Kwerfeldein
05. November 2009 Lesezeit ~ 7 Minuten

Zeitraffer-Videos (Teil 2): Ein Praxisbeispiel

zeitraffer-wie-geht-dasDies ist Teil 2 (von 3) der Zeitraffer-Serie von von Johannes Heuckeroth (twitter). Er ist Mediengestalter, studiert aktuell in Nürnberg Design und frönt nebenbei seinem Hobby, der Fotografie. Sein Schwerpunkt liegt dabei zur Zeit im Bereich Architektur – wer mag kann ja mal auf seinem Fotoblog vorbeischauen.

Nach dem ich im ersten Artikel die Grundzüge der Zeitraffer-Technik erläutert habe, wird es jetzt ganz konkret. Anhand eines von mir realisierten Projekts werde ich meine Vorgehensweise darstellen.
Die Vorgeschichte
Da ich die im ersten Artikel verlinkten Videos schon lange ziemlich spannend fand, wuchs in mir das Verlangen, etwas ähnliches zu realisieren. Leichter gesagt, als getan, mehr als zwei kleine Testvideos mit Wolkenbewegungen konnte ich bis Anfang Oktober nicht vorweisen.  Dann stand in der Stadt Fürth die alljährliche Kirchweih vor der Tür: Die Michaeliskirchweih, die größte Straßenkirchweih in Bayern. Anlässlich dieses Ereignisses entschloss ich mich das Thema endlich mal richtig anzupacken.

Und damit ihr schoneinmal einen kleinen Geschmack für das Ergebnis bekommt, hier das enstandene Video (d. Red.).

Die Planung
Begonnen hab ich mit einer Liste, auf der ich alle potentiellen Motive aufgelistet habe, und dazu notiert habe, welches Licht und welche Wetterstimmung wohl am besten dazu passen würden. Darauf aufbauend hab ich mir dann einen Art Drehplan für die zwölf Kirchweih-Tage erstellt. Wie auch bei vielen anderen Gebieten in der Fotografie war ich hier sehr abhängig vom jeweiligen Wetter, und so haben sich meine Pläne dann teilweise auch recht schnell wieder in Luft aufgelöst und ich musste improvisieren.
Das Equipment
Verwendet habe ich eine digitale Spiegelreflexkamera, in diesem Falle die Canon 40D. Als Objektive kamen das Peleng 8mm Fisheye, das Canon EF-S10-22mm*, das Canon EF-S18-55mm und das Canon EF 70-200 f/4 IL USM* zum Einsatz. Diese Geräte sind natürlich austauschbar, grundsätzlich ist fast jede digitale Kamera für diesen Einsatzzweck geeignet.
Wesentlich wichtiger sind da schon die nächsten Bestandteile meiner Ausrüstung: Ein stabiles Stativ und ein Fernauslöser mit Timer-Funktionen (auch Intervalometer genannt).

Die Funktion des Stativs dürfte klar sein, dem Auslöser kommt die Aufgabe zu, in vorher eingestellten Zeitabständen automatisch die Fotos zu schießen. Ich habe mir ein passendes Gerät für meine Kamera bei Gadget Infinity für knapp 28 Euro (zusätzlich Versandkosten) bestellt.
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Alternativ dazu kann man die Kamera auch mit einem Computer verbinden und die Kamera mittels entsprechender Software automatisiert auslösen. Das geht aber natürlich nur in Umständen in denen ein fester Standort mit genügend Platz und entsprechendem Schutz vor Wind und Wetter vorhanden ist.

Zwei weitere sehr wichtige Bestandteile der Ausrüstung sind Akkus und Speicherkarten. Die Kamera ist ja praktisch während der Aufnahme einer Szene durchgehend in Aktion, das geht auch auf die Akkuleistung. Auch Speicherkarten kann man nicht genug haben, gerade wenn man mehrere Motive hintereinander abarbeiten möchte. Ich habe insgesamt fünf Akkus und einige Speicherkarten mit einer Gesamtkapazität von 32 GB genutzt.
Vorgehensweise vor Ort
Nachdem Planung, Motive und Ausrüstung stehen, Wetter und Licht passen, kann es losgehen. Nachdem ein Straßenfest ja meistens recht belebt ist, gestaltete sich die Standortwahl nicht immer ganz einfach. Ich musste Plätze finden, an denen ich nicht allen im Weg stand und trotzdem einen guten Blick auf mein Motiv hatte.

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Nachdem der jeweilige Standort gefunden war, habe ich mein Stativ aufgestellt und so gut wie möglich fixiert. Nach dem der Bildausschnitt stand habe ich auf die Stelle meiner Wahl fokussiert und dann den Autofokus abgeschaltet. Das ist wichtig, da die Kamera sonst während der Aufnahmen möglicherweise einen nicht gewünschten Punkt fokussiert oder unter schwierigen Lichtbedingungen eventuell sogar überhaupt nicht mehr scharf stellen kann.

