kwerfeldein
27. Oktober 2009 Lesezeit: ~7 Minuten

Photoshop CS4: Unschärfe aus einer Bilderserie entfernen

Dies ist ein Gastartikel von Barbara Luef. Sie hält Vorträge und Online-Seminare über Photoshop, Lightroom und Photoshop Elements, und veröffentlichte zu diesen Programmen auch diverse Video-Trainings für video2brain. Außerdem gibt Barbara auf ihrem Blog www.hdri.at ihr Wissen rund um die digitale Bildbearbeitung weiter.

Heute möchte ich Euch gerne eine neue Funktion von Adobe Photoshop CS4 vorstellen, mit der man die Unschärfe aus einer Serie von Bildern entfernen kann, sodass alle Bildbereiche scharf abgebildet sind.

Die dafür notwendigen Schritte in Photoshop sind nicht sonderlich aufwändig, und auch recht schnell erklärt. Im Prinzip ruft man nur ein paar Funktionen nacheinander auf, den Rest erledigt die Software.

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An dieser Stelle gleich ein kleiner Hinweis: Wer meinen Gastartikel zur Erstellung eines Panoramas mit Photoshop gelesen hat, dem werden sicher einige Schritte bekannt vorkommen. Das liegt daran, dass die Ausrichten- und Überblenden-Funktionen dieselben sind, aber je nach Ausgangsmaterial komplett andere Ergebnisse liefern.

Zur Aufnahme

Die Bilder die ich kombinieren möchte, zeigen eine Gruppe von Pilzen auf einer Wiese. Die Bilderserie entstand ohne große Vorbereitungen – ich habe mich einfach ziemlich knapp vor die Pilze in die Wiese gelegt und fünf Bilder aufgenommen. Dabei habe ich immer auf einen anderen Bildausschnitt fokussiert – jeder Pilz ist einmal scharf abgebildet, und einmal auch die Wiese im Hintergrund. Die Fotos sind locker aus der Hand geschossen, ich habe kein Stativ verwendet oder die Kamera irgendwo abgelegt.

Natürlich kann man auch mehr Aufwand bei der Vorbereitung treiben. Laut Adobe ist das aber nicht notwendig, denn Photoshop soll eigenständig die Bilder korrekt ausrichten und überblenden können. Na, das sehen wir uns mal an.


Also, ab nach Photoshop

In Photoshop habe ich alle Bilder geöffnet und wähle dann Datei > Skripten > Dateien in Stapel laden. Dann klicke ich einfach auf die Schaltfläche „Geöffnete Dateien hinzufügen“ und auf „OK“.

Hinweis: Wenn Ihr das nachmacht, könnt Ihr auch direkt in diesem Dialog die Option „Quellbilder nach Möglichkeit automatisch ausrichten“ anwählen. Damit erledigt ihr dann den nächsten Schritt automatisch mit – in dieser Anleitung möchte ich aber bewusst jeden Schritt einzeln vorstellen, damit man gut nachvollziehen kann, was genau passiert.

Nun habe ich also eine neue Photoshop Datei, in der meine fünf Bilder auf einzelnen Ebenen liegen. Spätestens jetzt wird auch klar, dass die Bilder ohne Stativ aufgenommen wurden. Also markiere ich alle Ebenen (dafür einfach die oberste Ebene wählen, die Shift-Taste gedrückt halten und auf die unterste Ebene klicken) und gehe dann zum Bearbeiten-Menü und wähle „Ebenen automatisch ausrichten“.

Im folgenden Dialog ist schon standardmäßig die Projektion „Auto“ gewählt, das passt, und ich muss nur mehr auf „OK“ klicken.

Nach dem Ausrichten der Bilder muss gleich mal der überflüssige Rand beschnitten werden. Dafür nehme ich einfach das Freistellungswerkzeug aus der Werkzeugpalette, ziehe ein Rechteck auf und passe den Bildausschnitt an. Ich bestätige mit der Eingabetaste, und schon sind die Randbereiche verschwunden.



Bild: Die überflüssigen Randbereiche werden einfach weggeschnitten.

Jetzt trennt mich nur noch ein Schritt vom Ergebnis. Die fünf Ebenen sind noch immer markiert, und ich wähle wieder eine Funktion aus dem Bearbeiten-Menü, diesmal „Ebenen automatisch überblenden“.

