kwerfeldein
24. Oktober 2009 Lesezeit: ~2 Minuten

Werde ich Berufsfotograf?

Dies ist ein Gastartikel von Steffen Göthling. Er ist Webentwickler, Hobbyfotograf und bloggt auf lens-flare.de.

steffen

Wenn sich die Leidenschaft zum Fotografieren intensiviert, kommen viele Hobbyisten ins Grübeln, ob sie aus dem Freizeitspaß einen Beruf machen sollen. Zu verführerisch sind die Vorstellungen vom Fotografenleben, dass man sich in den buntesten Farben ausmalt. Ist man erst Profi, dann kann man:

•    bis zum Nachmittag im Bett liegen bleiben
•    regelmäßig Reisen in die schönsten Ecken der Erde unternehmen
•    tagtäglich hübsche Models ablichten
•    besitzt die beste Ausrüstung, die Kamerahersteller zu bieten haben
•    muss nur einen geringen Teil des Monats arbeiten, da man ja eine fantastische Gage bekommt und nebenbei noch jede Menge Fotos verkauft
•    bekommt regelmäßig verrückte Aufträge die unheimlich viel Spaß machen
•    lernt immer wieder prominente Leute kennen, die supernett zu einem sind

Aber Leute, in der Realität sieht das alles ganz anders aus. Ich bin eigentlich ganz froh, dass die Fotografie mein Hobby bleibt, denn sonst müsste ich:

•    Überstunden machen und auch oft am Wochenende arbeiten
•    dürfte ich nur fotografieren, was die Kunden vorgeben,
•    tagtäglich schwere Ausrüstung mit mir herumschleppen
•    regelmäßig in teures Zubehör investieren, für dass ich eigentlich gar kein Geld habe
•    auf Befehl kreativ sein
•    immer eine Ausrede für Bilder parat haben, die nichts geworden sind
•    neben der anstrengenden Fotografiererei auch noch den nervtötenden Papierkrieg erledigen

Neeeeeee. ist natürlich alles Übertrieben und die eigentliche Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen. Oder liebe hauptberufliche Fotografen??? Auf jeden Fall ist es das Thema wert, einmal ein wenig durchdacht zu werden und wahrscheinlich entdeckt man dann auch schnell, wie schön es eigentlich ist, wenn die Fotografie einfach ein Hobby bleibt.

Wie seht ihr das?

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43 Kommentare

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  1. Ich bin mir selbst auch nicht sicher ob ich wirklich Fotografie als Beruf nehmen moechte.
    Jedoch moechte ich unbedingt eine Lehre als Fotograf machen. Um die Moeglichkeit zu haben. Und um endlich mal nicht nur (gefaehrliches) Halbwissen sondern eine solide und aufbauende Grundlage zu besitzen.
    Ohne wuerde ich bestimmt bis ich alt und grau bin daran zweifeln ob ich denn alles richtig mache. DIY ist mir in der Fotografie zu heikel – auch wenn ich bisher alles nur ueber DIY gelernt habe. Die Basis fehlt einfach.

    Ich wuerde auch jedem anderen Vorschlagen sich die Moeglichkeiten offen zu lassen und nicht dauerd Tueren zuschlagen.

  2. …ganz zu schweigen von Preiskalkulationen, Zahlungsmoral, Steuererklärungen, Beiträgen IHK… ;)
    Meine Freundin hat mit dem Gedanken gespielt, sich selbständig zu machen und es letztlich erstmal verworfen, weil das „drum und dran“ doch recht umfangreich ist.

  3. Dazu kommt noch, das sollte man nicht vergessen, das es passieren kann das man an der ganzen Sache den „Spaß“ verliert und es nur noch als Arbeit sieht und somit ein sehr schönes Hobby verliert.
    Klar gibt es auch Leute die es schaffen den Spaß zu bewahren und denen der Durchbruch gelingt, aber eben nicht allen.

    Ich denke die Fotografie ist so ein Hobby, da sollte man es drauf ankommen lassen und es nicht mit aller Macht erzwingen es zum Beruf zu machen.
    Mir ist der Spaß und die Freude beim fotografieren auf jeden Fall zu wichtig um sie mit eventuellem Frust zu verderben.

