, dieses Dirigieren.

Ich habe deshalb folgenden Ansatz: Nur so viel wie nötig und so wenig wie möglich. Anweisungen wie „Bitte etwas deutlicher Lächeln“ bekomme ich nicht über die Lippen – da versuche ich lieber auf anderen Wegen für lockere Stimmung zu sorgen, als so etwas zu einzufordern. Das klappt meistens sowieso nicht, da ich (wie gesagt) nicht mit Models arbeite.

Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass Menschen „so wie sie sind“ am Schönsten sind. Und das möchte ich mit der Kamera einfangen. Ganz oft bemerke ich im Alltag Szenen und Momente, die mir gefallen, aber nicht fotografiert werden. An diese Unberührtheit lehnt sich meine Art zu fotografieren an, das macht es für mich spannend und attraktiv.

Liebe Leute, nun habe ich angerissen, was die Grundlage meines Fotografierens ist. Das war der Theorie-Teil und in den nächsten Artikeln der Reihe werde ich ganz praktisch zeigen und erzählen, „wie ich Menschen fotografiere“.

Wenn Ihr Fragen oder Anregungen habt, freue ich mich sehr über Eure Kommentare. Wenn Ihr mögt, dürft Ihr auch gerne schildern, wie Ihr Menschen fotografiert. Ich bin gespannt!

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52 Kommentare

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Netiquette: Bleib freundlich, konstruktiv und beim Thema des Artikels. Mehr dazu.

  1. Blogartikel dazu: Tweets die Wie ich Menschen fotografiere: So wie sie sind | Digitale Fotografie Lernen - KWERFELDEIN - Martin Gommel erwähnt -- Topsy.com

  2. Ich habe zum ersten mal letzte Woche ein „Model“ Shooting gehabt. Es war für mich eine faszinierende Erfahrung, nicht immer nur die Natur und Fassaden o.ä. zu fotografieren , sondern mit einem Menschen zu arbeiten. Mir kam der Satz mit dem Lächeln auch nicht wirklich über die Lippen. Aber durch kleine Witze von beiden Seiten kam dann doch noch ein Lächeln über sein Gesicht gehuscht. Man darf nur nich zu verbissen an die ganze Sache rangehen, finde ich. Denn sonst merkt man diese Anspannung auch auf den Bildern.

  3. Wunderschöner Artikel! Super Bilder. Die Rolle des stillen Betrachters liegt mir auch mehr. Oft wünsche ich mir mit meiner Kamera gar nicht aufzufallen. Unsichtbarsein wäre da cool, denn leider setzen viele Menschen sofort ihre Masken auf, sobald sie jemanden mit einer Kamera sehen.

  4. Hallo Martin
    Ich finde deine Herangehensweise sehr schön. Gibt noch wenige Fotografen, die gern „unsichtbar“ bei der Arbeit sind.
    Bei Hochzeiten sind die nicht gestellten Bilder, die Schönsten.
    Die ganzen Hochzeitsportraits sind lange nicht so schön, wie die, die unbemerkt fotografiert wurden.
    Bin auf deine weiteren Artikel über deine Art der Fotografie gespannt.

    lg Andy

  5. Das ist genau das was ich auch gerne erreichen will wenn ich Menschen fotografiere. Und genau da fehlt mir die Routine (und das Können, aber das ist ein anderes Thema), außer bei der eigenen Familie. Aber die sind das schon gewöhnt mit der Kamera verfolgt zu werden.
    Masken aufsetzten @philonfire, ja das habe ich auch schon oft gesehen. Kamera gezückt, Lächeln und Posing angeknipst. Und dann ist immer der gleiche Gesichtsausdruck auf dem Bild. Keine Stimmung, keine Aussage. Dann schaut man die Bilder an und nichts kommt rüber… Schade, so möchte ich es nicht.

