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27. Juni 2009 Lesezeit: ~6 Minuten

Zoom vs. Festbrennweite: Ein Vergleich

Zoom vs. FestbrennweiteDieser Gastbeitrag ist von Philippe Schrettenbrunner, einem IT-Berater und leidenschaftlichen Fotografen aus München. Er betreibt ein eigenes Fotografie-Blog phischeye und twittert.

Wer heute eine Kamera kauft, erwartet, dass man mit ihr zoomen kann. Ein einfacher Dreh am Objektiv wechselt komfortabel zwischen Weitwinkel und Tele. Jede handelsübliche Kompakt- oder Bridgekamera hat so eine variable Brennweite, die üblicherweise in Form eines X-fach Zooms angegeben wird. Doch Zoomobjektive sind nicht nur bei Konsumerkameras etabliert. Auch DSLR-Kits enthalten neben dem Body ein Zoomobjektiv. Offensichtlich ist die Nachfrage so groß, dass es sich nicht rentiert, Kameras ohne Zoom auf den Markt zu bringen.

Andererseits liest man im Internet immer wieder von Festbrennweiten, also Objektiven, mit denen man nicht zoomen kann. Diese sollen schärfere, schönere und bessere Bilder machen. Aber stimmt das?

Sind Festbrennweiten besser als Zoomobjektive?

Zooms und Festbrennweiten sind vom Aufbau her nahezu identisch: in einem Gehäuse sind Linsen angebracht, die das einfallende Licht bündeln und auf dem Sensor ein Abbild des Objekts erzeugen. Bei Zooms können die Linsen in einem komplexen System verschoben werden, so dass sich unterschiedliche Brennweiten einstellen lassen. Im Gegensatz dazu sind die Linsen bei Festbrennweiten unbeweglich verbaut, weswegen sie nur eine Brennweite haben.

Der einzige Unterschied ist also, dass man bei Zooms die Brennweite ändern kann und bei Festbrennweiten nicht. Ansonsten verhalten sich die Objektive gleich.
Stellt man, bei unveränderter Belichtungszeit und Empfindlichkeit, an einem Zoom die gleiche Blende und Brennweite wie an einer Festbrennweite ein, erhält man den selben Bildausschnitt, die identische Belichtung und die gleiche Schärfentiefe.

Welchen Unterschied macht es also, ob man die Brennweite ändern kann? Und worauf wirkt sich das aus? Nun, die unterschiedliche Bauweise hat Einfluss auf das Gewicht, den Preis, die Bildqualität und die Lichtstärke. Und somit doch auch auf das Bild.

Gewicht

Durch eine einfachere Bauweise sind viele Festbrennweiten leichter als Zoomobjektive mit vergleichbarer Brennweite. Dies liegt meistens daran, dass weniger Linsen verbaut werden müssen und diese fest in das Gehäuse integriert werden können. Weniger Material führt zu weniger Gewicht.
Zoomobjektive benötigen neben den Linsen selbst noch eine Vorrichtung, die diese zueinander verschiebt. Nur so sind unterschiedliche Brennweiten möglich. Darauf kann bei Festbrennweiten verzichtet werden. Dies und eventuell zusätzliche Linsen machen Zooms schwerer.

Preis
Viele Festbrennweiten sind günstiger als vergleichbare Zoomobjektive, was ebenfalls auf die einfachere Bauweise zurückzuführen ist. Außerdem können für die Linsen Gläser verwendet werden, die ausschließlich in der einen Brennweite ihr Optimum haben. Somit lassen sich Kosten sparen.
Allgemein stellt ein Zoom höhere Anforderungen an die Linsen, da sie unter verschiedenen Brennweiten gleich gute Ergebnisse liefern müssen. Solche Gläser sind in der Regel aufwendiger und teurer in der Herstellung.

Bildqualität
Festbrennweiten punkten bei der Bildqualität. Da die Objektive exakt auf eine Brennweite eingestellt und justiert sind, ermöglichen sie sehr scharfe Bilder. Es gibt, mal abgesehen vom Fokus, keine beweglichen Teile, die ausleiern oder verschleißen könnten. Zusätzlich sind die Linsen für diese eine Brennweite optimiert, weswegen Verzerrungen und Vignettierung selten vorkommen. Bei Zoomobjektive lässt oft die Abbildungsqualität nach, je näher man an die kleinst- bzw. größtmögliche Brennweite kommt.

