Kwerfeldein
04. November 2009 Lesezeit: ~ 4 Minuten

Zeitraffer-Videos (Teil 1): Wie funktioniert das eigentlich?

Dies ist ein Gastartikel von Johannes Heuckeroth (twitter). Er ist Mediengestalter, studiert aktuell in Nürnberg Design und frönt nebenbei seinem Hobby, der Fotografie. Sein Schwerpunkt liegt dabei zur Zeit im Bereich Architektur.  Er hat einen Fotoblog, betreibt einen Blog über die Stadt Fürth und hat vor kurzem einen Zeitraffer-Film veröffentlicht.

Jeder kennt sie, die faszinierenden Szenen, in denen Wolken oder Sternenbilder über den Himmel ziehen, beeindruckende Lichtsituationen entstehen und Menschen oder Autos wie Ameisen durchs Bild huschen. Die Rede ist von so genannten Zeitraffer-Filmen.

Seit einigen Jahren findet man im Netz zahlreiche dieser Filme, teils einzelne Sequenzen, teils perfektionistisch ausgearbeitete, mit passender Musik untermalte kleine Meisterwerke.

Im heutigen Artikel geht es um das grundlegende Prinzip der Zeitraffertechnik. Darauf aufbauend werde ich in zwei weiteren Artikeln alle wichtigen Informationen zum Erstellen eines Zeitraffer-Films anhand eines Beispiels erläutern.

Das Prinzip
Wie das Wort „Zeitraffer“ eigentlich schon sagt, wird bei dieser Technik die Zeit gerafft, also verkürzt. Alles läuft schneller ab als in der Realität. Um diesen Effekt zu erzielen gibt es zwei verschiedene Techniken.
Die erste Möglichkeit besteht ganz einfach darin, mit einer Videokamera zu filmen und das aufgenommene Material später in der Nachbearbeitung zu beschleunigen. Hier eignet sich  grundsätzlich jede Kamera.
Umso besser die Qualität, umso besser logischerweise das Endergebnis. Hervorragende Möglichkeiten bietet zum Beispiel der aktuell stark wachsende Markt der Spiegelreflexkameras mit Videofunktion.

Die zweite, etwas aufwändigere Methode besteht darin, Einzelbilder mit einer digitalen Fotokamera aufzunehmen und diese Einzelbilder später zu einem fortlaufendem Film zu kombinieren. Hierbei wird sich der Effekt zu Nutze gemacht, auf dem bewegtes Bild ganz grundsätzlich beruht:

Ab einer gewissen Anzahl von Bildern pro Sekunde kann das menschliche Auge die Einzelbilder nicht mehr von einander unterscheiden und nimmt die Bilder beim Abspielen als fortlaufende Bewegung wahr.

Der entscheidende Fakt und Unterschied zum normalen Film: Die Einzelbilder werden in einem längeren, meist mehrere Sekunden dauernden Zeitabstand aufgenommen.

Ein Beispiel

Unser Ziel ist ein Zeitraffer-Film mit einer Länge von zehn Sekunden. Das menschliche Auge ergibt sich ab einer Frequenz von 16 bis 18 Bildern pro Sekunde der Illusion von bewegtem Bild. Ein üblicher Standard, zum Beispiel im europäischen Fernsehen PAL sind 25 Bilder pro Sekunde, was wir für dieses Beispiel nutzen.
Wenn wir also am Ende zehn Sekunden Film haben wollen, benötigen wir 25 x 10 Bilder. Das sind dann 250 Bilder die wir später mit 25 Bilder pro Sekunde abspielen werden. Nun müssen wir uns entscheiden, in welchem Zeitabstand wir diese 250 Einzelbilder aufnehmen. Grundsätzlich gilt: Umso kleiner der Zeitabstand zwischen den Einzelbildern, umso langsamer ist später der Eindruck der aufgenommenen Bewegungen. Wir entscheiden uns in diesem Fall für einen Abstand von fünf Sekunden.
Das heißt, wir machen nun alle fünf Sekunden ein Bild, bis wir 250 Aufnahmen zusammen haben. 5 Sekunden x 250 = 1250 Sekunden

