kwerfeldein
17. August 2009 Lesezeit: ~6 Minuten

Männerfantasien, Frauen und Fotografie.

Als es mir das erste Mal auffiel, dachte ich: „das ist eben so und gehört dazu“. Die Rolle von Männern und Frauen im Hobby- und Berufsleben der Mode/Fashion/Akt-Fotografie. Heute möchte ich versuchen, dieses Thema kritisch und öffentlich zu reflektieren und werde Euch meine Gedanken so wie sie sind auf dem Tablett dieses Artikels servieren. Und ich weiß schon jetzt, dass es kein Dreizeiler wird.

Ich werde (bei vollem Bewußtsein darüber) eine extreme und wahrscheinlich polarisierende Haltung einnehmen und es kann gut sein, dass meine Meinung hier einwenig übertrieben oder gar unvernünftig klingen mag. All das nehme ich in Kauf, denn ich sehe vor allem den Sinn hinter diesem Kurztext, Fragen zu stellen, die unbequem, sperrig und eher seltener Natur sind.

„Warum fotografieren eigentlich in den meisten Fällen Männer die Frauen?“

Diese Frage beschäftigt mich nun seit mehr als einem Jahr und ich habe nicht aufgehört, darüber nachzudenken und mich mit Freunden und Fachleuten darüber zu unterhalten und deren Meinung einzuholen. Natürlich ist die Warum-Frage von vorne herein schwierig zu beantworten, da das Thema immer komplexer ist als man denkt und (scheinbar) einfache Fragen nicht durch einfache Antworten zu klären. Und ich will gar nicht versuchen, Antworten zu geben sondern – wie gesagt – mit weiteren Fragen den Bogen nicht noch größer um das ohnehin tabuisierte Thema machen sondern es mal offen auf den Tisch legen. Und draufgucken.

Kein Alptraum

Dass die Frau in ihrer Rolle Männern „gleichgestellt“ ist und bleibt für mich ein Ammenmärchen. Das stimmt vielleicht in ein paar alternativ-denkenden Kreisen und Cliquen. Doch in vielen Bereichen unserer Gesellschaft werden Frauen immer noch in eine sauber definierte Schublade geschoben und möchte hier gar nicht aufführen, wo und wie das auffällig ist. Ich glaube ein Blick auf die untere Hälfte der Bildzeitung spricht für sich. Wobei wir schon wieder beim Thema wären.

Der Fotonerd mit der Canon 1Ds, der ein (wenn überhaupt leicht) bekleidetes Mädchen fotografiert ist die Horrorvorstellung, die für mich nicht nur ein Alptraum blieb. Ich habe ihn immer wieder gesehen und wenn er auch in unterschiedlicher Gestalt auftritt, bleibt es immer beim gleichen Schema. Ein Beispiel?

Fotokina 2008.  Stand einer bekannten Firma. In der Mitte 2 Mädels. Overstyled, overschminked, over-allet. Drumrum und davor: Männer. Um den Hals: Schwanzverlängerungen Kameras. Je größer umso besser. Und im Visier: Die beiden Mädels. Endlich mal Abdrücken. Einmal Held sein. Starfotograf. Zumindest für ein paar Sekunden (Digger, träum weiter). Zwar macht jeder die gleichen Fotos, aber egal. Draufhalten.

Jeder, der mit einigermaßen offenen Augen durch die Fotoszene läuft, weiß, dass das kein Einzelfall ist. Erst vor ein paar Wochen hat mir ein Workshopleiter gestanden, dass 99% der Anmeldungen für seinen Studio-Licht-Kurs Männer sind. Dazu kommt, dass – wenn nicht irgendein superbekanntes Modell (natürlich eine Frau) gebucht wird – die Anmeldungen sofort zurückgehen. Da frage ich mich schon, was passiert, wenn man unangekündigt 5 Männer als Models anstatt 5 Frauen vorne hinstellen würde. Das würde abgehen, und wie. Nur nach hinten eben.

Bild Dir Deine Meinung.
Wer kennt den Spruch nicht. Doch wenn wir schon bei BILD sind, lassen wir uns doch einmal genau hinschauen. Das, was wir in vielen Zeitschriften dieser Sorte zu sehen bekommen ist (zumindest bei den Käufern UND Spickern) auch das BILD, das wir von Frauen haben. Was ich nicht verstehe ist, dass das Niveau in vielen anderen (angeblichen) Fotofachmagazinen nicht wirklich steigt sondern gleichbleibt oder noch tiefer sinkt. Unser Bild von Frauen ist eben immer noch geprägt von Vorurteilen, sexualisierte Fantasien und einer ziemlichen klaren (Wunsch-)vorstellung, was sie zu tun und zu lassen haben. Innere Werte bei einer Frau erregen nur geringes Interesse und sind ungefähr so viel Wert wie der zweite Gang in einem roten Ferrari.


In den Staaten habe sich immer wieder Kritiker, die davon überzeugt waren, dass Waterboarding keine Folter ist in die Rolle eines Häftlings begeben um Waterboarding selbst zu erleben (Vorsicht, nichts für schwache Gemüter). Dadurch wollten sie  bestätigen, dass ihre Überzeugung richtig und Waterboarding harmlos sei. Diverse Videos davon kursierten durchs Web und wer sie gesehen hat weiß, dass diejenigens es meistens keine Minute ausgehalten haben und umgehend bestätigten, es sei Folter und sie hätten das Gefühl gehabt, zu ertrinken.

Wie wäre es, wenn wir das Gleiche mal unter Fotografen durchspielen würden? Man nehme: 3 bierbäuchige, schwitzige,… (ihr wisst schon) Fotografen und 3 weibliche Models und tauschen mal für eine Woche die Rollen. Das Leben beider Gruppen würde sich verändern. Mit großer Sicherheit.

Mann fotografiert Frau.

Das ist heut so selbstverständlich wie: Samstag Abend kommt die Sportschau. Aber muss das sein? Dass wir Fotografen mit dem, was wir tagtäglich tun ein Teil des Problems sind, ist schon vielen klar. Ich weiß auch, dass es einige Fotografen gibt, die in und von der Branche  leben und sich durchaus bewusst sind, dass das ein heißes Eisen ist. Das sind auf häufig die, die respektvoll und achtsam mit den Models Menschen umgehen, die sie fotografieren. Sie achten darauf, falls möglich die Person in den Bildern hervorzuheben und setzen sich wirklich mit Ihr ausseinander. Arbeiten nicht AM sondern MIT dem Model. „Stell Dich mal da hin“ hört man eher selten.

Ich glaube nicht, dass die Lösung aller Probleme in dieser Hinsicht ist, zukünftig nur mit Männern zu arbeiten – obwohl, wie wärs mal mit einem Foto-Projekt mit Männern – oder haben wir Angst, dann schwul dazustehen?. Viel eher bin ich der Meinung, dass wir an unserem BILD von Frauen buchstäblich arbeiten und ordentlich feilen müssen. Respektvoll mit Ihnen umgehen (nicht nur im Gespräche sondern auch in der Praxis) und dann, wenn wir sie fotografieren auch versuchen uns in sie hineinzuversetzen. Und vielleicht auch mal (wenn nur für 5 Minuten) die Rollen tauschen ;)

Männerfantasien, Frauen und Fotografie.

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61 Kommentare

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  1. Also ich kann dem Beitrag nur bedingt zustimmen…
    Sicher, diese ganzen Cam-Gaffer (Bierbauch und Co) sind ein Ärgerniss und mir auch schon auf div. Messen und Veranstaltugnen begegnet.
    Für mich sind das aber keine ernstzunehmenden Fotografen sondern eben Gaffer die sich ihre HUST-Vorlage abholen wollen.
    Das die nat. die „beste“ Cam haben (weil teuer ja auch gute Bilder macht…) ist allerdings umso ärgerlicher, weil dann die normalen Fotoleuts im schlechten Licht dastehen.

    Ich pers. habe zB mehr weibliche Freunde als männliche Freunde.. Und finde die Mädels dazu auch optisch schöner (wen wunderts… ). Dadurch fühle ich mich aber inspiriert das Model auch gute abzulichten und ins rechte Licht zu rücken…
    Männer habe ich auch schon fotografiert, allerdings ist das arbeiten mit ihnen schwerer. Die meisten Frauen haben einfach ein besseres Körpergefühl als Männer (sorry Guys… aber ich kenne das von mir selber… Körpergefühl wie ein Birkenast im Wind…)

    Ich möchte ausserdem die Frage in den Raum werfen wieviel weibliche Fotografinnen Frauen ablichten und wieviele davon Männer. Wir sollten bei der Thematik nicht immer nur vom Mann ausgehen (soviel zum Bild der Frau in der Gesellschaft).
    Ich habe zB zwei Freundinnen die ebenfalls lieber mit Frauen arbeiten als mit Männern… (unter anderem wg. des Körpergefühls)

    Danke für den Beitrag, hoffentlich gibts hier eine nette Diskussion :-) (und hoffentlich bleibt sie sachlich…)

  2. Hallo Martin

    Wie du es schon angedeutet hast ist deine Haltung gegenüber diesem Thema vielleicht nicht jedermanns Sache.

