22. Juni 2009 Lesezeit: ~ 6 Minuten

Facebook Profilbild: Sich selbst fotografieren

Letzte Woche hatte ich ja ein paar Allround-Tipps für ein schickes Profilbild gegeben. Heute möchte ich dieses Thema vertiefen. Denn um ein gutes Foto von sich selbst zu bekommen hat man 2 Möglichkeiten: Machen oder machen lassen. Für mich liegt das “Machen” näher und deshalb spreche ich heute einmal darüber, wie meine Selbstportraits entstehen.

Denn seit ca. 1 Jahr habe ich immer wieder Fotos von mir selbst gemacht. Das ist ein kleines Projekt, von dem nur die wenigsten Fotos nach aussen dringen, gerade deshalb, weil sie sich nicht immer als Profilbilder eignen. Dennoch sind viele Fotos entstanden und meine Erfahrung auf diesem Gebiet möchte ich heute mit Euch teilen.

Kurze Sessions
Als ich angefangen habe, mich selbst zu fotografieren, war ich recht schnell “genervt” – und die ersten Male schien es nicht so richtig zu funktionieren. Deshalb habe ich öfter mal 15-Minuten-Sessions gemacht. Immer wieder. Das Ziel war nie, sofort ein Foto zu machen, das ich dann gleich als neues Profilbild hochladen kann. Ich wollte es lernen, richtig gute Selbstportrais zu machen. Vielleicht ein kleiner Macken von mir, aber möchte kein Durchschnittsfoto von mir online haben.

Profilbild

Viele Fotos machen
In den kurzen Sessions habe ich zu Beginn so viele Fotos gemacht, wie nur möglich. Dabei ging es gar so sehr darum, echte Treffer zu landen sondern eher, ein Gefühl für die Sache zubekommen. Ausserdem erhöht sich die Erfolgsquote – und die ist gerade am Anfang wichtig.

Stativ
Meistens fotografiere ich von meinem Stativ.

Somit muss ich die Kamera nicht die ganze liebe Zeit selbst halten (und warten bis mir die Hand abfällt). Ausserdem bin ich flexibler. Ich kann mich drehen und wenden, stellen und hinsetzen wies mir passt, kann mich ums Licht kümmern, die Blickrichtung perfekt setzen und und und. Ausnahme: Mein jetziges Profilbild. Das habe ich aus der Hand geschossen.


Dieses Foto habe ich heute morgen vom Stativ mit Fernauslöser und dem 50mm Objektiv fotografiert. Ohne Blitz, nur mit dem Zimmerlicht und auf ISO 500.

Selbst-oder Fernauslöser?
Ich benutze den Selbstauslöser nur dann, wenn ich mit einer langen Brennweite fotografiere und somit mein Fernauslöser (mit Kabel) zu kurz ist. Der Fernauslöser ist aber mein klarer Favorit, weil ich a) kontrollieren kann, wann die Kamera auslöst und b) das schrarfstellen beobachten kann (mehr dazu weiter unten).

Wie ich Selbstportraits für mein Profilbild macheSchärfe
Eine der grössten Herausforderungen bei Selbstportraits ist, die richtige Schärfe für das Foto zu finden. Deshalb habe ich zu Beginn mit Blenden wie f/5.6 bis zu f/8 fotografiert, um Fehler auszubügeln und die Erfolgsquote noch etwas nach oben zu schieben, hihi. Wichtig ist, dass die Augen scharf sind. Das ist manchmal ganz schön tricky, aber mit Zeit habe ich ein Gefühl dafür bekommen, wann es passt.

Den Piepton anschalten

Wenn ich mit meinem Kabel-Fernauslöser fotografiere, dann kann ich (wie an der Kamera) im Autofokus-Modus einfach halb durchdrücken. Dann stellt die Kamera scharf -und piept. Dieses Signal kann sehr wichtig sein, denn manchmal sucht die Kamera den Schärfepunkt einfach, findet ihn nicht, bleibt dann irgendwo stehen. Herauskommt ein unscharfes Foto. Seither habe ich meinen Piepton bei Selbstportraits immer an, das gibt mir Sicherheit.

