kwerfeldein
08. August 2009 Lesezeit: ~5 Minuten

Was macht ein gutes Bild aus?

Was macht ein gutes Bild aus?Michael Jordan, Fotografenmeister aus Koblenz und Obermeister der Fotografeninnung Mittelrhein, ist auch Videotrainer für Video2Brain, Ausstellungskurator sowie Buchautor. Michael Jordan fotografiert vor allem Menschen in alltäglichen Situationen – besonders gerne mit vorhandenem Licht. Seine zweite fotografische Leidenschaft ist das Licht an sich und die Farben. Sein Motto: Wer etwas besonderes sehen will, muss auf das schauen, was andere nicht beachten.

Jeder der fotografiert, möchte gute Bilder machen. Vielleicht nur für sich selber oder aber für andere. Damit die Bilder überzeugen müssen sie gut sein. In diesem Artikel geht Michael Jordan der Frage nach:

Was macht ein gutes Bild aus…?

1. wenn es Dich berührt
2. wenn es eine Geschichte erzählt
3. wenn es neu oder originell ist

Also wenn Dein Leben nach dem Betrachten dieses Bildes anders verläuft –wenn auch nur in Kleinigkeiten. Wenn es in der Lage ist, Deine Sicht auf die Welt oder die Menschen zu verändern oder zu festigen, dann denke ich, ist es ein wirklich gutes Bild.

Was macht ein gutes Bild aus?

Der Verwendungszweck entscheidet

Es kommt immer auf die Verwendung und den Zweck des Bildes an. Ein Werbefoto für ein Stück Fleisch muss das nicht leisten. Es soll Dich vielleicht berühren, damit Du es kaufst. Mehr nicht. Eine Sachaufnahme für einen Katalog oder eine Aufnahme eines Kunstwerkes soll die Proportionen und das Material optimal wiedergeben. Mehr nicht. Aber auch nicht weniger. Wenn es dieses leistet, ist es gut. Aber von einer Sachaufnahme zu erwarten, dass sie Deinem Leben einen besonderen Kick gibt wäre ziemlich albern.

Allgemein kann man sagen, ein gutes Bild entspricht den Anforderungen. Die können aber sehr verschieden sein. Der eine möchte ein Portrait auf dem er natürlich aussieht, ein anderer möchte eine Beauty-Aufnahme mit einem möglichst großen Sprung zur Realität. Ein anderer möchte in eine Rolle schlüpfen und in dieser abgebildet werden. Für den einen ist das Bild gut, wenn er gut zu erkennen ist, ein anderer möchte das genaue Gegenteil….

Bei einer Gruppenaufnahme will keiner in der ersten Reihe stehen, aber jeder will hinterher gut zu sehen sein… Für den einen soll es eine idealisierte Darstellung sein, ein anderer möchte eine realistische Abbildung. Einer erkennt sich wieder, wenn er von oben fotografiert wurde, obwohl er durchschnittlich groß ist – ein anderer fotografiert weil er selbst klein ist alle Personen von unten.

Was macht ein gutes Bild aus?

Der Mensch braucht Regeln

Wer anfängt sich mit einer Sache zu beschäftigen braucht Anhaltspunkte und Regeln. Regeln erleichtern die Verständigung und das Zusammenleben. Wie zum Beispiel im Straßenverkehr. Grundsätzlich würde es reichen keinen anderen Verkehrsteilnehmer zu stören. Da aber jeder hiervon eine andere Vorstellung hat, gibt es Regeln.

Bei Bildern ist es ähnlich. Eigentlich würde es reichen zu sagen, wenn Dir das Bild gefällt ist es gut. Das ist auch meine ernsthafte Meinung solange Du für Dich fotografierst.

Wenn Du mit Deinen Bildern aber andere überzeugen willst, oder anderen gefallen, dann gelten deren Regeln. Es sei den Du bist der King und alle finden das, was aus Deiner Kamera kommt einfach großartig… aber bis dahin ist es meist ein langer Weg.

Was macht ein gutes Bild aus?


Der Sinn von Gestaltungsregeln

So gibt es Gestaltungsregeln, die auf unserer Wahrnehmung und Erfahrung basieren. Der goldene Schnitt, der eine Strecke in einen längeren und einen kürzeren Abschnitt teilt, ist so eine Regel. Ich war in meiner Jugend in einem Fotoclub. Dort galt ein Bild bei einigen Betrachtern als gelungen, wenn es dieser Regel genügte. Auch der Augenpunkt – also ein Lichtreflex im Auge – bei einem Portrait war ein Qualitätsmerkmal für ein gutes Bild.

Daneben gibt es die aufsteigende und abfallende Diagonale, Kontraste, Vorder- und Hindergrund und so weiter….. Es gibt Bücher, die diese Regeln erläutern und man kann üben sie zu befolgen. Aber schlimmstenfalls kann man alle Regeln befolgen und das Ergebnis ist ein langweiliges Bild. Günstigenfalls kann man aber auch keine dieser Regeln kennen und dennoch ein gutes Bild machen.

Wahrscheinlich ist jedoch, dass die bewusste oder unbewusste Anwendung von Gestaltungsregeln die Trefferquote für die Bildausbeute erhöhen. Wer mit seinen Bildern Geld verdienen möchte oder muss, ist auf eine hohe Trefferquote angewiesen. Wer in seinem privaten Umfeld oder in Foren mit Bildern Aufmerksamkeit erregen möchte wird sich dem Geschmack der Betrachter beugen.

Jedoch ersetzen angewandte Gestaltungsregeln ebenso wenig wie fotografisches Grundwissen eine Bildidee. Natürlich ist auch das konsequente Nichtbeachten von Regeln keine wirkliche Möglichkeit zu einem guten Ergebnis zu kommen. Es ist sicher wichtig altbekanntes zu hinterfragen, aber daraus erwächst zwangsläufig noch nicht unbedingt etwas qualitativ hochwertig Neues.

Was macht ein gutes Bild aus?

Tu, was Dir wichtig ist

Derjenige, der jedoch mit Leidenschaft der Fotografie verfallen ist und auch genügend Selbstbewusstsein hat, sich seine eigenen Gedanken zu machen und diese in Bildern auszudrücken, der wird das Maß für eine gute Aufnahme bei sich selbst und nicht bei anderen suchen und letztlich wahrscheinlich auch finden.

Wenn man weiß, was ein gutes Bild ausmacht, dann ist der logische nächste Schritt, die Kamera in die Hand zu nehmen und selbst gute Bilder zu machen.

Was macht ein gutes Bild aus?

Aber wie das geht, ist eine andere Geschichte…..die ich sicherlich gelegentlich erzählen werde.

Was macht ein gutes Bild aus?

Ähnliche Artikel