    Ich selbst habe mich selbst schon nackt vor eine kamera gestellt, bevor ich überhaupt angefangen habe frau nackt zu fotografieren.
    Ich wollte einfach wissen wie es sich anfühlt komplett hüllenlos vor einem anderen menschen zu stehen. Und stell dir vor es war jedes mal eine frau, die mich fotografiert hat.

    Nur so war es mir möglich das nachzuempfinden was ein model fühlen muss.

    Zum Thema 50, dickbäuchig und verschwitzt. Da magst du wohl recht haben, dass es in der Fotoszene so zu und her geht. Aber ich glaube du kannst hinschauen wo du willst. In jeder Szene gibt es schwarze Schafe. Und genau diese schwarzen schafe sind es die es uns „anständigen“ fotografen so verdammt schwierig machen klar zu stellen, dass wir nicht an der nacktheit der frau interessiert sind, sondern daran ein möglichst künstlerisches foto der dame zu machen. Die Ästhetik und Ausstrahlung einer schönen Frau einzufangen.

    Der Sexuelle trieb steht für mich da zu 200% im hintergrund.

    Ich könnte hier noch einiges weiterzählen. Mach ich vielleicht auch noch. Aber erstmal bin ich gespannt was andere leser zu diesem beitrag meinen.

  3. Deine Beobachtungen kann ich nur bestätigen; photokina 2008, vergleichbarer Stand eines namhaften Kameraherstellers: Hightech umlagert von Photographen, deren technische Kenntnisse sich im Gespräch zum Teil selbst entlarven. Präsentation eines namhaften Kameraherstellers vor Ort: Genau das gleiche Bild. Hightech fest in der Hand der Kollegen.
    Kehrseite der Medaille: Von den ca. 10 Kolleginnen (gerade mal ein Prozent der Besucher der Präsentation) stehen 8 mit großen Kinderaugen vor den Rechnern und Kameras. Trauen sich offensichtlich nicht so recht ran, weder ans eine, noch ans andere. Albern eigentlich, doch unterhaltsam zugleich. ;)
    Back to topic: Frauen und Aktfotografie passt wunderbar zusammen. Die Sichtweise unterscheidet sich allerdings erheblich. Dort, wo Männer visuellen Schemata von großen Kulleraugen, Schmollmund bis großen Brüsten folgen, sehen Frauen in Frauen meist andere Aspekte von Schönheit. Und was Frauen betrifft, die Männerakte fotografieren, sei auf den Klassiker von Herlinde Koelbl an dieser Stelle hingewiesen: „Männer“, teilweise zu sehen in ihrer aktuellen Werkschau im Gropiusbau in Berlin.
    http://www.siegessaeule.de/kultur/kunst/erste-werkschau-der-fotografin-herlinde-koelbl.html
    http://www.museumsportal-berlin.de/museen/museum-details/martin-gropius-bau.html

    Zu guter Letzt: Ja, das Frauenbild…. Allen Gendertheorien zum Trotz ist’s immer noch Steinzeit irgendwie. Folgt immer noch zeitgeistigen Definitionen von Schönheit, die eher Schablonen ähneln anstelle individuelle Ausstrahlung, persönliches Charisma und daraus folgende Attraktivität abzubilden. (Ich finde ja echte Menschen mit Macken, Fältchen, Falten, Narben und Rundungen viel spannender. Aber das ist ein anderes Thema. ;) ..)
    Viele Grüße
    Lichtmalerin

  4. Sicherlich ein sehr heißes Thema, wie du ja oben auch schon erwähnt hast. Stimme dir bis zu einem Gewissen Grad zu, denke aber mal, es hängt auch etwas damit zusammen, dass es in unserer Gesellschaft für Frauen ein akzeptabler Beruf ist Modell zu sein, während Männer erstmal schief angeschaut werden bei so ner Aussage – wobei die meisten der von dir angesprochenen Fotografen dann trotzdem keine Männer ablichten würden.

    Der heutige What theDuck passt übrigens prima dazu:
    http://web.me.com/aaronandpatty/What_the_Duck/Comic_Strips/Entries/2009/8/17_WTD_777.html

  5. Hi Marting!

    Wie Du schon geschrieben hast, sehr zugespitzt der Artikel. Über das Thema kann man Abende diskutieren, man muss nur aufpassen, dass hier nicht zu sehr verallgemeinert wird und man das Thema auf Stereotypen reduziert. Extreme gibt es überall und wenn man sich mal in der Szene bewegt, gib es alle Facetten, übrigens nicht nur bei den Fotografen, auch bei den Modellen.

    Aber es gibt hier zwei Dinge die ich ebenfalls nochmals unterstreichen und auch schon selbst in einem Artikel beschrieben habe. Erstens: So manche Fotograf sollte sich mehr im klaren sein, dass er ein Mensch und kein Objekt vor der Kamera hat. Zweitens: Ich würde wirklich mal jedem Fotografen empfehlen selbst mal die Seiten zu wechseln. Eine sehr interessante Erfahrung!

    LG, Magistus

  6. Eine harte Behauptung von mir- aber: Es gibt bestimmt den ein oder anderen Fotografen, der nur fotografiert, um an Frauen „razukommen“. Besser gesagt: Die Kamera bzw. die Fotografie dazu nützt, seine Bedürfnisse zu stillen. Da fotografiert Mann plötzlich Akt (natürlich nur Frauen) aber nicht wegen der Fotografie. Als Fotograf kann man sich so eben leicht tarnen.

  7. hmm…
    ist das wirklich so ein großes Problem? Also ich verstehe den Ansatz, und auch ich hab genau diesen Stand auf der Photokina gesehen, und hab mich über die Spinner schlapp gelacht. Wobei geekelt eher trifft. Das hatte schon was von öffentlichen Gangbang (Sorry!) Das war sicherlich ein Extrembeispiel.

    Ob man daraus aber direkt ableiten kann, daß Frauen nur nach Äußerlichkeiten bewertet werden, halte ich für sehr fragwürdig.

    In meinem Umfeld kann ich das jedenfalls überhaupt nicht bestätigen. Ich glaub man sollte das Ganze ein bißchen lockerer sehen.
    Ich bin mir ziemlich sicher, daß die Frauen, die sich dafür „hergeben“ fotografiert zu werden, es

    1. in den meisten Fällen (hoffentlich) freiwillig tun, und
    2. selber daran eine Menge Spaß haben.

    Warum es in den meisten Fällen Männer sind die fotografieren (ist das so?), läßt sich glaub ich auch gut erklären. Ich könnte mir gut vorastellen, daß es mehr Männer als Frauen gibt, die fotografieren – allein wegen den technischen Spielereien dahinter, und ich glaube das weibliche Fotografen dann eher dazu neigen Schwangere oder Mütter mit Babys zu fotografieren.

    Das passt jetzt natürlich in das von Dir angesprochene Schubladendenken, aber na und?
    Männer und Frauen SIND unterschiedlich, ein Glück. Ich mein das nicht herabwertend, und natürlich sollte Männer und Frauen immer die gleichen Chancen bekommen. Was im Übrigen meiner Meinung nach auch der Fall ist.

  8. Toller Artikel.

    Einerseits muss ich da meine Zustimmung geben, andererseits, Monsieur Gommel, Hand auf’s Herz: Was schaust du dir denn lieber an: dickbäuchige 50jährige schwitzende Männer – oder junge hübsche Frauen?
    Letztlich handelt es sich ja nicht (nur) um die gesellschaftlichen Vorstellungen von Frauen, sondern in gewisser Weise auch um Ästhetik. Und in dem Punkt muss ich Sebastian zustimmen: Mädels sind optisch einfach schöner. Oder, um es mit Campino von „Die Toten Hosen“ zu sagen: „Ich selbst finde Frauen sehr sympathisch. Das hat wahrscheinlich hormonelle Gründe“. Aber auch Frauen finden oftmals Frauen- schöner als Männerkörper. Und das, was ein Fotograf ablichtet, sind ja nun einmal die Körper und nicht die inneren Werte.
    Und, zudem, was das Arbeiten MIT dem Model angeht: das muss man erst lernen, bis man es wirklich kann. Per aspera ad astra, aspera gilt in diesem Fall halt (leider) für die jeweiligen Models. Dessenungeachtet: Bei einem Fotoprojekt mit Männern wäre ich dabei. Thema: „Der Fotograf“!? ;)

    Und zum Abschluss noch ein Beweis dafür, dass jedermann quasi eine fotogene Seite hat, auch ohne auszusehen wie Brad Pitt oder Robert „Kamelaugenbraue“ Pattinson:
    http://www.fotocommunity.de/pc/pc/mypics/1061976/display/10819947

  9. Wunderbares Thema, zu des es sicher viele Kommentare geben wird.

    Als Frau darf ich eins ergänzen: es gibt auch immer noch (genügend) Frauen, die das mitmachen. Die eben genauso vor der Kamera posieren – aus welchen Beweggründen auch immer.