Um also später eine Zeitraffersequenz von zehn Sekunden zu erhalten, benötigen wir einen tatsächlichen Zeitaufwand von ca. 21 Minuten. Wir komprimieren also letztendlich die Zeitspanne von 21 Minuten auf zehn Sekunden.
Wenn wir zum Beispiel einen Zeitabstand von zehn Sekunden zwischen den Einzelaufnahmen gewählt hätten, wären für zehn Sekunden Filmmaterial, 42 Minuten Aufnahmezeit nötig gewesen. Dementsprechend wären die Bewegungen im fertigen Film doppelt so schnell abgelaufen wie in der 5-Sekunden-Variante.
Welcher Zeitabstand richtig ist, hängt vom jeweiligen konkreten Fall ab und davon welche Wirkung man erzielen möchte.
Das soll es für den Anfang erstmal gewesen sein, im zweiten Teil des Artikels werde ich euch Anhand dieses Films ganz konkret erläutern, welche einzelnen Schritte zur Erstellung eines solchen Films nötig sind und was es alles zu beachten gibt.
Die Zeit bis dahin könnt ihr euch zum Beispiel mit diesen beeindruckenden Zeitraffer-Filmen vertreiben:
Viel Spaß damit!

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48 Kommentare

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  1. Blogartikel dazu: uberVU - social comments

  2. Haha, genial! Erst am Wochenende, als ich in den Bergen war, hab ich mir überlegt, wie das Zeitrafferthema genau funktioniert. Wir hatten geniales Inversionswetter…
    Dann bin ich mal gespannt auf den zweiten Teil ;-)

  3. Interessanter Artikel, ich muss ganz ehrlich zugeben das Video am Anfang hat mich dazu verleitet weiterzulesen da es mich interessiert hat wie man so Etwas auf die Beine stellt.

    Wenn man liest dass man für einen zehn Sekunden Film soviel Arbeit reinstecken muss hört sich die Variante mit dem Filmen, mit einer normalen Kamera wesentlich angenehmer an.

    Gerade weil ich mir nicht vorstellen kann dass man tatsächlich in der Lage ist alle fünf Sekunden ein Foto zu machen und das über einen Zeitraum von 21 Minuten hinweg.

    Freue mich schon auf die nächsten Artikel!

  4. Ich experimentiere gerade mit meinem Smartphone (N95) herum. Die Kamerafunktion kann in einem bestimmten Abstand Bilder machen (alle 10 Sekunden, 30 Sekunden, 1 Minute, 5 Minuten…). Das Ergebnis ist dann eine entsprechende Bilderserie, die man mit allen gängigen Videoschnittprogrammen (sogar dem in Wondows eingebauten MovieMaker) zu einer Sequenz zusammensetzen kann. Macht Spaß und die 5 Megapixel sollten für ein HD-Video reichen (-:

  5. tja und drum spare ich neben vielen Sachen auch auf den Timer Auslöser vonm Canon .. einstellen alle 5 sec nen Bild und gut ist … aber leider kann man sich Videos nicht so gut an die Wand hängen …

  6. hui, klingt interessant…
    kann mir aber auch nur schwierig vorstellen für 10 sekunden film, 21 minuten lang alle 5 sekunden auf den auslöser zu drücken. Gibts nich sowas wie einen fernauslöser, den man programmieren kann?

  7. Ich habe mich schon öfters gefragt, wie man solche Videos bastelt und nun kommt Dein Artikel zu diesem Thema :) Jetzt bin ich noch mehr auf den zweiten Teil (Bildbearbeitung/Aufnahme) gespannt.

  8. Man kann auch die Kamera ganz einfach per USB mit dem Laptop verbinden und da mit der Software (EOS Utility oder wie das Ding bei Canon heisst) den Zeit-Intervall einstellen. So macht die Kamera dann z.b. alle 10 Sekunden ganz automatisch ein Bild, welche dann sogleich auch auf die Festplatte gespeichert werden. Somit dürfte das Platz-Problem auch behoben sein.

  9. Blogartikel dazu: Linseneintopf » Blog Archive » Linksammlung 2009-11-04 - Fotografie | Design | Bildbearbeitung

  10. Gut gelungener Artikel. Das tolle daran ist, dass ich auch in Fürth wohne und dass so eine wichtige Person bei uns in der Stadt lebt ;-) Zufälle gibts…

    Wenn ich mal viel Zeit habe wage ich mich auch mal an soclh Videos.

