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01. Juli 2009 Lesezeit: ~3 Minuten

Portrait- und Fashionfotografie ohne Hilfsmittel

Portrait- und Fashionfotografie ohne HilfsmittelDies ist ein Gastartikel von Martin Krolop. Gemeinsam mit Marc Gerst ist er selbst Hochzeitsfotograf und ihre Bilder können auf 4ever1.de besichtigt werden. Ausserdem haben die beiden auch ein Blog zum Thema Fashion & Commercial Photography.

Wer denkt, dass Fashion- oder Peoplefotografie immer mit enormen Mitteln verbunden sein muss, der irrt gewaltig. Das gigantisch tolle an dieser Art von Fotografie ist ja gerade, dass man alle Möglichkeiten der Welt hat. Es gibt kein “darf nicht” in der Fashionfotografie und Licht muss nicht irgendwie weich oder hart sein, es darf sein wie es gefällt.

Trotzdem gibt es natürlich Fotos die gefallen besonders gut und es gibt Lichtsituationen die wir von unzähligen Zeitschriftencovern kennen und lieben.

Halten wir an dieser Stelle also fest, dass es in der Fashionfotografie keine Pflicht zu einem besonderen Licht gibt. Und die logische Konsequenz daraus ist, dass man auch nicht zwingend viel Ausrüstung an Lichtequipment benötigt.

Bestes Beispiel. Es gibt einen ganz bestimmten Look der von vielen Covern und aus Lifestyle-Zeitschriften bekannt ist. Extrem weiches Licht, Highlights im Hintergrund und stark auf die Augen und das Gesicht konzentriert. Eine Art von Foto die mit wenig Ausrüstung sehr einfach umzusetzen ist. Es geht um weiches Licht und viel weicher als eine Softbox ist doch der Himmel und die Natur selbst. Also bevor wir dabei Lichtausrüstung in Wert von mehreren tausend Euro kaufen, suchen wir doch einfach ewas Schatten. Und hier kommt ein Beispielfoto.

Portrait- und Fashionfotografie ohne Hilfsmittel

Wir sehen ganz deutlich, dass der Look extrem gleichmäßig und weich ist. Die Augen bekommen eine besondere Ausleuchtungscharakteristik. Eine Art gleichmäßigkeit ohne besonderen Augenreflex.

Portrait- und Fashionfotografie ohne Hilfsmittel

Viele Lichtsituationen die in der Natur vorkommen, sind wahrlich perfekt und ideal für die Peoplefotografie. Es gibt Highlights, Schattenwürfe, weiche Ausleuchtung und tolle Hintergründe. Man muss bloß danach suchen und muss sie dann auch finden. Aber das ist leichter als man im ersten Moment denken mag.

Portrait- und Fashionfotografie ohne Hilfsmittel


AL-Fotografie (Available Light) hat viele weitere Vorteile.

  • Als Fotograf weiß man, dass man das Licht so nehmen muss, wie es da ist und das kann eine erhebliche Erleichterung für den Fotografen sein. Wo sonst tausende Möglichkeiten der Veränderungen sind, muss er plötzlich mit ganz anderen Werten punkten.
  • Zudem wird das fotografische Auge geschult, denn Licht muss “erkannt” werden.
  • Spontanität und Flexibilität werden extrem gefordert und der Umgang mit “nur” der Kamera wird intensiviert. Zehn Stunden AL-Fotografie und man ist eins mit der Kamera.

Ich hoffe das reicht als kleines Schmankerl und zum Heißmachen einfach mal komplett ohne Lichtausrüstung rauszugehen und tolle Fotos zu machen. Hier gibt es dazu noch ein paar Beispiele. Alle komplett ohne Lichtformung… Licht wie es eben dort vorhanden war.

Portrait- und Fashionfotografie ohne Hilfsmittel

Belichtungstipps zum Selbermachen

  1. Bei bewölktem Himmel mit der Fotografie anfangen und sich auf Ausdruck und Location konzentrieren.
  2. Bei Sonne in den Schatten und schöne Kontraste und Lichtunterschiede im Hintergrund suchen.
  3. Direkte Sonne bei Nachmittag/Abend nutzen um tieffallende Schatten zu vermeiden.

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37 Kommentare

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  1. Mein Problem bei Outdoorshootings sind meistens die harten Schatten. Ok, hier könnte man sagen „Falsche Tageszeit“ aber manchmal kann man eben nicht erst gegen Abend shooten. Was würdest Du in einem solchen Fall empfehlen? Gut, mit einem Reflektor bekommt man die Schatten weicher, teilweise sind sie aber immer noch da (in störender Form).

    Liebe Grüße
    Julia

  2. Ich bin ganz hin und weg von den Aufnahmen im Wald.
    So eine schöne und herbstliche Stimmung.
    Und – Hallo! – die Augen der ersten beiden Modelle sind ja wohl mal ein Traum! Dagegen kann doch jedes „angesagt moderne“ Ringlicht-Kringel-in-den-Augen Bild einpacken ;-)

  3. Die Einfachsten Tricks sind immer die besten. Auch wenn das jetzt kein Trick war, dennoch ist es einfach. Da ich mich nicht mit Lichtformern und Blitzen und dem ganzen Geraffel auskenne, kann ich „nur“ AL nutzen. Und ich finde es immerwieder spannend. Es macht Spass und man muss sich mehr anstengen ein gutes Foto hinzubekommen, als wenn ich mir meinen Lichtaufbau selbst gestallte.