  4. Ich habe mal als freier Fotograf für zwei Zeitungen gearbeitet. Kann wirklich sehr viel Spaß machen und seine Fotos veröffentlicht zu sehen ist schon was richtig tolles.

    Da gibt es wie ich fand sehr dankbare Aufträge, z.B. nach einmem Fußballaufstiegsspiel die Fans und das Ganze drumherum zu fotografieren. Da kann man sich dann vor guten Motiven kaum retten.

    Dann hat man aber auch Aufträge die liegen einem nicht und man hat das Gefühl nur Mist zu fotografieren und mit Spaß machen hat das dann überhaupt nichts mehr zu tun.

    Über eins muss man sich im klaren sein, du hast permanenten Druck gute Ware abzuliefern und Fotos auf Titelseiten bringen mehr Geld.

  5. Hallo Steffen,

    ich sehe das ganz ähnlich und Du hast es sehr gut auf den Punkt gebracht. Ich denke mir auch manchmal, daß es sehr schön wäre, wenn mich mit meinem Hobby auch mein Geld verdienen könnte, aber wenn ich es mir dann richtig überlege, bin ich doch irgendwie froh, jeden Monat mein festes Gehalt zu bekommen. Aber natürlich wäre es darüber hinaus auch ganz nett, wenn man mit den eigenen Bildern vielleicht doch gelegentlich mal ein paar Euro verdienen könnte, ohne gleich davon leben zu müssen.

    Beste Grüße vom Bodensee,

    Michaela

  6. Berufsfotograf wäre schon eine feine Sache. Aber wie du schon richtig erkannt hast, ist das alles auch sehr nervtötend und nicht immer sicher, ob das Hobby dann auch immernoch so viel Spaß macht, wenn es der Beruf ist.

    Fotografieren ist auch mein Hobby ( na sowas? ^^ ) und ich habe mal ein Praktikum bei Pressefotografen absolviert. Jeden Tag mehrere Termine ( 50 – 100! ), dorthin hasten, eigentlich nie Zeit haben um ein Foto zu machen das DIR gefällt ( meistens nur 10 Minuten pro Auftrag weil man dauernd weiter muss.. )

    Man muss sich halt entscheiden. Mir hat es zwar sehr viel Spaß gemacht.. aber das vielleicht auch nur, weil es mal was anderes war.

    Aber auf Dauer? Ich weiß ja nicht..

    Vielen Dank für diesen Artikel!

  7. Sie liegt dazwischen, die Wahrheit. Obwohl es einige Punkte gibt, die nicht ganz unwahr sind. Dass man als Fotograf am Wochenende mal arbeiten muss, oder auch mal Überstunden macht, ist keine Seltenheit. Und der Papierkrieg kann einem (sofern man das nicht in andere Hände gibt) manchmal wirklich den letzten Nerv rauben.

    Aber: ich bin der Meinung, dass man als Berufsfotograf genauso Spaß an der Fotografie haben kann! Natürlich fotografiert man nach Kundenvorgaben, allerdings wissen viele Kunden gar nicht was sie eigentlich wollen. Diese Kunden wollen beraten werden und zwar von mir als Fotograf – auch das gehört zum Job dazu! Es geht also nicht immer nur darum, andere Konzepte umzusetzen, sondern eigene zu entwickeln und diese zu „verkaufen“. Im Portraitbereich hat man es da etwas einfacher als in der Werbefotografie.

    Ausreden für schlechte Bilder gibt es keine! Wenn man beruflich fotografiert sollte man sich darüber im Klaren sein und immer genügend Material in der Hinterhand haben. Bilder, die „nichts geworden sind“, fliegen in die digitale Mülltonne und kein Kunde wird diese jemals zu Gesicht bekommen. Selbstverständlich gibt es auch Tage, da fällt einem nichts ein, nichts läuft. Das sollte allerdings eher die Ausnahme als die Regel sein, sonst sollte man seine Entscheidung, Berufsfotograf zu werden, vielleicht nochmal überdenken – kreativ sein gehört einfach dazu.