    Ich persönlich finde beide Seiten dieses Phänomes faszinierend. Die Männer, für die der Klick des Auslöser beim Fotografieren diverser Damen der ein Höhepunkt darstellt und ebenso diejenigen, die bereitwillig mitmachen.

    Jeder wie er mag – solange beide einverstanden sind.

  10. Für mich stellen sich hier zwei unterschiedliche Fragen, und die haben auch nur begrenzt miteinander zu tun.
    Zum einen, warum sind die meisten Männer Fotografen? Das liegt wohl klar daran, dass Fotografieren im prinzip erstmal sehr technisch ist.
    Wer ernsthaft fotografieren will, kommt um das Verständnis von Blende, Verschlusszeit, DoF, Brennweite, ISO etc. nicht drum rum. Wenn dann noch das blitzen mit synczeit, 2. vorhang, inverse square law usw. dazukommt, wirds noch komplizierter.
    Natürlich reicht das alles nicht für ein gutes bild, am ende kommts doch auf die kreativität und das auge an, aber das handwerk muss man eben auch beherrschen. Also eher wei ein Architekt und weniger wie ein Maler.
    Nun ist das alles ja kein Hexenwerk, und Frauen sind mit sicherheit genauso dazu in der lage, aber so ist das eben in unserer gesellschaft. Woran das liegt, dass frauen nicht so technikaffin sind wie männer sollen andere klären, aber das ist eben kein klischee sondern fakt.

    Die andere Frage ist, warum werden eher Frauen fotografiert als männer. Das liegt wohl auch eher weniger an bierbäuchigen hobbyfotografen, sondern ist wohl auch eher ein gesellschaftliches phänomen. Denn schließlich ist das in werbung z.b. auch nicht anders. Und denen wird man ja sicher keine notgeilheit vorwerfen, und auch ist dort die zielgruppe nicht ausschließlich männlich, im gegenteil (mode, kosmetik, pflegeprodukte etc) Ich würde sagen, das liegt einfach daran, dass sowohl von männern als auch von frauen ein weiblich körper ästhetischer empfunden wird als ein männlicher. Zum anderen wohl auch an einer gewissen homophobie, die männern wesentlich stärker ausgeprägt ist als bei frauen. Im akt- und teilaktbereich ist das gefälle natürlich am extremsten, und ich würde sagen je „normaler“ die portraits sind, desto mehr gleicht sich das verhältnis an.

  11. Schwieriges Thema – ohne Frage…

    Ich habe mich am Anfang meiner „Karriere“ mal spaßeshalber auf die andere Seite begeben und mich von einem Model knipsen lassen. War ein lustiges unterfangen, auch wenn ich mich selbst vor der Linse nicht wohl fühle.

    Ich selbst muss gestehen, dass ich noch keinen Mann gefunden habe, der mich optisch reizt dass ich ihn gerne vor der Linse hätte.

    LG Dany

  12. Den Beitrag könnte man natürlich mit einem Achselzucken jetzt so stehen lassen, weil, warum sich über Dinge aufregen, die halt so sind, wie sie sind. Davon abgesehen, gehören zu dieser Geschichte immer zwei, die einen die du ausführlich beschrieben hast (mit einem gewissen „Ekel“ in der Tastatur ;-) die anderen die sich dafür zur Verfügung stellen. Sich quasi „prostituieren“.

    Für die ist es ein Job – nur gucken, nicht anfassen – der nicht mal schlecht bezahlt wird, die anderen Beweggründe der Models aus diversen Karteien, erschließen sich mir nicht so recht, vielleicht einfach weil sie berühmt werden wollen, oder aber aus einem gewissen Voyarismus heraus, der andersrum funktioniert wie die der „Fotografen“.

    Als ich letztens im Rahmen der Bread&Butter in Berlin beim „Wedding-Dress“ mal die Gelegenheit wahrnehmen wollte, für meinen Blog ein paar Fotos zu schießen, wäre ich fast wieder gegangen. Da stürzte auf einmal eine Horde von Männern auf das Podium, denen ich normalerweise keinen Strassenfeger abkaufen würde, alle behängt mit mindestens 2 Kameras der oberen Preisklasse und den entsprechenden Objektiven. Freizeitknipser, aufgerüstet bis an die Zähne. Hinter der Kamera sieht man sie ja dann nicht mehr.

    Ich hab mich dann lieber darauf konzentriert das Umfeld ein wenig zu beleuchten, war auch interessanter als die langweilig aus der Wäsche schauenden Models. Vielleicht müsste man jetzt mal ein Model zu Wort kommen lassen, dass aus ihrer Sicht mal die Dinge erklärt. Das kunstvolle Aktfotografie anders aussieht, als das, was du treffend beschreibst ist klar, aber der ist aufwändig und hat mit einer „Beziehung“ zum Model zu tun. Sowas lässt sich sicher nicht, bei den in Fotomagazinen häufig angebotenen Erotiksessions für 1 Stunde und 50 Euro aufbauen, wobei das hier sicher auch gar nicht gewollt ist.

    Gruß Harald

  13. Hallo Martin, Du schreibst,:
    „Dazu kommt, dass – wenn nicht irgendein superbekanntes Modell (natürlich eine Frau) gebucht wird – die Anmeldungen sofort zurückgehen.“

    Das hängt sicherlich sehr stark von den Inhalten der Workshops und Kurse ab.
    Ich biete seit (mittlerweile vielen) Jahren Workshops an (www.fotoschule-ruhr.de), immer ohne Model und trotzdem (deshalb?) meist mehr oder weniger drastisch ausgebucht.
    Das funktioniert sehr gut, wird aber in meinem Fall sicher stark unterstützt durch die Tatsache, dass ich Onlinepublikationen (www.fotolehrgang.de) und Bücher zur Fotografie geschrieben habe.
    Dadurch ist den Teilnehmern auch klar, dass es in den Kursen in erste Linie um Wissenvermittlung in Bezug auf Gestaltung und Fototechnik geht. (Gut, ein bisschen Spaß sollte auch nicht fehlen. ;-))

    Da ich Deine Beobachtungen teile, überlege seit längerem, meinen Kursen (mehr aus Spass den aus Notwendigkeit) in den Ankündigungen als eine Art Qualitätsiegel den Stempel „Modelfrei!“ zu verpassen.

    Bei der Auseinandersetzung mit den eher unappetitlichen Aspekten der Model-Workshops darf man aber nicht übersehen, dass es durchaus auch ernsthafte Kurse gibt, die sich mit dem Thema „menschlicher Körper“ auseinandersetzen. Die finden dann aber wohl weder auf der Photokina statt noch haben sie ein großes Medienecho, weil es eben ernsthafte Arbeit am Thema ist.

  14. Ein nicht einfaches Thema, meiner Meinung nach.

    Ich gehöre zwar nicht in die „Gruppe“, die Du hier ansprichst, denn ich bin in Deinem Alter, allerdings fotographiere ich auch gerne hübsche Frauen, wie wahrscheinlich jeder Mann. Das heißt aber für mich nicht das ich diejenige/denjenigen nur als ein Stück „Fleisch“ sehe um irgendeine niedrige Lust zu befriedigen. Das ist einfach erniedriegend und respektlos, meiner Meinung nach.
    Ich war selbst auf der Photokina 2008 und habe zum selbst das von Dir oben beschrieben erlebt. Bei den meisten Herstellern standen junge, hübsche Mädchen auf dem Stand, allerdings haben sich die meisten geziert sie zu fotografieren, weil sie sich nicht getraut haben zu fragen.

    Wenn einer aber dann mal angefangen hat, dann stand diese „Gruppe“ da und verhielten sich wie die sogenannten „Geier“. Dann wurde ich persönlich von einem solchen „Gruppenmitglied“ angepöbelt was mir einfalle einem Profi wie Ihm mich in den Weg zu stellen. Ich habe dann eben ca. 15 Minuten gewartet bis die „Profis“ sich zu Tode geschossen habe, was ja recht schnell ging, weil das Model keinen Bikini, sondern schlicht gekleidet war.

    Ich habe Sie dann einfach nochmal gefragt ob ich auch ein paar schöne Bilder von Ihr machen darf. Sie war einverstanden. Ich machte meine 6-7 Bilder und habe Sie Ihr dann auch am Display gezeigt und sie war happy, das ich Ihr die Bilder gezeigt habe, denn bis dahin hat es keiner gemacht.

    Es ist also gar nicht schwierig. Man muss einfach nur freundlich und respektvoll mit anderen Menschen umgehen.

    Ich hatte an dem Tag, wo ich dort war nur ein männliches Model gesehen, er gehörte zu einer Tanzgruppe.

    Somit behälts Du recht lieber Martin, wenn Du sagst, das die Gesellschaft noch ein Stückchen von dem „gleichgestellt“ entfernt ist.

    Ich kann dennoch die Hersteller verstehen. Da es vorwiegend männliche Fotografen mit einem großen Budget gibt, wird auch für sie die Werbetrommel gerührt, denn der Spruch „Sex sells“ ist immer noch gültig.

