kwerfeldein
13. November 2009 Lesezeit: ~7 Minuten

11 Fragen an Matthias Pabst

Liebe Leute, es wird allerhöchste Zeit, dass ich Euch mal ein Interview mit Matthias Pabst (@mace2000) vorlege. Ich habe Matthias über die Fotografie kennengelernt und wir haben schon einige gemeinsame Fototouren im Schwarzwald unternommen. Wer Matthias gar nicht kennt, der sollte sich unbedingt seinen Photoblog anschauen, woraus wir heute einige Bildbeispiele sehen werden.

Hallo Matthias – magst Du Dich kurz meinen Lesern vorstellen?

Hallo liebe Kwerfeldein-Leser! Ich bin Matthias, lebe mit meiner Frau in Karlsruhe und arbeite derzeit als Webdesigner und -entwickler für verschiedene Unternehmen. Hin und wieder bin ich auch als Fotograf im Bereich Eventfotografie (Hochzeiten, Firmenevents) tätig. Privat habe ich mich seit einigen Jahren der Natur- und Landschaftsfotografie verschrieben.

Wobei wir eigentlich schon mitten im Thema wären. Wie bist Du zur Fotografie gekommen – und was hat Dich dazu bewogen, Landschaften zu fotografieren?

Eigentlich bin ich eher zufällig zur Fotografie gekommen. Vor ca. 5 Jahren habe ich mir für eine Reise in die USA meine erste Digitalkamera gekauft. Natürlich habe ich diese auch danach intensiv benutzt und irgendwann bin ich dann bei der Suche nach einer Backup-Lösung im Internet über diverse Foto-Communities gestolpert. Und da hab ich gesehen, was andere so fotografieren und was alles möglich ist mit einer Kamera. Da hat es bei mir „Klick“ gemacht. Insbesondere die Landschaftsfotos von anderen Fotografen hatten mir es sehr angetan und da ich selbst schon immer gern in der Natur unterwegs war, bin ich irgendwie bei dem Thema hängen geblieben.

Und das sieht man Deinen Fotos auch an – schließlich fotografierst Du auch heute noch Landschaften. Gibt es etwas, was Du überhaupt nicht gerne fotografierst?

Ja. Speisen, Haustiere und Menschen in unvorteilhaften Situationen (z.B. beim Essen). Besser gesagt: das fotografiere ich nicht „nicht gern“ sondern gar nicht.

Hihi, ja Haustiere ist ja ein heikles Thema. Aber sag mal, wie gehst Du an ein Shooting draussen ran? Suchst Du Dir vorher die Locations raus oder fährst Du einfach blind irgendwo hin und knippst drauf los?

Mal so, mal so. Wenn ich viel Zeit habe und einen größeren Ausflug machen kann, suche ich mir vorher schon meine Locations aus. Ansonsten fahre ich gern einfach drauf los und halte dort an, wo es mir gerade gefällt. Da meine Fotos extrem wetter- und tageszeitabhängig sind (Wolken, Sonnenuntergänge etc.), ist das manchmal ein ganz schönes Katz- und Mausspiel und nicht immer von Erfolg gekrönt.

Wenn man Deinen Flickr-Stream aufmerskam verfolgt, dann sieht man, dass Du nicht nur lokal fotografierst, sondern auch gerne international fotografierst. Gibt es ein paar Traumlocations, die Du unbedingt mal fotografieren willst?

Klar, es gibt viele Orte, an denen ich noch fotografieren möchte und werde. Der wohl wichtigste (und hoffentlich auch der nächste) ist Island.

Warum gerade der? Was reizt Dich besonders daran?

Island fasziniert mich einfach. Ich habe mittlerweile schon tausende Fotos und einige Videos von Island gesehen und bin begeistert von diesem Land. Vor allem reizt mich die karge, unwirtliche Natur mit ihren krassen Gegensätzen. Dazu kommt, dass es in Island aufgrund der nördlichen Lage im Sommer auch nachts hell ist und man deshalb einzigartige Lichtsituationen vorfindet. Außerdem reizt mich Island, weil es nur dünn besiedelt ist und man viel unberührte Natur vorfindet. Das ist hier in Deutschland, vor allem in Baden-Württemberg schon anders. Hier ist es viel schwerer, Landschaftsfotos ohne Menschen und deren „Auswirkungen“ (Gebäude, Strommasten, Straßen, Lichter, Müll etc.) zu machen. Aber das ist sicher auch anspruchsvoller.

