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16. November 2009 Lesezeit: ~2 Minuten

Faszination Auge: Besser als jede Kamera

Auge: Besser als jede Kamera
Foto Credits: Eye von helgabj

Seitdem ich fotografiere, denke ich in zunehmendem Maße darüber nach, wie einzigartig das menschliche Auge eigentlich ist. Nun wird sich sicher jemand fragen: „Was hat das mit Fotografie zu tun“? Auf den ersten Blick vielleicht nicht sehr viel und..

… ich möchte Euch nichts vormachen: Wer diesen Text gelesen hat, wird hinterher nicht besser fotografieren – höchstens ein bisschen klarer sehen.

In den letzten Wochen und Monaten habe ich mich konstant dazu entschieden, etwas „genauer hinzusehen“. Womit? Mit meinen Augen. Das, was für mich die längste Zeit meines Lebens selbstverständlich war, ist es mittlerweile gar nicht mehr.

Denn je länger ich mit Kameras und Objektiven zu tun habe, umso mehr werde ich mir ihrer Beschränktheit bewusst. Oder umgekehrt: Desto mehr Schätze ich die Qualität meiner Augen.

Denn nichts ist so scharf, so klar und so deutlich wie das Bild, welches ich mit meinen Augen sehen kann. Erst vorgestern bin ich mit Freunden durch den Wald gelaufen und dabei vielen mir die grünen und braunen Blätter am Boden in ihrer Schönheit auf.

Kameras – egal wie gut sie sind – haben immer irgendwelche Macken. Ja, die Technik wird zwar immer besser – aber irgendwas fehlt immer. Nehmen wir mal das Thema Dynamik. Wenn ich Abends an einem See den Sonnenuntergang betrachte, dann kann ich mit meinen Augen sowohl die Wolken in ihren Details erkennen als auch das Wasser im Vordergrund.

Schonmal die Kamera reingehalten?

Die lieben Landschaftsfotografen wissen sofort, wovon ich rede – denn die Kamera schafft es nicht, diesen Dynamikumfang aufzunehmen. Entweder wird der Himmel schön klar zu sehen sein, dafür aber der Vordergrund unterbelichtet oder der Vordergrund schön hell und der Himmel überbelichtet.

Ich könnte hier jetzt noch viele Beispiele nennen. Rauschen, Schärfe, oder so etwas wie Linienverzerrung. Die Liste hat kein Ende. Unsere Augen sind schlichtweg unschlagbar, wenn es um das Thema „Bild“ geht – und das beschäftigt uns Fotografen ja täglich.

Seit mir das bewusst geworden ist, denke ich immer wieder darüber nach und erlebe Situationen viel bewusster. Ich schaue immer wieder „genauer hin“ und genieße das beste Bild, welches mir geschenkt wurde.

Und jetzt noch ein kleines, aber feines Video zum Thema Auge:

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28 Kommentare

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  1. Galileo…. naja….

    Aber du hast Recht, das Auge ist genial. Und in meinem Leben eh schon immer ein Thema gewesen.
    Als ich 5 war hatte ich einen Unfall und muss seitdem eine Sehhilfe tragen. Seit 4 Jahren trage ich jetzt Kontaktlinsen. Manchmal sitzt diese nicht richtig und ich sehe unscharf. Dann faellt mir auch jedes Mal meine Kamera ein, wenn ich die Linse richte um wieder scharf zu sehen.

    Unsere Augen sind auch nur Objektive. Die besten. Und Kontaktlinsen, Brille, Sonnenbrillen sind wie Filter die wir vorne montieren. :D

  2. Ja. Da ist die Enttäuschung groß, wenn man das erste mal feststellt, welche extremen Unterschiede es zwischen dem gibt, was man sieht und dem was die Kamera aufnimmt.
    Allerdings hinkt der Vergleich auch ein wenig, weil sich das Auge ja automatisch und kontinuierlich anpasst. Das Auge macht quasi die ganze Zeit Belichtungsreihen (-:
    Das Verlinken eines Pro-Sieben-Machwerks hätte ich mir aufgrund von dieser Geschichte -> http://www.stefan-niggemeier.de/blog/lebt-er-noch/
    eher verkniffen.