  15. ich greife mal Sebastians Frage auf:

    Meine Erfahrung hat mir gezeigt, dass Mann etwas schüchterner ist als Frau, die sich ihrer Selbst bewußt (manchmal auch zu selbstbewußt) einschätzen kann.
    Projektbezogen suche ich männliche und weibliche Darsteller, die Frauen waren super schnell gefunden, Männer zierten sich bisher.
    Aktuelle Erfahrung: Ich weiß, dass meine direkte Herangehensweise manchen Menschen vor den Kopf stößt, aber ich brabel nicht gern um den heißen Brei herum und versuche Rechtfertigungen zu vermeiden. Einen Arbeitskollegen (deren Bruder Fotograf ist) habe ich gefragt, ob er Lust auf ein Shooting über den Dächern Kiels hat. Seine Zusage hat mich gefreut, doch am nächsten Tag als das Shooting stattfinden sollte – zog er sich mit einer Ausrede zurück. Eine Kollegin sprang spontan ein, die die Sache am Rande mitbekam.
    Nun frage ich mal in die Runde: Warum laßen sich Männer nicht gern von Frauen fotografieren?

  16. @Renee:
    Ich persönlich lasse mich eigentlich gar nicht gerne fotografieren – steh immer auf der „richtigen“ Seite der Kamera ;).
    Sollte ich mich aber mal fotografieren lassen, wird das sicherlich durch eines meiner Models geschehen – und das ist in 99 Prozent der Fälle weiblich. Wer die Fotos dann sehen will, ist ein anderes Thema.

  17. Das einzige was nicht stimmt. Es sind nicht nur die, Bierbäuchigen schwitzigen Fotografen. Es sind einfach die Männer, ob Dick oder Dünn, es ist bei den meisten. Nicht viel dahinter, wenn Sie eine Frau anschauen mit den richtigen Kurven.
    Wird alles nur noch Animalisch…..

  18. Martin, Du läßt wohl kein Stereotyp aus, oder? Das auf Fotomessen die Show oft vor der Bühne abläuft ist wohl nichts Neues. Fotografen 50+ mit Schnitzelgrab und MkIII in der Hand wechseln sich dabei mit den Youngsters ab, die sich an ihrer 350D mit Kitoptik festklammern und dabei ihr Hemd vollsabbern.
    Soviel zum Stereotyp.

    Wer sich aufmacht erstmalig Elisabeth Müller fotografisch im Akt in Szene zu setzen, bringt (egal ob Mann oder Frau) zuerst nur „Ließchen Müller nackt“ zustande. Anfänger eben, da ist nackt noch die Sensation, schön kommt später.
    Manche F’grafen lernen weiter, die Mehrheit wird sich mit dem in Pixel gegossenen Voyeurismus zufrieden geben. Die Ästheten sind nun mal in der Minderheit.

    Offen gesagt: wenn ich mich nackt fotografieren liesse (Gott bewahre) dann wäre mir ein männlicher Fotograf wohl lieber. Wenn die fotografierte Frau eher zur Fotografin tendiert kann ich’s verstehen.
    Wer Menschen fotografiert, der sollte sich auch in Menschen hineindenken wollen; ansonsten bleiben ja noch massig andere Motive (Naturfotografie, Tiere, UrbEx, etc.). Die Idee dem Modell mal die Kamera in die Hand zu drücken und Rollen zu tauschen ist übrigens eine sehr gute.

    Ob’s eine gute Idee ist auch noch die Dose mit der Gleichberechtigung aufzumachen weiß ich nicht. Um Systeme zu ändern braucht’s mehr als guten Willen und lautes Tamtam, vor allem braucht’s Zeit.
    Und kleine Schritte. Von jedem Einzelnen. Immer wieder

  19. Ehrlich gesagt, habe ich es immer schon sehr diskriminierend (für mich) gefunden, wenn ich auf einer Fachmesse durch Fleisch geködert werden soll. Was haben die Standinhaber denn da für ein Männerbild? :(

    Ich denke, wir kämpfen einfach beiderseitig gegen das, was man im Hinterkopf hat. Bin ich interessant genug, mich vor die Linse zu stellen? Wenn ich mich interessant genug finde, ist es dann gar noch unangebrachte Eitelkeit? Ach Gottchen.

    Würde ich mich von einer Frau fotografieren lassen? Klar – warum nicht, sind ja ihre Zeit und Speicherkartenkapazitäten, die da verschwendet werden. ;)

  20. Als ich diesen Beitrag hier gelesen habe, war ich hin und her gerissen. Auf der einen Seite stimme ich Dir natürlich zu. Fotografen – gleich welchem Alter und Körperstruktur – die die Fotografie als Befriedigung Ihres Sexualtriebes sehen, gehen gar nicht. Aber auf der anderen Seite empfinde ich diesen Beitrag auch sehr übertrieben. Wie Harald schon richtig geschrieben hat, es gehören immer zwei Seiten dazu. Stellt sich niemand mehr als Model zur Verfügung gibt es auch keine Gaffer mehr. Zum anderen stimme ich auch Marcos Meinung voll zu. Frauen sind einfach das „schönere“ Geschlecht. Das wird einem auch an allen Ecken in dieser Gesellschaft auch bewusst gemacht. Oder warum wird im Fernsehen von Heidi nur ein weibliches Nachwuchsmodel gesucht. Ich würde gerne mal die Gesichter von den Produzenten sehen, wenn man sich dort als Mann bewirbt. Oder warum ist die überwiegende Anzahl der Pflege- und Kosmetikprodukte für Frau gemacht. Ich könnte auch jedesmal kotzen, wenn ich mit meiner Freundin Klamotten shoppen gehe. Während sie sich im Laden auf 3/4 der Ladenfläche aus einer reichen Auswahl bedienen kann, wird Mann in die letzte Ecke zu einem äußerst schmallen Sortiment abgeschoben. Wo bleibt da die Gerechtigkeit?
    Und noch was zum Thema Gaffer: Hast Du schon mal einen Jungsellinnenabschied mit einem Stripper erlebt? Da ist das Verhalten der Fotogaffer eher noch harmlos. Das „Objekt“ der Begierde wird aber vermutlich nur aus „ästhischen“ Gründen so unter die weiblichen Finger genommen ;-)

  21. Jetzt wollte ich schon relativieren „Guter Artikel, aaaaber…“, habe dann jedoch nochmal genauer gelesen und „Mode/Fashion/Akt-Fotografie“ entdeckt – also bleibt: Guter Artikel. Sehr geschmunzelt bei „over-allet“ ;)

    Was mir ein bisschen fehlt allerdings, in deinen Betrachtungen, ist die Tatsache, dass (beim Fotokina Beispiel), die bekannte Frima xy den bierbäuchigen Fotografen Sammler von Frauenbildern natürlich noch dadurch bestärkt und bestätigt, indem „over-allet“ Models einfach nur engagiert werden, um eben Fleisch-Motiv zu sein.
    Liegt so ziemlich viel im argen, bei dem Thema…

  22. wow. ich war jetzt schon laenger nicht mehr hier aber dieser Artikel hat mich echt neugierig gemacht (nichts gegen die Artikel davor, ist wohl Zufall, dass ich gerade jetzt wieder den Blog ansteuere).

    Ich muss sagen, dass gerade der letzte Absatz sehr bedeutend für mich ist. Ich faende es eine Unverschaemtheit von mir, wenn ich mich nicht mit dem Model waehrend des shootings kuemmern und MIT und nicht AN ihr arbeiten wuerde. (wie auch immer das im deutschen richtig ist. In Canada verlernt man schnell die deutsche Grammatik! :D)

    Die Idee, einmal die Rollen zu tauschen gefaellt mir ebenfalls. Da merkt der Fotograf mal selber unter welchen Anforderungen seine Models stehen.

    Diese „Gaffer-graphen“ kann wohl kaum jemand ausstehen. Die armen Frauen tun mir schon Leid.

  23. @Renee, ich lass mich ganz gerne fotografieren, hab schon überlegt, mich bei einem Portraitkurs vor Ort als Model anzubieten – allerdings kommt das nicht so oft vor, meist fehlt mir die Zeit dafür.

    Ansonsten seh ich das Thema ziemlich entspannt: mir ist das ziemlich egal, ob sich (halb)nackte Mädels von gewichtigen Männern fotografieren lassen. Solange beide das aus freien Stücken tun, sehe ich da nichts besonderes drin.
    Ich muss auch weder verstehen, was in den Fotografen vorgeht, noch, was in den Mädels vorgeht. Das ist deren Problem, nicht meins.

  24. Auch wenn ich dir bei dem gesagten deutlich zustimme, schaffe ich es grade nicht, die Quintessenz aus dem Post zu ziehen, Martin.

    Sicherlich ist es sowohl merwürdig als auch unschön, wenn Horden von „Männern besten Alters“ mit beschrieben merkwürdigem Äußeren amateurhaft mit teuren Kameras auf die Models raufhalten. Aber irgendwie soll doch jeder machen was er will, und wenn diese Leute eben so fotografieren wollen, dann sollen sie dies auch tun.

