Kwerfeldein
02. November 2009 Lesezeit: ~ 5 Minuten

Verplant vs. Planlos

http://farm4.static.flickr.com/3400/3548386345_fa78ab3845_m.jpgDer folgende Gastbeitrag stammt von Malte Pietschmann (Flickr · Twitter) . Malte (23) studiert derzeit Medienmanagement, hat vor einem Jahr angefangen sich mit Fotografie zu beschäftigen und interessiert sich hauptsächlich für Reportage- und Modefotografie.

In meinem letzten Gastbeitrag auf kwerfeldein.de habe ich darüber geschrieben welche Tipps ich jemandem geben würde, der gerade erst angefangen hat zu fotografieren, bzw. welche Erfahrungen ich selbst im letzten Jahr gemacht habe.

In diesem Beitrag möchte ich zusammen mit euch einen Schritt weitergehen und über das Planen von Shoots oder generell von Fotoprojekten sprechen.

Recht lange war ich der Meinung, dass das Planen von kommenden Shoots für mich nicht wichtig sei, weil es sich für das Level, auf dem ich mich momentan bewege nicht lohnt, bzw. schlicht keine Notwendigkeit besteht. Nach einer Weile ist mir jedoch aufgefallen, dass ich nach fast jedem Shoot, ungeachtet der Ergebnisse, unzufrieden war weil ich immer das Gefühl hatte noch mehr hätte rausholen zu können, wenn das alles doch nur etwas koordinierter, durchdachter und bestimmter abgelaufen wäre.

_DSC4144_2_a _DSC2268a

Vor einigen Wochen dann habe ich ein sehr interessantes Interview mit Johannes Heuckeroth gelesen, dass mich im Bezug auf die Planung von Shoots sehr Umdenken hat lassen.

Ich denke das grundlegende Problem, das wir Anfänger häufig haben, wenn wir unsere eigenen Projekte angehen ist, dass wir den eigentlichen Shoot oft mit Trainings-Sessions verwechseln und dementsprechend viel Zeit und Aufmerksamkeit auf das Ausprobieren verschiedener Techniken, Anweisungen und Setups verwenden, anstatt uns auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Wer gerade erst anfängt sich mit Fotografie auseinanderzusetzen wird kaum einen Unterschied zwischen “Training” und Fotografieren bemerken, da getreu dem Motto “Learning by Doing” beides oft miteinander einhergeht, eben weil viele Basics erst noch erlernt werden müssen.

Für mich ist es allerdings mittlerweile wichtig geworden klar zwischen “Training” und Shootings zu unterscheiden, weil es mir hilft meine eigenen Ziele im Auge zu behalten.

Bei Trainings-Sessions möchte ich verschiedene Dinge ausprobieren und üben; im Mittelpunkt stehen hierbei Techniken, Ideen und Anweisungen, die ich geben könnte. Daher spielen die tatsächlichen Ergebnisse hier eher eine untergeordnete Rolle für mich; es geht also rein um den Lerneffekt.

Bei einem Shoot hingegen wird kaum bis gar nicht getestet. Hier geht es für mich eher darum möglichst präzise auf den Punkt zu arbeiten und genau das zu erreichen, was ich mir im Vorfeld vorgenommen habe. Für mich ist auf den Punkt arbeiten zu können eine der Fähigkeiten eines Fotografen, die den Amateur vom tatsächlichen Profifotografen unterscheiden, weswegen ich an dieser Stelle anmerken möchte, dass mir das noch sehr schwer fällt, da einfach noch oft die Praxis und die damit verbundenen Erfahrungswerte fehlen.

Während dem Fotografieren flexibel und spontan zu bleiben halte ich für sehr wichtig, da daraus oft sehr schöne Situationen und damit Fotos entstehen.

Wer sich wirklich verbessern möchte, wird jedoch kaum vermeiden können sich (intensiv) Gedanken darüber zu machen, welches Ergebnis er erreichen will und welche Schritte notwendig sind, um die eigenen Ideen umzusetzen.

Die Art und der Umfang der Planung ist natürlich immer stark vom jeweiligen Projekt, bzw. dem gewünschten Ergebnis abhängig. Einige Projekte sind weniger umfangreich und erfordern daher kaum Planung, andere Projekte müssen hingegen bis ins letzte Detail durchgeplant werden und brauchen daher eine dementsprechend lange Vorlaufzeit.

Die Tiefe der Planung hängt sicherlich auch mit dem individuellen Erfahrungsschatz des Fotografen und dem Genre als solches zusammen. Viele Aspekte, die berücksichtigt werden und Entscheidungen, die getroffen werden müssen fallen mit steigender Erfahrung weg, da sie auf einer eher unterbewussten Ebene ablaufen.