Mittlerweile ist der qualitative Vorsprung von Festbrennweiten allerdings nicht mehr so groß, wie er früher einmal war. Dank der starken Nachfrage nach Zoomobjektiven, sowohl von Amateuren als auch von Profis, hat sich deren Qualität in den letzten Jahren deutlich verbessert. Hochwertige Zooms halten in Sachen Bildqualität in jedem Fall mit Festbrennweiten mit.

Lichtstärke
Das Hauptargument für Festbrennweiten ist jedoch die extrem große Blende. Auf Grund der einfacheren Bauweise können Festbrennweiten erheblich lichtstärker sein als Zoomobjektive. Somit eigenen sich Festbrennweiten insbesondere für Situationen mit schlechten Lichtverhältnissen. Sie ermöglichen noch Available-Light-Aufnahmen, wo andernfalls auf einen Blitz, eine höhere ISO oder längere Belichtungszeit zurückgegriffen werden müsste.
Festbrennweiten mit einer Anfangsblende von f/1.8 sind keine Seltenheit, es gibt sogar welche mit Werten von f/1.2. Derartige Blendenwerte erreicht nahezu kein Zoom.

Neben der besseren Lichtausbeute ermöglicht die große Blendenöffnung auch eine geringe Schärfentiefe, was insbesondere bei Portraits gefragt ist.

Allerdings ist der Vergleich von Festbrennweiten und Zooms nicht ganz so einfach, wie ich ihn gerade dargestellt habe.

Sowohl beim Gewicht als auch beim Preis gibt es einen Haken. Hier wird immer nur pro Objektiv verglichen. Es wird ignoriert, dass das Zoomobjektiv eigentlich mehreren Festbrennweiten entspricht. So müsste man z.B. ein 24-70mm Objektiv fairerweise mit mindestens drei Festbrennweiten (z.B. 24mm, 35mm und 50mm) vergleichen. In der Summe sind dann mehrere Festbrennweiten schwerer und teurer als das eine Zoom.

Umgekehrt sollte man bei der Bildqualität beachten, dass Festbrennweiten Blendenwerte erreichen können, die mit einem Zoom nicht möglich sind. Gerade bei schlechten Lichtbedingung benötigt man aber lichtstarke Objektive, um bei kurzer Belichtungszeit noch mit geringer ISO und ohne Blitz arbeiten zu können. Andernfalls kann das Bild verrauschen oder verwackeln. Somit kann unter bestimmten Lichtverhältnissen eine Festbrennweite durchaus bessere Bilder machen, da sie Einstellungen erlaubt, die ein Zoom nicht hat.

Was ist nun besser?

Qualitativ gibt es an Zoomobjektiven nichts auszusetzen. Auf Grund der extremen Lichtstärke sind Festbrennweiten aber eine gute Ergänzung.

Ich selbst besitze sowohl Zoomobjektive als auch Festbrennweiten. Dabei setze ich On-Location so gut wie immer auf Zooms, da sie mir maximale Flexibilität geben. Außerdem erspare ich mir Objektivwechsel, die ich insbesondere in staubigem oder feuchtem Umfeld vermeiden möchte.
Im Studio hingegen setze ich neben Zooms sehr gerne Festbrennweiten ein. Hier habe ich die Zeit und Ruhe, immer wieder mal das Objektiv zu wechseln. Als Portraitfotograf schätze ich insbesondere die geringe Schärfentiefe, die die große Offenblende bietet.

Um meinen fotografischen Blick zu schärfen, gehe ich jedoch immer wieder gerne mal nur mit einer Festbrennweite auf Tour. Mein Ziel dabei ist es, die Komfortzone des Zooms zu verlassen und mich somit bewusst und aktiv mit dem Bildausschnitt und -gestaltung zu befassen.

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25 Kommentare

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  1. Interessanter Beitrag.
    Habe erst gestern wieder ausgiebig mit dem 50mm 1,8 von Nikon fotografiert und war/bin eben beim Auswerten der Bilder total begeistert, wie viel man aus dem wenigen Licht, das es in einem Zirkuszelt gibt, mit 1,8 herausholen kann.
    Will es nicht mehr missen (auch wenn ich so ein sau altes hab, mit dem ich keine Belichtungssteuerung und AF habe und alles selbst einstellen darf – dabei aber viel lerne).
    Aber auch meine Zooms möchte ich nicht missen, gerade, wenn es in den Weitwinkel oder extremen Zoom Bereich geht.