  6. schöner artikel! Vor allem kann ich mich sehr gut damit identifizieren. Gerade in der Reportage (die es mir ja angetan hat) ist dieser Versuch unsichtbar zu werden unumgänglich.
    Ich mag es auch nicht, wenn Personen oder Szenen gestellt aussehen – viel lieber sehe oder zeige ich wie menschen sind, wie sie sich fühlen… und echte gefühle kann man sowieso nicht spielen.

    ich freue mich schon auf den rest der reihe!

    lg,
    chris

  7. Ich mag es sehr wenn Bilder nicht gestellt sind und der fotograf bei den Bildern eher unsichtbar erscheint, grade an in der Weihnachts-kuschel-zeit kommen dabei sicherlich die schönsten Fotos bei rum.
    Allerdings möchte ich hier mal einen fotografen einbringen der meiner Meinung nach sehr schöne Bilder von seinen Kindern macht, dabei sind natürlich viele Bilder gestellt wie man sieht aber auch Bilder die einfach für mich sehr alltäglich rüber kommen.
    http://kristinandkayla.blogspot.com/
    Ich weiß nicht mehr wo ich den Link mal gefunden habe.. Ich würde doch sagen, das dieser Fotograf schon eine Art Vorbild für mich ist, obwohl ich meine erste SLR erst zu Weihnachten bekommen :D und ihm dann erst ein wenig nach eifern kann ;)
    LG, Sarah

  8. > Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass Menschen “so wie sie sind” am Schönsten sind. Und das möchte ich mit der Kamera einfangen. und in den nächsten Artikeln der Reihe werde ich ganz praktisch zeigen und erzählen, “wie ich Menschen fotografiere”. <

    Da bin ich schon sehr gespannt darauf!

  9. Jetzt hats irgendwie einen Teil meines Kommentars abgerissen…
    Ich meinte, genau das, das ist der Grund, warum ich fotografiere. Und weil ich das sehr gerne mache, kommen meine Fotoreportagen auch so gut an!

  10. Du hast vollkommen recht. Genau das ist es was mich an der Fotografie berührt. Zu zeigen wie der Mensch wirklich ist – und nicht diese „mal bitte cheeeese“ Fotos.
    (Die gezeigten Fotos sind unheimlich schoen)
    Auch ich würde gerne so ein Ergebnis erzielen, dennoch fällt es mir schwer die Menschen in „natura“ einzufangen.
    Möchte ich mal Bilder von Freunden schießen, so ist gleich ein tuch oder eine Hand vor dem Gesicht und das perfekte Foto ist im Eimer.
    Kann man das vill. geschickter machen?

  11. Martin, du sprichst mir aus der Seele. Ich mag auch eher natürliche Aufnahmen von Menschen zu machen und bin auch lieber „unsichtbar“ als zu präsent zu sein.

    Diese Bilder haben dann eine ganz andere (stärkere) Wirkung als Porträts mit einem Model, finde ich :)

  12. Hey Martin,

    Das was Du hier schilderst ist genau mein Ding! Ich bin zwar noch nicht so lange am Fotografieren aber ich habe schon gemerkt das ich auch am liebsten unsichtbar bin, da so meine Bilder Natürlicher aussehen. Ich find deine Seite klasse, Du erzählst alles so Praxisnah. Bin auch schon auf die Fortsetzung gespannt.

    Happy Light Joachim

  13. Hi Martin,

    danke Martin für diesen Beitrag. Er spricht mich besonders an, weil ich auch eher der stille Beobachter bin, als der Dirigent.

    Was ich besonders klasse finde, ist die Art deiner Bilder, dass sie nicht typisch dokumentarisch wirken, aber dennoch voller Leben sind. Wenn du jemals ein Bildband über deine „Menschen Bilder“ herausbringen würdest, sag bescheid. Ich würd’s mir sofort kaufen.

    bin gespannt auf die weiteren Teile.

    LG aus ffm
    ivan

  14. Ich hätte den Artikel auf dieselbe Frage ähnlich beantwortet, mir geht es sehr ähnlich. Die besten Fotografien von Menschen sind für mich die, in denen sich auch Geräusche von den abgebildeten Personen und des eingefangenen Moments „sehen“ bzw. erahnen lassen (z.B. das oberste Foto dieses Artikels). Gestellte Bilder wirken oft so tot, weil man sich oft schwer vorstellen kann, wie abgebildete, künstliche Situation wohl klingen würde.

  15. Natürliche Fotos von Menschen setzt meiner Erfahrung ( wie sollte es anders sein) auch Menschen voraus die keine Probleme damit haben fotografiert zu werden. Nicht jedes Umfeld ist so, leider. Auch wenn Du nicht der Dirigent bist trotzdem muss Du mittendrin sein. Sonst hat man mit mehr Rückenansichten zu tun als einem Lieb ist.

