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29. Juni 2009 Lesezeit: ~8 Minuten

Unterwasserfotografie – mit der Kamera auf Tauchstation

Dieser Gastbeitrag ist von Adrian Schöne, einem IT-Systemadministrator und freiberuflichen Unterwasserfotografen. Eine kleine Auswahl an Unterwasserfotos zeigt er in seinem Portfolio. In seinem Blog rund ums Thema Tauchen findet man Tipps zur Unterwasserfotografie und mehr.

Unterwasserfotografie - mit der Kamera auf Tauchstation

Jeder Taucher kennt die Situation, man erzählt von Erlebnissen aus dem letzten Tauchurlaub und versprüht pure Begeisterung. Leider können sich viele Nicht-Taucher die Farben und Formen oftmals nur schwer vorstellen, sodass viele Taucher schnell zu einer Kamera samt Unterwassergehäuse greifen. Eine Unterwasserkamera gehört unter Tauchern mittlerweile zum guten Tenor und ist ein beliebtes Ausrüstungsstück geworden. Das war vor zehn Jahren zu analogen Zeiten noch völlig undenkbar, denn die Preise waren viel zu hoch um den Massenmarkt zu erreichen. Heute, in der digitalen Zeit, können Kompaktkameras samt Unterwassergehäuse teilweise für weniger als 400 € gekauft werden.

In voller Erwartung fahren viele Neubesitzer in den Urlaub und fotografieren was das Zeug hält. Es werden traumhafte Riffe im blauen Antlitz der Meere fotografiert – Haie oder Delfine dürfen natürlich auch nicht fehlen. Nach dem Tauchurlaub macht sich Zuhause angekommen oftmals Ernüchterung breit. Das Ergebnis des letzten Tauchurlaubs? Hunderte Fotos, die völlig blaustichig, kontrastlos und unscharf über den heimischen Bildschirm laufen.

In diesem kleinen Artikel möchte ich einen kurzen Überblick geben, wie man diese Enttäuschung vermeiden kann. Man muss im ersten Schritt verstehen, dass die Unterwasserfotografie eine völlig andere Art der Fotografie ist. Der Weg zum „perfekten“ Bild ist aufgrund vorherrschender physikalischer Bedingungen schwerer. Es gibt viele Grundlagen, die sowohl über als auch unter Wasser gelten – wie z.B. die Wirkung der Blende/Verschlusszeit. In der Unterwasserfotografie muss man Probleme wie z.B. schlechte Sicht (durch Sediment), fehlendes Licht oder Absorption des Farbspektrums bewältigen, die unter normalen Umständen an Land nicht vorhanden sind. Viele Leser werden sich jetzt sicherlich fragen, was man unter Absorption des Farbspektrums zu verstehen hat.

Grob gesagt: Mit zunehmender Tauchtiefe werden Farbanteile durch das Wasser absorbiert und gefiltert. Die ersten Rotanteile werden bereits ab einem Meter Tauchtiefe gefiltert. Ab einer Tauchtiefe von 5 Metern ist bereits der orangene Farbanteil verschwunden. Mit zunehmender Tiefe verschwinden weitere Farbanteile wie z.B. Gelb und Grün. Diese Absorption ist der Grund warum die meisten Unterwasserbilder grün- (im See) oder blaustichig (im Meer) sind. Die Unterwasserfotos wirken farblos und verwaschen.

Unterwasserfotografie - mit der Kamera auf Tauchstation

Dieses Problem wird uns in der Unterwasserfotografie immer begleiten. Natürlich gibt es für dieses Problem eine Lösung. Der erste Schritt für gute Unterwasserfotos ist der Kauf der passenden Fotoausrüstung. Es müssen nicht gleich ein paar Tausend Euro in die Ausrüstung investiert werden, damit man schöne Erinnerungsfotos für Freunde und Familie mit nach Hause bringen kann.

Unterwasserfotografie - mit der Kamera auf Tauchstation

Das erste Werkzeug, welches wir brauchen, ist die Kamera. Hier muss klar zwischen Kompaktkamera und DSLR unterschieden werden. Der Einstieg mit Kompaktkamera ist wesentlich günstiger, denn nicht die Kamera ist teuer, sondern das Unterwassergehäuse und das benötigte Zubehör. Sicherlich ist die Qualität einer Kompaktkamera nicht mit einer DSLR und all Ihrer Vorzüge zu vergleichen, aber es geht bei dieser Entscheidung um mind. 4000 € Preisdifferenz.

