kwerfeldein
23. Juli 2009 Lesezeit: ~5 Minuten

3 Tipps, eine Schaffenskrise positiv zu nutzen

3 Tipps, eine Schaffenskrise positiv zu nutzen

Als es mich zum ersten Mal erwischt hatte war das ganz fürchterlich. „Was ist denn jetzt mit mir los? Wo kommt das denn her?“ Viele solcher Gedanken schwirrten wie Stechmücken durch die Seele und schienen mich nicht mehr loszulassen. Ich war also mittendrin im Sturm einer Schaffenskrise. Die Kreativität war eingefroren und ich verspürte nicht den geringsten Drang irgendein Foto von irgendetwas zu machen. Tage lang. Wochen lang. Und um mich herum tobte die Idee, dass ich vielleicht doch nicht fotografieren sollte. So was ist ekelhaft und unangenehm.

Zeiten wie diese kommen und gehen – zumindest bei mir. Sie sind mittlerweile keine Seltenheit mehr und ich habe mich daran gewöhnt. Auch wenn das komisch klingt. Doch über die Jahre habe ich ein paar Strategien entwickelt, diese Zeiten zu nutzen und nicht stehen zu bleiben. Ich möchte nicht behaupten, dass sie „immer funktionieren“, das wäre plump und verallgemeindernd. Vielmehr habe ich eine Auswahl an Möglichkeiten gefunden mit diesen Zeiten so umzugehen, dass sie mir etwas bringen.

Und ich meine auf keinen Fall Strategien wie „hachja, es wird schon, tätschel tätschel“ oder „wir lachen alle mal wieder“. Artikel mit einer Überschrift wie dieser haben ja recht schnell einen komischen selfhelp-eso-touch, der ganz schön abschreckend sein kann und eher an Phantasiereisen und Gruppentanzen erinnert als an praktische Tipps. Dieser Spannung bin ich mir aber durchaus bewusst.

Übrigens erlebe ich aktuell wieder eine kleine Krise. Es passt also gut, jetzt einen Artikel darüber zu schreiben.

Ausdruck
Auch wenn ich es manchmal nicht wahrhaben will, die Fotografie ist eine Kunst, die mit meinem Charakter verbunden ist. Sie lässt sich nicht auf das Technische beschränken und es ist einfach nicht damit getan, das richtige Objektiv zu haben und Tipp XY zu befolgen. Die Fotografie hat sehr viel mit meinen Emotionen zu tun und gerade deshalb ist es wichtig, auch diese zum Ausdruck zu bringen.

Erst vor gar nicht so langer Zeit war ein guter Freund bei mir, der mir gestanden hat, das bei ihm die Luft raus ist. Weil es mir zu dem Zeitpunkt auch so ging, konnte ich das bestätigen und wir hatten auf einmal eine neue Basis, über die Fotografie zu sprechen. Ich spüre heute noch, wie gut es mir getan hat, einfach mal zu erzählen, wie es mir an so manchen Punkten gerade geht.

Und manchmal ist es gar nicht so leicht, die Sachen auf den Punkt zu bringen. Zu sagen, wie es wirklich gerade aussieht und sich das dann auch einzugestehen. Aber es befreit. Macht die Gedanken klarer und ich kann ganz anders nach vorne blicken.

Abstand
Oft sind es meine zu hohen Erwartungen an mich selbst, die mir irgendwann ein Bein stellen. Extreme Wunschvorstellungen meiner fotografischen Leistung können mich zwar pushen, haben aber auch das Potential, zu frustrieren, wenn ich sie wiederholt nicht erreiche.

Weil ich beruflich sowieso häufig an der Kamera bin, erlaube ich es mir regelmässig, diese in der Freizeit auch wegzulegen. Um das zu kapieren hat es einiges an Zeit gekostet, aber heute ist es für mich unerlässlich, auch mal etwas nicht zu fotografieren.

Ein guter Bekannter von mir hat vor ein paar Jahren seine digitale Spiegelreflex verloren. Als er mir davon erzählte, war meine prompte Reaktion: „Oh nein“. Doch er war völlig lässig und meinte: „Ach, das ist auch ganz schön befreiend. Nicht ständig alles fotografieren zu müssen, kann echt gut tun“. Abstand hat also seine Vorteile.

Impulse
Wenn ich nicht gerade völlig genervt bin von der ganzen Fotografiererei, beschäftige ich mich gerne mit Themen, die nur indirekt etwas damit zu tun haben. Beispielsweise DVDs, Podcasts oder Videos zu einem Thema, an dem ich sowieso interessiert bin. In meinem Fall ist das die Bildbearbeitung. Da kann ich mich entspannt zurücklehnen und lerne quasi nebenbei ein paar neue Shortcuts oder Techniken, die ich bisher gar nicht kannte.

Anstatt draussen zu fotografieren sitze ich also gemütlich vor dem Rechner oder Fernseher und entwickle mich trotzdem weiter. Mittleweile ist es bei mir so, dass ich in Krisenzeiten am meisten Fortschritte in der Bildbearbeitung mache, weil sich das so eingebürgert hat. Auch nicht schlecht, oder?

Fragen an Euch:
Wie ist das bei Euch mit den Krisen?
Wie erlebt Ihr das?

3 Tipps, eine Schaffenskrise positiv zu nutzen

Ähnliche Artikel