Kwerfeldein
04. Juli 2009 Lesezeit: ~4 Minuten

Erste Erfahrungen mit der Canon 5D Mark II

robert_kneschke_small_2008-12Dies ist ein Gastartikel von Robert Kneschke. Er arbeitet als freier Fotoproduzent in Köln für verschiedene Bildagenturen. Sein Schwerpunkt liegt auf Stockfotos in den Bereichen Beauty, Business und Emotionen. Er hat eine Webseite und betreibt den Blog “Alltag eines Fotoproduzenten“.

Vor ca. einem Jahr schrieb ich an dieser Stelle einen Erfahrungsbericht über die Canon EOS 5D. Nun arbeite ich seit zwei Monaten mit dem Nachfolger-Modell Canon EOS 5D Mark II. Wieder soll es hier vor allem um subjektive Eindrücke zur Kamera im Vergleich zu ihrer „Mutter“ geben.

Erste Auffälligkeiten
Beim Auspacken der Kamera fiel gleich auf, dass die Akkus anders sind als beim Vorgängermodell. Auch das Akku-Ladegerät ist doppelt so dick. Da ich die andere Kamera als Zweitbody für Notfälle behalte, muss ich nun zwei Typen Akkus und die entsprechenden Ladegeräte mitnehmen. Immerhin kann das gleiche Stromkabel für beide Ladegeräte genutzt werden.

Ebenfalls positiv ist, dass die Restakku-Anzeige genauer geworden ist und nicht nur in zwei Stufen (voll/halb/leer), sondern in vier Stufen angezeigt wird. Ich bilde mir auch ein, dass das Auslösegeräusch etwas leiser geworden ist, aber immer noch (zu) gut hörbar.


Bilder löschen von der Kamera

Während des ersten Shooting-Tages musste ich mich mehrmals zusammenreißen, um meine Bilder nicht zu löschen. Grund war aber nicht die mangelnde Qualität, sondern die Tatsache, dass der Löschen-Knopf jetzt direkt unter dem „Bilder ansehen“-Knopf angebracht wurde – dort, wo genau dieser früher war. Das ist nicht glücklich gelöst.

Der „Löschen“-Knopf musste weichen, weil das Display endlich größer geworden ist. Nun ist es auch möglich, bei der 100%-Ansicht zuverlässig entscheiden zu können, ob ein Foto scharf geworden ist oder nicht. Das war mit der 5D nicht möglich. Für mich ist das einer der wichtigsten Verbesserungen.


Am Ende des ersten Shooting-Tages beim Betrachten der Fotos am Computer fiel mir noch etwas auf. Canon hat mir gleich einen Fettfleck auf dem Sensor mitgeliefert. Ärgerlich. So musste ich gleich eine Nassreinigung des Sensors machen, eine Aufgabe, die ich immer unangenehm, da gefährlich, finde.

Firmware-Update
Der Kaufgrund war aber die neue Video-Funktion. Vor zwei Wochen hätte ich noch viele Meckergründe gehabt: Die Laufzeit beim Aufnehmen wird erst beim Druck auf einen Knopf gezeigt, was für Verwacklungen sorgen kann, die Blende lässt sich nicht manuell einstellen und so weiter. Das hat Canon nun mit dem Firmware-Update 1.10 behoben. Nun muss ich nicht mehr das Objektiv dejustieren (den Trick habe ich vom Traumflieger-Blog).

Ein anderes ärgerliches Detail bleibt
Da ich sehr viel vor weißem Hintergrund fotografiere, fand ich es bei der 5D praktisch, dass ich das Vorschau-Bild „normal“ sehen konnte und mir kurz mit dem Druck auf die „Info“-Taste anzeigen lassen konnte, wo ein Foto überbelichtet sein könnte. Bei der neuen 5D Mark II hingegen ist die Überbelichtungsanzeige bei allen Ansichts-Modi aktiv und so muss ich nun umständlich ins Menü gehen und sie entweder ganz an- oder ausschalten.

