kwerfeldein
10. Juli 2009 Lesezeit: ~6 Minuten

Die Belichtungsmessung der Kamera verstehen

Als Hochzeitsfotograf echte Hingucker sichernDies ist ein Gastartikel von Martin Krolop. Gemeinsam mit Marc Gerst ist er selbst Hochzeitsfotograf und ihre Bilder können auf 4ever1.de besichtigt werden. Ausserdem haben die beiden auch ein Blog zum Thema Fashion & Commercial Photography.

Heute wollen wir uns gemeinsam mal mit den Verfahren der Belichtungsmessung innerhalb der Kamera beschäftigen.

REDUCE TO THE MAX heißt das Thema. Denn wir werden mal komplizierte Algorithmen beiseite lassen und die ganze Schose so einfach und simpel wie möglich aufzugliedern. Also wer ab hier eine wissenschaftliche Ausarbeitung erwartet, der ist hier leider Fehl am Platze. Es geht um die Systematik…

Ihr habt euch sicherlich schon oft gefragt, warum zum Henker das letzte Foto jetzt zu hell wurde und warum das danach dann irgendwie unterbelichtet war.

Fragen wir uns doch ersteinmal, was ist “korrekte Belichtung” überhaupt. Wann ist ein Foto korrekt belichtet und wann nicht? Unsere vorschnelle Antwort würde eigentlich lauten: Na wenn die korrekte Menge an Licht auf den Sensor gefallen ist. Aber das eröffnet ja sofort eine weitere Frage. Was ist denn korrekt viel? Gibt es denn da eine Maß? Ein Mengenmaß?

Und die böse Antwort ist: Nein, die gibt es nicht. Denn dann wäre die Sache ja richtig einfach.

Ich will auch ganz kurz erklären warum es keine bestimmte Menge gibt. Fotografieren ist ja das Aufnehmen von reflektiertem Licht. Die Menge an reflektierten Licht ist dabei ja die Farbe bzw. die Helligkeit. Schwarz reflektiert ja super wenig Licht, während weiß sehr viel des einfallenden Lichtspektrums reflektiert. Kurzum, anhand der Menge des reflektierenden Lichts kann man garnicht fest machen, was korrekt belichtet ist.

Wie aber arbeitet dann denn unsere Kamera? Naja, sie rechnet nicht, sie rät eigentlich viel mehr. Vor jedem Foto wird versucht die korrekte Belichtung zu erraten. Ja, auch wenn es irgendwie komisch klingt, dass ein Computer RATEN kann, aber die Kamera macht es.

Stellt euch einfach mal vor, dass die Kamera versucht ein immer gleiches Foto zu erreichen. Immer gleich bedeutet dabei die Helligkeit. Die Kamera möchte jedes Foto gleich “grau” belichten. Grau ist als Helligkeit und nicht als Farbe zu sehen; nicht schwarz und nicht weiß sondern grau.

Die Kamera versucht ein graues Foto zu erzeugen.

Und dafür unterteilt die Kamera das Bild in mehrere Messfelder. Stellt euch dabei vor, dass die Kamera das Bild einfach in gleich große Stücke zerteilt und die Helligkeitswerte jedes einzelnen Stückes wertet. Und dann wird das Bild so belichtet, dass alle Stücke im Mittel ein einheitliches Grau ergeben. Und wir merken sofort, dass dabei die unterschiedlichen Helligkeitswerte sich aufheben können und sollen. Ein richtig heller Himmel kann dabei z.B. das Schwarz des Pullovers des Models aufheben.

Schwarz weiß und grau ergeben wieder grau. Oder auch weiß und dunkles grau!

Wenn wir uns dann mal genau unsere Fotos anschauen, dann werden wir merken, dass auf den meisten der Fotos diese Näherungsrechnung (raten) erstaunlich gut funktioniert. Aber eben nur die meisten und nicht wirklich perfekt.

Was uns als Fotograf dieses Wissen nutzt ist recht einfach zu beantworten. Es geht darum, dass wir schon vorher wissen können wie die Kamera das Bild belichten wird.

Klassisches Beispiel ist weiß vor weißem Hintergrund, das formatfüllend fotografiert werden soll. Die Kamera wird das weiß nicht sehen, wird nicht wissen, dass das Foto auch wirklich weiß werden soll, sondern wird nur merken, dass viel Licht zurück kommt und wird dann einfach die Belichtung so lange zudrehen, dass das Bild “grau” wird… und was passiert wenn die weiße Wand zu kurz belichtet wird. Die Wand wird grau – unterbelichtet.


In der Blendenvorwahl ohne Belichtungskorrektur. Das Foto wird unterbelichtet.

Wenn wir der Kamera jetzt sagen, dass wir weiß fotografieren, dann müssen wir gezielt überbelichten. Dann stimmt auch die Belichtung des fertigen Fotos.


Die Messung der Kamera für das erste Foto ergab­ bei Blende 1.4 einer Belichtungszeit von 1/1000s bei Iso800. Das war das unterbelichtete Foto. Mit der Kamerakorrektur auf +1 Blende überbelichtet stellt die Kamera eine Belichtungszeit von 1/500s ein. Die Korrektur mit dem Belichtungsmesser ergibt, dass die korrigierte Belichtung stimmig ist.