    Lg. david

  2. Den letzten Abschnitt vom Beitrag finde ich ganz besonders wichtig.

    Wie oft sieht man Fotografen mit ihren Superzooms vor einem Motiv stehen und zoomen und zoomen. Nach einer Weile wird dann aufgegeben und weitergegangen. Mit einer Festbrennweite ist man immer „unterwegs“. Vor, zurück, von unten, von oben usw. So ist man einfach kreativer!

    Übrigens gibt es schon Festbrennweiten mit Blende f0.95. Dieses neue 50mm Objektiv von Leica (Noctilux) soll sogar die Wahrnehmungsfähigkeit des menschlichen Auges bei Available-Light-Fotografie übertreffen.

  3. Ui – danke für den ausführlichen Beitrag. Ich kann mich deinen Ausführungen durchaus anschließen.
    Ich hatte ein billiges Kitzoomobjektiv (28-80) und war damit zufrieden, bis ich mir eine 50mm Festbrennweite geholt habe – da war ich von der Schärfe und der Kontrastwiedergabe förmlich geflashed und habe ab da nur noch auf Festbrennweiten geschworen, bis mir mal – ganz zufällig – ein 70-200 2.8 ins Haus geflattert kam – obwohl ich skeptisch war konnte mich diese Linse durchaus überzeugen und ist im Studio zu meinem „Immerdrauf“ geworden.

    Einen Unterschied zwischen Zooms und Festbrennweiten würde ich noch festhalten: es gibt wenige qualitativ „schlechte“ / „billige“ Festebrennweiten – bei den Zooms (oft – nicht immer – Kitzooms) sieht das schon anders aus. Eben weil da oft auch die „Einsteigergelüste“ damit befriedigt werden.

    J-C

  4. @J-C Das hast du recht: bei Zooms ist die Zielgruppe Amateur bis Profi. Festbrennweiten richten sich eher an erfahrene Fotografen.

    Dazu kommt, dass man bei einem Zoomobjektiv tolerieren kann, wenn nur der mittlere Brennweitenbereich gut ist und am Rand die Abbildungsleistung abnimmt. Frei nach dem Motto: Hier ist es gut und trotzdem kann auch, wenn auch mit einigen Abstichen, in die Extreme gehen.

    Eine Festbrennweite, die bei bei genau dieser Brennweite Bildfehler hat, ist irgendwo witzlos.

  5. ich würde ja lieber mit 2-3 Festbrennweiten arbeiten

    aber für Pentax gibts nichts vernünftiges, was ich Analog und Digital verwenden kann

    Analog habe ich 2 alte Festbrennweiten 50mm und 135mm, die reichen mir in den meisten fällen aus

  6. Ich hab mal eben etwas recherchiert … Zeiss (wer sonst ;) ) hat noch 2 krasse Festbrennweiten konstruiert:

    50mm f/0.7 für Stanley Kubrik
    http://www.visual-memory.co.uk/sk/ac/len/page1.htm

    210mm f/0.3 „Night Owl“
    http://zeiss.hp.infoseek.co.jp/na-nmirotar.htm

    „Photography’s “Night Owl” N-Mirotar Night Telephoto lens

    A unique 210 mm telephoto lens for night photography. The N-Mirotar has the capacity to transform subjects invisible to the naked eye in near-pitch darkness into bright illuminated daylight-type scenes. Using only general-purpose black and white films, the image amplifier tube of the N-Mirotar intensifies residual light of the scenes 80,000 times and passes it on to the macro lens which delivers illumination to the film plane at 2,500 times the intensity of an f/1.4 lens. The effective lens speed is f/0.03. The N-Mirotar features a special grip for easy handheld shooting and operates up to 40 hrs. on two 1.5V penlight batteries.“ ( http://www.ojodigital.com/foro/1184650-post20.html )

  7. sehr schöner vergleich!
    ich selbst fotografiere sehr gern und häufig mit festbrennweiten – die geringe schärfentiefe, die hohe lichtstärke und die abbildungsqualität sind punkte die ich nicht missen möchte.
    das „sich einlassen“ auf nur eine festbrennweite (z.b. bei einer fototour) ist ein fotografischer ansporn und zeigt die kreativität im rahmen der gegebenheiten!