Mit ca. 24 MB sind die RAW-Dateien der 5D Mark II in der höchsten Qualitätsstufe auch ca. doppelt so groß wie die 12 MB-RAW-Dateien der 5D. Das belastet den Rechner, den RAW-Konverter und Photoshop-Programm noch mal gehörig. Ein aktueller Computer ist demnach Pflicht und ich musste meinen parallel zum Kamerakauf aufrüsten.



Positiv

Übrigens sind mit der integrierten Sensor-Reinigung, dem Liveview-Modus, dem 3-Zoll-Bildschirm und der besseren Schärfebeurteilung fast alle Wünsche meines letzten Artikels erfüllt worden. Nur auf die zusätzlichen Kreuzsensoren warte ich noch. Darüber hinaus ist die 5D Mark II aber wie ihr Vorgänger ein echtes Arbeitstier. Sehr robust, belastbar und auch im ständigen Einsatz ein hilfreiches Werkzeug.

Ach ja: Wer trotzdem gerne ein Testchart sehen will, hier eine original unbearbeite RAW-Datei aus meiner Canon EOS 5D Mark II, bei der ich den BIOS Pixel Camera Test Chart fotografiert habe (mit dem 85mm f1.2 L bei f5, 1/80 und ISO 1600): Download Raw Datei.

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20 Kommentare

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  1. Schöner Test-Artikel über die Mark II!

    Ich selbst habe sie seit Januar und nur Pech,immer wieder kommt es zu einem Software Fehler. Nun wird sie zum dritten mal eingeschickt.

    Plus in Sachen Support: Zurück kommt immer ein nigelnagel neues Modell.
    Minus: Trotzdem ärgerlich!

  2. Danke Robert für diesen Beitrag,
    tut mal ganz gut, einen „Testbericht“ zu lesen, der nicht vom Hype ergriffen ist und das Ganze (trotz subjektivität) doch sehr objektiv darstellt.

    Wie verhält sich denn die Videofunktionen bei Rißschwenks?
    Das Interessiert mich persönlich SEHR :)

    Gruß
    J-C

  3. @Andreas ich sehe da keinen Widerspruch. Denn Robert kennt „seinen Hafen“ ziemlich gut denke ich. Und große Stockagenturen haben auch gewisse Anforderungen an die Auflösung und Qualität des Materials, da kommt man leider mit einer kleinen EOS nicht so weit.

    Ich – als oller „Nikonianer“ – finde den Testbericht absolut neutral und nicht hochgejubelt – also nixx mit „höher – schneller – weiter“

    J-C

  4. Hallo Robert,
    danke für den Einblick. Gibt es für Dich jetzt Bildagenturen, die Du „zusätzlich“ erreichen kannst?
    Die Frage bezieht sich jetzt eher nicht auf die Microstocks. Mir ist aufgefallen das einige der größeren Agneturen erst ab 15MP akzeptieren, was die zweistelligen und dreistelligen EOS (bspw. unter der 50D bzw. 450D) als Haupt-/Backupkamera dann eher ausschließen würde.

  5. @Daniel: Nein, es hat eher den Vorteil, ggf. größere Auflösungen verkaufen zu können (gegen Aufpreis) bzw. besser Ausschnitte machen zu können.

    @Niko: Da stimmen eher die EXIFs. Ich hatte mehrere Testfotos gemacht, da bin ich anscheinend durcheinander gekommen…

    @Andreas: Ich bleibe dabei, dass die Kamera für gute Fotos nur zweitrangig ist. Ich mache ja auch mit der Mark II keine besseren Bilder als mit der 5D. Aber in bestimmten Punkten erleichtert sie einfach meine Arbeit, z.B. wenn ich den Sensor seltener reinigen muss oder schneller die Schärfe kontrollieren kann.

    Lg, Robert

  6. @J-C: Rißschwenks habe ich noch nicht getestet, aber einen schnellen Autofokus kannst Du bei der Videofunktion noch vergessen. Das Motiv nach dem Schwenk sollte also auf der gleichen Schärfeebene liegen.

    Ich kann ja mal einen Test machen, wenn Du wirklich einen sehen willst. Dann direkt Mail an mich und ich schick Dir ein Video.

