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25. August 2009 Lesezeit: ~6 Minuten

Panoramen in Photoshop erstellen

Panoramen in Photoshop erstellenDies ist ein Gastartikel von Barbara Luef. Sie hält Vorträge und Online-Seminare über Photoshop, Lightroom und Photoshop Elements, und veröffentlichte zu diesen Programmen auch diverse Video-Trainings für video2brain. Außerdem gibt Barbara auf ihrem Blog www.hdri.at ihr Wissen rund um die digitale Bildbearbeitung weiter.

Panoramabilder haben schon was. Diese breiten Fotos, deren gesamten Bidinhalt man kaum mit einer einzigen Aufnahme festhalten kann, haben auf mich schon immer eine gewisse Faszination ausgeübt. Noch zu analogen Zeiten habe ich oft zwei oder drei überlappende Aufnahmen gemacht und diese dann – ganz Old School – zurechtgeschnitten und in mein Fotoalbum geklebt.

Ach ja, die alten Zeiten… aber da muss ich sofort an den brillanten Titel eines Tocotronic-Albums denken: Digital ist besser. ;)

Panoramen in Photoshop erstellen

Schon seit Version CS (8.0, Oktober 2003) besitzt Photoshop die Funktion „Photomerge“, mit der man mehrere Bilder zu einem Panorama kombinieren kann. Diese Funktion wurde ständig verbessert und zählt mittlerweile zu meinen Lieblings-Features der Software. Das Ganze funktioniert denkbar einfach.

Ihr wählt in Photoshop: Datei > Automatisieren > Photomerge.

Im folgenden Photomerge Dialog gebt ihr an, welche Fotos ihr verwenden wollt. Dabei könnt ihr entweder die geöffneten Dateien verwenden, oder ihr navigiert zu einem Ordner auf eurer Festplatte und wählt von dort die entsprechenden Fotos aus.

Links im Photomerge Dialog könnt ihr das Layout wählen. Bei mir bleibt diese Option fast immer auf „Auto“, und liefert damit die besten Ergbnisse. Wichtig sind noch die drei Optionen unten im Dialog: „Bilder zusammen überblenden“ ist automatisch aktiviert, und das sollte auch so bleiben. Dadurch erzeugt Photoshop nämlich nach der Analyse nahtlose Übergänge zwischen den Bildern.

Die „Vignettierungsentfernung“ aktiviert ihr, wenn eure Bilder durch das Objektiv am Rand abgeschattet sind. Dann wird diese so genannte Vignettierung, die bei einem Panorama ungleichmäßige Übergänge verursachen kann, automatisch entfernt.

Die „Korrektur der geometrischen Verzerrung“ kommt dann zum Einsatz, wenn ihr z.B. Archiektur fotografiert habt. Dann gibt es häufig stürzende Linien, die sich von einem zum anderen Foto bei einem Panorama natürlich stark unterscheiden. Die Bilder werden mithilfe dieser Funktion entsprechend korrigiert.

Panoramen in Photoshop erstellen

Das war’s auch schon – ihr klickt auf OK, und Photoshop erledigt den Rest. Dabei werden die Bilder zuerst in ein neues Photoshop-Dokument geladen und auf einzelnen Ebenen abgelegt. Dann analysiert Photoshop die Bilder, führt ggf. eine Vignettierungs- bzw. Verzerrungskorrektur durch, und ordnet die Bilder entsprechend Ihrer Überlappung nebeneinander an.

Dann findet die automatische Überblendung statt, bei der pixelgenaue Ebenenmasken angelegt werden, die bestimmte Bildbereiche ein- und ausblenden, sodass ein nahtloses Panorama entsteht. Schlussendlich schneidet ihr das Panorama entsprechend mit dem Freistellungswerkzeug zurecht.

Panoramen in Photoshop erstellen

Tipps zur Aufnahme
Wenn ihr selbst einfach mal eure Kamera zur Hand nehmt, Bildserien fotografiert und diese dann in Photoshop zu einem Panorama kombiniert werdet ihr schnell merken, dass man nicht viel verkehrt machen kann. Ein paar Tipps möchte ich euch aber trotzdem mit auf den Weg geben.