Wieder kommt ein kleiner Dialog, in dem wir eigentlich nichts umstellen müssen. Photoshop erkennt selbst, ob hier die Randbereiche von einer Panorama-Bilderserie überblendet werden sollen, oder ob es sich um gestapelte Bilder handelt. Das ist hier der Fall, also bleibt „Bilder stapeln“ ausgewählt und ich klicke nur „OK“.

Bild: Das „Ebenen automatisch überblenden“ Dialogfenster

Basierend auf dem Inhalt wurden nun die Ebenen kombiniert, und Photoshop erstellt dabei für jede Ebene ziemlich skurril aussehende Ebenenmasken. Diese erfüllen aber ihren Zweck, und das Ergebnis ist ein Bild, in dem alle Bildbereiche beinahe komplett scharf abgebildet sind. Beinahe schreibe ich deshalb, weil das natürlich nur geht, wenn auch wirklich jeder Bildbereich zumindest ein Mal irgendwo scharf abgebildet ist. Es wird hier wirklich nicht nachgeschärft, es werden einfach nur Bildteile kombiniert.

Bild: Ergebnis und Ebenenmasken

Das war es auch schon – diese Prozedur dauert wirklich nicht lange, und wenn man den ersten und zweiten Schritt wie beschrieben kombiniert, also direkt beim Laden der Bilder diese auch gleich ausrichten lässt, spart man sich noch ein paar Klicks.


Und jetzt?

Ja, jetzt wissen wir also, dass das klappt und wie es klappt. Aber ich weiß nur zu gut, dass sich mit neuen Funktionen von Photoshop auch immer neue Fragen auftun.

Ich kann förmlich hören wie Ihr Euch denkt „Aber bei Detail- und Makroaufnahmen WILL man doch so eine Unschärfe haben!“

Absolut richtig. Diese typische Unschärfe ist ein beliebtes Stilmittel und man sieht sie in fast allen Detail- und Makroaufnahmen. Viele Fotografen lieben diese Unschärfe, gerade weil sie den Fokus auf einen kleinen, scharfen Bereich des Bildes beschränkt – der Fotograf kann den Blick des Betrachters somit genau lenken.

Schärfe lenkt den Blick des Betrachters, ebenso wie Linien oder Kontraste. Damit ein Bild als schön oder ästhetisch empfunden wird, muss es davon etwas haben, es muss besonders aussehen. Davon brauche ich Euch nix erzählen, darüber berichten Martin selbst und zahlreiche Gastautoren hier immer wieder.

Aber nicht immer geht es darum, ein ästhetisches Foto zu machen – sehr viele Fotos dienen auch Dokumentationszwecken.

Nehmen wir meine Pilzfotos beispielsweise. Als begleitendes Bild zu einem Artikel à la „Die Schwammerlsaison in der herbstlichen Steiermark“ würde ich ganz bestimmt ein Bild mit Tiefenunschärfe aussuchen. Sieht doch einfach schöner aus.

Für einen Pilzführer wäre aber auf jeden Fall ein Bild zu bevorzugen, das alle Details scharf abgebildet zeigt und der Pilzsucher genau vergleichen kann, ob er auch den richtigen Pilz zum Abendessen verspeisen wird. Hier geht es nicht um schön, sondern um genau und detailgetreu.

Ich persönlich denke also, beide Varianten haben ihre Berechtigung, und es ist durchaus praktisch, dass es diese Funktion in Photoshop nun gibt. Aber mich interessiert natürlich auch sehr, wie Ihr das seht! Findet Ihr die Funktion interessant und habt vielleicht schon eine Idee, wann Ihr sie einsetzen werdet? Oder ist das für Euch gar nicht relevant? Ich bin gespannt auf Eure Kommentare!

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23 Kommentare

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  1. Mich würde interessieren, ob das ganze auch umgekehrt geht: Also mehrere Bilder kombinieren, um den Hintergrund automatisch UNschärfer rechnen zu lassen.

    Die Fuji F70EXR hat so eine Funktion, die in sehr begrenztem Maß zu funktionieren scheint. Geht das also auch in PS(E)?

    Gruß
    Oli

  2. Hallo,

    finde die Idee ziemlich witzig. Höhere Blendenzahl erzielt aus meinen Augen nicht das gleiche Ergebnis (Abbildungsqualität, längere Belichtungszeit–>fraglich ob dann immer noch ohne Stativ fotografiert werden kann). Zudem bei Bildern mit Landschaft im Hintergrund und Objekt im Vordergrund kriegt man auch mit der grössten Blendenzahl nicht hin. Wie es der Zufall will, wurde heute auf einer schweizer News-Seite folgendes Programm vorgestellt: http://www.tagesanzeiger.ch/digital/computer/Der-Weg-zum-rundum-scharfen-Bild/story/12807075 . Dieses Programm ist mit Photoshop wohl hinfällig oder?

