kwerfeldein
29. September 2009 Lesezeit: ~5 Minuten

Michael Jordan’s Buch ist da: Vom Alltäglichen zum Besonderen

„Um besondere Bilder zu machen, ist es nicht unbedingt notwendig, an exotische Orte zu reisen oder Menschen zu fotografieren, die jeden Model-Wettbewerb für sich entscheiden würden“.

Mit diesem Satz beginnt das neue Buch* von Michael Jordan. Und das möchte ich Euch jetzt vorstellen. Nun ist es so, dass ich hier nicht über „irgendein Buch“ von „irgendeinem Fotografen“ berichte. Nein, ich kenne Michael persönlich, habe ihn in Graz bei meinem letzten DVD-Dreh kennengelernt und durfte Michael zuhören, als er mir ein paar Kapitel aus dem Skript vorgelesen hat. Wer Michael noch nicht kennt, dem empfehle ich dieses Video.

Jetzt aber erst einmal die Details.

Titel : Vom Alltäglichen zum Besonderen: Bilder auf den Punkt gebracht
Autor ; Michael Jordan
Verlag : http://www.addison-wesley.de/
Inhalt : 237 Seiten
1. Auflage : 17. September 2009
Preis : 29,95 EUR

Grober Einblick ins Inhaltsverzeichnis (Kapitelüberschriften)

Vom Alltäglichen zum Besonderen
Die richtige Ausrüstung
Licht
Augenblick
Aufnahmetechnik
Bildbearbeitung
Ein einfaches Konzept
Wieviel Bearbeitung braucht ein Bild?

Mein Eindruck von Buch

Michael Jordan kann nicht nur gut fotografieren, sondern auch ausgezeichnet schreiben. Als Michael mir aus seinem Skript in Graz vorgelesen hat, musste ich immer wieder schmunzeln, weil er mit Wortwitz viele Sachen auf den „Punkt“ bringt, die ich mir schon lange gedacht habe. Schon allein mit dem ersten Satz (siehe oben) legt Michael eine Grundlage, welche sich durch das komplette Buch zieht:

Besondere Fotos liegen direkt vor der Haustür – wir müssen nur genau hinschauen.

Der Aufbau des Buches besteht hauptächlich aus fünf  übergreifenden Themen: Licht, Augenblick, Aufnahmetechnik, Bildbearbeitung und „ein einfaches Konzept“. In diesen Kapiteln stellt er jeweils ein Foto nach dem Anderen vor, bei denen  das Thema (z.B. Licht) besonders wichtig war. Als Ergebnis haben wir ein Buch, welches ausschließlich aus Bildbesprechungen besteht – und trotzdem ganz viele essentielle Themen anspricht, ohne abzuschweifen. Michael Jordan erklärt seine Grundsätze also immer direkt „am Bild“.

Der Aufbau einer Bildbesprechung ist wie folgt:

1. Titel und Enstehungsgeschichte
Michael erzählt die Geschichte, in der ein Foto entstanden ist. Und dabei spricht er nicht nur über den Zeitpunkt der Aufnahme, sondern auch über Dinge, die fotografisch wichtig waren. Beispielsweise erzählt er in „Nur schön sein reicht nicht“, dass ein Zaun nur zu einer bestimmten Jahreszeit und zu einer bestimmten Uhrzeit die Sonne so reflektiert, wie es im Bild zu sehen ist. Der ein oder andere „Aha-Moment“ ist also Teil des Bildes und hilft, das Gesamte hinter einem Foto zu verstehen.

Das schöne an Michaels Enstehungsgeschichten: Er verallgemeinert nicht sondern zeigt, dass ein jedes Bild für sich steht und auch deshalb funktioniert. Pluspunkt.

2. Das Bild in verschiedenen Varianten
Auf den folgenden Seiten wird das Foto gezeigt – und zwar nicht nur das Endprodukt . Nein, wir sehen auch alternative Perspektiven, die sich als nicht sinnvoll herausgestellt haben.

3. Technische Info
Michael erklärt, wie er das Foto mit der Kamera gemacht hat. Auch hier belässt er es nicht bei ein paar EXIF-Daten sondern verrät auch, warum er welches Objektiv/Blende/ISO genommen, weshalb er an welchen Punkt fokussiert hat und welcher Vor/Nachteile das mit sich brachte.

4. Anlyse
Anhand der Originalbildes bespricht Michael, was am Foto verbessert werden kann. Z.B.: „Die dunkleren Bildteile sind sehr dominant“ oder „Der in der Aufnahme vorhandene Rotanteil stört die Bildwirkung“.

5. Rezept
Nun folgt die Bearbeitung des Bildes in Photoshop. Dabei kommt er immer mit ein paar kleinen Schritten aus – Michael’s Ziel ist es, ein Bild zu optimieren, nicht zu entfremden. Es soll so aussehen, als „hätte es so sein können“.

Anschließend zeigt Michael noch eine ganze Reihe Bilder, die er mit Leica M8 gemacht und erklärt auch, warum er sie benutzt. Nach jahrelanger Schlepperei bekam er Lust, mit einfachsten Mitteln zu fotografieren. Und seine Fotos zeigen, dass das eine gute Idee war und man eben nicht die dickste Kamera braucht, um aussagekräftige Fotos zu machen.

Zum Abschluss erklärt Michael in „Weiviel Bearbeitung braucht ein Bild“ wie ein Foto aufgebaut ist und welche Bildbearbeitungsmethoden er am Effektivsten findet. Seine Devise: „So wenig wie möglich, so viel wie nötig“. Das Ergebnis ist, dass Michael nie mit komplizierten Ebenenkonstrukten arbeitet sondern sich ganz simpel Schritt für Schritt dem Ziel nähert.