Überlappung der Bilder
Als Faustregel gilt, dass sich die Bilder zu etwa einem Drittel oder maximal zur Hälfte überlappen sollten. Das heißt, zwei aneinender angrenzende Bilder haben zu einem großen Teil denselben Bildinhalt. Dies ist, wie gesagt, nur eine Faustregel. Wenn sich Bilder mal weniger als ein Drittel oder mehr als zur Hälfte überlappen muss das nicht heißen, dass gar nix mehr funktioniert.

Panoramen in Photoshop erstellen

In meinem Beispiel überlappen die Fotos auf der rechten Seite auch mehr als zur Hälfte. Hier habe ich einfach ausprobiert, Foto Nr.3 mal wegzulassen – das beste Ergebnis habe ich aber mit allen 4 Bildern erzielt, weil sich Foto 2 und Foto 4 zu wenig überlappen.

Fokus
Die Bilder sollten den gleichen Fokus haben. Photoshop kann die Bilder nicht kombinieren, wenn sie in den angrenzenden (überlappenden) Bereichen einmal scharf und einmal unscharf sind.

Belichtung
Wenn ihr ein großes Panorama erstellen wollt, können die Lichtverhältnisse zwischen dem ersten und dem letzten Bild sehr unterschiedlich sein. Hier empfiehlt es sich, die Blende und die Belichtungszeit manuell zu wählen, sodass die Unterschiede zwischen den einzelnen Bildern nicht zu extrem ausfallen.

RAW fotografieren
Natürlich kein Muss, Panoramen kann man auch mit JPEGs machen. Prinzipiell finde ich es aber sinnvoll, wann immer es geht, RAW zu fotografieren. Bevor ihr das Panorama dann erstellt nehmt ihr eure Anpassungen im RAW-Converter vor und synchronisiert die Einstellungen zwischen allen Aufnahmen. Photomerge-Panoramen können auch direkt aus RAW-Aufnahmen erstellt werden!

Stativ
Kann, aber muss nicht! Wenn ihr ohnehin eines dabei habt, könnt ihr es natürlich verwenden, aber Photoshop kommt auch mit Aufnahmen sehr gut zurecht, die locker aus der Hand geschossen wurden. Unter uns: Ich hab schon ewig kein Panorama mehr mit dem Stativ gemacht!

Erlaubt ist, was gefällt!

Die Photomerge-Technik muss nicht nur für breite Panoramen eingesetzt werden. Auch hochformatige Panoramen haben ihren Reiz (z.B. von einem Leuchturm oder Fernsehturm). Es sind sogar zwei- oder mehrreihige Panoramen möglich – dabei müsst ihr einfach darauf achten, dass die Überlappung sowohl nach rechts und links, als auch nach oben und unten stimmt.

Panoramen in Photoshop erstellen

Genauso kann man diese Technik einsetzen, um ein Bild mit höherer Auflösung zu generieren.

Wenn ihr z.B. vor habt, ein Motiv besonders groß auszudrucken, könnt ihr davon auch mehrere überlappende Teilaufnahmen machen, und diese mit Photomerge zusammenfügen. Um die perspektivische Verzerrung zwischen den Bildern gering zu halten, entfernen ihr  euch dafür etwas weiter vom Objekt, und zoomt nahe ran.

Die folgende Aufnahme zeigt das tibetische Kloster Drepung. Ich habe sie zweireihig aufgenommen, also einmal oben von links nach rechts fotografiert, und dann unten noch mal. Das Ergebnis hat im Original ca. 32 Megapixel (7445×4332 Pixel).

Panoramen in Photoshop erstellen

Photomerge ist also wirklich nicht schwer anzuwenden. Hier geht es – wie so oft in der digitalen Bildbearbeitung – nur am Rande darum, dass man die technische Möglichkeit kennt. Viel wichtiger ist es, schöne Motive zu finden und sich etwas Spannendes einfallen zu lassen. Viel Spaß dabei!

Panoramen in Photoshop erstellen

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