    Die Frage, weshalb Fotos von weiblichen Akten zum großteil von Männern gemacht werden ist für mich jedoch nicht auf diese Art zu beantworten. Was hat denn bitteschön Notgeilheit mit guten Aktfotos zu tun?
    Meiner Meinung nach beinahe nichts. Oder sind die Fotos von Photokina, Fotoworkshops und co. etwa auf Kalendern und Plakaten zu finden?

    Nein, ich behaupte, dass die meisten ästhetischen Akte aus dem Grund von Männern, genauer gesagt heterosexuellen Männern, kommen, dass einfach das Gefühl für die erotische Ästhetik schwer beim selben geschlecht aufkommen kann, wenn man von homosexuellen Fotografen absieht.

    Was ich meine ist, dass es mir deutlich leichter fallen würde Aktfotos einer Frau zu machen, als von einem Mann. Weil ich frauen einfach attraktiver finde als Männer und somit glaube ich auch einfach eher das gefühl dafür hab, was gut aussieht, und was nciht, wenn es mich selbst auch anspricht. Denn jemand der hier ernsthaft erzählen will, dass ein Aktfoto rein garnichts mit sexualität zu tun hat, macht sich unglaubwürdig.

    Wobei ich gestehen muss, noch nie ein Akt- oder Dessousshooting gemacht hab. Aber auch normale Portraits fallen mir bei weiblichen wesen einfacher, als bei männlichen.

    Übrigens möchte ich hier keineswegs die entsprechenden „Herren besten ALters“ in Schutz nehmen, im gegenteil, auch ich stelle viele aussagen, grade in fotografischer Sicht sehr in frage, außerdem bin ich selbst noch unter 20.

    Schöne Woche noch

  25. Die meisten Männer mögen an den Frauen in erster Linie das Aussehen. Sie sehen gern Frauen an. Logischerweise erstellen sie also Bilder von solchen.

    Die meisten Frauen mögen an den Männern nicht in erster Linie das Aussehen. Sondern ihre Art. Oder ähnliches. Logischerweise brauchen sie also nicht so sehr ein Bild von ihnen.

    Das ist meiner Meinung nach die Antwort auf die Frage, warum meist Männer Frauen fotografieren und nicht umgekehrt.

    Natürlich gibt es, wie bei allem, Ausnahmen.

  26. Dass Workshop-Veranstalter weibliche Models für die meist deutlich überwiegend männlichen Kunden engagieren empfinde ich eher peinlich und ich würde mich in solch einer Runde nicht wohlfühlen (daher mein Pro für das angesprochene Qualitätssiegel „Modelfrei“!). Das es auch anders geht, zeigen ja die Workshops eines berühmten, langjährigen, deutschen Fotopodcast ;) wo die Teilnehmer bekanntermaßen alle drei Rollen nacheinander einnehmen: Fotograf, „Lichtassi“ und Model. Und aus eigener Erfahrung heraus kann ich sagen, dass schult wesentlich mehr als einfach ein engagiertes Model „abzuschießen“. Außerdem ist meine Meinung, dass solch ein Rollentausch auch bei Aktaufnahmen für den Fotografen sehr wichtig und lehrreich sein können. So konnte ich auch mal am eigenen (nackten) Leib erfahren, welche Worte und Taten eines Fotografen nötig sind, um das „Eis zu brechen“ und das nötige Vertrauen zwischen beiden Akteuren herzustellen.

  27. Was Männer zu Männern und Frauen zu Frauen macht, war der Titel eines Seminares im Rahmen meines Sozialarbeitsstudiums.
    Andere Berufsgruppen und Hobbies haben es da einfacher, die müssen sich mit sowas nicht auseinandersetzen und stehen dann fassungslos vor der Tatsache, dass Rollenbilder und damit Selbst und fremdbilder auch im 21.Jahrhundert noch durch Erziehung vermittelt werden und das noch genauso Klischeehaft wie zu ihrer Entstehung im Biedermeier.
    Mal im Ernst, warum gibt es denn nach wie vor klassische Frauenberufe, die immer mit weniger gesellschaftlichem Ansehen und sozialem Status einhergehen?
    Wer erzieht eigentlich unsere Kinder? Im professionellen Kontext, vulgo Kindergarten und grundschulbereich) liegt der Frauenanteil bei 80%. Was bedeutet das?
    Solange wir Frauen dazu ermutigen, technische Probleme nicht durch Grips, sondern durch Koketterie zu lösen, sind wir in der Schliefe gefangen, Männer wie Frauen.
    Soziale Erwartungsmuster schlagen da voll durch und das Verhalten des einzelnen ändert daran erstmal… nix!
    Und, noch schlimmer, selbst Männer die ihr Verhalten auf Genderbasis reflektieren, ändern daran: nix! Es ist ja nicht so, dass ein reflektiertes Geschlechtsrollenverhalten einen in der eigenen Umgebung zum Helden machen würde. Im Gegenteil, als softie abgestempelt und mit Unverständnis gestraft, wird sich dieses Verhaltensmuster ganz flott wieder erübrigen.
    Also Jungs, macht Eure Hausaufgaben und lest Euch erstmal was über Gender Mainstreaming und geschlechtsspezifisches Rollenverhalten an bevor Ihr hier rumphilosophiert, so völlig ohne Bodenhaftung.

  28. Welcher Mann macht denn die Augen schnell zu, wenn er eine hübsche Frau (ob nackt oder angezogen) sieht??

    Das heisst ja nicht, dass man sofort mit sabbern anfangen muss und manche Leute verhalten sich in der Tat eklig.

    Aber dass Männer (schöne) Frauen attraktiv und anziehend finden liegt nun mal in den Genen … Ausserdem sieht man sich ja auch gerne andere schöne ‚Dinge‘ an!

    Und in diesem Fall geht’s ja auch nicht um eine Beziehung oder was ähnlich tiefgreifendes. Ist doch total oberflächlich. Man muss das zu unterscheiden wissen. Aber hübsche Frauen sind einfach nett anzusehen. Männer die das bestreiten müssen schwul oder blind sein.

    Doch wie gesagt: kein Grund sich als Mann wie ’ne Sau zu benehmen!

  29. LOL @Michael/Kommentar 32: Da hast Du den Nagel ziemlich auf den Kopf getroffen…. In vieler Hinsicht formulieren wir verbal anderes als das, was wir tatsächlich leben. „Frauen sind nicht technikaffin“ ist eins dieser Klischee beispielsweise, das gehört für mich in die Mottenkiste der dämlichen Vorstellungen, die zu nichts nütze sind als einem mit dicken Brettern vor dem Kopf die Sicht zu verstellen. So gesehen funktioniert vieles unter Menschen auch nicht anders als auf dem Affenfelsen …………. :D

    Back to topic, was das Verhalten von Fotografen gegenüber den Menschen vor der Kamera leider oft prägt: Mangelnder Respekt. Rücksicht auf die Grenzen anderer. Das hat PieKey in seinem Kommentar sehr treffend formuliert, danke dafür!

  30. Habe auch schon das ein oder andere mal gehört, dass sich die „Bierbäuchler“ beim Shooting selbst nackt ausziehen und dann fotografieren. Völlig Bekloppt und zeigt meiner Meinung nach schon deren sogenannen Profeesionalität. Schaut man sich dann noch die Ergebnisse an, ist alles klar. Bei den Fotos kommt NULL Erotik rüber. Eher hab ich das Gefühl, als ob ich beim Metzger stehe und in seiner Theke reinschaue.

    Normalerweise kann ich auch nur müde drüber lächeln und freue mich ein Ast ab, wie +sorry+ doof diese Idioten doch sind, mit eine Teleobjektiv in einer kleinen Halle sich 1m vor einer fast nackten Frau zu stellen. Doch leider und das ist was mich auch dann auch etwas ärgert versauen diese Leute andere Hobbyfotografen erstmal auch den Ruf. Hört man natürlich nicht so oft, aber das ein oder andere mal kommt dann doch so ein blöder spruch wie: „Ach gehörtst du auch so denen, die nackte Frauen häßlich fotografierst und danach probierst sie rumzukriegen?!“

    Nicht so dolle, oder?!

    Aber ansonsten gehen die mir links vorbei. Ich will mich verbessern und schaue mir daher Fotografen an die besser sind als ich um meine eigenen Leistung zu steigern. Schließlich will ich mich nicht verschlechtern oder auf meinem Entwicklungsstand stehen bleiben.

  31. Fotografie hat viel mit Technik zu tun und im Bevölkerungsdurchschnitt sind Männer technikaffiner als Frauen. Weiterhin ist die Mehrheit der Männer heterosexuell und findet deshalb einen weiblichen Körper interessanter und fotogener als einen männlichen Körper. Insofern ist es logisch, dass absolut mehr Männer Frauen fotografieren als umgedreht.

    Was die Models auf dem Messestand anbetrifft: Da kann man durchaus fragen, wer da eigentlich die „arme Sau“ ist. Die selbstbewussten, hübschen Mädels, die das freiwillig machen? Oder die sabbernden, zu kurz gekommenen Männer, für die das das sexuelle Highlight des Monats war? Die Sorte Männer, die Du da beschreibst und kritisierst, die erniedrigt mit ihrem verhalten doch vor allem sich selbst.