Fazit

Es gibt ja Fotobücher, die sind schon fast so aalglatt und perfekt, dass man für sich denkt: „Das schaff ich nie“. Michaels Buch ist das Gegenstück dazu. Nicht weil seine Fotos minder gut und ohne Anspruch sind –  überhaupt nicht. Nein, Michael ist auch ehrlich. Er gibt zu, wenn er einen Fehler gemacht hat und redet nicht drumrum. Ausserdem gibt es Bilder, bei denen man 2x hinschauen muss, um zu verstehen, wie er eine Aufnahme gemacht hat.

Vielmehr zeigt Michael auf: Ja, es ist möglich, im Alltag gute Fotos zu machen.

Mir persönlich haben die kleinen Geschichten und Einsichten um Michaels Fotos große Lust gemacht, in den einfachen, nicht so offensichtlichen Dingen das Besondere zu erkennen und auch zu fotografieren. Ich kann jedem Einsteiger (und auch vielen Fortgeschrittenen) dieses Michel Jordan’s Buch* wärmstens empfehlen.

*Das ist ein Affiliate Link.Wenn ihr darüber bei Amazon etwas bestellt, bekomme ich eine kleine Provision, ihr bezahlt aber keinen Cent mehr.

Was mich an Lightroom nervt

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23 Kommentare

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  1. Da werde ich doch die nächsten Tage im Buchladen meines Vertrauens mal einen Blick hinein werfen. Klingt spannend!

    Allgemein muss man ja leider sagen, dass es wenige richtig gute Fotobücher auf dem Markt bringt. Die meisten tippen munter beim anderen ab, wirkliche Abwechslung habe ich bisher nur in sehr wenigen Büchern gefunden.

  2. Ist bestellt! :)

    Klingt nach genau den Dingen die suche. An konkreten Beispielen von der Motivsuche bis zum fertigen Bild zeigen warum man was gemacht hat.

    @anonym: der fotografische Blick ist ähnlich aufgebaut. Allerdings wird da glaube ich mehr auf Grundsätzliches der Bildkomposition eingegangen. Und danach unterscheiden sich auch die Kapitel. Aufteilung, Kontraste, Formen, etc.

    Man sieht zwar auch immer ein Beispielfoto zum jeweiligen Thema, dieses wird jedoch nur selten in seiner Entstehung – also vom Motiv finden, bis zur Bildbearbeitung gezeigt.

    Nimm beide :)

  3. @Frederik: „Der entscheidende Moment“ ist zwar interessant, aber mehr eine Anekdotensammlung denn ein Lehrbuch… auf seine Art und Weise natürlich gut, aber es sind schon einige mit falschen Erwartungen an das Buch gegangen.

  4. Ich habe es schon durchgelesen, quasi verschlungen. Sehr schön geschrieben – ich kann es nur empfehlen. Viele von Michael Jordan aufgezeigten Dinge mach ich schon seit Jahren, aber hätte es nie formulieren können, weil es einfach bei mir schon „intuitiv so drin steckt“. Da merkt man mal wieder, dass man das einmal erlernte schnell wieder vergessen sollte – also nicht bewußt anwenden sollte, weil man dann den Kopf nicht mehr frei hat für das Eigentliche – das Fotografieren. Also Buch lesen, lernen, vergessen, anwenden – und üben, üben, üben. Einen kleinen Hinweis kann ich mir dennoch nicht verkneifen (Martin, Du kennst ihn ja und kannst es ihm mal sagen), auf Seite 192, 193 hat er etwas geschummelt. Auf dem linken Bild hat er erklärt, was geändert werden müßte und dann hat er doch ein Anderes für die rechte Seite genommen ;-)

  5. Ach ja… vergaß ich fast! Das Buch sieht interessant aus! :D

    Bei anderen Büchern werden einem nämlich die exotischen Motive nur so um die Ohren bzw. die Augen gehauen…. und man denkt:

    „Super…. bei den Motiven dort kannst Du die Kamera mit Selbstauslöser in die Luft werfen, und es kommt immer noch ein interessantes Foto beir raus!“

    Das Buch scheint mir ein für den „normalen“ Amateur, der vielleicht auch nicht laufend Urlaub machen kann und erst mal von Berufs/Familie/usw. wegen verdammt ist, in der näheren Umgebung zu bleiben, wesentlich praxisnäher zu sein.

  6. Blogartikel dazu: Blog by FM Design » Blog Archive » Buchempfehlung: Fotografie (1)

  7. hey alle zusammen,
    habs mir gestern bestellt und bin sehr gespannt =)
    der autor wirkt sehr sympatisch und kompetent. wusste garnicht das der gute herr neben dem basketball auch photographiert ;D

  8. Blogartikel dazu: Tweets die Michel Jordan’s Buch ist da: Vom Alltäglichen zum Besonderen | Digitale Fotografie Lernen - KWERFELDEIN - Martin Gommel erwähnt -- Topsy.com

  9. Hallo!
    Hab’s mir auch direkt bestellt und bin gerade dabei zu schmökern…aber weiß jemand, warum der störende Lichtpunkt in „Flächenleuchte“ (S. 36ff) doch nicht weggestempelt wurde? Im Text steht es eigentlich drin, aber im Bild ist er nachher auch noch vorhanden?

  10. Blogartikel dazu: Buchempfehlung: Fotografie (1) - Zeitpixel

  11. Blogartikel dazu: Buchempfehlung: Fotografie (1) – Jetzt auf Zeitpixel