Kwerfeldein
12. Juli 2009 Lesezeit: ~ 4 Minuten

Balance in der Landschaftsfotografie

Dies ist ein Gastartikel von Sven Seebeck. Er arbeitet als Jazz-Musiker in Oulu/Finland und fotografiert, wann immer der Zeitplan es zulässt, die Landschaft um ihn herum. Seine Arbeiten können auf From 10 to 300mm besichtigt werden.

In meinem letzten Artikel über Bildkomposition in der Landschaftsfotographie habe ich ein paar allgemeine Ideen und Punkte aufgefriffen. In einem gut komponierten Foto spielen viele verschiedene Aspekte eine Rolle, und nicht immer kann man auf die eine oder andere Regel genau verweisen, da viele Regeln miteinander verbunden sind. In diesem Artikel möchte ich versuchen, noch etwas auf den Punkt der Balance einzugehen.

In der Landschaftsfotografie kann man sich sicherlich nicht aussuchen, wo die Berge, Bäume oder so in der Landschaft stehen, aber durch geschicktes positionieren der Kamera lässt sich durchaus eine interessantere Komposition und gut balancierte Kompostion erreichen.

Die Balance in einem Foto kann man sich wie eine Waage vorstellen. Sind beide Seiten der Waage gleichschwer, steht sie gerade und wenn sie ungleich sind, kann man die Waage durch verschieben des Mittelpunktes ausrichten und somit die Waage wieder in Balance bringen. Das selbe Prinzip lässt sich auch auf ein Foto, bzw. eine Komposition anwenden.

In dem seinem Buch “Der fotografische Blick” auf Seite 40 definiert Michael Freeman den Begriff so:
“Balance ist die Aufhebung von Spannungen – konträre Kräfte werden in Einklang gebracht und es entsteht eine Gleichmässigkeit, die wiederum für ein Gefühl der Harmonie sorgt”

Ich möchte dies hier an dem folgendem Beispiel einmal versuchen zu verdeutlichen:

In diesem Foto und in diesem Format hatte ich das Problem das ich von dem Punkt wo ich war, nicht nur nicht die ganze Szene einfangen konnte ausserdem wäre die Komposition unbalanciert gewesen. Das Gewicht liegt in diesem Fall in der rechten Bildhälfte und ist wesentlich grösser als das auf der linken.

Ich entschied mich in diesem Fall ein Panorama anzufertigen um eine bessere – und vor allem besser balancierte – Komposition zu erhalten. In dem nächsten Foto seht Ihr die von mir bevorzugte Komposition. Nicht nur ist sie etwas weiter und ich konnte mehr von der Szene einfangen, sie ist auch in meinen Augen etwas besser in Balance.


Michael Freeman unterscheidet in seinem Buch u.a. zwei verschiedene Arten von Balance.
“Es gibt zwei grundlegende Arten von Balance: symmetrisch oder dynamisch”

Die symmetrische Balance ist recht einfach umzusetzen. Hier platziert man das Motiv in der Bildmitte, wo man es eigentlich nicht platzieren würde wollen, wenn man der Drittelregel folgt. Hierbei ist jedoch wichtig, das ja nicht nur das eigentliche Motiv, sondern ja auch das, was sich links und rechts davon befindet Teil des Bildes wird, und hier nichts ist was eventuell ablenkt.

Ich hoffe das wird an dem folgen Besipiel deutlich:

In der dynamischen Balance geht es darum das sich Spannungen innerhalb des Bildes aufheben, bzw. ausgleichen und das dadurch eine Balance entseht. Dies habe ich in den ersten beiden Fotos versucht zu verdeutlichen, und hier ist ein weiteres Beispiel dafür.

In diesem Beispiel habe ich ganz bewusst vesucht durch den Baumstumpf ein Gegengewicht zu den Bergen im Hintergrund zu erzeugen. Es hat in diesem Fall eine ganze Weile gedauert, und diverse neu-kompositionen gebraucht bis ich mit dem Resultat einigermassen zufrieden war.
Bildkomposition ist ein komplexes Thema, und ich möchte hier auf keinen Fall anmassen eine besondere Koriphäe zu sein. Ich selbst habe es durch die Lektüre von Büchern und die Analyse von Bildern und hunderten von schlechten Bildern erlernt, und erlerne es weiterhin.