    Ich kann insgesamt nicht erkennen, dass ich als Hobbyfotograf da Teil eines Problems bin oder das es überhaupt ein Problem in der Richtung gibt. Und wenn es das gäbe – was sollte die Lösung sein: Eine Quotenregelung? Wer 10 nacke Frauen fotografiert muss auch 10 Dödelfotos von Männern machen?

  32. Gab da mal so einen netten Bildausschnitt mit 3 nackten Damen „Over alles“ … und dann das ganze mit Weitwinkel wo den 2 Mio „Fotographen“ im Bild zu sehen waren .. Naja ich finde „Männer“ sind schwieriger was das Fotographieren angeht (in der Theorie) aber ich habe mir einfach gesagt ich lasse so eine „Fotographie“ erstens : Ich habe so keine „Vergleiche“ wie ja da sieht man ja nix mit dem ganzen Schatten. Zweitens: Ich werde nicht mit irgendwelchen …. Verglichen. Drittens: Kann ich so in Ruhe mein Ding machen mit Bildern wo sonst kaum einer Hinkommt ;)

  33. Guido:

    > Was die Models auf dem Messestand anbetrifft: Da kann man durchaus fragen, wer da eigentlich die “arme Sau” ist. Die selbstbewussten, hübschen Mädels, die das freiwillig machen? Oder die sabbernden, zu kurz gekommenen Männer, für die das das sexuelle Highlight des Monats war?

    Genau!

  34. Blogartikel dazu: Eine Seefahrt .. « Ucki`s Fotoblog

  35. Ohne jetzt alle Kommentare gelesen zu haben ein paar Gedanken zu deinem Artikel:
    Ich denke du verallgemeinerst da ziemlich stark, Martin. Die beschriebenen Wannabes gibt es zum einen nicht nur in der Fotografie und zum anderen würde ich jene Leute nicht im geringsten zu den ernst zu nehmenden Fotografen zählen. Fotografie ist nach wie vor eine Sache mit der sich Außenstehende leicht blenden lassen; sei das nun durch absurd überdimensioniertes Equipment, vermeintliche „Branchenkontakte“ oder Star-Fotografen Gehabe wie du es schon erlebt hast. Von diesen wenigen schwarzen Schafen auf die gesamte Foto-Szene, von der ich denke, dass sie an anderen Dingen interessiert ist, als sich nur vor Dritten profilieren zu können, halte ich für einen Fehler.

    Und ja, auch ich muss zugeben, dass ich momentan (noch) lieber Frauen vor der Kamera habe. Doch hat das nicht das geringste mit Sexismus zu tun oder gar „Männerfantasien“, sondern einfach mit der Tatsache, dass Frauen (größtenteils) ein besseres Körpergefühl haben, leichter aus sich heraus kommen können, und aus meiner Erfahrung mehr Spaß am Posieren und in andere Rollen hineinschlüpfen haben, was vielleicht durch diesen ganzen Model-Kult zustande kommt. Auch das nur eine rein subjektive Wahrnehmung. Da wird es sicher auch viele Ausnahmen geben.

    Weiterhin funktioniert absolute Gleichstellung in der Mode-Fotografie doch sicherlich auch nur bedingt. Einen Mann zerbrechlich und graziös wirken zu lassen ist eben wesentlich schwieriger (wenn es denn gewollt ist, was ja meistens eher nicht der Fall ist), als bei einer Frau.
    Wenn man sich mal Mode-Fotos sowohl von Männern, als auch von Frauen ansieht, dann fällt auf, dass Frauen wesentlich freier in ihrem Posing sind. Bei Männern hat man oft das Gefühl, dass sich die verschiedenen Posen an ein bis zwei Händen abzählen lassen. Der Schluss, den ich daraus ziehe ist, dass es sowohl für den Fotografen als auch für das männliche Model an sich eine größere Herausforderung ist mit diesen begrenzten Mitteln sehr gute Ergebnisse zu erzielen. Ein Mann, der die Hände lässig in den Hosentaschen hat muss eben im Ausdruck mehr bringen, als eine Frau, die allein schon durch eine sehr anmutende Pose für Interesse seitens der Betrachters sorgen kann.

    Nicht zuletzt ist das sicherlich auch einfach eine Frage des persönlichen Interesses. Was mich an der Mode-Fotografie begeistert ist eben hauptsächlich diese unbeschreibliche Eleganz, Grazie und Feinheit der weiblichen Models. Wen wundert es also, dass man dann eben gerade die Dinge fotografiert, die einen selbst am meisten reizen und interessieren?

    Deine Gedanken dazu würden mich interessieren. =)

    • @Kosmow: Guter Kommentar – und ich gebe Dir in vielen Punkten gar nicht so unrecht (und weil ich so viel in Metaphern gesprochen habe, die Grenzen haben, gibt es Punkte, die nicht auf jede Situation übertragbar sind). Ich finde es auch nicht schlimm, dass Frauen von Männern fotografiert werden – nur die Art und Weise (und evtl. auch hohe Freqzenz), wie es getan wird, das ist es, was ich hier kritisiert habe. Und natürlich gibt es überall schwarze Schafe – ich halte es aber dennoch für wichtig, das zum Thema machen, da das manchen Leuten gar nicht so bewusst ist. Weil ich nicht alle über einen Kamm scheren möchte, habe ich am Schluß auch diejenigen genannt, die sehr wohl respektvoll und achtsam mit ihren Models umgehen (so schätze ich Dich auch ein). Davon wünsche ich mir mehr ;)

  36. Das mit dem Respekt kann ich nur nochmal unterstreichen, Martin. Funktioniert allerdings andersrum auch ganz schön oft NICHT: Dann, wenn Fotografen von Auftraggebern als „dressiertes Knipsäffchen“ behandelt werden. Nur dann zur Kenntnis genommen werden, wenn sie mit vollem Equipment durch die Gegend laufen. Mit üblen Knebelverträgen z.B. bei Konzerten oder mit Buyout-Verträgen konfrontiert werden, die ihnen sämtliche Rechte am Bild absprechen. Die Liste wär da sicherlich noch etwas länger…
    P.S. Schlapp gelacht hab ich mich über die Einschätzung, dass fotografierende Frauen wohl eher auf die Idee kommen, Schwangere und Mütter mit Kindern abzulichten…

  37. Solange überwiegend Männer zu einer Veranstaltung hingehen, solange wird man Frauen dort einsetzen um den Stand „aufzupeppen“.. ;) Das ist wohl so, und ich bin sicher, so ziemlich jede MarketingCHEFIN würde das auch so machen.

    Und das hat mit Fotografie als solches erst mal nix zu tun, das gleiche Phänomen hast du auch auf anderen Veranstaltungen mit mehr überwiegend männlichen Publikum, die IAA in Frankfurt ist auch meistens mit den IAA-Girls „dekoriert“, je nach Ausstellungsjahr mal mehr, mal weniger. Die stehen dort auch unter „Dauerfeuer“. Dafür wurden die ja auch hingestellt, trocken gesagt.. so lange das Auto mit drauf kommt auf das Foto.. ;)

    Das gleiche bei der Games Convention.. ich entsinne mich an eine Veranstaltung noch in Leipzig von vor ein paar Jahren, da ging auch die Luzie ab.. nur hattest du da nicht deine wandelnden Klischees mit 50+ Männern und Bäuchen und DSLRs, sondern halt ihre Söhne + Enkel mit Handies und Kompaktkameras die da draufgehalten haben… ansonsten war es exakt das gleiche.
    Nur das Posing war da noch ein bischen gewagter, und an ein bis zwei Ständen hab ich mich gefragt, ob die da schon volljährig sind die Mädels und wenn nicht, ob da jemand wirklich sein Einverständis gegeben hat… in den Klamotten hätte ich meine Tochter, so ich eine hätte, wohl nicht unter dem Geflacker von 100+ Kompakt-Cams auf die Bühne gelassen.

    Aber ganz ehrlich: Erziehung und Gleichberechtigung hin- oder her, ich glaube auch, Frauen haben von Natur aus eine höhere Begabung was das Selbst-Präsentieren und Posieren angeht. Irgendwas ist da doch geschlechterabhängig. Genauso wie Männer seitjeher nun mal darauf „abfahren“.. Damit soll die Ausbeutung und Ungleichberechtigung der Frau keineswegs abgewertet werden, aber alles nur auf Erziehung und Umwelt runterzubrechen und zu sagen, ohne dies wären Mann-und-Frau identisch bis auf die körperlichen Unterschiede halte ich für problematisch..

    Und ja, dieses „Rudel-Shooting“ ist mir auch peinlich.. obwohl ich das auf den Messen irgendwie weniger peinlich finde als manche doch etwas dubios erscheinden Anzeigen für Akt-Workshops.. (neben all den seriösen, versteht sich!) die dann noch Werbung machen wo man sieht wie ein osteuropäisches Modell irgendwie auf einem Stein in einem Fluss liegt und 20 und mehr gesetztere Herren halten mit dem gesamten Equipment drauf… Das wirkt zumindest schon irgendwie unfreiwillig komisch.

