kwerfeldein
28. Oktober 2009 Lesezeit: ~5 Minuten

Was Robert Kneschke im Fotografenleben auf die Nerven geht

robert_kneschke_small_2008-12Dies ist ein Gastartikel von Robert Kneschke. Er arbeitet als freier Fotoproduzent in Köln für verschiedene Bildagenturen. Sein Schwerpunkt liegt auf Stockfotos in den Bereichen Beauty, Business und Emotionen. Er hat eine Webseite und betreibt den Blog “Alltag eines Fotoproduzenten“.

Martin fährt in den Urlaub und hat mich gefragt, ob ich mir nicht mal den Frust von der Seele schreiben will. Was nervt mich als Fotograf? Zugegebenermaßen versuche ich sonst, von der positiven Seite des Lebens zu berichten, aber heute wird mal gegrummelt.

Was mir auf die Nerven geht

1. „Du hast aber eine tolle Kamera“

Klar, da fühle ich mich geschmeichelt, aber was soll das für ein Kompliment sein? Übersetzt heißt der Satz doch nur: „Ich sehe, dass Du viel Geld hast, wenn Du dir diese Kamera leisten kannst“. Dabei ist das nicht der Grund, warum ich sie benutze. Ich will damit gute Fotos machen. Sie ist nur ein Werkzeug. Der Maler wird auch nicht für seine Pinsel gelobt.

2. Technische Fachsimpelei

Die gleichen Leute, die lieber meine Kamera als meine Bilder kommentieren, lieben es, mich nach technischen Details auszufragen. Wie ist denn die Schärfeleistung des Objektivs bei der Offenblende? Rauschen die Bilder mehr mit dem gleich großen Sensor, auf dem aber mehr Pixel als bei der anderen Kamera sind? Und so weiter. Versteht mich nicht falsch, ich achte ebenfalls darauf, technisch möglichst einwandfreie Fotos zu machen und muss dafür gewisse Rahmendaten beachten. Darüber tausche ich mich auch mit Kollegen aus, aber vor allem dann, wenn ich den Kauf einer neuen Kamera, eines Blitzes oder Objektivs plane. Ich nutze die technischen Diskussionen nicht als Ausrede, keine Fotos zu machen. Wer einen Testchart fotografiert, kann sich auch gleich ein richtiges Motiv suchen.

3. Hochzeitsfotos

Ich habe schon mehrere Hochzeiten fotografiert und mache es gerne. Aber leider führt mein beruf als Fotoproduzent dazu, dass viele Freunde, die heiraten wollen, automatisch annehmen, sie bräuchten sich nicht mehr um einen Fotografen zu kümmern, weil ich das ja machen könne. Ist im Prinzip richtig. Sie vergessen dabei nur ein wichtiges Detail: Wenn ich die Hochzeit fotografiere, kann ich mich nicht als Gast amüsieren, was ich als Freund schade fände.

4. „Kann man ja in Photoshop machen“

Man kann heute fast alles in Photoshop machen. Martin hatte vor vor kurzem einen Link zu Bert Monroy gepostet, der ein photorealistisches Gemälde nur mit Photoshop erstellt hat. Ohne Kamera. Aber wenn Models mir ihre Neurodermitis verschweigen, weil ich ja alles in Photoshop glätten könne oder denken, Fotografie sei gar nicht mehr schwer, weil es einen geheimen Knopf in Photoshop gäbe, der automatisch die Fotos gut aussehen lässt, dann frustriert mich das. Denn klar, man kann fast alles in Photoshop machen, aber genau das erfordert ein Können, welches ebenfalls erlernt und trainiert werden muss. Und auch die Arbeit mit Photoshop braucht (meistens sogar viel) Zeit, die berücksichtigt werden muss.

5. Einige Model-Bewerbungen

Als Fotograf bin ich darauf angewiesen, dass ich regelmäßig gute Models finde, mit denen ich zusammenarbeiten kann. Deswegen habe ich auf meiner Webseite und meinem Blog auch eine regelmäßige Ausschreibung für Models gepostet. Dadurch habe ich viele interessante Gesichter kennengelernt und fotografieren dürfen. Öfter bekomme ich aber auch Mails, die mich nur den Kopf schütteln lassen. Nach dem Motto: „Hi, coole Pics, will shooten! Bye“. Oder Bewerbungen ohne Foto. Ohne Telefonnummer, Alters- und Ortangabe. Wer sich nicht mal bei einer Bewerbung Mühe gibt, von dem glaube ich nicht, dass er sich vor der Kamera anstrengen würde.

6. Foto-Magazine
Ich habe einen guten Überblick über Fotozeitschriften und lese gerne welche. Würde gerne welche lesen, wenn es denn interessante gäbe. Mein letztes Abo (der Zeitschrift „Visuell“ habe ich vor kurzem abbestellt, weil ich so gut wie alle Infos darin Wochen oder gar Monate vorher im Internet gelesen habe, meist sogar ausführlicher. Bei den anderen Zeitschriften nervt mich extrem die produktorientierte Ausrichtung. Ich habe meine Kamera und Objektive und will nicht über die ganzen neuen Modelle der anderen Firmen lesen, die ich mir eh nicht kaufen werde. Die verschiedenen Magazine unterscheiden sich hauptsächlich in der Preisklasse, in der die angepriesenen Produkte liegen. Ich will keine Photoshop-Tutorials, ich will Praxis-Tipps für Lichtaufbau, viele große Fotos von guten Fotografen, am besten mit Hintergrundinfos zur Entstehung und so weiter. Kann das so schwer sein?
Okay, jetzt seid ihr dran. Was stört Euch als Fotograf?

Ähnliche Artikel