    Grundsätzlich glaube ich schon, dass man als Hobbyfotograf freier agieren kann, was die Themenauswahl anbelangt. Das bedeutet aber nicht, dass man als Berufsfotograf nach Feierabend (wenn man ihn denn hat) nicht auch die gleiche Freiheit genießen kann. Denn auch Berufsfotografen sind (und waren zuvor häufig) Hobbyfotografen ;)

  8. Gut zusammengefasst. Genau so ist es! Du hast aber vergessen zu erwähnen, dass nur wenige Fotografen wirklich entspannt von ihrer Arbeit leben können. Viele Berufsfotografen haben am Abend zwei, drei Termine, um überhaupt genug Geld zusammen zu bekommen, um davon leben zu können. Da muss man erst eine Konfirmation ablichten, dann ein Konzert einer Heavy-Metal-Band fotografieren, dann weiter zu einer Jahreshauptversammlung im Kleingartenverein und dann ist es Mitternacht und man ist im Eimer. Ein Fotograf sagte mir mal, dass er bei einem Fußballspiel nach spätestens zehn Minuten DAS Bild im Kasten haben muss, weil der Markt danach dicht ist. Da sitzen dann alle mit ihren Laptops am Spielfeldrand und sehen zu, dass sie ihre Bilder bei den Agenturen hochgeladen bekommen. Und der mit dem besten Bild verdient das Geld, denn das wird am Ende gekauft.
    Nicht zu Vergessen die Technik: Die meisten Fotografen finanzieren ihr Equipment, weil die auch nicht mal eben 5.000 Euro für die neueste 1D herumliegen haben, geschweigedenn die zigtausend Euro für die Objektive.
    Klar gibt es Fotografen, die gut von ihrem Geld sehr gut leben können, die die Bilder machen können, die sie machen wollen und deren Leben so ist, wie Du es im ersten Teil beschrieben hast. Aber bis man da angekommen ist, hat man so einiges mitgemacht – und die Meisten kommen gar nicht erst dort an. Man sollte sich also gut überlegen, ob es einem das wert ist.

  9. ….yepp eher das 2.
    Selten mal die 1,ausser wenn das Brautpaar oder das Model hübsch sind.
    Ansonsten ein Handwerksberuf wie jeder andere auch … nörgelige Passkunden und quengelige Kinder wollen genau so prof. behandelt werden wie eben die schöne Frau, die sich fast von alleine fotografiert. ;-)
    Daher sind die Themen die ich in meiner Freizeit fotografiere im Prinzip auch ein Hobby, bei dem ich meine eigenen Ideen umsetze. :D

    Gruß Frank

  10. Ich habe mir auch schon sehr viele Gedanken darüber gemacht. Einerseits wäre es schon sehr cool, wenn das Hobby zum Beruf werden würde. Doch da wäre dann vermutlich manches nicht mehr so locker. Vor allem wird sich eines ändern: Man kann nicht fotografieren, was man will (ob es einem passt oder nicht).

    Ich habe mich entschieden, erst einmal eine „solide“ Ausbildung zu machen. Das Fotografieren wird bei mir noch für lange Zeit ein Hobby bleiben und wer weiß, vielleicht ergibt sich irgendwann mal was und es ändert sich.

    Auf jeden Fall fände ich mal einen richtigen Einblick in das Alltagsleben eines Fotografens interessant.

  11. “ immer eine Ausrede für Bilder parat haben, die nichts geworden sind“ ….

    gibt´s leider nicht…wenn die Bilder nicht so geworden sind, wie der Kunde sie möchte, dann muss man solange welche machen, bis sie passen. Da wird nicht gefragt warum die nicht gut sind, nur festgestellt…Kenn ich leider inzwischen…Aber man lernt auch daraus..was allerdings

    „Überstunden machen und auch oft am Wochenende arbeiten“

    weiter verstärkt… ;-)

    soweit zumindest meine Erfahrungen aus dem Berufsalltag…

  12. ich bin auch froh, die fotografie nur als hobby zu haben. so bleibt der spaß wahrscheinlich am längsten erhalten, weil man sich einfach nicht stressen muss und tun und lassen kann was man will und wann man will. ich stell mir das leben als berufsfotograf unheimlich hektisch vor. das wär nichts für mich. ich finds viel entspannter ab und an, hier und da ein paar bilder aus spaß an der freude zu machen.