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Der manuelle Modus ist auch die richtige Wahl wenn es um Weißabgleich, Blende und Belichtungszeit geht. Bevor man die Aufnahmeserie startet, sollte man einige Testbilder machen, bis man die richtigen Einstellungen gefunden hat.
Als nächsten Schritt stellt man im Intervalometer den gewünschten Zeitabstand ein. Je nach Motiv habe ich mit Abständen zwischen zwei und 30 Sekunden gearbeitet. Das ganze hängt natürlich auch von der Belichtungszeit ab, denn wenn ich zehn Sekunden belichte, kann ich logischerweise nicht alle zwei Sekunden auslösen.
Außerdem gilt es noch die Wahl zu treffen zwischen RAW oder JPG. Angesichts der Datenmengen die bei einem solchen Projekt anfallen, mag der ein oder andere hier zu JPG raten. Da ich die Bilder aber teilweise noch stark nachbearbeiten wollte, hätte ich mit JPG deutlicher weniger Möglichkeiten gehabt, und das finale Erscheinungsbild hätte stark gelitten. Deshalb habe ich in RAW fotografiert.
Nachdem alles richtig eingestellt war, konnte es mit der Aufnahmeserie losgehen und ich konnte mich für die nächsten Minuten / Stunden beruhigt zurücklehnen. Die Kamera sollte man ab jetzt nicht mehr berühren, da man im späteren Video jede noch so kleine Bewegung der Kamera sieht.
Je nach Motiv und Zeitabstand zwischen den Aufnahmen stand ich zwischen zehn Minuten und vier Stunden an einer Stelle und schaute meiner Kamera beim Arbeiten zu.

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Die Schwierigkeiten
Bis jetzt klingt das ja alles noch recht simpel, in der Praxis traten dann allerdings doch einige Schwierigkeiten auf.
Während den Aufnahmen habe ich hin und wieder die Ergebnisse kontrolliert wozu ich den Timer kurz deaktivieren musste. Das hat zu kleinen Zeitsprüngen im Film und deutlichen Verwacklern geführt. Auch rumpelte hin und wieder mal jemand an mein Stativ, was noch zu mehr Wacklern im Bild geführt hat.
Auch die Lichtverhältnisse haben sich teilweise als Problem erweisen. Normalerweise hatte ich während der ganzen Bildserie die gleichen Kameraeinstellungen. Schwierig wurde es jetzt aber, wenn sich während der Aufnahme die Licht bzw. Helligkeitsbedingungen verändert haben. Zum Beispiel beim Übergang von Tag zu Nacht. Wenn ich am Nachmittag mit einer Belichtungszeit von 1/100 Sekunde begonnen habe, und diese Einstellung nicht geändert hätte, wäre später am Tag nur noch ein schwarzes Bild aus der Kamera gekommen.
Das heißt ich musste die Belichtungszeit an die Lichtbedingungen anpassen. Das geht aber leider nur in bestimmten Abständen und nicht ohne reibungslosen Übergang. Wenn ich die Belichtungszeit von 1/100 Sekunde auf 1/50 Sekunde ändere, hab ich zwischen diesen zwei Bildern einen deutlichen Helligkeitsunterschied. Das zweite Bild ist heller als das erste.

Im Laufe eines Abends gibt es dann viele solcher Sprünge. Ich habe zum Beispiel bei der Anfangsszene des Films das erste Bild mit 1/100 Sekunde geschossen, das letzte mit einer Belichtungszeit von 13 Sekunden. Leider sind auch mit diesen Änderungen wieder Berührungen an der Kamera und somit potentielle Verwacklungsquellen verbunden.

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Theoretisch könnte man auch die Blendenvorwahl nutzen, also die Blende fest einstellen und der Kamera die Wahl der Belichtungszeit überlassen. Hiermit habe ich allerdings schlechte Erfahrungen gemacht, da hier noch wesentlich mehr Belichtungssprünge entstehen und noch mehr digital nachkorrigiert werden müsste.
Als problematisch haben sich auch die Wetterbedingungen erwiesen. An einigen Tagen regnete es sehr stark. Im Nachhinein war das sogar sehr gut, da dadurch Farben intensiver erschienen, der Untergrund zu einer spiegelnden Oberfläche wurde und sich auch Regenschirme als ganz reizvolle Motive erwiesen.

Vor Ort sah ich das noch etwas anders, da sich das Fotografieren im Dauerregen als nicht so ganz einfach darstellte. Es gab sicher einen recht lustigen Anblick ab, als ich mit Regenschirm in einer Hand und mit dem Stativ in der anderen durch die Stadt lief bzw. verzweifelt versuchte einhändig den Akku zu wechseln.

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Weitere Möglichkeiten
Ich habe in meinem Film immer nur statische Bildausschnitte verwendet. Eine Kombination von einem Schwenk und einer Zeitraffersequenz kann aber auch ein sehr reizvolles Ergebnis ergeben. Hier zu braucht man allerdings zusätzliches Equipment, denn ein Schwenk der Kamera von Hand ist praktisch unmöglich. Ross Ching zeigt in einem Making-Of eine Eigenkonstruktion die er für solche Schwenks nutzt.
Weitere Möglichkeiten wären eine Änderung der Schärfe oder ein Zoom. Ersteres könnte man eventuell durch eine schrittweise manuelle Änderung am Fokusring erreichen, hier habe ich allerdings noch keine Erfahrung gesammelt. Ein Zoom lässt sich dank hochauflösenden Bildmaterials leicht in der Nachbearbeitung erreichen.
Soviel zur Erstellung des Grundmaterials für einen Zeitraffer-Films. Im nächsten und letzten Teil der Serie werde ich euch alle folgenden Schritte in der digitalen Weiterverarbeitung erläutern.

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