  8. Ich selber benutz ein 50mm 1.4 von canon. Tolles teil allerdings nicht immer ganz einfach mit der Schärfe umzugehen. Leicht sitz mal die Schärfeebene am Ohr ^^

    Ich überleg mir aber ein 70-200 mm für portrais zuzulegen.

  9. Ich fotografiere ausschließlich mit Festbrennweiten – sogar auf Hochzeiten (dafür dann aber mit 2 Kameras). Natürlich ist man damit nicht ganz so flexibel wie mit einem Zoomobjektiv aber die Lichtstärke ist durch nichts zu ersetzen, besonders wenn man abends on location fotografiert!

  10. Ich fotografiere seit einem Jahr nur noch mit Festbrennweiten, man gewöhnt sich viel zu schnell an die gute Qualität und vor allem die Lichtstärke. Gäbe es ein bezahlbares Zoomobjektiv mit 1.4 würd ich es sicher kaufen, bis dahin bleib ich bei FBW.
    Heut fotografierte ich auf einer Hochzeit, ein Gast fragte: „Wollen sie näher ran?Ach nee, sie haben ja Zoom, was?“- sein Gesicht war göttlich, als ich ihm klar machte, dass ich tatsächlich keinen Zoom habe…

  11. Es gibt einfach zu viele Bereiche, wo man in den „richtigen“ Abständen für die existierenden Festbrennweiten einfach nicht mit der Kamera hinkann. Oder man kann einfach nicht schnell genug sein, selbst wenn man zwei oder mehr Bodys mit vormontierten Objektiven hat. (Sport, Tiere).
    Alles in allem genommen hat man am Ende doch sowieso sowohl mehrere Zooms als auch mehrere FBW. :-)

  12. @jana – ja, solche ähnlichen Situationen kenn ich auch: irgendwie hat es sich in der gesellschaftlichen Sichtweise etabliert, dass ein „großes“ Objektiv ein Zoomobjektiv sein MUSS. Da wird eine 85mm f/1.4 auch mal mit „Pfff – die (die Kamera) hat ja nichtmal Zoom – und dann kostet die so viel Geld?“

    Also ich denke ein (nehmen wir an, es wäre bezahlbar) Zoomobjektiv mit f/1.4 würdest du nicht wirklich mit dir rumschleppen wollen. Schau, wie klobig da schon die Festbrennweiten über 50mm werden ein 10-500mm f/1.4 ;) – ich glaube dafür bräuchte man eine Selbstfahrlafette :D

  13. Ich verwende zu 80% Festbrennweiten in der Mittel – und Kleinbildfotografie – nur schon der Lichstärke und der Abbildungsqualität wegen. An den Festbrennweiten führt qualitativ kein Weg vorbei.

    Zooms haben natürlich auch ihre Berechtigung. Sie sind bequem in der Handhabung und es gibt auch qualitativ gute Exemplare. Ich kann durchaus nachvollziehen, dass ein Einsteiger gerne ein Zoom erwirbt. Als ich meine erste digitale SLR kaufte, bin ich auch der Versuchung erlegen und habe ein 18-200mm dazu gekauft. Dessen grausige chromatische Aberation hat mich jedoch fast in den Wahnsinn getrieben und mich veranlasst das Teil bald wieder abzustossen. Wer sich intensiver mit der Materie befasst wird früher oder später Festbrennweiten einsetzen.

  14. Toller Artikel! Neben meinen 3 Zoomobjektiven bin ich auch mit der Standardfestbrennweite 50mm/f1.8 von Canon ausgestattet. Und ganz ehrlich, es ist ein komplett anderes Fotografieren… Man ist einfach gezwungen, sich mehr zu bewegen.

