kwerfeldein
01. Dezember 2009 Lesezeit: ~5 Minuten

Wie ich Menschen fotografiere: So wie sie sind



Seitdem ich das erste Mal auf den Auslöser gedrückt habe, war das Fotografieren von Menschen immer Teil meiner kreativen Arbeit. Es hat mich schon immer fasziniert, Personen in ihrer Eigenart und ihren Besonderheiten abzulichten. Das zieht mich an, das empfinde ich nie als langweilig. Wahrscheinlich deshalb, weil ich Menschen anziehend finde.

Über die letzten Jahre hinweg habe ich bemerkt, dass mir immer bestimmte Dinge wichtig waren, wenn ich eine oder mehrere Personen vor der Kamera hatte. Sachen, auf die geachtet habe, Herangehensweisen, die zur Gewohnheit wurden. Darüber möchte ich mit Euch sprechen.

Und deshalb starte ich heute eine kleine Reihe. Heute beginne ich damit, dass ich Menschen gerne so fotografiere, wie sie sind, denn das ist die Grundlage meiner fotografischen Arbeit mit Menschen.

Vorab eine kleine Notiz: Ich habe mich ganz bewusst dafür entschieden nicht darüber zu schreiben, „wie man Menschen fotografiert“, sondern wie ich das tue. Denn ich kann und möchte nur aus meiner Sicht berichten und beanspruche keinesfalls Allgemeingültigkeit für das, was ich hier sage. Nein, das Ziel ist es, Euch einen kleinen Einblick in meine Denk- und Arbeitsweise zu geben. Und die ist mit Sicherheit nicht perfekt und soll es auch nicht sein.

Personen unberührt und möglichst natürlich darzustellen ist eine Art zu fotografieren, die ich über die letzten Jahre entwickelt und zunehmend zielstrebiger verfolgt habe.

Das hört sich wahrscheinlich erstmal relativ unspektakulär an, zieht aber einige Konsequenzen nach sich.

Denn in erster Linie sehe ich mich nicht als Dirigent, der Anweisungen gibt und bis ins kleinste Detail plant, was vor der Kamera passiert. Viel eher mag ich die Rolle eines unsichtbaren Beobachters, der sich gut versteckt und unsichtbar macht.

Dabei versuche ich, Folgendes einzufangen:

Momente, die komisch, witzig, interessant, tief, charmant, berührend oder gar traurig sind. So wie Menschen eben sind. Vielfältig und ungeschminkt (meistens).

Dies dürfte auch der Grund dafür sein, warum ich bisher nie mit Models gearbeitet und mit der Fashion und Stockfotografie nicht wirklich warm geworden bin (bis auf Ausnahmen). Denn dann müsste ich ja immer der Dirigent sein. Das liegt mir nicht.

Die Rolle des stillen Beobachters mag ich.

In dieser unauffälligen Rolle fühle ich mich wohl, das passt zu mir. Mir ist es am liebsten, Fotograf zu sein, ohne als solcher wahrgenommen zu werden. Das klingt wohl ebenfalls etwas komisch, ist für mich aber so.

Dann, wenn Menschen sich unbeobachtet fühlen, verhalten sie sich am Natürlichsten. Das möchte ich erreichen, auch wenn das nur eingeschränkt möglich ist. Man sieht mich ja, ich bin ja anwesend. Alleine das reicht in den meisten Fällen aus, dass sich Menschen anders verhalten als „normal“.

Aber es gibt Momente, in denen Leute vergessen, dass sie fotografiert werden. Wenn ich sie dann „erwische“, entstehen häufig die besten Fotos.

Aber um Menschen natürlich zu fotografieren, muss ich nicht zwingend unsichtbar sein. Nein, es gibt einige Situationen, in denen ich Personen sehr genau sage, wie sie sich stellen oder in welche Richtung sie schauen sollen. Beispielsweise beim Outdoorshooting eines Hochzeitspaares oder bei Bewerbungsfotos. In solchen Situationen brauchen Menschen die Sicherheit, dass ich ihnen genau sage, was sie tun sollen.


Hier habe ich den David gebeten kurz in die Kamera zu schauen.

Doch die Frage ist, wie weit das geht, dieses Dirigieren.

Ich habe deshalb folgenden Ansatz: Nur so viel wie nötig und so wenig wie möglich. Anweisungen wie „Bitte etwas deutlicher Lächeln“ bekomme ich nicht über die Lippen – da versuche ich lieber auf anderen Wegen für lockere Stimmung zu sorgen, als so etwas zu einzufordern. Das klappt meistens sowieso nicht, da ich (wie gesagt) nicht mit Models arbeite.

Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass Menschen „so wie sie sind“ am Schönsten sind. Und das möchte ich mit der Kamera einfangen. Ganz oft bemerke ich im Alltag Szenen und Momente, die mir gefallen, aber nicht fotografiert werden. An diese Unberührtheit lehnt sich meine Art zu fotografieren an, das macht es für mich spannend und attraktiv.

Liebe Leute, nun habe ich angerissen, was die Grundlage meines Fotografierens ist. Das war der Theorie-Teil und in den nächsten Artikeln der Reihe werde ich ganz praktisch zeigen und erzählen, „wie ich Menschen fotografiere“.

Wenn Ihr Fragen oder Anregungen habt, freue ich mich sehr über Eure Kommentare. Wenn Ihr mögt, dürft Ihr auch gerne schildern, wie Ihr Menschen fotografiert. Ich bin gespannt!

Teilen

Ähnliche Artikel