  13. Ja, ich würde auch gerne Berufsfotograf sein. Aber nur mit den angenehmen Seiten (Topgehalt, Ausschlafen!)..

    Hast schon recht, ist sicher kein leichter Job. Da habe ich es zur Zeit wesentlich einfacher. Aber eine 5D zuhause liegen zu haben und immer erst nach Hause zu kommen, wenn die Sonne bereits untergegangen ist, ist in der Zeit von Oktober bis März auch kein Vergnügen… zumal es am Wochenende IMMER regnet!

  14. Fotograf ist nicht Fotograf. Wie in vielen anderen Bereichen auch, gibt es krasse Unterschiede. Es ist ein wenig wie mit den PR-Schreibern, die natürlich nur das schreiben dürfen, was die Unternehmen vorgeben, und mit den Autoren, die aufgrund ihres Könnens (und harter Arbeit) nur das schreiben, was sie schreiben wollen. Erfolgreiche Fotografen brennen für ihre Kunst und für das Handwerk zugleich. Sie finden ihre Passion und entwickeln ihren eigenen Stil. Damit überzeugen sie die Auftraggeber und können langfristig auch ein gutes Geschäftsmodell aufbauen. In einem interessanten Artikel von David du Chemin (Autor von Within the Frame) rät er jedem, der die Fotografie als Beruf ausüben will, eben nicht rein nach Marktlage und Kundenwunsch zu agieren, sondern sich gewissermaßen von innen nach außen zu entwickeln. Es ist die eigene Persönlichkeit, die sich in der Fotografie widerspiegelt, mit der man dann auch wirtschaftlich sehr erfolgreich sein kann. Sicher ist das kein schneller Weg, aber jeder hat die Chance ihn zu gehen. Dafür braucht es mehr als nur Interesse an der Fotografie. Es braucht Leidenschaft für die Fotografie.

  15. Blogartikel dazu: Tweets die Werde ich Berufsfotograf? | Digitale Fotografie Lernen - KWERFELDEIN - Martin Gommel erwähnt -- Topsy.com

  16. Was Du vergessen hast:
    – Ärger mit Zahlungsunwilligen Kunden
    – Standleitung beim Anwalt zwecks Eintreibung von ausgebliebenen Zahlungen
    – Lohnverfall durch Dumping
    – Stress durch sich verändernde Märkte
    – Ungewisse Zukunft
    – Ärger mit Kunden, die sich nicht an Verwendungszwecke halten

  17. Die Entscheidung ob Berufsfotograf oder nicht, hängt von noch mehr Faktoren ab. Man sollte sich im Klaren sein, in welche Richtung man möchte, Studio, Presse, …..
    Wenn ich nicht so ein Stress mit der Berufsgenossenschaft gehabt hätte, wäre ich jetzt auch noch einer. Nur hat mich allein der Papierkram aufgefressen. Ich ich allein bin, habe ich also auch keinen, der mir den Rücken stärkt. Was ich damit sagen will, es ist viel zu tun wenn man sich dafür entscheidet und auf der anderen Seite darf man das Privatleben nicht vergessen. Haushalt und Familie will auch noch was haben.

    Ich habe meinem Bruder dabei geholfen, er hat ein Studio aufgemacht und es gab sehr viel zu tun. Nein, es gibt immer noch viel zu tun! Wenn kein Kunde im Studio ist, muss man sich noch um andere Kanäle kümmern.

    Ich könnte viel mehr schreiben, aber das würde den Rahmen sprengen. Nur sollte man bei der Entscheidung bedenken, ist ist nicht nur mit Fotos machen und bearbeiten getan.

    Aber allen die sich dafür entscheiden, wünsche ich viel Glück!

