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25. Juni 2009 Lesezeit: ~4 Minuten

Wie finde ich ein Model zum fotografieren?

Wie finde ich ein Model zum fotografieren?Das ist ein Gastartikel von Jürn-Christian Hocke (29). Jürn arbeitet als freiberuflicher Multimediadesigner & Fotograf. Den Weg zur Fotografie hat er über die Bildbearbeitung gefunden und er widmet sich vor allem der Studio- und Modefotografie. Seine Arbeiten, sowie Tipps&Tricks zur Bildbearbeitung, gibt es auf seinem Blog.

Täglich sieht man im Internet und anderen Medien hunderte – ach was: tausende – »Menschenbilder«. Und irgendwann sagt sich der Eine oder Andere: »Solche Bilder will ich auch mal machen!«

Kurzer Check: Kamera ist da, Studio wird noch nicht benötigt (man will ja ersteinmal nur probieren) aber etwas wichtiges fehlt: ein Model. Da man dummerweise die Telefonnummern von Heidi Klum und Claudia Schiffer gerade verlegt hat, ist guter Rat teuer: »Wie komme ich an ein Model?«

Die naheliegendste Möglichkeit: der Freund / die Freundin muss herhalten.

Großer Vorteil: Man kann sehr spontan shooten, ohne große Verplanung und Terminabsprache: »Schatz – die Sonne scheint – lass uns fotografieren gehen!« Und ein weiterer, nicht zu unterschätzender, Vorteil: Man kennt den anderen – die Kommunikation sollte also nicht allzu schwer fallen. Und man steht nicht so unter Stress, wenn man noch ausprobieren muss, was Kameraeinstellungen angeht. Aber Vorsicht: gerade die eigentliche Vertrautheit kann auch zum Nachteil gereichen, wenn der Shootingverlauf und die Shootingergebnisse nicht ganz optimal sind: »Oh mein Gott – wie seh ich denn aus?« Deshalb sollte man sich auch wahlweise im Freundes-/Verwandtenkreis nach Models umschauen.

Ein Nachteil dieser beiden Möglichkeiten ist die Unerfahrenheit, die auf beiden Seiten herrscht. Das Model hat keine Posingideen, der Fotograf auch nicht – zusätzlich hat er noch mit den Einstellungen der Kamera zu kämpfen und und und…

Wie finde ich ein Model zum fotografieren? Wie finde ich ein Model zum fotografieren?

Deswegen an dieser Stelle der Rat, vor allem zu Beginn mit erfahrenen Models zu shooten – aber wo bekommt man die nun wieder her?

Gesucht und Gefunden wird – na klar – im Internet.
Bekannte Fotografen- & Modelportale sind zum Beispiel:

* www.model-kartei.de
* www.14model.de
* www.modelmayhem.com (international)
* www.onemodelplace.com (international)
* www.juuuz.com (international)

Die Professionalität und Qualität der Models auf den einzelnen Portalen ist sehr unterschiedlich. Einige arbeiten mit Aufnahmeverfahren (modelmayhem, juuuz) andere sind völlig offen (model-kartei, 14model).

Wie finde ich ein Model zum fotografieren? Wie finde ich ein Model zum fotografieren?

Angemeldet – und nun?

Nun heißt es, aktiv werden. Referenzen kann man vielleicht schon aus einigen Shootings mit dem Freund / der Freundin vorweisen. Wichtig ist auf jeden Fall: Offenheit und Ehrlichkeit. Man sucht ein Model, um zu üben und sicherer zu werden. Anfangs wird man sich sicherlich noch einige Körbe holen, aber je besser die Bilder von Shooting zu Shooting werden, desto weniger Absagen wird es geben.

Ich hatte das Glück…
… dass ich in meinem 4. Shooting ein sehr erfahrenes Model vor der Kamera hatte, die mir jede Menge Tipps und Hinweise gegeben hat. Weniger, was meine Arbeit als Fotograf angeht, sonder eher im Umgang mit einem Model und worauf man achten soll. Das, was ich in diesem einen Shooting gelernt habe, hätte ich mir sonst mühsam durch viele viele Shootings aneignen müssen. Daher mein Rat: wenn man die Möglichkeit hat, mit einem sehr erfahrenen Model zu shooten – macht es! Es gibt die Möglichkeit über die oben genannten Plattformen Models zu buchen. Wenn es der Geldbeutel zulässt, sollte man diese Möglichkeit in betracht ziehen.

Eine weitere Möglichkeit wäre, Workshops zu besuchen. Nicht nur, dass hier in den meisten Fällen Models gebucht werden, die man sich als »Einzelfotograf« nicht leisten könnte, sondern hier gibt es auch eine entsprechende Schulung, was die Fotografie und die Modelführung angeht.