    • @Herr Olsen: Ja, ich hab mir auch überlegt, ob es so klug ist, hier das Video reinzunehmen, da ich die privaten Sender wie Pro7 ohnehin äusserst kritisch betrachte. Das Augen-Video für sich ist aber meiner Meinung nach gelungen und passt gut zum Artikel. Ich denke dennoch mal drüber nach ;)

  3. Ist ja witzig!
    Ich saß gester Abend auf dem Balkon, es war schon dunkel draussen. Hab durch die Balkontür in die beleuchtete Wohnung geschaut. Das sah so gemütlich aus.
    Und genau in dem Moment dachte ich mir:
    Kann nicht mal jemand ne Kamera entwickeln, die den gleichen Dynamikumfang wie mein Auge hat?

    Wer weiss, vielleicht kommt sowas ja in Zukunft.
    Die Frage ist nur, ob man das überhaupt möchte…

  4. Das Auge ist wirklich das beste Equipment eines Fotografen und es ist enorm, was unsere Augen täglich leisten. Ich finde es erstaunlich, wie man sein Auge „schulen“ kann, wie man die Umgebung viel bewusster wahrnimmt. Auf der anderen Seite muss man sich aber auch einmal vorstellen, was wäre wenn man plötzlich zum Beispiel wegen einer Krankheit erblindet. Das stelle ich mir grausam vor.

  5. Blogartikel dazu: uberVU - social comments

  6. Unsere Augen sind wirklich faszinierend. Jedoch macht die größte Arbeit unser Gehirn. Gestern war ich mitten in der Nacht auf einem Feld und habe die Sterne fotografiert. Dort viel mir der Dynamikumfang unserer Augen extrem auf. :)

    Wenn ich nach unten ins Tal geblickt habe konnte ich Dresden mit den tausenden Lampen anschauen, aber auch die Sterne in völliger Dunkelheit darüber konnte ich gut erkennen. Dann habe ich schnell steil nach oben in den Himmel geschaut und hab festgestellt das meine Augen bzw. mein Gehirn einen super Grauverlauf „erstellt“ haben. :D In den ersten Sekunden war die Hälfte des Himmels im unteren Bereich da wo ich vorher die Stadtlichter gesehen habe um einiges heller als die andere obere Hälfte. Es war ein sanfter Verlauf der nach einigen Sekunden verschwand. In diesem Moment ging es mir sicher genau so wie Dir Martin. Ich dachte mir so „Wow was die Augen so alles drauf haben, echt faszinierend“

    Ich kann mich glücklich schätzen das ich sehr zufrieden mit meinen Augen bin. Ich brauche keine Brille bzw. Kontaktlinsen und sehe noch alles knack scharf. Ich hoffe das bleibt ne Weile so. :)

  7. Das hört sich jetzt vielleicht doof an, aber: Vor ein paar Jahren (naja heute ist das eigentlich immer noch so) hatte ich die Vision einer Kamera, die als Kontaktlinse funktioniert. Die man aktivieren kann (wie auch immer) und mit Blinzeln auslöst. Und die Momente genau so aufnimmt, wie man sie mit dem Auge wahrnimmt.

    Warte nur ab… in ein paar Jahrzehnten ist es soweit :) ^^

  8. Perfekt ist das Auge aber noch lange nicht (man denke zb an den blinden Punkt). Und auch sehr anfällig (Sehschwächen, Farbenblindheit, etc).

    Aber ’ne coole Sache an sich ist es natürlich schon! Die Evolution hat sich schon ganz schön Mühe gegeben :)

  9. Naja, also größten Teils hast du damit schon recht, aber so perfekt ist das Auge eigentlich garnicht, wie man immer annimmt.
    Sehr vieles, gerade was die Linienverzerrung, Schärfe oder sowas angeht macht unser Hirn.
    Das Auge hat z.B. ebenso Linienverzerrungen, wenn wir etwas anschauen. Nur weil wir WISSEN wie die Wirklichkeit sein sollte, wird es in unserem Hirn richtig angezeigt/interpretiert. Also auch hier ist es natürlich nicht nur die Optik alleine, sondern ebenso die Technik dahinter.

    Irgendwo hab ich mal gelesen, wenn man lange genug auf dem Kopf stünde würde sich das Bild im Kopf nach einer Zeit wieder richtig herum drehen…

    Ich glaube wir alle können gespannt sein was in absehbarer Zukunft in Sachen digitaler Bilderfassung noch kommen wird (in Hinsicht auf die annäherung an das menschliche sehvermögen usw…)