    Gruß
    Andy

  18. aber was mich sehr interessiert wie das der martin so macht, weiß das zufällig einer, also hochzeitfotografieren das weiß ich das er das tut aber iwas muss er ja noch machen, bzw. aufträge bekommen oder, weiß das zufällig wer

  19. Den Satz „Immer eine Ausrede für Bilder parat haben, die nichts geworden sind“ Tonne, es sei denn man arbeitet an der Selbstzerstörung seines Rufs. Es läuft auch viel über Mondpropaganda, was man nicht vergessen darf. Und nicht nur die Themenwahl wird vom Kunden „mitbestimmt“. Was auch nicht erwähnt wurde: Die Zeit die man tatsächlich fotografierend hinter der Kamera verbringt ist verschwindend gering gegen den Anteil der Zeit welche mit Papierkram, einsamen Stunden vor dem Rechner, Aquisation von Kunden, Papierkram, etc.pp. drauf geht. Die Arbeit läuft fast immer unter Zeitdruck/zeitlichen Vorgaben ab. Denn die wenigsten Kunden haben Verständniss für ein „kreatives Loch des Künstlers“. Wenn der vereinbarte Liefertermin da ist wird das Eregebnis abgeliefert. Möglichst noch vorher! Da gibt es kein wenn und aber…oder fadenscheinige Ausreden.

  20. vor knapp nem 3/4 jahr hab ich so in etwa vor der entscheidung gestanden. es ging darum, was für einen beruf ich erlernen möchte und da stand neben technischen berufen auch fotograf auf dem papier. ich hab mich für den technischen beruf entschieden. ganz einfach, weil ich fotografie immer betreiben kann, besonders als hobby. das geht mit einigen anderen dingen nicht. und das schöne ist, wenn ich denn so gut und bereit bin berufsfotograf zu werden, dann hab ich dazu auch später noch die möglichkeit. derweil genieß ich es zu fotografieren was ich will und vor allem, wann ich will. das hab ich als berufsfotograf nicht unbedingt.

  21. Ich muss zugeben, es stimmt schon – teilweise. Überstunden – ja bestimmt. Wochenende – ganz sicher. Kreativ auf Knopfdruck – auch das. Aber für mich überwiegen die positiven Seiten, ich hätte kein Problem mit Überstunden oder Wochenendsarbeit, denn das hier ist alles meine Leidenschaft. Und für etwas, das ich gerne mache, auch noch Geld zu bekommen.. klingt doch gut, oder?
    Vielleicht sind das auch nur Visionen und Traumvorstellungen einer jungen Fotografiestudentin, wer weiß. Aber die brauch ich noch zum Beenden des Studiums, bis ich dann auf dem harten Boden der dreckigen Realität ankomme und vielleicht bemerke, dass es viel zu viele negative Seiten gibt..

  22. Blogartikel dazu: Fotograf « lens-flare.de – Blog über Fotografie

  23. Hauptberuflich einen Job haben, von dem man leben kann und nebenberuflich als Fotografin arbeiten, das ist für mich eine gute Lösung. Ich darf mir die Locations aussuchen, die Kriterien für technisch einwandfreie Bilder sind nicht allzu hoch, ich kann mich mit meinem Equipment austoben und die gewünschten Akkreditierungen flattern einem entgegen :-)
    Und am Monatsende gibts dann noch ein Extragehalt dazu!

  24. Als fester freier Pressefotograf, wie ich es fast 20 Jahre lang war, kann ich nur aus eigener Erfahrung sagen:

    – hast Du kein Wochenende
    – kommt die Familie zu kurz
    – hast Du keinen (oder nur wenig) Urlaub
    – hast Du keine Freizeit
    – siehst Du Deine Kinder kaum
    – gibt es einen Hungerlohn für ein Bild
    – musst Du auch nachts raus
    – bist Du sieben Tage 24 Stunden im Einsatz
    – verdienst zu wenig für den Stress
    – musst Du auch an Geburtstagen arbeiten
    – bist Du der letzte Arsch, wenn es darum geht, Dich los zu werden
    – kommst Du Dir ganz klein vor, wenn Du als Bittsteller bei Ämtern vorsprichst
    – musst Du froh, wenn Du nach drei Monaten eine feste Arbeitstelle bekommst
    – freust Du Dich, wenn Du nach fünf Jahren endlich wieder keine Schulden hast

    Und Du kannst Dich glücklich schätzen, wenn Deine Ehe trotzdem 19 Jahre gehalten hat.