Bevor wir das erste Foto machen, wissen wir, wie das Foto mit der weißen Wand auf die Speicherkarte kommen wird. Und weil wir es jetzt wissen, können wir mit der Belichtungskorrektur der Kamera vorher sagen, dass wir etwas weißes fotografieren wollen und dass die Kamera bitte das Bild “überbelichten” soll. Diese Unterbelichtung ist dann also die korrekte Belichtung.

Überlegt über die Fotos und deren Belichtung nach, bevor ihr fotografiert. Dann könnt ihr vorher kontrollieren und korrigierend eingreifen.

Eingreifen kann man wie schon angesprochen über die Belichtungskorrektur als auch über die Messmethode. Denn diese Methode mit den “Mehrfeld”ern kann ja auch noch umgesetzt werden. Zum Beispiel zu einer Spotmessung. Dabei wird nur ein bestimmter Punkt und die Belichtungsgewichtung miteinbezogen.

Aber wir können das obige Spiel ganz kurz auch mit der Spotmessung durchexerzieren. Denn wenn wir mit dem Spotmesser auf eine schwarze Stelle zielen, so wird die Kamera wieder den selben Fehler wie oben begehen und das Bild diesmal überbelichten.

Egal was wir als Fotografen machen, wir müssen wissen was die Kamera daraus macht und das wissen wir jetzt… ich hoffe auf viele tolle Fotos von uns allen.

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11 Kommentare

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  1. Interessanter Beitrag! Mich würde noch mehr im Detail interessieren, wie und wann man am besten Spotmessung nutzen kann/sollte und auf was man achten muss.

  2. Um mir dieses Rauf- und runterkorrigieren zu ersparen, fotografier ich (fast) immer im M-Modus.

    Außerdem habe ich in der Nachbearbeitung nicht das Problem, dass mehrere Bilder während eines Shootings, einer Hochzeit oder sonst wo unterschiedlich hell sind, sondern dass sie eine konstante Helligkeit aufweisen.

    Außerdem misst die Kamera ja mit und zeigt im Sucher eine Skala an (-2,-1,0,+1,+2), wo man den Wert der Belichtungsmessung sehen kann.
    Somit hat man auch in spontanten Situationen die Blende/Zeit schnell eingestellt.

    Soviel aus meiner Erfahrung…

  3. @Nadi: Es geht ja auch darum, dass man den P-Modus hin und wieder verwendet. Natürlich ist es auch im M-Modus moglich mit der Skala die Messung dan Manuell umzusetzte. Es gibt in der Fotografie nie ein muss für einen Modus. Also musst du auch NICHT immer den P-Modus verwednen.

    Liebe Grüße
    Flo

  4. @Nadi genauso mach ichs auch

    Sucher halb durchdrücken, dann sie Belichtungsmessung im Display ablesen und je nach Situation überbelichten oder eben auf ca. 0 bleiben. Da ich die Blende fast immer ganz auf hab, korrigier ich das mit ISO und Belichungszeit.

    Kann man im AV-Modus geziehlt +1EV einstellen oder? (wie auf dem Bild gesehen). Kenne das gar net..

  5. Entschuldigung das ich das hier so hart ausdrücke, aber dieser Artikel langweilt mich und hat mir auch keine neuen Erkentnisse gebracht. Trotzdem habe ich ihn zuende gelesen.

    Wie die Belichtungsmesssung funktioniert steht eigentlich in jeder Bedienungsanleitung drin, dazu in jedem Anfänger-Fotobuch und wurde auch schon auf diversen Websites zur Genüge durchgekaut.

    Ich warte jetzt eigentlich nur noch auf die dann regelmäßig wiederkehrende Frage was den jetzt besser ist: Matrix oder Spotmessung? -Gähn!(Ich leg mich mal besser wieder hin).

  6. Aus dem gleichen Grund fotografiere ich in letzter Zeit auch immer öfter im M-Modus, vorausgesetzt, dass die Lichtverhältnisse einigermaßen konstant sind.

    Wenn ich den Belichtungsspielraum der Kamera möglichst vollständig ausnutzen will, z.B. wenn der Dynamikbereich der auzunehmenden Szene sehr groß ist, verwende ich die Spotmessung, stelle eine Belichtungskorrektur von +2 Blenden Überbelichtung ein und messe die hellste Stelle des Bildes an, also z.B. die Wolken am Himmel, das Brautkleid oder eine weiße Wand.

    Ganz praktisch finde ich die Spotmessung auch im M-Modus. Da kann ich mit dem „Spot“ die einzelnen Bildbereiche anmessen und sehen, wie hell dieser Bereich auf dem Foto sein wird bzw. ob er über- oder unterbelichtet werden würde.

    Toll wäre, wenn sich die Kamera merken würde, in welchem Modus man welche Belichtungsmessung verwenden möchte. Dann würde ich in den Halbautomatiken (Av, Tv, P) standardmäßig die Integralmessung und im M-Modus die Spotmessung verwenden. Nur leider kann das meine Kamera nicht.

  7. Blogartikel dazu: Links vom Montag, 25. Januar 2010