… und ich finde, Du hast einen guten Weg gefunden, mit diesern „Auswirkungen“ fotografisch umzugehen. Deine Fotos haben sehr viel Stimmung in sich, was kaum zu übersehen ist. Aber sag mal, was ist Dir wichtiger: Eine möglichst schönes Foto zu haben (und solange zu bearbeiten, bis es schön ist) oder willst Du eher die Situation so darstellen, wie sie ist? Oder ist es eine Mischung aus beidem?

Engel links, Teufel rechts. Es ist eine Mischung aus beidem. Natürlich versuche ich immer, möglichst nahe an der Realität zu bleiben und die Welt so darzustellen, wie sie ist. Ich versuche immer, das Foto bereits in der Kamera so gut wie nur irgendwie möglich zu haben. Aber ich gebe zu, dass ich oft auch ein wenig „nachhelfe“ und versuche, meinen Fotos einen besonderen Stil zu verpassen. Mit Sicherheit habe ich dabei auch schon über das Ziel hinaus geschossen, aber das gehört zum Lernprozess.

Wenn Du Dich vor einer Fototour entscheiden müsstest: Tele oder Weitwinkel?

Kommt darauf an, was das Ziel der Tour ist. Wenn ich Landschaften fotografieren will, definitiv Weitwinkel.

Okay ich geb zu, darauf hab ich spekuliert. Aber wenn wir schon beim Thema Ausrüstung sind… Wie wichtig ist für Dich qualitativ hochwertiges Equipment? Unter Fotografen wird das ja immer gerne kontrovers diskutiert..

Da bin ich ganz ehrlich: Ich lege mittlerweile viel Wert auf eine solide Ausrüstung. Die Fotoausrüstung ist mein Werkzeug und ich möchte mit dem besten Werkzeug arbeiten, das ich mir leisten kann. Meine Ausrüstung muss robust sein und mir vor allem eine gute, (technische) Bildqualität bieten. Natürlich kommen jetzt Einwände wie „Der Fotograf macht das Bild“ oder ähnliches. Das ist vollkommen richtig. Sehe ich auch so. Ich habe ja selbst auch mit einer kleinen, günstigen Kamera angefangen. Und ich glaube, ich darf sagen, dass meine Fotos auch damals schon gut waren (bitte nicht als Eigenlob auffassen!) aber mit der Zeit steigen eben die Ansprüche.

Mit Deiner Erfahrung in der Landschaftsfotografie bist Du sicher ein Vorbild für viele Einsteiger. Welche 3 Tipps würdest Du jemandem geben, der ca. 1 Jahr mit einer DSLR fotografiert und sich wie Du der Landschaftsfotografie verschreiben möchte?

1. Gehe so oft fotografieren, wie du kannst! Wie schon oben erwähnt, ist die Landschaftsfotografie sehr wetter- und tageszeitabhängig und oft bekommt man nicht immer das gewünschte Ergebnis. Ich war unzählige Male an immer den gleichen Orten und irgendwann passt es halt. Nicht aufgeben!
2. Tausche dich mit anderen Landschaftsfotografen aus und lerne von und mit ihnen! Das ist besser als jedes trockene „Wie werde ich Landschaftsfotograf“-Buch. Gute Möglichkeiten um andere Fotografen kennen zu lernen sind Foto-Communities wie Flickr oder Foren wie das Kwerfeldein-Forum (ich bin nicht zu dieser Aussage gezwungen worden!). Aber auch der persönliche Kontakt ist nicht zu unterschätzen. Ein guter Foto-Buddy ist Gold wert. You know, who you are!
3. Teile deine Fotos und begeistere andere Menschen! Stell deine Fotos in Foto-Communities oder in dein eigenes Fotoblog, drucke Abzüge, Poster, Kalender etc. und verschenke oder verkaufe sie. Es gibt keine bessere Motivation zu Fotografieren als die Freude deiner Mitmenschen an deinen Fotos.

Okay Matthias, letzte Frage: Was läuft bei Dir im Auto, wenn Du auf Fototour gehst? Es wird wohl kaum der Musikandenstadl sein….

Sigur Rós, meist das Album „Ágætis Byrjun“.

Danke, Matthias!

Ähnliche Artikel