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14. November 2009 Lesezeit: ~6 Minuten

Monitor-Kauf: Glossy oder Matt?

Monitor-Kauf: Glossy oder Matt?Dies ist ein Gastartikel von Sam Jost. Er ist Unternehmer, beschäftigt sich nebenher mit Fotografie und Tanz und schreibt auf seinem Fotografie-Blog, wenn er dazu noch Zeit findet.

Monitor-Kauf: Glossy oder Matt?

Eigentlich ist das eine alberne Frage. Profi-Monitore sind matt, schon seit Jahrzehnten sind entspiegelte Monitore an Bildschirmarbeitsplätzen Pflicht, die Berufsgenossenschaften fordern inzwischen sogar Kennzeichnungspflicht für die unterschiedlich hochwertigen Klassen der Entspiegelung.

Die Folgen von Spiegelungen in Monitoren sind lang und breit erforscht, Reflexionen in Monitoren sorgen auf Dauer für Ermüdung, Verspannungen und Kopfschmerzen. Und Rückenschmerzen, wenn man sich schief hinsetzt, um an einer Spiegelung vorbeizusehen.

Monitor-Kauf: Glossy oder Matt?

Ist Glossy also schlecht?

Ich sag es mal ganz vorsichtig: bei Glossy-Monitoren ist es extrem schwer, Spiegelungen zu vermeiden.

Wenn man seine Arbeitsumgebung wirklich 100%ig frei gestalten und einrichten kann, sich perfekt zu Fenstern platzieren, die Lichtquellen optimal setzen kann, dann kann man einen Arbeitsplatz so einrichten, dass sich auch im Glossy-Monitor nichts spiegelt.

Aber seien wir mal ehrlich: die allerwenigsten sind in dieser glücklichen Situation. Die meisten müssen bei der Wahl ihres Arbeitsplatzes Kompromisse eingehen, und dass ausgerechnet dort nichts spiegelt, ist eher unwahrscheinlich.

„Aber wenn der Monitor an ist, spiegelt sich doch nichts.“

Letzt in einem Fotoladen sah ich einen abgeschalteten Glossy-Monitor von Apple – darin spiegelte sich wunderbar der ganze Laden hinter mir. Auf meine Frage, ob ihn das gespiegelte gar nicht störe, kam: „wenn der Monitor an ist, sieht man das gar nicht mehr“. Unsere Augen sind eben ein geniales System. Nur leider ist das Ausblenden dieser Informationen mit Arbeit verbunden, und genau hier entstehen dann Müdigkeit, Kopfschmerzen, Verspannungen.

Außerdem, was, wenn ich mal dunkle Bilder bearbeite? Wie soll man Farben beurteilen, wenn sich andere Farben im Display spiegeln?

Warum gibt es dann überhaupt Glossy Monitore?

Zum einen sind Glossy Monitore billiger in der Herstellung. Entspiegelung, vor allem Gute, kostet Geld. Wenn man ansonsten gleichwertige Monitore in Matt oder Glossy verkauft, dann ist der Matte teurer.

Kosten ein Matter und ein Glossy Monitor gleichviel, dann muss ich damit rechnen, dass in dem matten Monitor schlechtere Technik verbaut ist. Der Monitor ist dann zwar entspiegelt, aber die Anzeige taugt trotzdem nichts.

Für das gleiche Geld bekomme ich bei Glossy „mehr“ Monitor.

Außerdem hat die Entspiegelung einen Nebeneffekt: während sich auf einem Glossy-Display das Licht nur nach dem Prinzip „Einfallswinkel gleich Ausfallswinkel“ spiegelt, streut die matte Oberfläche einfallendes Licht aus und in alle Richtungen. Dadurch ist ein mattes Display nie so dunkel wie ein Glossy, es hat immer einen ganz leichten Grauschimmer (schlecht entspiegelte Monitore stärker als gut Entspiegelte).

