Kwerfeldein
07. November 2009 Lesezeit: ~ 4 Minuten

Zeitraffer-Videos (Teil 3): Digitale Weiterverarbeitung

Dies ist der letzte Teil der Zeitraffer-Serie von von Johannes Heuckeroth (twitter). Er ist Mediengestalter, studiert aktuell in Nürnberg Design und frönt nebenbei seinem Hobby, der Fotografie. Sein Schwerpunkt liegt dabei zur Zeit im Bereich Architektur – wer mag kann ja mal auf seinem Fotoblog vorbeischauen.

Zeitraffer-Videos (Teil 3): Ein Praxisbeispiel – Die digitale Weiterverabeitung
Nachdem wir in den ersten beiden Artikel die Grundtechniken und die konkrete Vorgehensweise bei der Erstellung eines Zeitrafferfilms kennengelernt haben, soll es heute um die digitale Weiterverarbeitung gehen.
Nach den täglichen Aufnahmen habe ich Abends die Datenmenge von ca. 20 GB pro Tag auf den Rechner gezogen, die Bilder in Lightroom importiert und dann erstmal ein Backup gemacht. Das heißt je nach Umfang des Projekts braucht man ordentlich Speicherplatz.
Als nächsten Schritt habe ich damit begonnen jeweils das erste Bild einer Serie in Lightroom zu bearbeiten. Je nach Motiv waren das nur Korrekturen in Kontrast und Farbe, oder aber auch umfangreichere Arbeiten mit zum Beispiel Verlaufsfiltern. Nachdem ich fertig war, hab ich eine tolle Möglichkeit von Lightroom genutzt, mit der man die Einstellungen von Bildern synchronisieren kann. Ich hab also die Bearbeitung des ersten Bildes automatisch auf alle folgenden Bilder der Serie übertragen.

Klich auf die Screenshots = Grössere Ansicht
https://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/zeitraffer/klein/making-of-09.jpg

https://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/zeitraffer/klein/making-of-10.jpg

https://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/zeitraffer/klein/making-of-11.jpg

https://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/zeitraffer/klein/making-of-12.jpg

https://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/zeitraffer/klein/making-of-13.jpg

Wenn es sich um ein Motiv mit gleichbleibenden Lichtverhältnissen handelte, war das ganze soweit kein Problem. Wenn wir den im vorherigen Artikel angesprochenen Fall mit den Belichtungssprüngen aber genauer betrachten, wurde hier eine umfangreiche Korrektur der erzeugten Bilder nötig. Hier ein Bildbeispiel von einem Belichtungssprung:
https://kwerfeldein.de/wp-content/uploads/zeitraffer/klein/making-of-14.jpg
Das ganze lies sich nicht mit einer Korrektur an einem einzigen Bild aus der Welt schaffen, sondern betraff eine ganze Reihe von Bildern. Ich habe jeweils die zehn Bilder vor einem Helligkeitssprung schrittweise in der Helligkeit erhöht, und die zehn Bilder nach einem Sprung schrittweise in der Helligkeit verringert. Leider eine sehr zeitintensive Sache, die mir bei der Einstiegsszene des Films auch nicht wirklich zufriedenstellend gelungen ist.
Nachdem alle Sequenzen bearbeitet waren, hab ich die Bilder in voller Auflösung als JPG aus Lightroom exportiert.
Die Filmerstellung
Jetzt haben wir die Einzelbilder, aber noch keinen Film. Dazu braucht es zusätzliche Software.
Ich habe das Programm Adobe After Effects* genutzt, da ich hier wusste, wie ich schnell eine Filmsequenz aus Einzelbildern erstellen konnte und auch ansonsten mit den Grundfunktionen des Programms vertraut war. Es gibt aber sicherlich Programme die dafür besser geeignet sind.
Als ersten Schritt habe ich alle Sequenzen importiert und in der Reihenfolge angeordnet, die ich mir vorher auf dem Papier zurecht gelegt hatte. Jetzt ging es darum, Übergänge zwischen den Szenen einzubauen, das Ganze auf das vorher ausgewählte Musikstück anzupassen, und den ein oder anderen Zoom einzubauen. Teilweise habe ich Sequenzen auch verlangsamt oder beschleunigt.
Zahlen & Fakten
Das komplette Projekt wurde vom Planungsbeginn bis zum Hochladen des Videos innerhalb von 15 Tagen durchgezogen.