    Das hört sich jetzt (bis auf den letzten Punkt) komplett negativ an. Aber der Beruf hat auch schöne Seiten. Und an die erinnere ich mich sehr gerne. Ich würde den Beruf auch heute wieder ergreifen, nur würde ich heute vieles anders machen. Und das rate ich auch jedem, der mich danach fragt.

  25. „…ich hätte kein Problem mit Überstunden oder Wochenendsarbeit, denn das hier ist alles meine Leidenschaft. Und für etwas, das ich gerne mache, auch noch Geld zu bekommen.. klingt doch gut, oder?“

    Und umso härter ist es, wenn Du irgendwann so frustriert von den negativen Aspekten bist, dass Du nicht nur Deinen Job hasst, sondern auch noch Deine Leidenschaft für etwas, das Dir mal wirklich wichtig war, deswegen stirbt.

  26. Mein Traum ist es als „Teilzeitfotograf“ mit meinem Hobby auch ein wenig Geld zu verdienen ;-)

    Soweit ich weiß gibt es in Österreich jedoch einige Einschränkungen, wenn man als Hobbyfotograf etwas dazuverdienen will. Eigentlich unverständlich …

    Wenn ich als Fotograf NICHT Geld verdienen MUSS, dann habe ich fast nur Vorteile:

    * Ich muss keine Aufträge annehmen, die nicht interessant sind oder zumindest finanziell in Ordnung

    * Ich muss nicht um das finanzielle Überleben kämpfen

  27. In wichtiger Aspekt den man noch beachten sollte ist, wie mein Fotografie Prof. gesagt hat „Ihr werdet nicht gebraucht, in Deutschland gibt es genug Fotografen. Ihr könnt nur überleben in dem ihr besser seid als eure Mitstreiter“

    Trotz beschissener Aussichten hab ich mich trotzdem für eine Zukunft als Berufsfotograf entschieden. Muss mich nur daran gewöhnen in Zukunft eine Hornhaut an den Ellenbogen zu haben.

  28. Ja das Leben als Fotograf scheint kein Zuckerschlecken zu sein und oft ist es auch so, dass man die Dinge, die man sich sehnlichst wünscht und dann auch hat, nicht mehr haben möchte und sich wieder andere Dinge wünscht. Genauso scheint es mit dem Beruf des Fotografen zu sein. Ein weiterer Nachteil scheint auch die Gage zu sein, denn Fotografie ist ähnlich wie Schriftstellerei eine brotlose Kunst und kann unter Umständen finanzielle Engpässe nach sich ziehen.
    So bleibe ich lieber Hobbyfotograf und spezialisiere mich auf die Dinge, die mir gefallen und bin mein eigener Auftraggeber, als dass ich mir von Kunden sagen lasse, wie sie etwas haben möchten.

  29. Ich hab auch mal kurzzeitig damit Geld verdient, war auch ganz ok von der Entlohnung her, aber mir kommt dabei der Spaß deutlich zu kurz!

    Jetzt mach ich das lieber aus Spaß, für mich, für Freude oder wie in letzter Zeit öfters für den Verein. Da bedeuten mir Dankeschön-Mails viel mehr als en bissel Geld auf dem Konto!

  30. Vom Hobbyfotograf zum Berufsfotograf! Ja ich denke jeder der ein Hobby liebt und gern macht wünscht sich dies als Traumberuf! Aber klar, das stimmt schon es ist ein harter Business! Und ich find ein Hobby ist schön wenns Hobby bleibt – machst es dann wenn du Lust hast – bist dann eben mit voller leidenschaft und kreativität dabei ect. …aber es gibt natürlich auch die andere Seite: wer es sich vom ganzen Herzen wünscht und an nichts anderes denken kann, dann ja bitte nur rein in den Kampf.. aber ich glaube das wäre nichts für mich! ich will mein Herr sein beim Fotografieren! gruß cagi

  31. Bei mir ist das Fotografieren auch Hobby. Ich denke wenn man das zu seinem Beruf macht, hat man nach und nach die selben Probleme wie in jeden anderen Job (Termindruck, Überstunden, etc.)auch. Vielleicht sollte man auch den Mittelweg nehmen und das Fotografieren als Teilzeitjob machen. Wäre doch auch schon ne tolle Sache, wenn man damit die neue Ausrüstung finanzieren könnte.