    Gruss

    Beno

  3. Hallo Zusammen!
    @Martin Gommel: Ich will ja nicht unverschämt klingen…
    ABER: Bist Du krank? Von dir kam leider seit längerer Zeit kein Beitrag. Weder zur neuen 1D Mark IV, keine BrowserFruits… „Nur“ Gastbeiträge, Lightroom oder Video2Brain Ads?!
    Ich dachte, dies wäre ein Blog für Fotoanfänger?

    Tut mir leid, wenn das jetzt etwas blöd klingt. Ist mir halt aufgefallen in letzter Zeit!

  4. Erstmal hallo Euch allen, und danke für Eure Kommentare!
    Ich freue mich, dass für viele von Euch der Artikel interessant war!

    @ nico: Über den Sinn und Zweck habe ich am Ende geschrieben – meiner Meinung nach wird diese Funktion eher dann eingesetzt werden, wenn es darum geht etwas fotografisch zu dokumentieren. Mit kleinerer Blende (= größere Blendenzahl) bekommt man natürlich mehr scharf – aber, wie Beno auch schon erwähnt hat, alles wahrscheinlich auch nicht, und dann muss man echt länger belichten, und dementprechend mit einem Stativ arbeiten. Klar, geht auch. Es gibt ja nie nur einen richtigen Weg. ;)

    @ derNikki: Ja – woher denn? Ich hab noch keinen Artikel dazu geschrieben, aber schon mal in einem Video gezeigt. Aber vielleicht meinst du ja das?

    @ Oliver: Den umgekehrten Weg kenne ich z.B. über den Tiefenschärfe abmildern Filter in Photoshop, aber da verwendet man nur ein Bild und macht eine Maske dafür. Außerdem ist falsche Unschärfe nie so gut wie echte, finde ich…

    Liebe Grüße,
    Barbara

  5. Das dieses Bild zu Dokumentationszwecken ist, sieht man. Die Art wie du in PS zu diesem Ergebnis kommst ist Interessant. Nur wenn man sich eine billige Kompaktknipse kauft, die ja bekannt dafür sind das sie in ihrem Automatikmodus immer eine sehr hohe Tiefenschärfe haben, und hätte man dieses Dokumentar-Pilz-Bild mit dieser fotografiert, würde das Ergebnis wohl genau so aussehen.
    Und welch eine Zauberei, ohne ein Tausend Euro teures Profiprogramm :)

  6. Blogartikel dazu: Tweets die Photoshop CS4: Unschärfe aus einer Bilderserie entfernen | Digitale Fotografie Lernen - KWERFELDEIN - Martin Gommel erwähnt -- Topsy.com

  7. Ja, so kann man es auch machen. Jedoch finde ich, dass Fotografen, die ihre Fotos mit PS nachbearbeiten, sich beim Fotografieren bereits überlegen sollten, worauf sie achten müssen.
    Oder zur Not einmal mit offener und einmal mit geschlossener Blende knipsen!
    aber trotzdem guter artikel!

  8. Nico hat es als Erster gesagt: Kleinere Blendenöffnung. Etwa mehr Vorbereitung bringt doch auch das gewünschte Ergebnis (etwa Stativ). Und in dem Fall sogar mit einem Foto.

  9. Diese Methode wird in der Makrofotografie genutzt (seit PS Version 3 möglich), um mehr Tiefenschärfe ins Bild zu bringen. Ohne „Ebenen automatisch ausrichten“ (seit CS 3 – PS10) war es schwierig die Ebenen deckungsgleich aus zu richten. -Mit dieser Methode kann man in Verbindung mit Ebenenmasken auch Postkarten erstellen, wobei Leute, Autos und störende Obljekte abgedeckt werden.-
    Interessant ist seit CS4 die Möglichkeit des automatischen Überblendens. Diese Funktion findet die schärfsten (kontrastreichsten) Stellen und berechnet Ebenenmasken.

    Bitte zur Makrofotografie nicht posten: dann eben höhere Blende, Tiefenschärfe bei optimaler Blende manchmal nur 1/10mm; bei einer höheren Blende entstehen durch Blendenkanten „Lichthöfe“ (Zerstreukreis)

    Und wenn dieses Thema schon wo anders auftauchte, Barbara Luef teilt ihre Erfahrungen mit anderen, dies ist mehr Wert als ein, da war doch schon mal was!