    • @t0m: Jupp, da geb ich Dir recht – das Auge arbeitet sehr stark mit dem Gehirn zusammen -was es für mich aber nicht minder „gut“ macht. Aber eine Sache, die hier evtl. noch zu nennen wäre ist der maximale Schärfebereich. Der ist nämlich beim Auge sehr schmal (nur ein paar mm) und nach aussen wirds immer unschärfer (oder: undeutlicher) -> auch ein guter Bezugspunkt wo Objektive weiter sind, weil sie viele Bereiche scharf darstellen können – aber selbst L-Objekive haben auch sog. „Randunschärfe“ hihi… Ein weiterer Punkt ist, dass man mit einem Foto einen Moment festhalten kann und ihn im Nachhinein genauestens unter die Lupe nehmen kann (zoomen-oha) und so.. Das Auge ist eben „anders“ – wenn auch gar nicht wegzudenken…

      @d0lli: Sicher – ist ja bei der Blende (->Iris) schon so ;)

  10. Zum Glück hab ich ne Brille, sonst wäre mein Objektiv meinem Auge in punkto Schärfe überlegen.
    Schade, dass die Natur uns keine Kombination aus Adler- und Katzenaugen geschenkt hat ;)

    Forscher entwickeln übrigends ccd bzw. cmos Sensoren, die nicht mehr flach sind sondern eine Wölbung haben. Vielleicht kommt die Technik dem Auge also bald näher als man denkt :)

  11. Wie schon zuvor einige Kommentatoren anmerkten: Man sieht nicht mit dem Auge; es ist unser Hirn, das mit seinem Gedächtnis ein Bild der Realität in uns quasi konstruiert und dabei „Fehler der Optik (Auge)“ hinausrechnet. Es gibt ausreichend Beispiele für „optische Täuschungen“ die zeigen, wie unzureichend – was die Technik angeht – unsere Optik samt Bildverarbeitung funktioniert. Sie ist aber quasi perfekt für unser tägliches (Über)leben ausgeführt. Sofern wir das überhaupt mit unserem Hirn beurteilen können. Daher ist Deine Faszination für das Auge nachvollziehbar.

  12. Wenn die Kameras erst mal eine ordentliche EBV drin haben, ist das Auge auch nicht mehr ganz so vornedran… HDR in Echtzeit, nicht mehr lange ein Killer-Feature unseres Körpers :)

  13. Wie schon mehrmals erwähnt wurde, ist das Auge bei weitem nicht perfekt. Eigentlich ist es den heutigen Kameras deutlich unterlegen. Das wirklich erstaunliche ist, was unser Gehirn aus den Informationen, die es von den Augen bekomment, herauslesen bzw. konstruieren kann.

    Beispiel:
    „Das Scharfsehen entsteht beim Menschen […] auf nur 0,02 Prozent der Netzhautfläche, dem sogenannten Gelben Fleck (Macula lutea). Dieser entspricht etwa 2° unseres insgesamt horizontal rund 170° und vertikal rund 110° umfassenden binokularen Blickfeldes.“
    Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Auge#Funktionsmechanismus_der_Bilderzeugung

    Der hohe Dynamikumfang des Auges entsteht übrigens u.A. dadurch, dass es seine Empfindlichkeit in einzelnen Punkten (quasi je Pixel) getrennt anpassen kann. Das kann man ganz einfach testen, indem man eine Zeit lang (ca. 30-60 Sekunden) auf ein kontrastreiches Muster, z.B. eine Schwarz-Weiß-Zeichnung, starrt möglichst ohne dabei die Augen zu bewegen und danach auf eine helle gleichmäßige Fläche schaut.

  14. danke für den beitrag…. sehr interessant…!!!

    unser auge ist auch ein werk gottes… und ich find es schön, dass du es bemerkt hast und zu schätzen weisst, was uns der liebe gott beschert hat… es ist eigentlich für uns alle was ganz normales… zu sehen!!! aber wie wir sehen, was wir sehen können… das ist einfach ein wunder für sich…

  15. Ich finde den Beitrag auch sehr interessant und stimme den meisten Kommentaren zu. Das Gehirn leistet eine wahnsinnige Arbeit, aber man darf nicht vergessen, dass wir niemals die Wirklichkeit sehen. Wir sehen – und das finde ich ist das erschreckende – nur das was unser Gehirn gelernt hat zu sehen. Bestimmte Muster sind abgespeichert und danach wird alles ausgerichtet. Es gibt einige interessante Denkanstöße zb. in dem Buch Revolution im Kopf. Es gibt Menschen die keine Gesichter wahrnehmen können. Weil bei ihnen der Part im Gehirn fehlt und nicht erstellt wurde. Da fragt man sich doch was man wirklich sieht. ;)

  16. und genau deswegen ist es vermutlich so wichtig, das äussere sehen mit dem inneren auge (herz, persönlichkeit, etc.pp) auf eine ebene zu bringen. da entsteht dann magie im bild.
    ….wenn mir einer folgen kann ;o)

    oder, besser ausgedrückt:
    Fotografieren bedeutet den Kopf, das Auge und das Herz auf dieselbe Visierlinie zu bringen.
    Es ist eine Art zu leben.