    Grüsse
    toni

  32. Ich feiere jetzt bald mein 2 Jähriges Firmenjubiläum und ja, es ist viel Arbeit, es kostet sehr viel Kraft, es werden Freunde und Familien vernachlässigt und man hat wenig Freizeit, aber ich habe meine Entscheidung nie bereut. Ich finde es toll meinen Kundenstamm wachsen zu sehen, immer wieder neue Herausforderungen zu haben und langsam aber stätig zu wachsen. Mein Netzwerk hat sich vergrößert, ich lerne immer mehr neue und interessante Menschen kennen, sei es jetzt Kunden oder Personen die im selben Umfeld arbeiten. Ohne meine Selbstständigkeit hätte ich nie so richtig die Liebe zur Hochzeitsfotografie entdeckt, die ich auch immer mehr ausbaue und wo ich richtig Freude daran habe.
    Ich glaube das ist einfach unglaublich wichtig. Ich empfinde meine Aufträge nicht als lästig, ich liebe es einfach und ein zufriedener Kunde ist sooo viel Wert.

    Aber man wird nie richtig professionell wenn man es nur tut um sein „Hobby zu finanzieren“. Man muss 100%ig dahinter stehen und wie ich schon sagte man muss es lieben.

  33. Ich arbeite in einer Werbeagentur und kann so auch von außen Vor- und Nachteile des Lebens als Berufs(Werbe-)fotograf sehen.

    Klar gibt es immer wieder Jobs, die einfach Spaß machen. Ein cooles Konzept, die Chance, viele eigene Ideen einzubringen, flexible Kunden.

    Genauso oft, wenn nicht sogar öfters, ist es ganz schön mühsam für alle Beteiligten: Da muss z.B. ein Bild am Ende genau so aussehen, wie gescribbelt (egal ob das fotografisch umsetzbar ist oder nicht), aus Kostengründen wird die Shootingzeit gekürzt oder sonstwo gespart…

    Letzten Endes ist man als Profi eben doch in vielen Fällen ein Dienstleister und muss (zumindest in Maßen) das tun, was der Kunde will.

    Auch diesen Aspekt sollte man bei der Entscheidung im Kopf behalten.

    • Freue mich, bei diesem Thema so ein breit gefächertes Feedback zu bekommen. Das ist wirklich sehr interessant für mich, da ich trotz alledem immer noch ein wenig mit dem Gedanken spiele. Vielen Dank an alle Beteiligeten

  34. Blogartikel dazu: Katja Heil Fotografie

  35. Also ich hab mich von knapp 3 Jahren dazu entschlossen es Hauptberuflich zu machen. Jetzt habe ich noch ein knappes halbes Jahr und bin dann fertig mit der Ausbildung. Bereut hab eich es bis jetzt nicht und werde es auch hoffentlich nie … auch wenn der Markt nicht grade der beste ist. Zumindest bei uns im Studio ist die Welt noch in Ordnung …

  36. Fotograf ist kein Beruf, sondern eine Berufung. Ich bin – wie einige meine Vorredner – der Meinung, dass man fotografieren vielleicht aus technischer Sicht lernen kann.

    Das macht allerdings noch lange keine guten Fotos.

    Ich bin jetzt schon seit einigen Jahren als Fotograf selbständig unterwegs und kann mich absolut nicht beklagen. Wobei: Mehr geht immer ;).

    Grüße
    direkt aus Motorcity
    Mario

  37. Das Hobby zum Beruf machen ist so eine Sache…
    Natürlich ist der Beruf eine „Berufung“, aber man stellt sich den Alltag bestimmt nicht so vor wie er ist, was bei uns auch Praktikanten immer wieder bestätigt haben.

    Ich bin förmlich in die Fotografie „so reingeschlittert“, hab zuerst eine Ausbildung zur Fotofachverkäuferin gemacht in nem kleinen Laden mit Studio und nach 3 Jahren im Verkauf hab ich die Fotografenlehre drangehängt.