    Lg, Robert

  7. Danke für den Artikel – die negativen Gründe kann ich allerdings nicht nachvollziehen, da sie stark auf alten Arbeitsgewohnheiten beruhen und nicht wirklich „objektiv“ sind, auch wenn das sowieso kein Test ist.

    Das mit dem Fettfleck hätte ich nicht akzeptiert und dem Verkäufer zurück gegeben.

  8. Hallo Robert,

    beschäftige mich gerade auch mit der Frage, welche Kamera solls sein? Mich würde interessieren, warum gerade Canon und nicht z.B. Nikon.

    liebe Grüße,
    Sam

  9. @Sam: Warum Canon statt Nikon? Das ist bei mir vor allem Pragmatismus statt Vorliebe: Habe mit Canon angefangen, nie Probleme gehabt und mittlerweile so teure Objektive, dass ein Umstieg sehr teuer wäre. Ich denke, von der Qualität nehmen die sich in den gleichen Preisstufen kaum was.

    Lg, Robert

  10. @Sam: Es gibt keinen Grund, warum ich Canon über Nikon bevorzugen sollte. Ich habe einfach damit angefangen und mittlerweile so viele teure Objektive, dass sich ein Umstieg nicht lohnen würde. Außderm glaube ich, dass sich die beiden Firmen in den gleichen Preisklassen kaum was nehmen.

    Lg, Robert

  11. Blogartikel dazu: Canon EOS 5D Mark II 24-105 L IS USM 21.1 Megapixel schwarz - Canon - Gimahhot

  12. @Robert
    Die aktuellere Technik bringt fast immer „Vorteile“,
    zumindest wenn man genau diese „braucht“.

    @J-C
    Ob Robert seinen Hafen kennt oder nicht spielt für mich gar keine Rolle.Diese Kamera Tests und Previews ect. finde ich nur recht langweilig.Es ist erstens nur einer der dort „bewertet“ und zweitens wird schlußendlich doch wieder der Kaufwille verstärkt.

    LG

    Andreas

  13. Aufgrund der Rezension von Robert (natürlich hat auch Martins ihren Teil dazu beigetragen) und seiner Empfehlung hier und dort für das Kameramodel, habe ich heute zugeschlagen und freue mich schon riesig darauf, die 5D Mark II morgen (hoffentlich) in meinen Händen zu halten.

    Was ich mir im Vergleich zur EOS 580D verspreche? Ein wenig mehr Schärfe, weniger Bildrauschen und ein wertigeres Gefühl in der Hand, ähnlich wie der Umstieg von den billigen Objektiven zur L-Klasse. ;-)

    Stand übrigens auch vor der Qual der Wahl, ob es nicht doch lieber eine 7D werden soll, aber in Sachen Bildqualität heißt es, wäre es wohl kein wirklicher Fortschritt gewesen. Und auf ein neues Model warten? Gut möglich dass was kommt, aber auch entsprechend teurer…

  14. Was mit an der Kamera nicht gefällt ist der Fokus Modus in dunklen Gebäuden und der Fokusmodus der Videofunktion.

    Irgendwie kann ich nur einmal scharf stellen, dann filme ich im LiveViewModus aber wenn ich dann schwenke, stellt er nicht nachträglich scharf. Wenn man dann auf die Fokustaste klickt, hört man das gerät im Video arbeiten. Hat da jemand einen Tick für mich?

    Fokus im Mittenbereich ist gut, aber die Randpunkte werden im dunkeln nicht getroffen, so muss man immer schwenken, was nervig sein kann.

    Den lauten Auslöser kann ich nur bestätigen.

    Ich freue mich schon auf Deinen MKIII Bericht ;-)

    Gruss
    JH

  15. Hallo!
    Ich hab die MK II seit fast 2 Jahren, nun bilde ich mir ein, dass die Kamera in der 100% Ansicht selbst bei höchster Auflösung, RAW-Format und ‚lediglich‘ ISO 500 sehr grobkörnige Bilder erzeugt, ohne dass zu wenig Licht vorhanden ist.
    Meine Frage – habt ihr schon ähnliches erlebt und/oder vom hörensagen mitbekommen?

    Würde mich über konstruktive Hilfe sehr freuen!

    Danke schon mal im Voraus und allen ein gesundes neues Jahr!