    Henri Cartier-Bresson

  17. Das Foto von dem Auge ist ja wohl das genialste was ich bisher in der Art gesehen habe. Ich bin wirklich fasziniert. Da kann man ja fast jedes kleinste Detail erkennen. Und die blaue Augenfarbe kommt einfach herrlich rüber. Sensationell.

    Und zum Thema Augen. Ich lerne meine Augen jeden Tag schätzen und mit zunehmenden Alter sowieso. Bin froh das beim letzten Augentest vor einem Jahr bei mir eine Sehstärke von mind. 150% festgestellt wurde. Gerade wenn ich bedenke, das in meiner Familie alle Brillenträger sind ;-)

  18. Interessant, aber der Galileo-Beitrag ist wieder mal total daneben ;-)
    Schlecht recherchiert, ungenau und teilweise total falsch.
    Informationen als Bits zu bezeichnen ist schon mal daneben, ob die „Daten“ so stimmen bezweifle ich.
    Z.B bewegen sich die Augen nicht deshalb ständig, damit aus Einzelbildern im Gehirn ein Ganzes ensteht – sondern weil die Zellen nur dann „aufgefrischt“ werden wenn neue Impulse kommen. Kann man auch testen: Einfach starr möglichst ohne Augenbewegung einen Punkt fixieren, dann verschwimmt bzw. verschwindet das Bild.
    Optische Täuschungen sind zum Großteil eigentlich psychologische Täuschungen (möglicherweise alle?), vieles davon ist angelerntes Sehverhalten!
    Ich beschäftige mich schon lange mit der Frage, wieviele „Bilder pro Sekunde“ kann der Mensch wahrnehmen? Die Antwort ist gar nicht so einfach, da die unterschiedlichsten Faktoren mitspielen (Unschärfe/Bewegung = schnell, gegen Schärfe = langsam) … und bei hellen Informationen sieht man mehr „Bilder“ – nicht ganz grundlos gibt es mittlerweile TV mit 600Hz! ;-)

  19. Ich hab mir schon so manches Mal als kleines Kind gewünscht, ich könnte die Bilder, die mir meine Augen zeigen irgendwie festhalten und als ich dann irgendwann die erste Kamera in der Hand hielt, war ich ziemlich enttäuscht, wie die Bilder auf den Fotos wiedergegeben werden.

    Mit der Fotografie kommen wir wohl nur mit ganz vielen Einzelaufnahmen annähernd an die Abbidungsleistung unserer Augen. Denn so viele Bilder, wie unser Auge wahrnehmen kann, können wir gar nicht mit einer Kamera einfangen!

  20. @ Moondragon: Da muss ich leider wiedersprechen. Das Auge ist nicht in der Lage jeden einzelnen „pixel“ bzw. Stäbchen/Zapfen zu kontrollieren. Im Gegenteil. Die Nachbilder entstehen dadurch, dass wir an den belichteten Stellen nichts sehen, da das Sehpigment verbraucht ist.

    Das Auge ist eine simple Lochkamera. ein sehr geringer Teil wird nur vom Auge scharf abgebildet. Was das Auge so faszinierend macht sind die Muskeln im Auge.

    Unsere Iris ist fast kreisrund, im Gegensatz zu allen anderen Blenden in der Fotografie. Sie ist vielleicht nicht so schnell, aber äußerst Präziese.
    Unser AF ist deutlich schneller als die Kamera. in Verbindung mit den Bewegungen des Auges können wir binnen Sekundenbruchteilen alles scharf sehen und das ohne dass sich der AF mal vertut.
    Die EBV im Gehirn ist eine der besten. Wir können sich tausende Bilder speichern, verändern, rekonstruieren (macht mal die Augen zu und stellt euch ne Tasse vor).

    Aber am Imposantesten ist das Auge erst, wenn wir bedenken, dass es in der Natur 3D HDR Augen gibt. Greifvögel können aus mehreren hundert Metern eine Maus ausmachen. Selbst erfahrene Fotografen haben mit langen Brennweiten da ein Problem.
    Wir können auf einen Meter zwei Punkte auseinander halten, die nur 0,25 mm auseinander liegen. Tiere können da noch mehr erkennen.

    Aber bei all der Faszination darf man nie vergessen: Alles was uns die Kameras liefern wird wiederum vom Gehirn interpretiert. ;)