kwerfeldein
12. Oktober 2009 Lesezeit: ~3 Minuten

Zur rechten Zeit am rechten Ort: Eine Bildbesprechung

september sunrise by numstead.

Heute morgen habe ich dieses Foto im Flickr Stream von Nathan Umstead gefunden. Und obwohl ich meine Begeisterung schon auf Twitter und Facebook kundgetan habe, möchte ich es hier vorstellen und besprechen.

Was wir hier sehen ist kein übliches, alltägliches Foto. Zum einen wegen der enormen Farben, der gelungenen Belichtung aber vor allem: Dem Kontext, in dem es aufgenommen wurde. Der ist urban. Gewöhnlich sehen wir solche Aufnahmen viel eher mit einem Strand, einer Wiese mit Blümchen oder einem Baum im Vordergrund.

Aber Sonnenauf/untergänge in der Stadt? Eher selten.

Als ich es heute morgen auf Flickr gesehen habe, musste ich 2,3,4,5,6, X-Mal hinschauen. Mein Interesse stieg und habe einen Blick in die EXIF Daten geworfen die (eigentlich nebensächlich, aber) nicht ganz uninteressant sind.

EXIF’s

Kamera: Canon EOS Digital Rebel XT (= EOS 350D*)
Belichtung: 1/50s
Blende: f/3.5 (!)
Brennweite: 10mm
ISO: 200
Objektiv: 10-22mm*
Ausgegeben in: Adobe Lightroom

Bildbeschreibung

Nathan Umstead macht keine großen Worte. Unter dem Bild auf Flickr lautet es:

„had to pull the car over on the way to work a couple weeks ago to snap photos of this amazing sunrise“


Besprechung

Ich habe mir verkniffen dieses Bild zu nehmen und in Photoshop darin herumzumalen. Wäre es mein eigenes Foto, hätte ich es getan, doch mit fremden Fotos macht man sowas nicht. Vor allem nicht ohne Erlaubnis (-;

„Es hätte so sein können“ würde Michael Jordan wohl sagen und ich denke, dass dieser Bestand das Foto so ausdrucksstark macht. Nathan hat an diesem Foto sicherlich gedreht – er hat es ja auch beschnitten. Doch wir wissen nicht, wie intensiv er es bearbeitet hat. Was eigentlich auch relativ wurscht ist, denn es fällt (meines Erachtens) nicht auf. Ich meine, eine Vignettierung warzunehmen, aber das ist reine Spekulation.

Das 1×1 (oder 6×6) -Beschnitt tut dem Foto gut und gibt ihm einen ausgeglichenen Charakter. Alle Linien führen unseren Blick zur Bildmitte und unterstreichen somit die Bildwirkung indem sie evtl. sogar die „Sonnenstrahlen nachahmen“.

Ich finde es interessant, dass das Foto auch mit einer Blende 3,5 durchgängig eine akzeptable Schärfe vorweist. Es war sicherlich eine gute Entscheidung von Nathan hier die ISO und damit das Bildrauschenn weit unten (200) zu halten und dafür relativ offenblendig zu fotografieren. Das 10-22er Canon ist eben auch ein gutes Objektiv.

Ebenfalls markant und witzig in diesem Foto finde ich, dass die Sonne nicht zu sehen ist – aber von der hellen Straßenlampe quasi „vertreten“ wird.

Fazit (?)
Ich finde es immer schwierig, aus Fotos oder ExifDaten irgendwelche Schlüsse zu ziehen und dann für allgemeingültig zu erklären. Dieses Foto steht für sich und so möchte ich es auch behandeln. Aber für dieses Foto gelten aus meiner Sicht folgende Dinge:

a) Wenn der Fotograf zur rechten Zeit am rechten Ort ist, wird die Ausrüstung zweitrangig.
b) Nathan Umstead hat hier einen einzigartigen Moment erlebt und hatte seine Kamera dabei, obwohl er auf dem Weg „zur Arbeit“ war. Es lohnt sich also, die Kamera auch dann dabei zu haben, wenn kein Shooting geplant ist.

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37 Kommentare

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  1. Das Bild als solches ist eine gelunge Aufnahme. Was mir persönlich Aufgefallen ist, das Bild verliert an Wirkung wenn man sich es in einer größeren Auflösung anschaut. Durch den Verlust an Schärfe verliert das Bild irgendwie an Wirkung. Dennoch eine tolles Beispiel für eine Momentaufnahme

  2. Superbild! Ich hoffe die Beschneidung tat nicht weh! ;)

    Nee im Ernst. Der Beschnitt ist genau richtig so. Ich vermute mal, daß, wenn es im Querformat aufgenommen wurde, rechts und links die Details sowieso im Dunkeln verschwinden.