Wie finde ich ein Model zum fotografieren?

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32 Kommentare

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  1. Klasse Tip. Als ich letztens ein paar Fotos für eine gute Bekannte schiessen sollte, ging es mir wie hier beschrieben. Sie hatte keine Ahnung was sie tun sollte und ich wußte auch nicht so recht, was ich ihr sagen sollte, damit die Fotos gut werden. Letztendlich sind doch ein paar gute Bilder dabei heraus gekommen und ich habe dabei gelernt, daß man mit seinem Modell reden muß und ich mehr darauf achten muß, wie sich das Modell präsentiert und entsprechende Anweisungen geben muß.

  2. Ich hatte auch schon das Glück über model-kartei.de ein Doppel-Shooting mit zwei Models m/w machen zu können.
    Ein riesen Spaß – aber ich habe auch gemerkt, wie schwierig die richtige „Führung“ ist.
    Kannst du gute Portrait-Workshops empfehlen (die nicht immer auf ein Jahr im Voraus ausgebucht sind) bzw. von bestimmten Workshops („Rudelschießen“) abraten?

    Viele Grüße und mach weiter so!

  3. @modelblogger: die genannten Portale stehen beispielhaft für .. puh .. unzählige, die es im Internet gibt.

    @Sam: Das Model hat mich zB darauf hingewiesen, zu schauen, dass sich zB keine „Körperfalten“ bei Posen bilden, weil das sehr schnell nach „Speckröllchen“ aussieht – auch wenn da kein Gramm Fett zu viel ist. Dann, dass ein „prominentes Becken“ einfach schmaler wirkt, wenn man es seitlich fotografiert, oder – wenn man frontal fotografiert – dass das Model ihr Becken nach hinten schiebt (also auf Deutsch: den Hintern rausstreckt)

    Viel gelernt habe ich dabei über die Kommunikation, wie wichtig die ist, denn sie hat ständig hinterfragt und dadurch von mir die Führung abverlangt

    J-C

  4. Dem kann ich nur zustimmen.
    Auch lohnt sich die Investition in ein unverbindliches Treffen ein paar Tage vor dem Shooting. Gerade bei Amateuren (Fotograf UND Model) ist es sehr wichtig, dass die Chemie zwischen beiden stimmt. Wenn man sich am Set wohl fühlt, werden die Bilder deutlich besser.

    Mich würde auch sehr interessieren, was Model Nr. 4 dir für Tipps gegeben hat :)
    Phil

  5. @phischeye … Da geb ich dir allerdings Recht. Ein Vortreffen ist prinzipiell sinnvoll. Einmal um zu sehen, ob man sich überhaupt „leiden“ kann („Boah nee mit dem fotografier ich nicht, der hat ’ne Nase im Gesicht!“ ;) ) Und natürlich einfach um das Shooting schonmal zu besprechen.

    Ich kann ja bei Gelegenheit mal mehr dazu erzählen, was ich so gelernt hab.

    J-C

  6. Hi,
    bei mir war es ähnlich: Das Model gab mir gleich beim ersten Mal die richtigen Tipps, welche Informationen sie von mir haben wollte. Das hat wirklich richtig was gebracht. Heute fotografiere ich so, dass ich (besonders bei Anfängern) sehr viel rede – entweder um die entsprechenden Anweisungen zu geben oder um die Stimmung aufzulockern. Hat sich bislang als sehr gut erwiesen.

    Übrigens ist das bei anderen Bereichen genau so. Wir haben uns auf Helikopterfotos spezialisiert und da geht es ohne konkrete Anweisungen an die Piloten und Flughelfer überhaupt nicht. Dazu kommt dann noch, dass man sich nur über Funk oder über Zeichensprache verständigen kann. Also überall das gleiche Prozedere. Kommunikation ist halt alles.

    Gruß!

    Torsten

  7. @dts (offtopic) lustig – einen Gruß ins „andere“ Halle :)

    Ja .. Kommunikation ist alles – aber auch schon VOR dem Shooting. Es kommt halt schonmal drauf an, wie man auf die Person zugeht, mit der man shooten möchte. Wie heißt es so schön: Die erste Eindruck zählt. Wenn man da irendwie „schlecht“ ankommt, hat man verloren.

    Und gerade am Anfang hat man ja noch nicht viele Bilder, die man vorlegen kann, um jemanden zu überzeugen.