  16. Ich versuche auch, so oft wie möglich natürliche Fotos von Menschen zu machen. Leider gelingt das „unentdeckte“ Fotografieren auch nicht immer, besonders bei Menschen, die nicht gerne fotografiert werden möchten…

    Freue mich schon sehr auf die nächsten Artikel der Themenreihe, da ich gerade dabei bin, die Menschenfotografie für mich zu entdecken. Hatte vor kurzem die Gelegenheit ein kleines Fotoshooting mit zwei befreundeten Fotografen zu machen. Nun bin ich weiter am rumprobieren und suche immer willige Modelle :-P Leider komme ich aber viel zu selten dazu, zu fotografieren…

  17. Super Thema und Danke für den Artikel.
    Solche natürlichen Bilder gefallen mir auch sehr gut.
    Ich hab aber auch die Erfahrung gemacht, dass auch den Personen selbst, die auf den Bildern zusehen sind, die nicht gestellten Bilder besser gefallen, als die gestellten. Weil diese Bild dann ein viel besseren Bezug zur Situation haben, als die gestellten Bilder.

  18. Ich finde den Beitrag sehr toll geschrieben und stimme dir komplett zu. Ich verhalte mich auch lieber unauffällig, wenn ich Menschen fotografiere, um die Momente einzufangen, so wie sie sind.
    Deine Bilder sind wunderschön und natürlich. Ich freue mich wahnsinnig auf die Reihe!

  19. Hallo Martin!
    Ich freue mich irrsinnig das du dieses Thema angehst.
    Mich persönlich hat die Fotografie von Menschen immer abgeschreckt, weil ich damit nie gute Erfahrungen gemacht habe.
    Und ich freue mich auch für die Bestätigung! Denn auch ich finde mich wohler in der zurückhaltenden Position wenn ich fotografiere.

  20. Ein sehr schöner Artikel mit sehr schönen Fotos. Wenn ich in der Familie oder im Freundeskreis fotografiere – oder allgemein – merke ich auch immer wieder, dass die besten und authentischsten Fotos entstehen, wenn man mit den Aktionen fotografiert, wie du sagst.
    Ich freue mich schon auf die weiteren Artikel.

  21. Das ist exakt das, was ich einfangen möchte, wenn ich Menschen fotografiere.

    Mir ist aufgefallen, dass ich sogar am liebsten draussen fotografiere, weil jedes künstliche Licht auch immer ein bißchen „Unnatürlichkeit“ ins Bild bringt.
    Das soll jetzt nicht heissen, dass ich alle Fotos von Menschen mit künstlichem Licht schlecht finde.
    Aber ich mags am liebsten so natürlich wie möglich.
    Auf jeden Fall sind so Fashionfotos, die z. B. kosmow macht, wirklich sehr gut, aber sowas wird nie mein Ding sein. http://www.flickr.com/photos/kosmow/sets/72157615735743520/ Das soll jetzt echt nix gegen Malte sein! Ok? Ich find es bemerkenswert was er nach einem Jahr Fotografieren auf die Beine stellt. Es ist nur das Gegenteil von dem was ich zeigen möchte…Und das ist ja auch gut so…wär ja langweilig, nä!

  22. Mal wieder ein sehr schöner Beitrag, besonders für Einsteiger.
    Wie bzw. was machst du um „unsichtbar“ zu sein?
    Spontanfotos auf Feiern sind mir bis langen nur bei langer Brennweite gelungen. Dann merken die Leute nicht das ich da bin oder halt erst nach dem Schuss.

  23. Super Artikel. Die Situation des „unsichtbaren Fotografen“ kann ich mir gut vorstellen. Die Bilder wirken sehr natürlich und nicht künstlich aufgesetzt.
    Mein Problem wäre eher die die Herangehensweise als Anfänger. Überhaupt sich wirklich zu trauen, einfach die Kamera herauszuholen und Freunde, Bekannte zu fotografieren fällt mir persönlich noch schwer. Vielleicht hast du da ja noch einen Tipp.

    Gruß alex

  24. Kein Thema, pixelboogie; weiß ja wie’s gemeint ist. ;)

    An dieser Stelle würde ich allerdings gerne betonen, dass gerade der Werbe- und Modefotografie da oft ein wenig Unrecht getan wird. Ich bin keines von beiden; denke aber, dass beide Genres keinen Anspruch auf Authentizität erheben. Vielleicht ist sogar das Gegenteil der Fall – das bewusste Schaffen von traumhaften, surrealen und unrealistischen Situationen; sei es nun mittels des Konzepts, das detailverliebte Dirigieren des Fotografen oder der eigentlichen Technik, die dahinter steht (unnatürliches Licht, Retouche etc.).