An sieben von zwölf Kirchweihtagen war ich vor Ort und habe Aufnahmen erstellt. Insgesamt sind dabei ca. 18.000 Fotos entstanden, wovon letztendlich ca. 7-8000 im fertigen Film gelandet sind. Es kam eine Datenmenge von knapp 140 GB zusammen.

Der Zeitaufwand betrug insgesamt ungefähr 80 Stunden, wovon nur ein Viertel auf das Erstellen der Aufnahmen entfiel. Der Rest war Planung und Vorbereitung, Datenimport, Nachbearbeitung, Datenexport, Schnitt, Musiksuche etc.

Hier noch einmal der Film (d.Red.)

Fazit
Eines dürfte euch jetzt klar sein: Für so ein umfangreiches Projekt braucht man viel Zeit und vor allem Geduld. Aber wenn ich mir das Ergebnis ansehe ist alles vergessen, und ich bin wieder der Meinung, dass sich der Aufwand gelohnt hat.
Aber auch mit vergleichsweise geringem Aufwand kann man schon eine einzelne Sequenz erstellen und einfach mal diese Technik ausprobieren. Ich hoffe ich konnte euch einen interessanten Blick hinter die Kulissen bieten, und vielleicht zu einem eigenen Versuch inspirieren.

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32 Kommentare

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  1. Also das ist wohl das was die meisten hinter solchen Filmen nicht sehen bzw vergessen…
    … das ist ja ein Wahnsinniger Aufwand bis so ein Film fertig ist. Die Datenmenge, und die damit verbundene Verarbeitungszeit, Wahnsinn! *thumbs up*

  2. Blogartikel dazu: Tweets die Zeitraffer-Videos (Teil 3): Digitale Weiterverarbeitung | Digitale Fotografie Lernen - KWERFELDEIN - Martin Gommel erwähnt -- Topsy.com

  3. Riesen Aufwand, aber super Ergebnis.
    Ich denke wenn man sich die Zeit nimmt und auch die Geduld hat, das so konsequent durchzuarbeiten, wird man nicht enttäuscht sein.
    Ich glaube aber so insgesamt wäre ich eher der faule Typ und würde es per Videokamera aufnehmen und einfach schneller abspielen ;) Dann geht aber der schöne “Stop-Motion” Charakter verloren.

    • Der Stopmotion Character bleibt erhalten: Wenn du beispielsweise 10fache Geschwindigkeit einstellst, macht das Schnittprogramm auch nichts anderes als 9 von 10 Bildern “rauszukicken” und jeweils nur das 10. (oder auch das 1.) zu behalten. Der Grund dafür ist, dass du ja trotzdem nur einen Film mit 25 Bildern pro Sekunde bearbeitest und nicht einen mit 250. Außerdem weiß ich gar nich was umser Auge mit 250 fps machen würde, wäre sicher auch alles recht verschwommen oder abgehackt. Argumente für Zeitraffer mit DSLR sind definitiv höhere Auflösung, bessere Nachbearbeitungsmöglichkeiten im RAW-Format und schließlich die Möglichkeit Wechselobjektive zu benutzen.

  4. Leider fehlen mir die eigentlich wichtigsten Schritte: nämlich die Bearbeitung des Films. Du schreibst z.B. von “Zoom einbauen” – zu dem Themenkomplex hätte ich gerne mehr erfahren.

    Vielleicht ist das ja mal ein eigenes Thema wert.

  5. … und wer Geld sparen will, nimmt statt AfterEffects einfach Blender zum Zusammensetzen und Überblenden (zugegeben, mit dem Zoom würde es dann schwieriger werden, aber für einfachere Sachen geht das darin auch).

  6. Tolle Ergebnisse Johannes! Wie verhält sich das mit der Musik? Ich gehe mal davon aus, dass zur problemlosen Veröffentlichung GEMA-freie Titel verwendet werden sollten. Worauf greifst Du hier zurück? Ich habe nämlich selbst immer bedenken, bei kleineren Präsentationen, die ich gerne veröffentlichen würde, die richtige Musik zu finden, die keine Urheberrechte verletzt.