  8. Das mit der Modelkartei ist so ne Sache. Ich bin da auch angemeldet und habe auch schon ein paar Shootings gehabt. Mein Fazit ist aber, dass der Großteil der angemeldeten „Models“ unzuverlässig ist. Die mit vielen Shootings sind meist zuverlässig, stellen aber auch an „Anfänger“ meist zu hohe Ansprüche. Die Unerfahrenen unter den Models sagen häufig einem Shooting zu, alles wird geklärt und besprochen, ein Termin ist ausgemacht und dann plötzlich hört man entweder nichts mehr vom Model oder es sagt am Tag (oder nen Tag vorher ab). Von daher muss ich wirklich dazu raten, nur erfahrene Models aus der MK zu wählen. Mit dem Rest sollen sich andere Leute rum ärgern.

    LG Alexander

  9. Mein erstes richtige Shooting habe ich mit meiner Freundin gemacht. Und obwohl sie sehr skeptisch und ich sehr aufgeregt war, hatten wir sehr schnell, sehr viel Spass. Und ich konnte sie mit den Bildern sogar zufriedenstellen. *grins* Nur die Nachbearbeitung machte mir enorme Schwierigkeiten. So eine Hautretusche sieht ja schnell übertrieben aus, vor allem, wenn man sich erst in die Materie einarbeiten muss. Es ist eine echte Gradwanderung.
    Als Nächstes soll mein Mann ja mein Opfer sein, das wird dann eine richtige Herausforderung. An richtige Modelle trau ich mich noch nicht ran. Ich muss bei Portraits erstmal meine Kamera richtig im Griff haben. Bei Kindern ist das kein Problem, da konnte ich sehr viel mit meiner Tochter üben.
    Genauso fehlt mir noch der Blick für die Locations, da meine Ausrüstung im Moment eigentlich nur Outdoor-Shootings zulassen.
    Beim Shooting mit meiner Freundin habe ich auch gemerkt, dass Kommunikation sehr wichtig ist und die Grundstimmung muss passen. Je mehr Spass wir dabei hatten, umso mutiger wurde meine Freundin beim Posen, was es dem unerfahrenen Fotograf dann auch wieder einfacher macht. LG Frau Zausel

  10. @ Markus: Das Honorar kommt ganz auf Aufnahmebereiche, Erfahrung und „Qualität“ des Models an. Das geht bei „TfP“ (Time for Prints > Das Model erhält nach dem Shooting Bilder) los und pegelt sich bei einem Durchschnittspreis von 15-25€/h für „Fashionaufnahen“ ein.

    Gruß
    J-C

  11. Toller Gastartikel. Gerade über dieses Thema zerreiße ich mir momentan auch den Kopf. Mein Problem: Ich kann a) noch wenig Beispielbilder vorweisen, habe b) kein „Studio“. Das würde also erst mal Outdoorfotoshooting heißen.

  12. Danke auf dieses Thema habe ich lange gewartet.
    Es wird soviel über die technischen Aspekte geredet und leider nur so wenig über die ‚Modelführung‘. Auch dieser Artikel hat das Thema nur angeschnitten, aber jetzt würde ich gerne mehr erfahren.

    @J-C kannst du vielleicht in einem weiteren Post noch mehr über dieses zentrale Thema der Fotografie erklären.

    Gruß Arne

  13. Und noch als Tip wenn ihr nicht wißt was ihr machen sollt. Nehmt euch als Vorlage ruhig eine Zeitschrift (Vouge, Elle um nur mal zwei zu nennen) schaut euch die Bilder an die euch interessieren und nehmt es als Vorlage. Zeigt es ruhig dem Model damit die sich auch darein versetzen kann bzw. umsetzen kann.
    Denn manchmal kommen zwar dann andere Sachen raus aber auch weil man dann vielleicht im „Team“ was zusammen erschafft.

    Gruß
    Gunter

  14. Blogartikel dazu: Linktipps für den 29. Juni 2009 | Fotoholiker

  15. Hey, ich habe diesen Artikel mit Interesse gelesen und da ich selber auch gerne modele würde ich mich auch sehr gerne zur Verfügung stellen.
    Für welche Bereiche ich zu haben bin und meine Fotos findest du auf meiner Model Sedcard unter (www.fotocommunity.de/models)

    Ich würde mich sehr über eine Rückmeldung freuen.
    Viele liebe Grüße
    Mariella

  16. Blogartikel dazu: Ansichten und Einsichten

  17. Hallo und viele Grüße aus Hannover. Ein sehr erfahrenes Model kann jede Menge Tipps und Hinweise gegeben. Das ist sehr wichtig. Allerdings wird man ein solches Model nur sehr schwer „finden“ können. Ich würde deshalb eher auf professionelle Modelagenturen zurückgreifen, wenn ich eine Karriere als Fotograf planen sollte.