    Finds aber sehr gut, daß der Fluchtpunkt auf der horizontalen nicht in der Mitte liegt.

    Hach (seufz) und dann dieser herrlich typische Ami-Flair! Der Schulbus..!
    fehlt eigentlich nur noch, daß ein 68 Mustang da lang fährt :)

  3. „Nacharmen“? Muss ein Fachbegriff unter Fotoprofis sein ;o)

    Das Fazit unterschreibe ich voll und ganz! Keine Kamera kann dir sagen, wann und von wo aus du abdrücken musst, um ein Top-Foto zu erzielen.

  4. Echt schönes Bild hast Du ausgesucht. Sonnenauf- oder auch Sonnenuntergang und Wolken gefällt mir sowieso.

    Was mich auch angesprochen hat, dass das Foto unterwegs auf dem Weg zur Arbeit geschossen wurde (Punkt b bei Deinem Fazit). Ich habe meine Kamera praktisch jeden Tag beim Weg zur Arbeit dabei.
    Es gibt einfach manchmal Situationen oder Stimmungen, die man halt auf dem Weg zur Arbeit antrifft – und sich dann freut, wenn man die Kamera aus dem Rucksack nehmen kann. :-)

  5. Die Aufnahme ist wirklich sehr gelungen. Und wie du bereits geschrieben hast, ist die Ausrüstung in so einem Fall wirklich zweitrangig. Ich finde es auch gut, dass er unter dem Bild keine großen Worte verliert.

  6. An der Sättigung wurde beim Himmel ziemlich gedreht, bzw. Magenta und Gelb verstärkt; grad am unteren, rechten Horizont sieht man das, weil die Gelb- und Magentawerte ausfransen. ;)

    Trotzdem schick. =)

  7. Hm, bist du sicher das er die EXIFs überhaupt gewählt hat? Kann ja auch durchaus sein, das er im P Modus fotografiert hat oder halt in der Vollautomatik. Dann macht die Offenblende (ist es doch bei diesem Objektiv, oder) durchaus Sinn. Und das das Bild durchweg scharf ist erkläre ich mir damit, das der Focus auf unendlich steht. Das sollte bei dieser Brennweite auch im „Nahbereich“ kein Problem darstellen.
    Aber davon ab ein schönes Foto mit herrlichen Farben

  8. Das ist wirklich eine stimmungsvolle Aufnahme, auch wenn ich ebenso finde, dass es bei höherer Auflösung an Wirkung verliert. Für eine auf dem Weg zur Arbeit Aufnahme ist sie meiner Meinung nach auf jeden Fall gelungen :)

    Ich habe meine Kamera inzwischen auch öfter dabei, um mich in solchen Momenten nicht ärgern zu müssen, dass sie zu Hause liegt. Da ist es ganz praktisch mit nem Rucksack, der neben der Kamera noch Platz für A4-Sachen und Kleinkram hat.

  9. Ich finde das Bild einfach klasse und kann das Fazit nur unterschreiben.
    Persönlich finde ich ja viel Tiefenschärf bei solchen Aufnahmen schöner; bei mir wärst Blende 16 oder so geworden mit entsprechend längerer Belichtungszeit.
    Das wäre hier nur Problematisch das er im Gegenverkehr steht.
    Aber das muss jeder für sich, nach seinem Empfinden beurteilen.

    Das Bild ist klasse!!

  10. Tja, mann muss zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Ich glaube wenn man es mit der Fotographie ernst meint, dann sollte man seine Kamera immer dabei haben. Schon allein um in solchen Momenten sich nicht zu ärgern!

  11. Wundervoles Foto
    Ja, da braucht man Glück, ein offenes Auge und eine Kamera im Gepäck.

    Aber ganz ehrlich, mir ist meine Kamera so wertvoll, dass ich sie nicht überallhin mitnehme. Das kann man wohl nur mit einer Zweitkamera ändern :)

  12. @pixelboogie
    Da der Fluchtpunkt im unteren Bild-Drittel liegt und gleichzeitig keine stürzenden Linien bei Gebäuden und Strommast zu erkennen sind, denke ich, dass die Aufnahme im Hochformat mit einem nachträglichem Beschnitt am unteren Bildrand (Straße) erfolgte.
    So demonstriert das Bild auch eine Möglichkeit mittels Weitwinkel (und ohne Shift-Objektiv) stürzende Linien zu vermeiden.