Mittlerweile versuche ich mir vor jedem Shoot (Training-Sessions stehen da wie bereits gesagt auf einem anderen Blatt) über folgende Aspekte Gedanken zu machen um daraus dann für mich ein Skript zu entwickeln, an das ich mich beim Fotografieren halten kann:

a) Grob-Konzept

  • Welchen Look möchte ich (auch im Bezug auf die Bearbeitung hinterher?
  • Welche Stimmung sollen die Fotos haben?
  • Welche Location, welches Styling und welches Model passt zu meinem Grobkonzept?
  • Studio oder Outdoor?

b) Location

  • Studio oder Outdoor?
  • Tageszeit? Wetter?
  • Platzverhältnisse?
  • Lichtverhältnisse
  • Ausschnitt / Perspektive?
  • Welches Objektiv?

c) Licht

  • Natürliches Licht, Blitzlicht oder eine Mischung aus beidem?
  • Wie viele Blitze?
  • Welcher Lichtformer für welchen Blitz?
  • Welche Licht-Setups werden verwendet?
  • Wie viele verschiedenen Sets sollen geschossen werden?

d) Model

  • Outfit
  • Styling
  • Welche Posen passen zu ihr / ihm?
  • Welche Anweisungen können gegeben werden?
  • Erfahrung?

Wie oben schon erwähnt variieren die verschiedenen Aspekte, die geplant werden müssen von Gerne zu Gerne sehr stark. Wer wissen möchte, wie (professionelle) Modefotografen ihr Shootings planen, der kann gerne mal beim fashionphotographyblog.com vorbeischauen, in dessen Forum ich diese Frage vor einigen Wochen gestellt habe.

Fragen an Euch

Wie handhabt ihr die Planung eurer eigenen Projekte und Shoots? Welche Dinge berücksichtigt ihr und was ist euch eher nicht so wichtig?

Unterstütze kwerfeldein

Wenn Dir dieser Artikel oder das ganze Magazin gefällt, kannst Du die weitere Arbeit von kwerfeldein gern via Paypal, Überweisung oder Dauerauftrag mit dem, was es Dir wert ist, unterstützen. Vielen Dank!

kwerfeldein finanziert sich neben Werbeeinnahmen auch durch Provision von Verkäufen auf Amazon und freiwillige Beiträge der Leser*innen, um unabhängig zu bleiben.

Paypal


Überweisung

kwerfeldein
IBAN: DE0837050198 1933436766
BIC: COLSDE33XXX

Amazon
kwerfeldein @ Spreadshirt


16 Kommentare

Schreib’ einen Kommentar

Netiquette: Bleib freundlich, konstruktiv und beim Thema des Artikels. Mehr dazu.

  1. Hey, mal wieder super Beitrag. Bin zwar noch lichtjahr von geplanten Shootings weg, aber ein paar Punkte helfen sicher auch mir weiter! Ich denke, vorab sich gedanken machen ist immer wichtig.

  2. Ja! Das mit dem Training bzw. Shooting-geht mir so! so planlos eben drauf los! :) Ich will immer alles ausprobieren um mehr zu lernen-dabei vergess ich das eigentliche “Das Produkt”! Nun ja vielleicht kommt die zeit ja bald! so mit planen usw. :) danke für dein Beitrag. Hilft mir in Paar Punkten! ps. tolle Bilder! gruß cagi

  3. Interessanter Beitrag, finde defintiv auch das Planung wichtig ist, aber für mich nur insoweit, dass immer noch Platz für Spontanität und Möglichkeiten zum Ausprobieren sind. Das kann ich mir aber wahrscheinlich nur deshalb erlauben, weil ich die Bilder i.d.R. ja “nur” für mich selbst mache. Bei Fotografen gilt da bestimmt eher “Zeit ist Geld” oder nicht?
    Schönen Tag noch, Selina

  4. Ohja, ein Beitrag, der mir sofort ein schlechtes Gewissen verursacht. Ich bin schon lange an dem Punkt, wo ich mal mit Plan an meine Fotografiererei gehen müsste. Konzeptfotografie nennt man das dann wohl. D.h. ich überlege mir vorher ein Konzept und versuche es umzusetzen. Gerade bei Serien mit bestimmten Themen, etwa den gleichen Bildausschnitt bzw. die gleiche Aussage vorher zu bestimmen und die Serienfotos auch noch ähnlich zu bearbeiten (Format, Tonung, Schnitt). Aber irgendwie bekomme ich das nicht auf die Reihe und so sitze ich dieses Jahr wieder vor dem Kalender für meine Freundin (die wünscht sich den immer von mir zu Weihnachten) und suche frustriert meine Fotos nach einem Thema ab, doch leider bekomme ich keine 12 zusammen. Und dann denke ich mir wieder, es ist an der Zeit mal mehr zu planen. Man sieht also, auch ein Hobbyfotograf, der sich eher der Natur widmet, kommt irgendwann an diesen Punkt. Vielleicht sollte man sich Wochenaufgaben stellen lassen und dann gezielt losfotografieren. Das wäre doch ein guter Vorsatz fürs neue Jahr! ;-) LG Frau Zausel

  5. Danke für den Beitrag!
    Ich merke, dass ich diesen “Plan” vor allem dann brauche, wenn ich Menschen fotografiere.
    Als mich das erste Mal ein Bekannter mit den Worten “Du hast doch ne Knipse, mach ma schöne Bilder von mir!” verplichtete, ging die Sache fast in die Hose, weil halt jegliches Konzept fehlte.
    Klar, man erarbeitet sich mit der Zeit nen gewissen Workflow, gewinnt andere Sichtweisen und sucht sich Inspiration…doch gerade die “Checkliste” im Artikel empfinde ich als angenehme Arbeitshilfe, um die Dinge um das eigentliche Shooting drumrum vereinfachen. Sobleibt der Fokus während des Shootings immer beim Motiv.