  15. Blogartikel dazu: Auswertung Objektivumfrage « lens-flare.de – Blog über Fotografie

  16. Blogartikel dazu: Festbrennweite - dkamera.de Forum

  17. Welche Objektive empfiehlst du für Hochzeiten?
    Das Problem ist ja immer die Belichtung in Hallen usw.
    DEshalb würde ich gerne auf eine Festbrennweite, wie 85mm, 1.8 umsteigen. Aber ist man damit gut bedient was „Flexibilität“ angeht? Wie weit müsste man vom Pärchen entfernt sein damit gute Bilder gelingen?
    Welche Variable Brennweite würdest du für Hochzeiten empfehlen?

    Wichtig ist also sind Portraitaufnahmen als auch „normale“ Weitwinkelaufnahmen wo halt mehrere Personen zu sehen sind. Lichtstark sollte es sein, was ja bei variablen nicht so dolle ist. Überlege mir schon einen weiteren Body zu holen.
    Würde mich auf eine Antwort freuen….

  18. Netter Artikel nur leider sehr oberflächlich und teilweise inkorrekt.
    Das kommt daher weil man in solchen Vergleichen immer noch
    Äpfel mit Birnen auf die Waage legt. Grundsätzlich haben moderne
    Zoom-Objektive heute einen Qualitätsstandart erreicht der sich kaum
    noch von denen hochwertiger Festbrennweiten unterscheidet.
    Das gilt teilweise für die billigeren Standartzooms welche man oft
    in so genannten Set-Angeboten miterwirbt wie auch für die wesentlich
    lichtstärkenern (so ab 1:2,8 bis 1:4) mit Image-Stabilizern ausgestatteten und deshalb teureren Profi-Optiken.
    Lichtstärke – befassen wir uns einmal näher mit diesem Kriterium.
    Ein Zoom-Objektiv erreicht selten eine höhere Anfangsöffnung als
    1:2,8 im Vergleich zu High-End-Festbrennweiten welche teilweise
    wie das Noctilux von Leica 1:1 oder 1:0,95 erreichen.
    Inwiefern man diese Blende noch sinnvoll fotografisch einsetzen kann
    sollte an dieser Stelle nicht geklärt werden – die nutzbare Schärfentiefe ist dabei auf wenige Zentimeter eingeschränkt und erfordert genauste Fokusierung. Wichtiger erscheint mir bei den in diesem Zusammenhang oft angesprochenen Portrait-Nutzbarkeit das so genannte Bokeh.
    Das heißt der Übergang von der Schärfe zur Unschärfe und hier ist
    der Unterschied egal ob Zoom oder nicht von Hersteller zu Hersteller
    sehr unterschiedlich. Was hilft ist oft nur noch ein durch den Kamerahersteller eigentlich schon getroffene Festlegung Überprüfung jedes einzelnen in Betracht kommenden Objektives.
    Höhrt sich jetzt etwas extrem an – ist es aber nicht falls ich als Fotograf weiß was ich hauptsächlich fotografieren muss.
    Man(n) sieht es gibt bei diesem Thema keinen Königsweg sondern
    nur einen schmalen persönlichen Pfad.
    Persönlich liebe ich es zur Zeit für Portrais mein 30 Jahre altes 135er
    auf die Leica zu schrauben.
    Der Scherben ist mit einer Lichtstärke von 1:4 nicht gerade der Wahnsinn – erreicht aber schon bei Offenblende eine Abbildungsleistung welche sich durch Abblenden nicht mehr steigern läßt. Um eine Stufe abgelbendet (1:5,6) erreicht es das Maximum an Schärfe und Detailauflösung und bei 2 Meter Entfernung sind formatfüllende Portraits mit einem traumhaften Bokeh bei selektiver Schärfe von gerade mal 7cm möglich.

    • Zurück aber zum eigentlichen Sinn eines Vergleiches………

      Einigen wir uns darauf das Qualität und Lichtstärke für unsere
      amateurhaften Bestrebungen eine mehr oder weniger
      untergeordnete Rolle spielen.

      Was letzten Endes als einzige Kriterium übrigbleibt ist das Bild
      und dessen Wirkung auf den Betrachter.