Unterwasserfotografie - mit der Kamera auf Tauchstation

Ein Anfänger sollte immer mit einer Kompaktkamera beginnen, denn nicht jeder findet Spaß daran. Bei der Kameraauswahl sollte man darauf achten, dass man möglichst alles manuell einstellen kann. Das Zusammenspiel von Blende, Verschlusszeit, ISO und Weissabgleich spielen in der Unterwasserfotografie eine besondere Rolle. Kameras und deren Automatikprogramme sind für den Landeinsatz konzipiert und eignen sich oftmals nicht für die Nutzung in der Unterwasserfotografie, da die Algorithmen die physikalischen Bedingungen unter Wasser nicht berücksichtigen können. Es gibt einige Kamerahersteller, die einen sog. „Unterwassermodus“ anbieten. Dieser „Unterwassermodus“ verspricht den Kunden farbenfrohe und lebendige Fotos – ohne zusätzlichem Zubehör. Solche Kameras sollten nicht in die engere Auswahl kommen, da es sich um einen reinen Marketing-Gag handelt. Dieser Modus verändert oftmals lediglich den Weissabgleich. Ein passender Weissabgleich reicht für gute Unterwasserfotos nicht aus – zudem hängt der Weissabgleich von vielen Randbedingungen wie z.B. Tiefe, Stand der Sonne und Süss- oder Salzwasser ab. Bevor es zum Kauf der Kamera kommt, muss unbedingt geprüft werden, ob es für diese Kamera ein Unterwassergehäuse gibt. Es gibt einige Hersteller, die passende Unterwassergehäuse zu ihren Kameras anbieten oder Fremdhersteller, die für eine spezielle Kamera ein Gehäuse anbieten.

Unterwasserfotografie - mit der Kamera auf Tauchstation

Bei dem Unterwassergehäuse gibt es auch einige Sachen zu beachten. Es sollten alle wichtigen Funktionen (z.B. Blende, Verschlusszeit, etc.) bedienbar sein. Ein entscheidendes Kriterium ist die Möglichkeit einen externen Blitz zu benutzen. Wenn man einen externen Blitz nicht verwenden kann, ist das Gehäuse für die Unterwasserfotografie gänzlich ungeeignet. Es gibt verschiedene Möglichkeiten einen externen Blitz anzusteuern. In der Kompaktklasse hat es sich durchgesetzt, dass der interne Blitz der Kompaktkamera über ein fiberoptisches Kabel den externen Blitz auslöst. Nikonos 5 oder Canon S6 sind die beiden anderen Anschlussarten, die in der Unterwasserfotografie (meist in Verbindung mit einer DSLR) genutzt werden.

Unterwasserfotografie - mit der Kamera auf Tauchstation

Ist eine Entscheidung für Kamera und Unterwassergehäuse gefallen fehlt noch ein entscheidendes Werkzeug. Wir müssen uns um eine Lösung für Absorption der Farben bemühen. Ist der Einsatz von Blitzgeräten über Land oft verpönt, ist es in der Unterwasserfotografie ein absolutes Muss (es gibt auch kleine Ausnahmen). Das Blitzgerät agiert in der Unterwasserfotografie wie ein Farbpinsel. Er bringt bei richtiger Verwendung die Farben wieder zum Leuchten. Natürlich gelten für das künstliche Licht die gleichen Bedingungen wie für das Sonnenlicht. Aus diesem Grunde ist ein max. Abstand von 1 – 1,5 Meter zwischen Kamera/Blitz und Objekt einzuhalten.

Es gibt zahlreiche Anbieter, die spezielle Unterwasserblitze anbieten. Systemblitze sind nur bedingt geeignet, da sowohl die Leistung als auch der Ausleuchtwinkel für viele Bildsituationen nicht ausreichend ist.

Sea & Sea, INON und Ikelite sind renommierte Hersteller, die für jede Preisklasse Unterwasserblitze anbieten. Der Unterwasserblitz sollte natürlich passend zum Unterwassergehäuse ausgewählt werden.

Unterwasserfotografie - mit der Kamera auf Tauchstation

Sobald die technische Grundlage geschaffen ist, müssen die fotografischen Grundlagen erarbeitet werden. Als Neueinsteiger bieten sich z.B. Wochenendkurse in deutschen Seen an. Es gibt mittlerweile viele Tauchbasen, die spezielle Fotokurse zum Thema Unterwasserfotografie anbieten. Der größte Tauchverband PADI hat vor einigen Jahren mit großem Erfolg den Kurs „Digital Underwater Photographer“ eingeführt. Die Kurskosten liegen meistens zwischen 150 und 200 €. In diesen Kursen werden viele nützliche Tipps praxisnah in Übungen umgesetzt und der Kursteilnehmer lernt in einer fremden Umgebung das Licht zu lesen. Die Qualität des Kurses hängt, wie in vielen anderen Bereichen, von den Kursleitern ab. Es ist ein Unterschied, ob ich einen „Padi Digital Underwater Photographer“ bei einem Unterwasserfotografen mit langjähriger Erfahrung mache oder bei einem Tauchlehrer, der kurz das Kursbuch gelesen hat. Vorab sollte immer geklärt werden, wer der Kursleiter ist und welche Erfahrungen er mit der Unterwasserfotografie hat. Ein Blick auf die Fotos genügt, um einschätzen zu können, ob der Kursleiter die Materie beherrscht oder nicht.

Ich empfehle solche Kurse sehr gerne weiter, weil man innerhalb von zwei Tagen eine Menge Wissen aufbauen kann, wofür andere Fotografen vorher Jahre gebraucht haben. Der Kursteilnehmer ist danach noch lange kein Profi, aber es ist ein gutes Fundament gelegt. Aufbauend auf einem Kurs kann man sich im Buchhandel sehr gute Fachbücher kaufen, die von erfahrenen Unterwasserfotografen geschrieben wurden. Es gibt wenige Bereiche, wo der Satz „Übung macht den Meister!“, den Lernprozess so treffend beschreibt.

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