    Aber das sind natürlich auch immer irgendwie Klischees und Extreme, wenn der gereiftere Fotograf geschmackvolle Aktaufnahmen von einer jungen Frau macht im gegenseitigen Einverständnis ohne Hintergedanken ist ja nun wirklich nichts gegen einzuwenden.. da bewundere ich schon eher den Mut und das Selbstbewusstsein.. nicht nur vom Model, sondern jetzt sogar explizit vom Fotografen, ich könnte mir vorstellen dass man ab einem bestimmten Alter schon ziemlich ätzende Kommentare zu hören bekommt wenn die Umwelt davon erfährt, was man als Hobby so treibt.

  38. Hallo Martin,

    Du triffst mit Deiner Betrachtung genau meine Meinung…

    Ich bin vor Jahren mal aus einem Forum rausgeflogen, weil ich ebensolches durchgestrichenes Wort in meinem Posting benutzt habe. ;-)
    Wobei mein Ansatz weniger die „Aktfotografie“ sondern eher die Technik-Geilheit war.

    Ich hoffe, Du wirfst Dich jetzt nicht selbst raus!

    Weiter so…

  39. … nur nochmal in die Kerbe von oben:
    Sätze wie, „Aber ganz ehrlich: Erziehung und Gleichberechtigung hin- oder her, ich glaube auch, Frauen haben von Natur aus eine höhere Begabung was das Selbst-Präsentieren und Posieren angeht. Irgendwas ist da doch geschlechterabhängig.“ (dogwatcher) oder
    „mir kann niemand erzählen, das frauen nicht weniger technikaffin sind als männer.
    das ist kein klischee, das ist tatsache.“
    sind etwa auf dem Niveau von
    „Die Erde ist eine Scheibe“ und „Schwerere Sache fallen schneller als leichte“. Nämlich: UNSINN!
    Jungs, jungs jungs, macht Eure Hausaufgaben und lest mal was über die Entstehung von geschlechtsspezifischen Rollenkonfigurationen, vielleicht lässt sich dann noch was retten!
    Wenn Väter ihren Töchtern alles was Technik ist aus der Hand nehmen, weil sie nicht zuschauen können wie die Mädels damit umgehen.
    Wenn ein 5 jähriger Junge und ein fünfjähriges Mädchen auf einer Familienfeier sind, werden an die beiden unterschiedliche Erwartungen gestellt.
    Das Mädchen soll die Verwandten erkennen, mit Namen ansprechen und ihre Beziehungen untereinander am besten auch schon kennen.
    Bei ihrem Bruder sind alle schon froh wenn er vom Klo kommt und sich selber den Hosenstall zumachen kann.
    Ist überspitzt, zeigt aber was ich meine.
    Frauen werden viel stärker und früher dazu erzogen in sozialen Kontext zu denken und zu handeln. Männer werden eher zur Sachebene hin erzogen.
    Erziehung ist immer eingebettet in die Kultur, in der sie stattfindet. Geschlechterrollen werden, wie jedes Verhaltensmuster, durch Erwartungshaltungen disponiert und durch Erziehung tradiert.
    Dass also im beobachtbaren Verhalten irgendwas grundsätzlich Veranlagung sei ist das klischee, nicht andersrum.

  40. @Martin:
    1.) Also der zweite Gang bei einem Ferarri ist mal wohl wichtig!
    2.) Puh! Du machst ja wieder Fässer auf … also zunächst möchte ich darauf aufmerksam machen, und das habe ich an anderer Stelle breits geschrieben, SEX SELLS! Dabei ist mir immer wieder aufgefallen, dass Sex nicht unbedingt etwas mit Sex zutun hat sondern mit Geschlecht. Ich meine damit, dass hier auch viel mit Zielgruppen gearbeitet wird. Auf der GQ oder Mens Health sieht Mann meisten die Typen mit Sixpack und Frauen eher seltener. Diese Bilder sollen eine bestimmte Zielgruppe ansprechen und Wünsche und Bedürfnisse wecken, besonders die, die Zeitung zu kaufen. Mehr nicht. Das ist billig, aber die Ehrfahrung zeigt, dass es (leider) funktioniert.

    Das „Leider“ in den Klammern deutet es schon an. Einen schönen Körper auf einem Bild ist immer schön anzuschauen. Auch ich fühle mich dadurch angesprochen. Ich habe nichts gegen Nacktheit … ich finde es nur natürlich und eine moderne Gesellschaft sollte damit umgehen können. Das Problem ist die Kommerzialisierung dieser Nacktheit. Diese ist oft plump und würdelos und erst recht nicht schön!

    Warum du da jetzt die Folter mit ins Spiel bringst, habe ich in keiner Weise verstanden. Ich finde diese Vergleiche genauso unangebracht wie das Seite 1 Mädchen der Bild. Da hätte ich von Dir mehr erwartet!

  41. Da fällt mir gerade noch ein: Eine Liste von Fotografinnen, die mich beeinflussen.
    – Ursula Schulz-Dornburg
    – Dorothea Lange
    – Sally Mann
    – Sonya Noskowiak
    – Berenice Abbott

    und ganz besonders:

    – Annie Leibovitz

    Für alle, die nicht glauben, dass Frauen nicht fotografieren können.

  42. Zitat Michael:
    „Dass also im beobachtbaren Verhalten irgendwas grundsätzlich Veranlagung sei ist das klischee, nicht andersrum.“

    Ich glaube im Leben nicht, dass alles AUSSCHLIESSLICH auf die Erziehung und die Kultur zurückzuführen ist.. niemals. Es gibt definitv Bereiche, da sind Frauen wohl uns Männern erstmal grundsätzlich überlegen. Ob das auch andersrum gilt, mag jetzt jeder selbst sich denken.. ;)

    In meiner Gedankenwelt ist diese Vorstellung „..die Rollenklischees sind ausschließlich auf die Erziehung zurückzuführen“ doch mittlerweile in der Mottenkiste verschwunden, das war doch für mein Verständnis doch so eine beliebte Theorie der 70er und 80er… Ich war eigentlich fest überzeugt, dass man heute eigentlich überwiegend der Überzeugung ist, dass es durchaus geschlechterspezifische Unterschiede GIBT.. die natürlich durch Kultur und/oder Erziehung vertieft worden sind oder auch noch werden. Auch sind wir keine Sklaven unserer Gene. Aber eine gewisse Veranlagung ist mit Sicherheit vorhanden, würde ich sagen.

    Ich sehe nicht, wo da das Problem liegt, wäre es eine Katastrophe wenn wir erkennen müssten „Es gibt Sachen, die kann eine Frau POTENTIELL EVENTUELL besser als Männer“ und umgekehrt? Das hat doch nichts mit Gleichberechtigung zu tun?

  43. Hallo Martin!

    Ich stimme mit deinem Artikel nur bedingt überein:

    Daher muss ich mal ein bisschen versuchen, dass wir hier nicht alle ins Klischee des bierbäuchigen schwitzenden usw. … reinrutschen.

    Ich habe es genau so gemacht wie Boris: hab Aktfotos von mir machen lassen. Von einer Fotografin. Um zu wissen, wie sich das Model fühlt und wie es ist, Posen einzunehmen, die von jemandem fremdes „vorgegeben“ werden. Daher habe ich auch keine Vorstellungen geäußert, sondern ihr absolut „freie Hand“ gelassen.

    Erste Feststellung: Ich habe mich sehr wohl gefühlt. Nicht weil ich ein Exhibitionist oder devot wäre, sondern weil die Atmosphäre stimmte.

    Anschließend habe ich drüber nachgedacht, warum das so war. Warum sie ihre Vorstellungen in schöne, stimmungsvolle Bilder umsetzen konnte.
    Und warum ich das Vertrauen und auch die nötige innere Ruhe hatte, den „Anweisungen“ zu folgen. Ja, das Shooting sogar zu genießen!

    Antwort 1: Ihr Mann war dabei – damit gibt es von der ersten Sekunde an keinen Raum für ein sexuell aufgeladenes Spannungsverhältnis.
    Antwort 2: Ich unterstelle, dass sie als Frau nun mal auch einen Blick für Männer hat (kann ich natürlich nicht beweisen).

    Welchen Schluss habe ich für mich daraus gezogen?
    Nun, da meine Frau mich eher nicht dabei begleiten wollen würde, wenn ich Akte fotografieren möchte, habe ich das Projekt auf Eis gelegt.

    Basta.

    (Aber ich bin ja auch nicht bierbäuchig + glatzköpfig und schwitze auch nicht. Von dem Besitz einer EOS 1D mit phalischem Tele ganz abgesehen ;-)

    Jedenfalls bin ich der Ansicht, dass die hobbymäßige Aktfotografie nur aus der Ecke mit dem „G’schmäckle“ raus kommt, wenn da einfach noch eine „Anstandsdame“ üblich wäre oder eine vom Model mitgebrachte „Aufpasserin/Freundin“ als selbstverständlich akzeptiert wird.
    Dann gibts auch wenig Platz für Probleme…

    Liebe Grüße in die Runde:
    Reinhard

  44. hui, am Anfang nur mal als erwähnung, dass hier ungefähr 5% Frauen geantwortet haben. Ich erhöhe mal die Quote.

