kwerfeldein
14. Juli 2009 Lesezeit: ~6 Minuten

Warum ich keine Fotozeitschriften lese

Jedes Mal, wenn ich an einem Zeitschriftenladen vorbeischlendere, versuche ich es von Neuem. 30 Sekunden später stehe ich vor dem Regal, das mit Fotomagazinen (mehr oder minder) gespickt ist. Meine Augen halten Ausschau nach einer Zeitschrift, die bisher noch nie in meinen Händen lag.

„Ah! Da! Die kenn ich noch gar nicht!“ Ich zupfe an der Ecke eines Formates, das mir bislang unbekannt ist, blättere darin herum und lese den ein oder anderen Artikel.

In 99,5% aller Fälle verlasse ich nach knappen 10 Minuten den Laden wieder. Kopfschüttelnd, reglos oder gelangweilt. Mit vollem Geldbeutel und leeren Händen – ohne Zeitschrift.

Nein, ich habe es nicht vor, heute einen hau-drauf, mach-alles-kaputt und eh-alles-doof-Artikel zu schreiben. Aber ich möchte den Scheinwerfer mal auf einen Bereich in der Foto-Szene richten, der mir Sorgen macht und mich frustriert.

Immer wieder stelle ich mir die Frage, ob es an mir liegt. Ob ich zu eigenartig zicke ticke, übertriebene Erwartungen habe oder gewissermaßen voreingenommen bin. Kann sein. Aber ich frage mich auch, warum mich fotoversessenen Freak bisher noch fast kein Magazin über die Fotografie wirklich angesprochen hat. Und mit ansprechen meine ich das, was ich als Jugendlicher mit dem Metal-Hammer erlebt hatte:

Donnerstags am Ladentisch zu sein und kaum erwarten zu können, die Berichte der Bands zu lesen und zu wissen, welche Platten als Nächstes auf den Markt kommen. Sich lieber 3 Zeitschriften einzupacken (incl. Rock-Hard), um alle Berichte zu haben die Interviews mit den geliebten Bands auf keinen Fall zu verpassen. Und irgendwann zu abonnieren. Das meine ich.

Und ich würde behaupten, dass ich mich heute mindestens genauso mit der Fotografie identifiziere wie damals mit der Musik – eher noch mehr.

Fotomagazine hingegen frustrieren mich regelmäßig.  Nein, sie sind mir nicht egal und die Gleichgültigkeit hat mich bisher verschont. Denn schießlich interessiert es mich immer noch, was Menschen fotomässig kaufen, lesen und konsumieren.

Ja, die Zeiten haben sich geändert. Das Internet ist da. Blogs sind da. Zeitschriften haben nicht mehr den Stellenwert, den sie vor 10 Jahren mal hatten. Doch das ist für mich keine Begründung. Das ist entweder eine Ausrede oder ein gut gemeintes Argument. Schließlich ist der Büchermarkt zum Thema Fotografie voll. Proppenvollmit guten Werken (die ich übrigens gerne lese und kaufe). Klar, das ist ein anderer Markt. Der zeigt mir aber, dass Print nicht tot ist. Gedruckt geht noch.

„Jetzt sag doch mal, was Dich stört.“

Natürlich ist es einfach, alle Zeitschriften per se zu kritisieren. Schließlich spreche ich hier nicht über ein Magazin sondern vielmehr über die Print-Kultur auf dem Fotomarkt. Doch ich werde es versuchen, einwenig ins Detail zu gehen, ohne zu sehr zu verallgemeinern.

Einige Zeitschriften wirken auf mich zu glatt, oberflächig und irgendwie oldskool. Woran das liegt? In viele Fällen an der Ignoranz gegenüber Veränderungen. Nein, nicht die Veränderung der neuesten Kameras, Speichergeräte und sonstigen Gadgets. Die Veränderung der Fotografie-Szene, nämlich online. In Social Networks. In Blogs. In Communities (ich möchte keineswegs behaupten, dass alle Magazine das ignorieren, aber ein Großteil tut es konsequent).

Ich kann diese Haltung in gewisser Weise nachvollziehen, rauben Dinger wie Blogs und Online-Magazine den Printmagazinen einwenig das Geschäft. Klar. Doch ich sags mal so: Das ist ein weiteres Gebiet, über das man guten Journalismus betreiben kann. Denn auch die Käufer von Zeitschriften fragen sich, was Twitter ist und was das Ganze mit Creative Commons eigentlich soll.

Weiter vermisse ich einen gewissen Tiefgang und den Bezug zur Realität. Manche Magazine sehen so aus als wären sie für erfolgreiche Berufs- Fotografen geschrieben. Das hat sicher seinen Platz und ist auch wichtig. Doch ich würde mal behaupten, dass die meisten Foto-Enthusiasten Hobbyfotografen, Einsteiger und sonstige Sympathisanten sind, die nicht mit einer Hasselblad fotografieren und kein Fotostudio mit fettester Blitzanlage haben. Wo wird auf diese eingegangen? Nein, ich meine nicht das kurze Abhandeln von sogenannten „Kummerkästen“, an die man eine Email schreiben kann, wenn man mal eine Frage hat.

Ich meine doppelseitige Artikel über die Faszination Fotografie, das Handwerk und beispielsweise über die Lust an der Bildkomposition. Am Fotografieren von Kleinigkeiten im Alltag und den Fragen, die sich der Hobbyofotgraf jenseits aller Technik stellt. Dass die Fotografie nicht (aussschließlich) auf die Technik zu reduzieren und gewissermaßen eine Kunstform mit vielen Ecken und Kanten ist – das wünsche ich mir in Fotomagazinen.

Ja, Technik ist gut, wichtig und ein nicht wegzudenkender Teil der Fotografie (auch hier auf kwerfeldein.de). Aber Technik ist nicht alles.

Als letzten Punkt möchte ich Magazine erwähnen, die für 2,50 € wohl eher in die Kategorie sex sells passen und mir schon mit dem Titelblatt eine nackte leicht bekleidete Frau in Leder auf der Harley präsentieren. Nicht selten laufen solche Heftchen auch unter „Foto&Video“ und spätestens da frage ich mich, ob ich im richtigen „Film“ bin und ob diese Marketingstrategie (also die mit den nackigen Frauen) immer noch zieht. Auf mich wirkt das eher wie Bildzeitung und dem damit sinkenden Schiff Niveau. In vielen Fällen bezieht sich das auch auf den Inhalt solcher Blätter. Schade.

Ich habe diesen Artikel nicht geschrieben, weil ich mich als ein „besserer Journalist“ sehe – keineswegs. Ich bin auch nicht auf Kriegsfuß mit Fotozeitschriften – im Gegenteil. Gerade weil mir Zeitschriften immer noch wichtig sind, habe ich meinem Frust Ausdruck verliehen. Ignorance is the killer, not critique.

Warum ich keine Fotozeitschriften lese

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