    Ganz klar bedienen die verschiedenen Genres ganz unterschiedliche Geschmäcker und Ansprüche. Portraitfotografie ist nicht Mode-, ist nicht Sport- und auch nicht Reportage-. Dementsprechend verschieden sind natürlich auch die Intensionen der unterschiedlichen Genres.

    An der Modefotografie also zu kritisieren, dass der Mensch dabei nicht im Vordergrund stehen würde und die Fotos nicht authentisch wirken würden ist für mich also etwas sinnentstellend, da natürlich nicht das Model, sondern die Mode, die er oder sie präsentiert (und die dann meist auch verkauft werden möchte) im Vordergrund steht.

    Ich beziehe das jetzt nicht unbedingt auf deinen Beitrag, pixelboogie; das war nur der Aufhänger. Man hört nur ähnliche Meinungen immer wieder von ganz verschiedenen Leuten und ich kann da oft nicht so recht folgen; eben weil die verschiedenen Intensionen der jeweiligen Arbeiten stark genreabhängig sind.

  25. Einen sehr schönen Artikel hast du das geschrieben!!

    Ich hab mich bisher noch nicht richtig an „Menschen“ getraut. Bei Freunden kommt sofort ein gestelltes Lachen und unnatürliches Verhalten, was ich nicht unbedingt fotografieren will. Fremde und Passanten hab ich noch nie abgelichtet.
    Ich finde Deine Art zu fotografieren nicht schlecht, man bräuchte nur ne „Tarnkappe“ um sich unsichtbar zu machen.

    Freue mich auf deine weiteren Beiträge.

    LG
    Heike

  26. ich finde, dass du das sehr schön beschrieben hast und bin gespannt auf die weiteren teile der serie!

    bei mir ist das so, dass ich gerne menschen fotografiere, aber dafür viel zu schüchtern bin. besonders dieses „stell dich so und guck so“ kann ich gar nicht, stattdessen setzte eher etwas in meinem kopf aus.
    daher habe ich bisher auch erst 3x mit menschen fotografiert. das erste mal war es ein co-projekt mit einer freundin und 3 weiteren freundinnen als models, wir haben immer abwechselnd meine kamera genommen und es sind schöne bilder entstanden, ohne viel reden zu müssen.
    ein anderes mal fotografierte ich eine freundin und ihren bruder, damit sie eine collage für die mutter machen können, da musste ich schon viele ideen einbringen, konnte das ganze aber meistern, weil ich eine gewisse sicherheit hatte, es handelte sich ja schließlich um meine beste freundin. (allerdings darf ich die bilder nicht online zeigen)
    und auf meiner alten arbeit wurde ich immer wieder gebeten fotos von seminaren und veranstaltungen zu machen. anfangs fiel mir das wegen meiner schüchternheit immer sehr schwer, aber mit der zeit habe ich nicht mehr darauf geachtet. da fand ich es immer gut – und genau das war ja die aufgabe – die leute und teilnehmer in der seminar-situation aufzunehmen, für flyer am besten von hinten ohne gesichter und so. das gefiel mir schon sehr gut, aber ich denke, dass ich noch viel lernen kann.
    sorry für den halben roman =)
    Lg, Jana

  27. Hi Martin, „unsichtbar“ heisst ja wahrscheinlich nicht verdeckt bzw. heimlich. Wie ist hier eigentlich die rechtliche Situation, könnte man Schnappschüsse z.B. ungefragt in einer Ausstellung zeigen? Übrigens, mehr s/w! Grüsse aus Bremen Mitch

  28. Das mit dem „heimlich“ ist für uns Szenefotografen seeehr gefährlich!
    Zwar gäbe das die perfekten natürlichen Fotos, aber wenns blöd kommt, kann man verklagt werden.
    Also: Presseausweis umschnallen und vor dem Motiv in Stellung gehen :-D

  29. Also mir geht es endlich wie Dir, was die Arbeit mit Modells betrifft. Zum einen bin ich ein recht schuechternen und introvertierter Mensch und zum anderen geht es bei Modell-Shooting nicht unbedingt um das, worum es bei einem „privaten“ Shooting geht. Wo die Fotos eher fuer den eigenen Gebrauch als fuer kommerziele Zwecke gedacht sind. Ich brauche einen gewissen Draht zu der Person, die ich fotografiere, um Fotos zu machen, die diesen Menschen wirklich repraesentieren. Dabei gehe ich es aehnlich an wie Du. Viel reden, zum lachen oder nachdenken bringen und bloss nicht staendig nur hinter der Kamera verstecken.