Ich hoffe das ich Euch mit diesen beiden Beispielen einen kleinen Einblick in das Thema geben konnte. Für den es interessiert, kann ich das Buch von Michael Freeman empfehlen. Er geht sehr detailiert in alle Möglichen Aspekte der Komposition ein, manchmal ist leider die Übersetzung ins Deutsche etwas trocken.

Unterstütze kwerfeldein

Wenn Dir dieser Artikel oder das ganze Magazin gefällt, kannst Du die weitere Arbeit von kwerfeldein gern via Paypal, Überweisung oder Dauerauftrag mit dem, was es Dir wert ist, unterstützen. Vielen Dank!

kwerfeldein finanziert sich neben Werbeeinnahmen auch durch Provision von Verkäufen auf Amazon und freiwillige Beiträge der Leser*innen, um unabhängig zu bleiben.

Paypal


Überweisung

kwerfeldein
IBAN: DE0837050198 1933436766
BIC: COLSDE33XXX

Amazon
kwerfeldein @ Spreadshirt


13 Kommentare

Schreib’ einen Kommentar

Netiquette: Bleib freundlich, konstruktiv und beim Thema des Artikels. Mehr dazu.

  1. *klugscheissermodus ein* aufgefriffen, Kompostion – vielleicht solltest Du den Text nochmal durch die Rechtschreibprüfung jagen .. *klugscheissermodus aus*
    Inhaltlich aber wir immer sehr interessant.

  2. Erstmal: Tolle Bilder, toller Beitrag! Balance, so wie es hier genannt wird, ist nicht nur in der Landschaftsfotografie von Bedeutung. Eigentlich merke ich es in jedem meiner Fotos, wenn etwas nicht stimmt. Meistens liegt es dann auch.. an der “Balance”.

  3. Blogartikel dazu: LESENSWERT: #3 | robinfeder.de

  4. Du schreibst “Das Gewicht liegt in diesem Fall in der rechten Bildhälfte und ist wesentlich grösser als das auf der linken.” – leider ist das für mich völlig unverständlich. Worin liegt in diesem Fall der Vorteil des Panoramas? Wo konkret siehts Du “Ungleichgewicht” und wie entsteht das Gleichgewicht? Auf dem ersten ist einfach zu viel drauf, im zweiten entsteht Weite – nicht zuletzt durch das Format. Würde mich freuen, wenn Du dazu nochmal ein bisschen ins Detail gehen könntest. By the Way: handelt es sich um das gleiche Bild, das einfach unterschiedlich geschnitten ist?
    Grüße Blue

  5. Hallo, vielen Dank für eine Kommentare und sorry für den etwas verspäteten Kommentar. War die letzten Tage unterwegs und bin gerade wieder rein.

    @Blue/Marco: Sorry, das das hier nicht ganz eindeutig ist. Zum Einen ist der Aspekt natürlich keine ekzakte Wissensachaft, sondern oft einfach auch eine rein individuelle Entscheidung. Für mich liegt der Vorteil in dem Panorama Format hier, das ich eben genau durch die Weite die dadurch entsteht, und den etwas weniger Aktiven Raum auf der linken Seite, ein Gegengewicht zu der recht “vollen” rechten Seite erreichen konnte. Ähnlich wie man zum Beispiel eine Gabel auf dem Finger balancieren würde.
    Und in diesem Fall hast Du recht, das ich hier zu Beispielzwecken das selbe Foto unterschiedlich beschnitten habe, da ich das erste Bild was ich damals gemacht hatte, und welches mir aus genau dem genannten Grund nicht gefiel, nicht mehr zur Verfügung hatte. Sprich hatte es schon vor Ort gelöscht.

    Ich hoffe es ist nun etwas klarer. Falls nicht lasst doch nochmal einen Kommentar hier.

    Ciao,

    Sven

  6. Blogartikel dazu: Site news, updates, prints and more « Too Much Lattè