Auf einem Glossy Monitor wirkt Schwarz entsprechend dunkler, schwärzer als auf einem mittelmäßig Entspiegelten.

Das gilt natürlich nicht nur für Schwarz, sondern für sämtliche Farben – das gespiegelte Licht mischt sich ja überall unter. Das hat zur Folge, dass auch Farben auf Glossy kräftiger wirken als auf einem mittelmäßig entspiegelten Monitor.

Puh, das ist natürlich hart. Leuchtende Farbwiedergabe ist ja etwas schönes. Und wenn nicht gewünscht, kann man immer noch in der Bildbearbeitung die Farben dämpfen. Andererseits steckt da ja der Beisatz „als auf einem mittelmäßig entspiegelten Monitor“ mit drin. Es gibt ja nicht nur eine Entspiegelung (schön wär’s), sondern unzählige, und wie so oft gilt: die besseren Entspiegelungen kosten auch mehr Geld.

Wenn man also im gleichen Preisniveau Monitore miteinander vergleicht, dann vergleicht man dort meist Glossy mit dem nächstteureren, nämlich mittelmäßig entspiegelten Monitoren. Und da sehen die Farben auf Glossy brillanter aus.

Schwierige Entscheidung?

Ganz ehrlich, eigentlich ist es keine schwierige Entscheidung: Wenn man sich absolut sicher ist, den Monitor während seiner Lebenszeit immer so optimal positionieren zu können, das nichts helles hinter einem ist, was sich drin spiegeln kann. Und zwar nicht nur, während man perfekt Kerzengrade vor dem Monitor sitzt, sondern auch schräg (falls man zu zweit vor dem Monitor sitzt), von unten (fürs gemütliche Abhängen), von oben (für die, die einem über die Schulter schauen) nichts reflektiert, dann kann man sich wohl auch auf einen Glossy Monitor einlassen.

In allen anderen Fällen würde ich dringendst zu matt raten, auch wenn es für einen gleichwertigen Monitor etwas teurer ist – oder sind ein paar Euro Ersparnis so wichtig, dass man sich dafür Müdigkeit, Kopfschmerzen, Verspannungen einhandeln muss?

Zu gerne hätte ich den Unterschied mit Vergleichsfotos von einem Matten und einem Glossy Monitor belegt, doch weder im Büro noch Privat kenne ich Leute, die mit einem Glossy Monitor arbeiten, selbst sämtliche Notebooks in meinem Umfeld sind entspiegelt.

Der Vergleich

Was ich als Vergleich zur Hand habe, sind zwei ähnliche Bilder, die ich mir mal als Vergleich habe anfertigen lassen. Eines der Bilder ist hinter Acryl, also einer glänzenden Oberfläche (ähnlich einem Bild hinter Glas), das andere Bild ist mit einer matten UV-Schutzfolie überzogen.

Beide Bilder habe ich im gleichen Winkel an die gleiche Stelle gestellt, und mit Kamera auf Stativ bei identischer Lichtsituation fotografiert. Der Unterschied ist gewaltig, aber seht selbst:

Monitor-Kauf: Glossy oder Matt?

Im glänzenden Bild kann man sehr gut das Fenster und den Schatten der Kamera sehen. Das beim matten Bild die gleichen Lichtverhältnisse sind, glaubt man kaum, wenn man diese Bilder so nebeneinander sieht, es steht euch frei, das selber zu probieren (wobei nicht jede Monitor-Entspiegelung so gut ist, wie die Entspiegelung dieser UV-Folie).

Ein interessanter Effekt bei der Aufnahme: der Autofokus der Kamera hatte beim glossy Bild Probleme, scharfzustellen. Oft stellte er auf das spiegelnde Fenster scharf, statt auf das Motiv. Genau so geht es unseren Augen, sie stellen unwillkürlich auf die Spiegelung scharf. Unser Gehirn bekommt das dann zwar geregelt, sich aufs Motiv zu konzentrieren, aber das ist halt anstrengend.

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