  30. Diese Natürlichkeit sieht man Deinen Bildern auch an! Finde ich sehr schön!
    Hast Du auch einen Tip, wie man es verhindert, dass die Leute das Posieren anfangen? Mir geht es immer so, dass – sobald einen Kamera in der Nähe ist – die Menschen versuchen krampfhaft nett zu lächeln und der ganze natürliche Eindruck ist futsch. Unsichtbar machen wärs echt…

    • @Katharina: Das kommt natürlich in erster Linie auf den Menschen und das Ziel des Shootings an, aber prinzipiell würd ich mal sagen: Lass Dir und den Leuten Zeit. Das Posieren hört manchmal erst dann auf, wenn Du mal eine Weile mit der Kamera da bist, die Leute Dich mit Kamera akzeptiert haben usw..

  31. Hallo Martin,

    ich finde, das hast du sehr schön gesagt.
    Häufig stehe ich vor dem gleichen Problem, ich möchte einen oder mehrere Menschen fotografieren, jedoch sehen sie auf den Fotos ganz anders aus als in Wirklichkeit. Allein die Tatsache, dass dort irgendjemand mit einer Kamera steht, lässt die Leute sehr unsicher und verstellt werden.
    Erschwerend kommt noch hinzu, dass viele Menschen der Meinung sind, sie sähen auf Fotos generell schlecht aus, also ist es ihnen unangenehm Fotografiert zu werden. Selbst wenn man mit demjenigen gut befreundet ist und zusammen beschließt Fotos zu machen, sobald die Kamera aus der Tasche ist erkennt man den Menschen fast nicht wieder.
    Und jetzt kommt meine Frage:
    Kennst du dieses Problem auch? Hast du eine Herangehensweise entwickelt, um dieses Problem zu umgehen? Und kennst du einen Trick, um die Menschen zu entspannen, ohne als versteckter „Heckenschütze“ arbeiten zu müssen?
    Ich habe schon verschiedene Sachen versucht, aber ich bekomme es einfach nicht hin…

    Viele Grüße,
    Lasse

  32. Sehr schöner Artikel! Schließ mich da an. Mir ist auch aufgefallen, dass ich lieber aus der Situation heraus fotografiere. Habe letzten Sommer die Hochzeit eines alten Freundes fotografisch begleitet, auch nur als „Zweitfotograf“. Das fand ich sehr angenehm, weil ich nicht für die Standardshots verantwortlich war, sondern völlig frei knipsen konnte und dabei dann doch echt ein paar schöne, authentische Bilder entstanden sind. Mag gestellte Fotos halt nicht so gern, obwohl mir bewußt ist, dass es manchmal nicht anders geht. :-)

  33. Sehr ansprechend geschriebene Zeilen! Man spürt hier, dass eine Verbindung zwischen Motiv und Fotograf herrschen muss, die Chemie muss stimmen, damit das Bild gut wird. Und scheinbar ist hier eine „Antenne“ für die Stimmungen der Menschen vorhanden, daher sind Dir die gezeigten Beispielbilder auch so gut gelungen. Dein Ansatz des Fotografierens gefällt mir und ich freue mich auf die nächsten Berichte!

  34. @Katharina
    Ich kenne das zu gut, dass viele Leute versuchen sich „von ihrer besten Seite“ zu geben, sobald eine Kamera irgendwo auftaucht.

    Versuche, die Situation zu entspannen. Musik ist immer gut. Oder gib dem Model etwas in die Hand. Gerade Leute, die ein Hobby haben und dieses auch auf dem Bild mit drauf haben, sind relativ schnell damit beschäftigt und vergessen, dass du sie fotografierst.
    Zudem hilft es, auch über deine Fotografie zu reden. Ich beginne jedes Shooting, ob Studio oder On Location, mit „Lichttests“. Ich sage dem Model, hey, alles noch ganz locker, ich stelle erstmal meine Kamera ein und prüfe wie das Licht ist. Dadurch entsteht eine entspannte Stimmung, ist ja noch nicht das echte Shooting. Meistens habe ich nach zwei, drei Testshots meine Einstellung schon gefunden. Aber das sage ich nicht so offen. Ich mach einfach noch ein paar Bilder mehr… und der Übergang zum eigentlichen Shooting ist fließend

    Portrait-Fotografie ist vor allem Kommunikation. Reden, Witze machen, rumalbern. Ein natürliches Lachen ist immer noch das schönste Lachen.

