kwerfeldein
10. September 2009 Lesezeit: ~4 Minuten

In der Schärfe liegt die Kraft

In der Schärfe liegt die Kraft

Da ich momentan viele Hochzeiten und Portraits fotografiere, habe ich teilweise täglich mit mehreren tausend Fotos zu tun. Dabei fällt mir immer wieder ein Ausschlußkriterium auf, welches mir persönlich immer wichtiger wird: Schärfe.

Alles kann daneben gehen: Schlecht komponiert? Schiefer Horizont? Kann man begradigen. Unterbelichtet? Dank Raw auch auszubügeln (bis zu einem gewissen Grad). Unscharf? Nicht zu reparieren. Wenn das Foto mal verwackelt ist oder der Fokus an der falschen Stelle – z.B. auf den Ohren und nicht auf den Augen – ist, kann man nichts mehr retten. Da kann man noch so gut in Photoshop sein, ein unscharfes Bild scharf machen, das geht einfach nicht.

Gerade in den letzten Monaten habe ich Fotos bewusst unter diesem Kriterium betrachtet. Ist das Foto scharf? Wo ist es scharf? Und in vielen Fällen hängt die Qualität eines Fotos auch direkt mit dieser Komponente zusammen. Gerade wenn wir uns die Fotos von Siebe Warmoeskerken anschauen und diesen vorher/nachher Vergleich betrachten, dann wird es schnell klar. Das Foto besticht zwar schon durch die Komposition und die Farben. Doch Siebe hat auch eines getan: Auf die wichtigste Stelle fokussiert und hinterher nachgeschärft.

Schärfe trägt also zur Qualität eines Bildes in hohem Maße bei. Schärfe macht ein Bild plastisch und zum Greifen nahe. Schärfe bedeutet Klarheit.

Und häufig sind Objektive genau aus diesem Grund preislich etwas teuerer. Je schärfer ein Objektiv abbildet, umso besser wird die Wirkung des Fotos sein. Wenn ein Objektiv milchig oder schwammig wird, dann fehlt dem Ganzen etwas essentielles und wichtiges. Aber es gibt auch Dinge, die wir schon beim Fotografieren beachten können, um ein scharfes Foto zu bekommen.

Lichtempfindlichkeit
Hohe ISO-Werte bringen nicht nur Rauschen mit sich sondern auch eine leichte Unschärfe. Vergleicht einmal ein ISO100 Fotos mit einem ISO1600 Foto vom selben Objekt- die Unterschiede sind teilweise gewaltig. Deshalb macht es auch Sinn, in der Landschaft ab einer gewissen Dunkelheit, ein Stativ zu nehmen und dann länger zu belichten. Dadurch kann man die Lichtempfindlichkeit reduzieren und bekommt dadurch u.A. eines zurück: Schärfe.

Belichtungszeit
Beispiel Portraitfotografie. Je kürzer ein Bild belichtet wird, umso geringer ist die Warscheinlichkeit, dass es a) verwackelt oder b) die Person durch eine Bewegung unscharf wird. Meine Faustregel, um die richtige Belichtungszeit bei einer Crop-Kamera ist: Brennweite x 2 + Spielraum. Fotografiere ich als mit dem 50mm eine Person, dann wirst Du mich selten unter einem 1/125s fotografieren sehen.

Mir ist es schon häufig passiert, dass ein Foto, dass nachweislich richtig fokussiert wurde und bei 1/160 trotzdem verwackelt aussah. Warum? Weil die Person sich schnell bewegt hat. Deswegen Fotografiere ich manchmal mit meinem 50mm mit 1/200 Sekunde = Brennweite mal 4.

Blende
Und zu guter letzt kommt der dritte im Bunde, die allseits bekannte Blende. Mit einer weit geöffneten Blende von 1.4 wird mein Foto bei exakt einem Punkt scharf sein. Alles was nicht in der Schärfe-ebene des Punktes liegt wird sehr sicher nicht mehr zu erkennen sein. Möchte ich auch andere Bereiche scharf darstellen, sollte ich die Blende soweit schließen, bis es ausreicht. Hierbei kann die Abbendtaste zum Überprüfen hilfreich sein.

Ich hoffe, dieser Artikel hat Euch etwas weitergebracht. Habt Ihr Fragen dazu? Gibt es etwas, was Ihr gerne näher erläutert haben möchtet? Oder würdet Ihr dem Gesagten noch etwas hinzufügen?


In der Schärfe liegt die Kraft

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