    Man sollte zu allererst einmal bedenken, daß die Ausbildungsvergütung sehr niedrig ist- 275 Euro im ersten Lehrjahr sind nicht grade viel.( In meinem Fall bekam ich nicht mal Ausbildungsbeihilfe, weil ich ja schon ne Ausbildung hatte).

    Außerdem ist der Alltag in einem normalen Portraitstudio alles andere als super spannend (jaaa, je nach Betrieb natürlich unterschiedlich, aber wenn ich so an meine Ausbildung und die Erzählungen meiner Klassenkameraden denke, war es überall fast dasselbe).
    Die meiste Zeit verbringt man mit Passbilder machen, Kunden Fotoarbeiten verkaufen und sinnlose Kameraberatungen machen, die mit dem Satz:“Ich überlegs mir nochmal…“ enden und man genau weiß, daß der Kunde die Kamera für 50Euro günstiger im Internet bestellen wird.
    Dazu kommt noch der Druck, Kundenaufträge zu retuschieren und fertig zu machen während wieder eine Passbild-Invasion im Laden wartet.

    Die Termine, die man fotografiert hat ein anderer angenommen, man weiß außer einem Namen und vielleicht noch dem Vermerk ob es sich um ein Einzelportrait, Familie, Kinder usw. handelt, überhaupt nichts von dem Kunden.
    Danach hat man max. 1h Zeit, um sich kreativ im Studio auszutoben. Meistens greift man auf die persönlichen Standard-Posen zurück, weil man den Kopf sowieso nicht frei hat für was anderes, die Zeit gegen einen ist und man mindestens 8 unterschiedliche Aufnahmen am Schluß raus haben sollte, sonst bekommt man eine aufs Dach.

    Vom Streß, 5 Wochen vor Weihnachten täglich 12h zu arbeiten incl. Sa, damit die Aufträge bis zum 24. fertig werden mal ganz abzusehen. (Incl. der Lust, die man dann noch verspürt, in seiner Freizeit irgend eine Kamera überhaupt anzurühren).

    Ich weiß, das ist alles sehr schwarz gemalt, aber mir ist es so ergangen, und ich hab die Ausbildung in einem Betrieb gemacht, der technisch auf dem neusten Stand war und auch sehr hochwertige Aufnahmen gemacht hat. Ich hab viel gelernt, nur muß man sich wirklich im Klaren sein, daß wenn man in einem Portraitstudio anfängt, daß man nicht wirklich viel verdient (auch nach der Ausbildung nicht) und der tägliche Streß einem so auffrißt, dass man daran zweifelt, die „Berufung“ für sich richtig interpretiert zu haben.

    Die Berufsfotografen die mit tollen Sets, Models und Karibik-Aufnahmen zu tun haben, sind recht rar und bilden auch meistens nicht aus sondern haben nur Praktikanten.

    Ich würde euch raten falls ihr es in Erwägung zieht eine Ausbildung zu machen oder mal in den Beruf reinzuschnuppern, sucht Euch große Firmen mit eigenem Studio (Kataloge wie Neckermann, Otto usw…) oder eben große Werbestudios. Da werdet ihr auf jeden Fall gefördert, bekommt die neuste Technik mit und habt mehr Atem euch selbst zu verwirklichen, auch wenn das auch nur in eurer Freizeit geschieht.

    Ich hab nach dem Abschluß noch ein halbes Jahr in meinem Ausbildungsbetrieb gearbeitet, dann gekündigt und bin 530km weiter nördlich zu meinem Freund gezogen.
    Leider hat das mit der Stelle, auf die ich mich beworben hatte, nicht geklappt „aus wirtschaftlichen Gründen“ und ich hab ein halbes Jahr lang in nem Büro als Aushilfe gearbeitet. Es hat bestimmt 3 Monate gedauert, bis ich meine Kamera in die Hand genommen und mit Spaß wieder fotografiert habe.

    Ich weiß, daß ich den richtigen Beruf gewählt hab, aber ich weiß auch wie der Alltag genau dieses Gefühl verschütten kann.
    Überlegt es Euch also gut…

  38. Blogartikel dazu: Warum ich mit meinen Fotos KEIN Geld verdienen will | birgitengelhardt.de