    Ich muss zugeben, dass ich als Frau auch das Gefühl habe, dass wir besonders in beruflicher Hinsicht immer mehr zeigen und leisten müssen um so akzeptiert und respektiert zu werden wie Männer und das gilt auch in der Fotografie. Wenn irgendwo ein Mann mit einer Kamera und eine Frau ebenfalls mit solcher stehen, was würdet ihr im ersten Moment denken, wer das bessere Foto gemacht hat? Hand aufs Herz.
    Daher habe ich das Gefühl als Minderheit in der Fotoszene zu gelten, aber das muss nicht nur schlecht sein, sondern vielleicht auch Bewunderung für technisches Verständnis hervorrufen, obwohl (!) ich eine Frau bin.

    Zum Thema warum Modells meist Frauen sind, 2 Thesen:
    1. Wer liest Fashionmagazine? Richtig, Frauen. Warum lesen sie die? Weil sie wissen wollen, was es sie kaufen können und in ist (ja auch etwas Klichee). Also soll man jetzt die Männer in Frauenkataloge stecken? Oder Männer in Männerklamotten fotografieren, was sich dann kaum einer anschaut. Und wer in Magazine möchte, die sich Männer anschauen, will genau das erreichen, was passiert.

    2. Sehen Männer Frauen nicht ganz anders an als Frauen? Ein Mann nimmt ein Lächeln einer schönen Frau oder ihren Körper mit ganz anderen Augen wahr. Also kann ein Mann doch vielleicht viel besser einschätzen, aus welcher Perspektive oder welche Details passender sind. Ebenso würden Frauen vielleicht viel eher wissen, dass sie lieber einen schönen muskolösen Rücken sehen, als … Von daher finde ich diese Rollenverteilung gar nicht sooo verkehrt. Ich selbst als Frau werde auch eher bei Frauen schwach, als bei Männern und denke dadurch auch entsprechend bessere Bilder von Frauen machen zu können…

    Abschließend: Ich denke erotische Fotos sind von Frauen einfacher, dafür ist ein ausdrucksstarkes Männerportait viel schwieriger und sollte eher als Herausforderung gesehen werden und bei passendem Ergebnis als größeren Erfolg.

  45. Damit hast du auf jeden Fall ein sehr polarisierendes Thema angeschnitten. Ich selbst finde deine Meinung sehr interessant und teile sie, aber nicht voll und ganz.

    Es ist in der Tat so das ich auch lieber Frauen, als Männer ablichten würde. Allgemein ist Akt und Potrait nicht mein Bereich, dem ich großes Interesse entgegen bringe, aber ich hab mich mal in die Situation versetzt.
    Doch warum ist das so? Sind wir da so Schwa** gesteuert?
    Möglicherweise. Denn es ist wie so oft in der „Kunst“. Selbst ein technisch einwandfreies Bild, weiß oft nicht zu gefallen, wenn uns das Motiv nicht anspricht.
    Wäre auch schlimm, sonst hätten wir wohl kaum unterschiedliche Meinungen und Fotografen mit verschiedenen spezial Gebieten.
    Ich kann mir zwar auch gut vorstellen Männer abzulichten, allein weil ich den Ehrgeiz habe ein gutes Foto zu machen, aber eine hübsche Dame sieht man doch noch lieber auf einen Bild.

    Der zweite Punkt ist mir etwas sauer aufgestoßen. Du hast Bildzeitung und auch die „Ausnutzung“ der Frau erläutert bzw. die oft vorkommende Benachteiligung.
    Es ist nun Mal so, das dazu zwei Seiten gehören. Was sind das für Frauen die sich so ablichten und präsentieren? Das haben geschah nicht gegen ihren Willen, sie haben sich evtl. unter Wert verkauft, weil sie selbst die Bestätigung von Außen brauchen. Das heißt, nicht die gesellschaftliche Ansicht alleine, hat die Frau zum „Sex-Marketing-Objekt“ gemacht, sondern auch die Frau selber.
    Auch in der beruflichen Einschränkungen kann ich dir nur bedingt beipflichten, auch wenn sie sich nicht verleugnen lassen. Ich erlebe sehr oft das Frauen offensichtlich den Schutzinstinkt beim Mann wecken. Ganz egal ob es Chef, Kunde oder irgendwer anders ist. Viele körperliche Sachen werden eher den männlichen Kollegen zu getragen, je nach Berufsspate unterschiedlich. Das muss nicht mal schwer körperlich sein und ich würde das gerne mit Beispielen erläutern, aber das würde den Text extrem in die Länge ziehen und vom eigentlich Thema wohl etwas abdriften.
    Du hast aber sicherlich auch beim Schreiben deines Blogeintrages gemerkt, dass sich das Thema nicht behandeln lässt, ohne andere Bereiche anzuschneiden.

    Meine Meinung mal etwas zusammengefasst: Generell vertrete ich die Meinung, dass eine schöne Frau, ein wunderschönes Motiv darstellt mit dem man künstlerisch zusammen (!) arbeiten kann. Da wären wir auch beim wichtigsten Punkt, mit ihr zusammen agieren und Fotos mit ihr absprechen.
    Des weiteren sehe ich aber auch die Frauen und Modells in der Verantwortung, an der schlechten Anschauung etwas zu ändern. Denn wenn ich mich mit einigen meiner Freundinnen unterhalte, kristallisiert sich das Bild heraus „Wir wollen Emanzipation, aber ohne Nachteile“.

    Und last but not least, auch Männer abzulichten ist nicht verkehrt und man brauch sich nicht schwul vorkommen ;)

    Liebe Grüße,
    Marcel

  46. Erst einmal ein sehr polarisierendes Thema aber gut!
    Fotografieren tue ich in erster Linie Frauen und nicht nur weil ich auf Frauen stehe sonder, wel sie in der Regel wandelbarer sind zumindest aus meiner Sicht heraus.
    Ich zähle hier mal auf wieso ich eher mit Fraeun arbeite als mit Männern

    Es melden sich mehr Mädels als Männer bei mir, die sich von mir fotografieren lassen wollen
    Frauen kann man in extremere Posen rücken, die bei Männern nicht wirken
    Frauen gehen eher aus sich heraus als Männer
    Bei Akt Aufnahmen stört mich oft der im Bild störende Penis, da wirkt ein Frau androgyner
    Das sind mal ein paar Punkte, die ich aufzählen kann wieso ich (als Mann) eine Frau einem Mann vorziehe. Zumal der weiblich Köper eher als estätisch empfunden wird als ein Männerkörper.

    Ich kenne auch viele Kolleginnen die zwar mit Männern angefangen haben, aber dann doch nur Frauen fotografieren.
    Ich denke ich stehe mit dieser Meinung nicht allein, aber ich weiß welche typen du von Mann du da ansprichst.
    In meinen Kollegen Kreis sind diese Fotografien als Tittenknipser verrufen und sind Leute die auch nie wirklich aus dem Hobbyknippser herauskommen, weil die keine Ansprüche an der Fotografie haben sondern Ihren fotografischen Erfolg an der Anzahl der abgelichteten Brüste, Grad des Öffnungswinkels der Schenkel und der Nacktheit des Models.
    Über solche Leute kann ich nur den Kopfschüttel
    Und in der Regel stellen diese Typen eher die Ausnahme

  47. Super Artikel!

    Ich bin echt beeindruckt und finds toll, dass du das „heiße Eisen“ (das eigentlich keins sein sollte) anpackst und so super rüberbringst!
    Ich hab deinen Blog grad erst für mich entdeckt und dieser artikel ist definitiv ein ganz fetter bonuspunkt, dass ich hier öfter reinschauen sollte :)

  48. danke.

    dem kann man eigentlich nichts mehr hinzufuegen.

    ausser: bei mir in der ausbildung zum fotografen sind wir 6 frauen und 3 maenner. (!) davon fotografieren auch frauen frauen und eben auch maenner. im studio mit licht. ;)

  49. Blogartikel dazu: BrowserFruits: Erstes Foto Special 2010 | Digitale Fotografie Lernen - KWERFELDEIN - Martin Gommel

  50. Blogartikel dazu: Ressentiments in der Fotografie-Community: Eine Stellungnahme mit Ausblick | Digitale Fotografie Lernen - KWERFELDEIN - Martin Gommel

  51. Hallo,
    toller Artikel, auch vom Stil her sehr ansprechend. Ich stimme außerdem Sebastian (2. Kommentar) zu, dass ich mit Frauen besser arbeiten kann und sogar mehr Kreativität habe, was das In-Szene-setzen angeht. Außerdem muss ich bemerken, dass es auch viele Frauen gibt, die selbst kommen und sagen: „Ja Hallo Herr Fotograf, das und das solls sein, wenns geht“ und da ist auch die eine oder andere Hautpartie dabei und auch die MEinung vertreten, dass es mit männlichen Fotografen (mehr) Spass macht. Trotzdem gefällt mir die kritische Einschätzung.