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10. November 2009 Lesezeit: ~9 Minuten

Tipps für den Monitorkauf

Tipps für den MonitorkaufDies ist ein Gastartikel von Sam Jost. Er ist Unternehmer, beschäftigt sich nebenher mit Fotografie und Tanz und bloggt hin und wieder unter www.radeldudel.de, wenn er dazu noch Zeit findet.

Kauftipps sind etwas gängiges und hilfreiches: wir haben gelesen, dass die Kamera egal sei, das Festbrennweiten einen weiterbringen, das Rechner schnell sein sollen und Festplatten nie groß genug sein können.

Doch was ist eigentlich beim Kauf eines neuen Monitors zu beachten?*

Klar, das offensichtliche: groß soll er sein, und wenig kosten. Ach ja, und ein gutes Bild soll er haben. Größe und Preis sind einfach zu vergleichen, nur wie erkenne ich „ein gutes Bild“? Für mich muss ein Monitor einen Zweck erfüllen: Ich muss vorher am Rechner erkennen können, wie der Ausdruck auf Papier aussehen wird. Leider ist es sehr schwierig, „ein gutes Bild“ zu erkennen. Daher drehe ich den Spieß einfach um und zeige, was ein gutes Bild nicht haben sollte, woran man ein schlechtes Bild erkennt:

Dafür vorab eine wichtige Vorbereitung am Monitor:

Weniger Helligkeit.

Ein typischer Anfängerfehler in der Bildbearbeitung ist ein zu heller Monitor. Man erkennt das oft an den zu dunklen Bildern dieser Anwender. Spätestens, wenn an so einem Monitor bearbeitete Bilder ausgedruckt werden, offenbart sich der Unterschied:

Die Ausdrucke sind zu dunkel.

Günstige Monitore werben gerne mit Helligkeiten von 300cd/m2 und mehr, was für Bildbearbeitung viel zu hohe Werte sind. Für Bildbearbeitung nimmt man Werte von 80 bis 120cd/m2, je nach Helligkeit des Umgebungslichts. Anmerkung: wenn ihr nicht für Drucke, sondern in erster Linie für Flickr & Co fotografiert, dreht den Monitor ruhig hell – die meisten eurer Betrachter werden es euch danken, eure Bilder toll finden, haben sie doch ihren Monitor ebenfalls zu hell eingestellt.

Wie hell stelle ich den Monitor ein?

Relativ einfach: nimm einen Ausdruck, den Du auch als Datei auf dem Rechner hast. Halte den Ausdruck neben das Bild auf dem Monitor und stelle die Helligkeit (oder das Umgebungslicht) so ein, dass Ausdruck und Bild gleich hell wirken. Denn das ist ja schließlich unser Ziel: Vor dem Ausdruck am Monitor zu sehen, wie unser Bild als Druck wirkt.

Überhaupt, Helligkeit bringt uns gleich zum nächsten Kriterium: Ist der Monitor gleichmäßig hell?

Man guckt auf den Monitor und sagt „klar, passt schon“. Pustekuchen! Unsere Augen samt zugehöriger Signalverarbeitung sind ein spitzenmäßiges System. Spitzenmäßig vor allem darin, die Welt zurechtzubügeln und uns das zu zeigen, was wir zu sehen erwarten. Nehmen wir mal dieses Foto von einem Monitor:

https://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2009/Monitor/0910MonitorEinfach.jpg

Die Helligkeit sieht doch eigentlich ganz ok aus, oder? Nicht perfekt, aber sicherlich gut genug, nicht? Jetzt schneide ich mal zwei Flächen aus und vertausche sie:


https://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2009/Monitor/0910MonitorEinfachVergleich.jpg

Der Unterschied an Helligkeit sollte jetzt sehr gut sichtbar sein. Und nicht nur an Helligkeit, denn die Farbe verändert sich auch, in einen leichten Grünstich.

Es wird noch schlimmer

Natürlich sind wir alle vernünftig, wir achten auf unseren Rücken, haben perfekt ergonomische Stühle und sitzen entsprechend immer schön grade vor unserem Monitor. Nie würden wir auf die Idee kommen, unsere Haltung zu verlieren, uns hängen zu lassen, gemütlich vor unserem Monitor zu fläzen. Denn wenn wir das tun würden, dann müsste uns unweigerlich auffallen, dass der Helligkeitsunterschied und die Farbverschiebungen, von unten betrachtet, noch schlimmer werden.

Still sitzen haben wir in der Schule gelernt

Das Gilt natürlich nicht nur für unten, sondern für jede Kopfbewegung: eines der schlechtesten Merkmale eines zu günstiges Monitors ist, dass sich seine Farben und Helligkeit mit jeder Kopfbewegung verändern. Um das anschaulich zu machen, hier mal drei Fotos von einem Monitor: eines grade, eins leicht von unten und eins leicht von oben betrachtet:

https://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2009/Monitor/0910MonitorBlickwinkel.jpg

Was sofort ins Auge fällt, ist das schmuddelige Weiß im mittleren Bild: bei diesem Monitor wird das Bild wärmer (und schmuddeliger) wenn ich vorm Rechner gemütlich abhänge. Betrachte ich das Bild hingegen von oben (weil ich hinter dem Bildbearbeiter stehe), dann wird es eher bläulich, kalt.