  11. Ein Zeitraffervideo möchte ich schon seit sehr langer Zeit machen, leider fehlt mir dazu die Landschaft bzw. ein Ort, der es Wert ist :) Und natürlich fehlt mir das Wissen und ob ich das mit meiner 350d überhaupt machen kann :)

    danke für den tollen Beitrag. Die Videos sind hervorragen, tolle inspiration :)

  12. Wie schon in den obigen Kommentaren erwähnt, kann man einen speziellen Auslöser oder einen Laptop zum automatisierten auslösen benutzen. Wird dann auch alles im zweiten Artikel erläutert ;-)

    Danke für euer Feedback!

  13. Hab mir auch schon länger vorgenommen mal sowas auszuprobieren, wenn auch erstmal im kleineren Rahmen. Sehr interessanter Artikel, freue mich schon auf den nächsten Teil =)

    Quasi Off-Topic: Kann mir jemand sagen wie das Lied aus dem Video heißt? ;-D

  14. Blogartikel dazu: Tweets die Zeitraffer-Videos (Teil 1): Wie funktioniert das eigentlich? | Digitale Fotografie Lernen - KWERFELDEIN - Martin Gommel erwähnt -- Topsy.com

  15. Hui, da klingt ja wirklich interessant. Fand diese Zeitrafferfilmchen schon immer sehr ansprechend.
    Wenn man aber schon 21 Minuten für 250 Aufnahmen braucht und das am Ende 10 Sekunden Film sind, muss man ja wirklich viel Geduld aufbringen, wenn man ein paar Minuten Film erstellen will! Und das Wetter muss mitspielen ;)

    Und da wünscht man sich wohl wirklich so eine Hilfe für die Kamera, um nicht selbst alle 5 Sekunden den Auslöser drücken zu müssen.

    Mit Bildern wird das ganze trotz hohem Zeitaufwand nochmal spannender, als mit einer Videokamera, finde ich!

  16. Blogartikel dazu: blechBlog - Nichts ist unblogbar!

  17. Blogartikel dazu: Wochenrückblick #45 2009 | Snengls Blog - Die Sucht der Fotografie

  18. Blogartikel dazu: Neun Anregungen für das Fotografieren in der kalten Jahreszeit | lens-flare.de - Blog über Fotografie

  19. Blogartikel dazu: Johannes Heuckeroth – Blog über Design & Fotografie

  20. Blogartikel dazu: Zeitraffer-Videos (Teil 3): Digitale Weiterverarbeitung | KWERFELDEIN | Digitale Fotografie

  21. Blogartikel dazu: Ein Film über die Fürther Kirchweih - Faszination Fürth

  22. Die New York Times ‘David Carr Is Wrong About TechCrunch, aber es ist akku toshiba portege m200 nicht seine Schuld
    Es sollte ein Wort für eine op-ed, dass so vieldeutig, dass alle Seiten in der Lage, es zu benutzen, um ihre These zu stützen sind ist. Ein Versagen vielleicht.

  23. Als ich meinen Beitrag schrieb kritisieren Tim akku toshiba portege m600 Armstrong und Mike Arrington die Behandlung des CrunchFund starten, dachte ich, ich w ürde aus meiner Sicht ziemlich klar. Mein Punkt ist

  24. Hallo,

    erstmal ein Tipp vorweg: Für Canon Kameras gibt es die Firmware-Erweiterung “Magic Lantern”, die neben vielen anderen Funktionen auch eine enthält, die alle X Sekunden den Auslöser betätigt. Eine weitere Möglichkeit ist über USB-Kabel und Notebook oder über USB-Kabel und Android-Handy. Und natürlich gibt es von Canon auch zum Kaufen einen solchen Auslöser.

    Eine andere Frage aber: Sieht man einen sichtbaren Unterschied zwischen Timelapse mit Fotos und einfach zeitgerafften Videos?

    Viele Grüße

    Stephan
    (PS: In Fürth geboren und aufgewachsen, jetzt in München)