      Von unverändertem Standpunkt und wenn man ein Normalobjektiv
      als maßgebliche Referenz nimmt weil es dem Abbildungsmaßstab
      unseres Auges am nächsten kommt bildet ein Weitwinkel mehr und
      ein Teleobjektiv weniger Umgebung ab – vergrößert man einen
      Ausschnitt aus der Weitwinkelaufnahme wird man feststellen das
      die Abbildung identisch mit der des Teleobjektives ist.
      Logisch da wir ja die Perspektive (den Standort/punkt) nicht verändert haben sondern durch die Wahl der Brennweiten nur den Bildwinkel entweder vergrößert oder verkleinert haben.

      Soweit so gut.

      Bewegen wir aber nun die Füße und bemühen uns ein Objekt formatfüllend aufzunehmen ändert sich plötzlich alles.
      Wir wenden feststellen das bei Weitwinkelaufnahmen der Vordergrund
      stärkere Gewichtung bekommt und es wesentlich dynamischer scheint
      da nähere Teile unproportional größer abgebildet werden.
      Das ist schön bei Werbeaufnahmen oder Lanschaftsszenen aber
      extrem unvorteilhaft bei Personenaufnahmen.
      Denn kaum jemand möchte bei Passbilder Mund-Nase-Kinn riesengroß aber die Ohren klitzeklein haben – oder ?

      Mitunter aber haben wir jetzt die Brennweite als Gestaltungsmittel endeckt. Möglichkeiten das Verhältniss zwischen Vorder.- und Hintergrund zu manipulieren.

      Da Zoom-Optiken aber einen fliessenden Übergang dieser Verhältnisse
      ermöglichen ist damit eine klare Absicht manchmal recht schwierig umzusetzten. Oft werden deshalb nur die Maximalwerte genutzt.
      Beispiel : 28-70 nur die Einstellungen 28 oder 70.

      Geht man die Angelegenheit anders herum an und nutzt eine Festbrennweite hat man so gesehen den selben Effekt nur das man
      nach einer gewissen Zeit danan gewöhnt ist mit diesem „Blick“ zu sehen und das auch primär gestalterisch nützt.

      Manchmal werden dadurch die Bilder wirklich etwas besser………

  19. Schöner, ausführlicher Artikel der alle Aspekte von Festbrennweiten und Zoomobjektiven beleuchtet. Ich für meinen Teil fotografiere seit einiger Zeit auch bevorzugt mit FBW, in erster Linie wegen der bestmöglichen Schärfe und der höheren Lichtstärke. Gruß, Volker

    • Der Artikel ist gut, aber ich vermisse einen Hinweis der vielleicht für Anfänger hilfreich sein könnte. Einige Vorposter loben die höhere Lichtempfindlichkeit der Festbrennweite im Vergleich zum Zoom. Im Zusammenhang mit der Freistellung des Motivs (geringe Tiefenschärfe) bei offener Blende sollte aber bedacht werden, das die Chance auf unscharfe Fotos relativ hoch ist, weil der Spielraum zwischen Scharf und Unscharf ggf. nur wenige Zentimeter beträgt und das nicht erst bei einer Blende von 1,4. Wenn man Zeit hat und es möglich ist den Fokus präzise zu kontrollieren ist das prima. Ansonsten gibt man ein paar Hundert Euro für eine Lichtempfindlichkeit aus, die man in 95% aller Fälle sowieso nicht benutzt, weil man mit 5,6 eher auf der sicheren Seite ist.

  20. Ich fotografiere bei schönem Wetter Landschaft, vor allem Architektur.

    Da wird der Abstand zum Motiv von der zu erzielenden Bildkomposition und davon wiederum die Brennweite bestimmt und liegt in den meisten Fällen zwischen 8 und 24 mm, im Ausnahmefall auch mal bei 35 mm.

    Bei Landschaftsfotografie will man eine möglichst hohe Tiefenschärfe erreichen, aber auch die Schärfe der Kamera möglichst voll ausnutzen. Die förderliche/kritische Blende liegt da bei 16 Megapixeln (APS-C) bei 8. Höhere Blendenzahl führt zu Unschärfekreisen, die größer sind als die Pixel des Bildsensors und sind als unschärferes Bild deutlich zu erkennen.

    Durch die kurze Brennweite kann man oft auch mit größeren Blenden (z.B. 5,6) noch sehr gute Tiefenschärfe erreichen.

    Moderne Objektive sind auf Bildschärfe und geringe Chromatische Aberration und möglichst geringe Vignette konstruiert. Verzeichnungen kann man heute per Mausklick am Computer automatisch herausrechnen und werden in Kauf genommen.