Und auch der Kontrast verändert sich, ich hab hier mal den Grünteil ausgeschnitten und nebeneinandergesetzt:

https://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2009/Monitor/0910MonitorBlickwinkelGruen.jpg

Sprich, wenn man sich vor diesem Monitor gemütlich im Stuhl hängen lässt, verlieren die mittleren Farben ganz gewaltig an Sättigung. Was vorher Farbig war, ist mit einem Mal Schwarz!

Und damit soll man vernünftig Fotos bearbeiten?

Das lustige daran: wenn man vor dem Monitor sitzt, den Kopf hoch und runter bewegt, fällt einem das kaum auf. Der Übergang geht so fließend vonstatten, dass uns unsere Augen gerne vorgaukeln, da würde sich nichts ändern.

Der Kontrast bei Farbverläufen

Farbverläufe sind sehr gut geeignet, um einen schlechten Monitor zu erkennen. Ein einfacher Grauverlauft von Schwarz zu weiß sollte im Idealfall gleichmäßig heller werden:

https://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2009/Monitor/0910MonitorGrauverlauf.jpg

Optimalerweise sieht so ein Grauverlauf auf dem Monitor ebenfalls schön gleichmäßig aus, so wie bei diesem Monitor:

https://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2009/Monitor/0910MonitorGrauverlaufGut.jpg

Doch bei vielen billigen Monitoren sieht das leider ganz anders aus, unregelmäßig, zu dunkel, zu hell, oft fehlen die Mitten. Hier ein nicht so gutes Beispiel:

https://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/2009/Monitor/0910MonitorGrauverlaufSchlecht.jpg

Man sieht deutlich, dass dieser Monitor in der oberen Linken Ecke echte Schwächen hat. In diesem Fall liegt das am Blickwinkel: auf den oberen Bereich gucken wir leicht von unten, auf den unteren leicht von oben, daher wirkt der obere Bereich dunkler, der untere Heller. Und je nach Kopfbewegung verschiebt sich der dunkle Bereich.

Für Bildbearbeitung taugt das wenig.

(Bonuspunkte für all jene, die aufgepasst haben: bei beiden Monitoren handelt es sich um Geräte des Herstellers Eizo. Der obere Monitor ist ein SX2461w, ein sehr guter Büromonitor, während der untere ein S2402w ist, für den Büroeinsatz grade eben noch so geeignet, für Bildbearbeitung jedoch nicht – das nur um zu verdeutlichen, das ein Markenname kein Garant für einen guten Monitor ist: selbst Eizo baut einige für Bildbearbeitung ungeeignete Monitore).

Und was hilft mir das jetzt?

Jetzt habe ich Dir eine Möglichkeit an die Hand gegeben, zu erkennen, ob Dein Monitor von der Helligkeit und Kontrast her zur Bildbearbeitung taugt, und zu Recht fragst Du Dich, was Dir das beim Kauf eines neuen Monitors hilft? Denn wenn er schon zu Hause steht, wo ich ihn mir in Ruhe angucken kann, ist es doch eh zu spät.

Ja und nein. Ich kaufe meine Monitore immer bei Läden, bei denen ich mir sicher bin, dass ich den Monitor im Zweifelsfalle zurückgeben kann. Amazon hat sich hier sehr bewährt, die sind echt super Kulant darin, Ware ohne dumme Fragen oder Spielchen zurück zu nehmen. Auch Saturn und Media Markt haben bisher alles anstandslos zurückgenommen.

Natürlich ist Zurückgeben immer ein erhöhter Aufwand, doch es gibt noch einen Weg:

Geh zum Händler Deines geringsten Misstrauens, und mach dort Fotos von den verschiedenen Monitoren im Betrieb. Eins leicht von oben, eins grade aus der Mitte, eines leicht von unten. Am besten alle drei Bilder manuell mit gleicher Blende und Zeit belichtet, und den Weißabgleich fest, damit die wirklich vergleichbar sind. Unterschiede wirst Du aber auch im Automatik-Modus sehen.
Vergleiche dann die Bilder auf dem Kameradisplay oder in Ruhe zuhause, und streiche die Monitore von der Liste, deren Helligkeit sich zu stark verändert.

*Anmerkungen:
1) Diese Tipps beziehen sich einzig auf Flachbildschirme. Röhrenmonitore, falls man denn noch welche bekommt, haben völlig
andere Probleme, die nicht Bestandteil dieses Artikels sind.
2) Mechanische Eigenschaften lasse ich außen vor – ihr müsst selber drauf achten, dass der Monitor auf Arbeitshöhe verstellbar, euren Neigungen entsprechend kippbar ist und nicht gleich auseinanderfällt, wenn ihr den schützenden Karton wegnehmt.
3) Den Profi-Bereich lasse ich ebenfalls außen vor. Wer das Geld dafür über hat, wird mit einem Profi-Monitor für Bildbearbeitung (Eizo Colorgraphics-Serie, LaCie RGB LED-Serie, Quato Intelli Proof Serie, Nec Spectraview-Serie) glücklicher, aber das hat seinen Preis.
4) Ich weiß, die Kisten heißen nicht „Monitore“ sondern „Displays“ – mir egal, ich nenn sie hier trotzdem Monitor, sollen sich doch alle Physiker im Grabe umdrehen ;)

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