  7. @Teatime: Ja, das ist nochmals ein ganz anderes Thema, das hab ich bewusst weggelassen, da es eben recht technisch ist und dann natürlich auch nur auf das eine Programm zutrifft.

    @Sascha: Ich habe die Musik über http://www.jamendo.com lizenziert, das ist relativ günstig und GEMA-frei.

  8. Wow…die Datenmengen sind unvorstellbar! Ich schau mir immer wieder Zeitraffer Videos an, und sie sind einfach immer genial! Leider wurde meine Freude getrübt…als ich den Preis der Adobe Software gesehen habe. D.h. wohl googeln nach etwas preiswerterem!

    Aber danke, für die tolle Serie!

  9. Sehr schön gemacht und vor allem interessant zu hören welcher Aufwand dahinter steckt.
    Frage: Da der Verschluss einer DSLR auf eine gewisse Anzahl von Auslösungen (plus/minus irgendwas) beschränkt ist, wäre rein theoretisch eine dreistellige Canon nach ca. 3 solcher Projekte schrottreif. Wie handhabst du das?

  10. Ich glaub sowas muss ich auch mal machen. Das ist ja echt ein riesen Projekt, was du uns da vorgestellt hast.
    Das Video ist erste Sahne, Respekt auch, dass du das mit den Lichtverhaeltnissen so gut gemeistert hast.
    Und 140GB… aua aua aua. :D

  11. Manchmal hasse ich mich. Da les ich mal eine Woche nix hier und bin beschäftigt StopMotion Tutorials zu finden und derweil ist hier alles wunderbar beschrieben und das sogar mit LR und nicht mit irgendwelchen frickeligern Programmen…

  12. Nicht kommerzielle Programme?
    Um die Jpgs aus Lightroom in einen Avi-Container zu packen, könnt ihr auch das Freeware Programm “Photolapse3” verwenden
    -> http://home.hccnet.nl/s.vd.palen/index.html.

    Danach werden die Avis dann mit einem vernünftigen Codec (“h264” als MPEG oder Quicktime) versehen, dazu gibt es das Freeware Programm “MPEG-Streamclip”
    -> http://www.squared5.com/svideo/mpeg-streamclip-win.html.

  13. Wow, das klingt vielleicht dilettantisch, aber als Noch-Fast-Anfänger erlaube ich mir mal die Frage, wie das 3.Bild (sprich making-of-11.jpg) bearbeitet wurde um den Himmel so schön zu betonen.
    Ich freue mich über Antworten, danke im Voraus. :D

  14. @Peter: Das ist richtig, aber was soll man da schon groß handhaben?
    Entweder man macht es oder man macht es nicht ;-)
    Wenn man vorhat so etwas regelmäßig zu machen, muss man eben mit einem Kameraneukauf oder einer Reparatur kalkulieren. Da das für mich vermutlich eine einmalige Sache war, mache ich mir da keine großen Gedanken drüber.

    @Tim: Hauptsächlich das Blau in Lightroom dunkler gezogen und einen Verlaufsfilter draufgelegt.

  15. Blogartikel dazu: blechBlog - Nichts ist unblogbar!

  16. netter beitrag. bin nur leider weiterhin auf der verzweifelten suche nach irgendeiner software meinen mac, die es mir erlaubt hd–videos mit über 20fps zu erstellen. allerdings möchte ich dafür nicht zu viel geld ausgeben, da es mir tatsächlich nur um das erstellen von zeitraffervideos geht.
    hat irgendjemand ideen?

  17. Blogartikel dazu: Johannes Heuckeroth – Blog über Design & Fotografie

  18. Ein gigantisches Projekt – besonders gefallen mir die häufigen Wechsel der Locations, so wird dem Auge immer wieder etwas neues geboten.
    Mich würde noch sehr interessieren, wie das verwendete Lied heißt.

  19. Blogartikel dazu: Ein Film über die Fürther Kirchweih - Faszination Fürth