  13. Ja, ich weiss, schamlose Eigenwerbung etc. aber ich bin eher für „Bilder machen“ statt „über Bilder reden“. Daher:

    …mal sehen, ob Herr Gommel sone Kommentare freischält? :)

  14. Ein Auszug aus seinen EXIF dateien verrät mir, dass er den

    automatischen Modus (Exposure Mode: Auto)

    verwendet hat.

    Daher, der Flickr User numstead hat sich nicht umbedingt so viele Gedanken gemacht, wie wir hier alle. Die Automatik hat ihn unter umständen sogar sein Bild gerettet.

    Evtl, da es dunkel war hätte er Blende 8 11 oder 16 genommen und somit die fahrenden autos nicht mehr so, wie jetzt eingefangen, da die Belichtungszeit länger gewesen wäre…

    Wie dem auch sei… das Bild, beschnitten, ist super geworden. Und der Himmel ist atemberaubend : )

    Liebe Grüße

    Ps: finde Bildbesprechungen zwar sehr sinnvoll, jedoch bei mit Automatik geschossenen Bilder nicht sehr angebracht xD

  15. Nur nochmal zu der Tiefenschärfe…
    Also ich finde das Bild selbst in Groß immer noch ausreichen scharf. Könnte schärfer sein, aber die Wirkung entsteht hier nicht durch die scharfen Motive, sondern eher durch die Lichtstimmung und den tollen Himmel so wie die dadurch hervorgerufenen Atmosphäre.

    Ich denke es ist einfach eine sehr gelungene Momentaufnahme!

    Wie auch immer – schönes Bild, aber etwas zu viel Aufmerksamkeit für das was wohl dahinter steckt. ;-)

  16. Ich würde meine Kamera ja gerne öfter mitnehmen, aber ich lasse sie nur ungern im Auto zurück. So ganz alleine^^ Nee quatsch, aber habt Ihr nicht Angst, falls das Auto mal aufgebrochen wird? Nicht dass ich sie für jeden sichtbar auf dem Beifahrersitz liegen lasse, aber ich hab da irgendwie ne Paranoia :-/

  17. @Phil: Oh, okay. Nun, das ist natürlich eine wichtige Info, die ich übersehen habe. Ich denke aber trotzdem, dass auch ein in „P“ geschossenens Bild vorgestell werden darf – vor allem wenn es so aussieht, wie das hier ;)

  18. Ich denke auch, dass es völlig legitim ist, auch bei Bildern die mit Automatikmodus entstanden sind (..oder mit ner „Knipse“ oder gar einem Handy) und/oder von jemanden, der selbst gar nicht wusste, was er tat, eine Bildbesprechung durchzuführen…

    Denn: Es kann immer analysiert werden, WARUM das Bild gefällt, selbst wenn da vom „Erschaffer“ des Werks gar nicht so viel Absicht und Überlegung drin steckte… manchmal hauen im Extremfall auch völlig Unbedarfte (damit ist aber nicht der Fotograf dieses Bildes gemeint!) Bilder raus, da klappt einem der Mund runter… :)

  19. Ganz ehrlich ich schieße auch viel in P, lieber erstmal ein sicherheitsschuß danach kann man ja in Ruhe rumspielen … was nützt es einem super lange zu überlegen und dann vom Gegenverkehr platt gemacht zu werden …

  20. Ich glaube kaum, dass es der Sache einen Abbruch tut, nur weil er sich auf die Automatik verlassen hat. Gemacht und gesehen hat er das Bild halt immernoch selbst..
    Und die Blendenvorwahl ist ja auch quasi ne (Voll)Automatik (die vermutlich 90% der DSLR User verwenden). Ich mach’s selber nicht, weil ich gern die Schärfentiefe selber wähle, aber sonst macht die Kiste ja alles allein.. :)

    Am Ende kräht kein Hahn danach, wie Du die Zensuren auf’s Zeugnis gekriegt hast, sondern nur, DASS Du sie hingekriegt hast.. :)

    Good night.

    M.

  21. Zum Programm, er hat Tv gewählt (Shutter Speed Priority AE), die Blende war wohl die größte verfügbare fürs Objektiv und wurde von der Canon gewählt.

    Unabhängig davon wie Martin schon geschrieben hat. Für ein gutes Foto ist es erst einmal egal ob vollständig manuell, Prioritätsprogramme oder Automodus einer Kompakten. Das Motiv ist erst einmal gut umgesetzt. Evtl. hätte man dann mehr raus holen können, aber das ist dann der zweite Schritt. Ich wäre erst einmal froh, wenn ich dieses Motiv überhaupt hätte fotografieren können. :)