    Welche Festbrennweiten mit den Brennweiten von etwa 8, 12, 18, 27 mm gibt es denn, die bezüglich Schärfe, CAs und Vignette noch einen nennenswerten Vorteil bei Blende 8 und sagen wir mal bis Blende 3,5 bieten ?

    Und wo liegt denn überhaupt noch ein Schärfevorteil der Festbrennweite, wenn ich Brennweite 11 brauche, aber die Festbrennweite 8 verwendet werden muss, weil bei FBW 12 der Bildausschnitt zu klein ist ?

    Da habe ich im Ergebnis nämlich mit der FBW 8 nur noch 0,66 der Auflösung gegenüber einer theoretischen Festbrennweite 11 ! Das dürfte das auf 11 mm eingestellte Zoom aber nicht nur auch erreichen sondern deutlich übertreffen – oder ?

    Nun könnte man ja auf die Idee kommen, dann eben mit der 8er FBW näher an das Objekt (z.B. eine Kirche !) heran zu gehen. Das Ergebnis wäre dann – von einer ungünstigeren Bildkomposition abgesehen – dass man mit der Kamera weiter oben an der Kirche anhalten müsste und die stürzenden Linien stärker in Erscheinung treten.

    In Bewegung bleiben ist hier sicher keine Lösung.

    Ich kann in der Architekturfotografie nicht wirklich einen großen Nutzen von Festbrennweiten sehen, zumal in den relevanten Brennweiten kaum etwas angeboten wird. Los geht es bei 100 mit manueller Fokussierung bei Walimex.

    Zum Vergleich mal die Qualität des
    Zeiss Distagon T* 2,8/15 – für 2600 €
    http://www.zeiss.de/content/dam/Photography/new/pdf/en/downloadcenter/datasheets_slr/distagont2815.pdf

    und die des Sigma 17-70 mm – für 387 € (Amazon)
    http://www.sigma-foto.de/fileadmin/content/site/Sonderdrucke/Sigma_Folderpamphlet_17_70_DE.pdf

    Man sieht, dass das Sigma bessere MFT- und Vignettenwerte bringt, als das Zeiss ! – und das für knapp ein Siebtel des Preises ! – und es deckt gleich mehrere Festbrennweiten ab !

    Und zum Schluss sei noch gesagt, dass der Begriff der Lichtstärke völlig irreführend ist. Es wird von Lichtstärke gesprochen, obwohl nur die maximal mögliche Blendenöffnung gemeint ist. Über die tatsächliche Qualität des Objektivs sagt das nichts aus ! Hat es relativ viele Linsen, dann kommt auch weniger Licht hindurch, bei gleicher Lichtstärke. Jedes Milchglasobjektiv ist „lichtstark“, wenn man die Blende weit aufmachen kann !

    Also – wo liegt denn nun genau der Vorteil der Festbrennweiten in der Architekturfotografie – oder gibt es da heute (April 2014) gar keinen (von der geringeren Anzahl von Gläsern innerhalb des Objektivs und der dadurch geringfügig größeren Helligkeit abgesehen?

  21. Mir sind beim jetzigen Lesen meines Kommentars zwei Fehler aufgefallen. ich schrieb: „Los geht es bei 100 mit manueller Fokussierung bei Walimex.“ Gemeint war: nicht „100“ sondern 10 mm (Brennweite). Und der Auflösungsnachteil bei 8mm Brennweiten-Bildausschnitt gegenüber 11 mm ist nicht 0,66 sondern 0,72.

    Ergänzen kann man noch, dass man oft nicht weiter weg gehen kann, wenn man z.B. Kirchen fotografiert. In Städten hat man bereits die Hauswand im Rücken und auf Dörfern würden Dinge, die man nicht auf dem Bild haben will und durch einen geeigneten Abstand zur Kirche verdeckt werden, mit auf das Bild kommen.

  22. Ein klasse Vergleich der beiden Objektivtypen.
    Ich muss sagen, dass ich ein Fan von Festbrennweiten und die Qualität dieser exakten Aufnahmemöglichkeiten bin.
    Man kann sich auf das wesentliche konzentrieren ohne vom Zoomeffekt gestört oder abgelenkt zu werden.