  4. @Martin:

    Verstehe ich das richtig? Das erste Foto soll ohne Blitz, Reflektor oder Aufheller entstanden sein?

    Da die Sonne von hinten zu kommen scheint, wirkt es für mich eher so als wäre das Gesicht von vorne aufgehellt worden…

    Lg, Robert

  5. Meine Worte!

    Tolles Licht gibts auch drinnen in einem Raum mit großem Fenster und eventuell Gardine

    Hier befindet sich das offene Fenster direkt im Rücken des Models:

    Viele Grüße von Zippo!

  6. Das hat jetzt aber nicht nur mit AL zu tun, sondern an den Bildern wurde auch enorm Bildbearbeitung betrieben … ich stelle mich nicht einfach in die Natur und knipse dann solche Augen – das erste Foto ist super.

  7. Schöner Beitrag, Martin
    Erinnert mich ein bissl an einen anderen Post bei dir im Blog. Aber bei AL würde ich (sofern vorhanden) immer nen Reflektor mitnehmen (am besten so ein 5 in 1 Teil, damit kann man auch abschatten und die Teile sind prima kompakt)
    @Julia : Mit nem 5in1 kann man auch das Licht etwas diffuser machen (dann sollte der 5in1 aber schon so mind. 80cm Durchmesser haben). Sollte gegen zu harte Schatten helfen

    Ansonsten such Dir mal ne schattige Ecke siehe :
    http://www.krolop-gerst.com/blog/general/setup-10-mother-nature-softbox/
    :D

  8. Wahnsinnig tolle Fotos, schön geschrieben! Mir geht es wie Julia, auch wenn ich spät am Nachmittag draussen fotografiere habe ich oft mit harten Schatten zu kämpfen und würde mich da über einen Tip freuen!

  9. Danke für diesen Artikel! Da ich wenig Kohle für grosse Ausrüstung habe, bin ich gezwungen OHNE künstliche Lichtquellen (ich habe nicht mal einen Aufsteckblitz) loszuziehen. Dein Artikel macht mir Hoffnung, dass ich damit doch weiter kommen kann. Vielleicht kann mich das motivieren weiter zu üben in diesem Bereich. LG Frau Zausel

  10. Blogartikel dazu: Schwarzer-Henker.de » Es werde Licht ! Oder auch nicht !

  11. Absolute Zustimmung! Das Mitschleppen des ganzen Equipments ist doch sehr nervig. Meine Bilder entstehen quasi alle bei natürlichem Licht und es macht auch einfach Spaß, zu erkennen, wie sich das vorhandene Licht auf das Bild auswirkt.

    Ein Tipp noch für alle die es ausprobieren wollen: Spotmessung ist Pflicht! Damit vermeidet man dunkle Gesichter vor hellem Hintergrund – wobei man diese Situation am besten ganz umgeht. Aber immer drauf achten, wo die Schärfe hin soll, denn die liegt auch genau auf diesem Punkt…

  12. Danke für diesen schönen Artikel. Bisher habe ich bei allen meinen Fotos auf jegliche Zusatzausrüstung verzichtet. Zum einen weil mir das nötige Kleingeld fehlt, zum anderen weil ich eh zu faul bin, dass alles mit mir rumzuschleppen und zu guterletzt weil es mir einfach Spass macht die vorhandenen Möglichkeiten auszuschöpfen.

  13. Hab nun seit einigen Tagen mich auch mit Portrait-,Beauty-, Fashinfotografie beschäftigt und mich an die Fortgeschrittene Nachbearbeitung in PS gewagt. Dabei merkt man erst wieviel arbeit man sich ersparen kann wenn man das Licht Richtig setzt bzw. nutz besonders im Gesichtbereich.

    Danach geht man ganz anders an ein Shooting dran und macht sich viel viel viel mehr Gedanken vorhher – bevor man wie ein Verrückter auf den Auslöser hämmert.

  14. Hallo Daniel,

    vielen Dank für den Tipp, muss ich mir mal einen besorgen. Mir ist heute Mittag spontan noch eine Frage zu den Bildern eingefallen: Und zwar: Wie schaffst Du diesen tollen Glanz in den Augen der Models (z.B. bei Bild 1)?

    Liebe Grüße
    Julia

  15. Sollte man den Titel „Portrait- und Fashionfotografie ohne Hilfsmittel“ vielleicht umbenennen in „Portrait- und Fashionfotografie ohne Hilfsmittel aber mit Photoshop“? Kommt mir ein wenig vor wie „Man braucht keine Hilfsmittel, kann man auch in Photoshop schön-basteln!“ – oder? Gerade hier würde mich deswegen das „Out of the box“ interessieren.
    Ansonsten mal wieder ein Beitrag mit wirklich hervorragenden Bildern und Informationen, die man sich entweder selbst denken kann oder schon zichfach runtergebetet bekommen hat auf anderen Webseiten oder in Büchern/Zeitschriften. Immer schön an der Oberfläche, bloß kein Making of, aber immer im Tenor „Hey, und Ihr könnt das auch schaffen!“ – ja, vielleicht glaubts tatsächlich jemand. Für mich ein „schade“ – Thema gut angerissen aber eben auch nicht mehr…wo mehr drin gewesen wär.