  35. Hallo Martin,

    ich verfolge meist Deine Einträge mit Stillschweigen, doch heute muss auch ich mal etwas loswerden.
    Selten habe ich so präzise und feinfühlig meine eigene Einstellung zur Fotografie aufgezeigt gesehen. Ich sehe Dinge des Alltags. Situationen in denen Menschen miteinander in Verbindung treten, in denen sie Ihren Alltag bestreiten, so sind wie sie sind. Nicht aufgeschreckt von einem ‚Stell Dich mal so und so’, ‚Die rechte Hand um 10cm weiter nach rechts…’, ‚…nun lach doch mal!’, sondern einfach so wie sie sind. In diesen Situationen, und genau das hast Du in Deinem Artikel beschrieben, finde auch ich, tritt die ganze Schönheit, Eleganz, Einzigartigkeit und Unbeschwertheit der Menschen zu Tage. Selten schaffe ich es, doch wenn mir so ein Bild gelingt, bin ich mehr als glücklich.

    Gestern habe ich einen Brief einer Freundin bekommen, die im nächsten Jahr heiraten wird und mich gefragt hat, ob ich nicht vielleicht Lust hätte, Fotos zu machen. Da ich noch nie so richtig als ‚offizieller’ Fotograf in Erscheinung getreten bin, war ich sehr überrascht. Auf meine Nachfrage meinte sie, sie habe Bilder von mir gesehen und verfolgt, wie ich fotografiere, Dinge betrachte und wahrnehme – und nicht (wie Du so treffend schreibst) als ‚Dirigent’ in Erscheinung trete. Sie wolle keine Bilder eines professionellen Fotografen bei dem es auf das perfekt ausgeleuchtete Gesicht ankommen würde, glaubt viel mehr, dass ich es schaffen würde, die Stimmung und das Gefühl, dass die beiden an diesem einmaligen Tag erleben werden richtig einschätzen und einfangen würde… Selten habe ich mich so über ein Kompliment gefreut. Seitdem bin ich nervös…

    Vielen Dank!
    fabian

  36. Hallo Martin,
    mir persönlich liegt es auch kein Stück, den Dompteur für irgendeine gestellte Situation zu spielen – zumal es dann meistens doch nicht so wirkt, wie man es haben wollte. Zumindest habe ich diese Erfahrung gemacht, aber das mag an mir als Person liegen.
    Jedenfalls finde ich es einen sehr guten Ansatz, den Du beschreibst und ich würde mich freuen, bald den nächsten Artikel in dieser Richtung zu verschlingen! ;-)
    Viele Grüße
    Jan

  37. Ich kann mich zu 100% in deinem Artikel wiederfinden. Das ist genau die Arbeitsweise, an die ich mich auch halte. Diese gezwungenen „Lächel-Fotos“ liegen mir gar nicht. Eigentlich gebe ich, wenn ich mit Freunden als Model oder so arbeite, wenig direkte Angaben sondern gebe dem Model dann so eine Art Richtung vor und das Model kann dann selber entscheiden, wie es sich verhält etc.

    Schöne Beispielbilder auch. Besonders beim zweitem Foto gefällt mir die Schwarz-Weiß-Umwandlung sehr gut. Schöner Kontrast :) Und schönes Spiel mit der Schärfentiefe!

  38. Blogartikel dazu: gesammelte Links aus der Welt der Fotografie – Teil #5 | Photozio

  39. Toller Artikel und tolle Beispielbilder! Ich wünschte, bei mir kämen auch solche Ergebnisse raus. Leider hänge ich noch zu oft an der Technik, als dass ich den richtigen Moment erwische.
    Habe in den vier Monaten mit meiner ersten DSLR fast ausschließlich meine eigene Familie fotografiert und dabei auch immer versucht, Augenblicke als „stiller Beobachter“ festzuhalten.

    Ich freue mich auf jeden Fall über die Fortsetzung dieser Reihe!

  40. Ich hab mich bisher noch nicht wirklich an den Bereich der Fotografie von Menschen rangetraut. Deine Bilder wirken wirklich so wunderbar natürlich, weil nichts gestellt aussieht und man sich wie ein weit entfernter Beobachter fühlt :)

  41. Daumen hoch!

    Ich hasse es, wenn Dich Fotografen erst 3 Sekunden grinsen lassen, bevor sie endlich abdrücken. Beim Segeln hab ich nach 2-3 Tagen festgestellt, dass man als Fotograf gar nicht mehr beachtet wird. Dann kann man richtig arbeiten :-)