  6. Danke für den schönen Beitrag!
    Bei mir ergibt sich die Planung im Prinzip automatisch. Da ich freischaffender Hobby-Fotograf bin hab ich ein Bild im Kopf, welches ich umsetzten möchte. Oftmals habe ich eine Location gesehen, die mich zu einem Bild inspiriert. Der Rest ergibt sich von alleine, d.h. ich sehe mir die Gegebenheiten des Lichtes vor Ort an und weiß was ich eventuell mitbringen und aufbauen muß. Ich kann mir aber sehr gut vorstellen das die von dir beschriebenen Planungen bei Auftragsarbeiten, die vielleicht einen grossen Personalaufwand benötigen, sehr stark zum Tragen kommen.

  7. Klasse Artikel, du triffst damit genau die richtigen Aussagen. Seit einiger Zeit arbeite ich auch nach genau dieser Checkliste (Skript), da dies genau die Fragen sind, die man sich stellen sollte. Allerdings kann man sich anfangs schon arg verzetteln, da man schon einige Zeit braucht um die Informationsflut verarbeiten zu können. Hält man sich aber an die Liste kommt man schnell zu guten Ergebnissen.

    Vorbereitung ist eben alles ;)

    Mit den Fragen des Skriptes im Hinterkopf kann man aber auch ohne Vorbereitungsmöglichkeiten bei spontanen Shootings schnell ein Konzept erarbeiten, welches wirkungsvoll ist.

  8. Danke für den Beitrag! Planung ist ein Wichtiges Thema, und je intensiver man sich am Anfang der Karriere mit der Planung der Shoots auseinandersetzt, desto einfacher wird es später wenn man es gewohnt ist. Ich studiere auch Mediamanagement an der Hochschule Rhein-Main (ehem. FH Wiesbaden) und beim Fotokurs wurde bei uns die Plannung als Zentralthema betrachtet. Unsere Aufgabe war zum einen gewissen Thema eine Reihe von 40 Fotos zu machen. Am Anfang wurde uns vorgeschlagen einfach ohne Planung loszulegen, und die Ergebnisse waren dementsprechend schlecht, mit wenigen zufälligen Ausnahmen. Danach wurden die Studierenden aufgefordert einen Konzept für ihr Themengebiet zu erarbeiten und einen Vorgehensplan vorzustellen. Nachdem ich mich damit eine Weile beschäftigt habe war mir viel klarer was ich überhaupt tun soll um das Ziel zu erreichen und wieviel Zeit ich dafür in Anspruch nehmen muss. Ich glaube ich werde es in Zukunft sogar soweit treiben dass ich Checklisten anlege und sie nach und nach durchgehe bis alles stimmt. Dadurch lernt man kosequent zu arbeiten, was für das Berufsleben besonders wichtig ist. Zum Schluss möche ich mich bei unserem Dozenten Georg Banek für diesen Kurs bedanken ;)

  9. Das Wort Trainings-Session gefällt mir. Dürfte bei den meisten Freizeit-Knipsern (wie mich) den Nagel auf den Kopf treffen. Ausnahmen bestätigen die Regel. Aber auch hier ist es wichtig zu wissen was man den trainieren will. Meist ist es ja eher das fototechnische. Wer kennst sich als Hobbyist schon intensiv mit Modehistoriken, deren Stylings und wie ich die entsprechend umzusetzen habe aus. Vor allem wenn man beruflich nicht aus dem Medien und Kunststudium kommt. Aber Spaß macht es ja zu lernen auch wenn gerade nicht eine Existenzgründung davon abhängig ist. Da ist eben Planung Grundvoraussetzung zum Erfolg.

  10. Blogartikel dazu: Tweets die Verplant vs. Planlos | Digitale Fotografie Lernen - KWERFELDEIN - Martin Gommel erwähnt -- Topsy.com

  11. Danke für diesen Artikel, genau zur rechten Zeit, da ich in näherer Zukunft auch einige Shootings habe. Bisher war immer zuerst das Model da, dann die Überlegung, WO man shooten könnte, WAS bzw. welches Thema, und dann gings munter drauf los. Ein paar brauchbare Ergebnisse waren immer dabei, allerdings aus einer Bilderflut, die viel zu hohen Arbeitsaufwand bedeutet. Konzentriert auf die Ergebnisse sollte so ein Shooting mit weit weniger Bildern zu bewerkstelligen sein.

    Offtopic: Die ö,ä und ü-Punkte sind um einen halben Buchstaben nach rechts versetzt, wie geht denn sowas? Funny thing ;o)

    Gruss Alex

  12. Blogartikel dazu: Linseneintopf » Blog Archive » Vorstellung: pfnphoto.com – Johannes Heuckeroth - Fotografie | Design | Bildbearbeitung