  16. Also das mit den Augen ist ein SPECIAL SPECIAL SUPER TRICK! Man nehme einen silbernen Reflektor und halte es dem Model ziemlich lange direkt in die offenen Augen. Dann fangen die Augen an zu tränen und wenn man dann im richtigen Moment fotografiert, dann kriegt man durch die Spiegelung die Umgebung mit abgebildet.
    Geht auch mit ein paar Augentropfen! Vorsichtig und mit Bedarf aufgetragen!

    Die Spiegelungen sind die Abbildungen aller Sachen durmherum. Also Horizont z.B…. Baumlinie… Wolken… alles.

    Man sollte etwas überbelichten dafür!!!

  17. @BLUE
    Also das mit den „KEINEN INFOS, NUR AN DER OBERFLÄCHE“ stimmt ja wohl nicht so ganz! Ich schätze einfach, dass du keine Ahnung hast, von unserem Blog oder unserer Arbeitsweise. Wir zeigen, was es zu zeigen gibt!
    Ich werd einfach mal ein paar RAWs raussuchen und dann bei uns im Blog zeigen!

    LG
    Martin

  18. Ich bin schon immer ein Verfechter der Available Light Fotografie gewesen. Ich mag solche Personenaufläufe á la Annie Leibowitz nicht, wenn sie mit einem Stab von Helfern und Beleuchtungsmitteln ihre Modelle fotografiert. Zugegeben: die Ergebnisse sprechen zwar für sich, aber ich frage mich dabei immer wieder, wie man das gleiche Resultat mit weniger Aufwand auch erreichen könnte. Immerhin kann man daraus auch gut lernen und eigene Erkenntnisse ziehen.

    Ebenso dreht sich mir der Magen um, wenn ich sehe, wie ein Fotograf (den Namen nenne ich mal nicht) Portraits schiesst. Vier Lichtwannen direkt von vorne, zwei unten, zwei oben. Und durch den Schlitz in der Mitte wird fotografiert. Das kann doch nur platt ausgeleuchtet werden. Wieso nicht einfach mal etwas einfacher und natürlicher mit dem Licht, was sowieso immer vorhanden ist? Dann wirken die Bilder meiner Meinung nach auch gleich viel authentischer.

    Naja – letztendlich zählt aber in allen Fällen nur das Ergebnis. Und dem Bild sieht man es nicht an, mit wie viel (oder wenig) Aufwand es gemacht wurde.

  19. Ich kann mich dem nur anschliessen; ich wuerde auch gerne mehr von Martin Krolop lesen und sehen; gerne auch ganz konkrete Tutorials in welche Richtung auch immer.
    Ich fuer meinen Teil finde AL schwieriger, weil schlechter vorhersehbar, aber jedoch nicht unbedingt anspruchsvoller als beispielsweise das entfesselte Blitzen.

    Ich denke die alles entscheidende Frage ist welchen Look man haben moechte. AL kann stimmungsvoller und schoener sein, muss aber nicht.
    Gerade bei mir in Holland empfinde ich das Umgebungslicht oft als ‚haesslich‘, weshalb ich gerne auf kuenstliches Licht umsteige. Anspruchsvoller ist fuer mich aber nach wie vor das entfesselte Blitzen eben weil es ganz neue Tueren eroeffnet und aus meiner Sicht mehr Flexibilitaet gibt. Klar ist, dass ad hoc Shoots mit AL einfach mehr Spass haben. Man shootet schneller und mobiler.
    Gerade bei dem starken Wind zuhause nervt es schon gewaltig, dass eigentlich immer jemand mit dabei sein muss, der auf die Schirme aufpasst. Das macht die ganze Sache oft etwas unspontan und schwerfaellig.

    Viele Gruesse aus Chiang Mai!

  20. So wie es aussieht scheinen dann also doch noch andere Hilfsmittel zum Einsatz gekommen sein, oder wie? Falls ja, finde ich diesen Artikel sehr schade, den Leser so für dumm zu verkaufen.

    Grüße
    Julia

  21. Es gibt kein schöneres Licht als das der Sonne, da muss ich dem Schreiberling hier absolut recht geben. Fashion-Shootings im Studio sind meist absolut unnötig, weil man on-Location nicht nur das schönere Licht, sondern oft auch die interessanteren Hintergründe findet.
    @D.Schulz
    Schau mal bei Second-Hand Läden oder Köstümverleihen. In Berlin kann ich die schwarze Truhe empfehlen!

  22. Hallo! Danke für den Artikel! Könntest du einen Tipp bzgl. Literatur zu AL Fotografie geben? Ich bin gerade am Recherchieren, habe aber bisher wenig Brauchbares gefunden. Liebe Grüße!