ProfilbildSchärfe im Sucher

In meinem Sucher befinden sich 6 Fokuspunkte. Diese kann ich einzeln ansteuern und so bestimmen, wo die Kamera scharf stellt. In den meisten Fällen sollen ja meine Augen im oberen Drittel des Bildes liegen. Deshalb wähle ich einen der oberen Punkt aus (je nachdem, wie ich es eben haben möchte). Ich merke mir den Fokuspunkt, stelle mich vor die Kamera und probiere ein wenig aus. Wie schon gesagt, das kann eine Weile dauern, bis es passt, aber mit der Zeit kommt die Erfahrung und dann geht’s immer schneller. Und manchmal gehört auch ein bisschen Glück dazu.

Schärfe mit dem Selbstauslöser

Ich fokussiere einen Punkt, der in der Höhe und Nähe ist, wo mein Gesicht sein wird. Den markiere ich mir dann so (z.B. mit einem Band auf dem Boden) und versuche mich dann genau da hinzusetzen. Mit kleiner Blende ist die Trefferquote höher, ist ja klar. Das braucht schon einwenig Übung, bis man auch mal mit f/1.8 fotografieren kann.

Das Gesicht

Wie sehe ich am besten aus? Mit angehobenem Kinn? Von der Seite? Von unten? All dies sind Fragen, die ich mir immer wieder gestellt habe. Beim Fotografieren von Selbstportraits habe ich ja alle Zeit der Welt – und ich bin immer noch am Lernen. Mir hat es geholfen, mich einfach aus 1000 unterschiedlichen Positionen mit 100000 unterschiedlichen Gesichtshaltungen und -ausdrücken abzulichten. Mittlerweile kenne ich ein paar Schwachstellen und kann sie somit besser umgehen.

Profilbild

Dieses Foto wird warscheinlich nie ein Profilbild werden, obwohl es interessant ist. Doch weil es absichtlich dunkel fotografiert wurde, macht es nur so Sinn – für ein Profilbild ist es aber zu kontrastlos und zu dunkel.

Bildbearbeitung

Nach dem Fotografieren sortiere ich die besten Fotos in Lightroom aus. Die werden dann bearbeitet (wichtig: das Foto muss hell und kontrastreich sein), auf 1×1 beschnitten und nachgeschärft. Viele meiner Fotos sehen in Schwarzweiss besser aus als in Farbe. Manchmal erstelle ich mir ein paar virtuelle Kopien, vergleiche sie miteinander und gut ist. Dann entscheide ich, ob es ein Bild es schaffen wird, “online zu gehen”. Falls ja, wird es verkleinert und in Photoshop noch einmal nachgeschärft. Speichern, hochladen, fertig.

Habt Ihr noch Fragen?
Soll ich auf ein angesprochenes Thema mal speziell eingehen?

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56 Kommentare

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  1. Zur Schärfe im Sucher habe ich einen Tipp, zumindest funktioniert das bei Nikon. Wenn man fokussiert leuchtet der angewählte Fokuspunkt kurz rot auf. Schaut man nun von vorne selber in die Linse, dann sieht man in dem Moment in dem man den Auslöser antippt diesen AF-Punkt aufleuchten. Sieht man ihn, kann man davon ausgehen, daß er auf das Auge scharfstellt, sieht man ihn nicht, dann ist er irgendwo daneben. Also einfach mit dem Kopf ein bisschen hin- und herbewegen bis man den Fokuspunkt leuchten sieht und dann abdrücken. Das geht natürlich nicht bei allen Brennweiten, aber bei einem 50er auf DX Sensor funktioniert das z.B. ganz gut.

    Ich hoffe ich konnte das einigermaßen verständlich rüberbringen und wünsche viel Spaß beim ausprobieren.

    -Horst

  2. Hallo Martin,

    danke für den Erfahrungsbericht. Endlich mal ein sinnvolles Einsatzfeld für den Schärfe-Piepton.

    Ich hatte mich an die Selbstportraits noch nicht rangetraut, weil ich gemerkt habe, wie wichtig der Schärfepunkt an den Augen ist. Außerdem gefallen mir Portraits hauptsächlich mit weit aufgerissener Blende. Beides zusammen klingt nach äußerst niedriger Treffenquote für Selbstportraits. Aber jetzt probiere ich’s mal.

    Nochmals danke
    Dominik

  3. Martin, versuche mal dir mit einem größeren Spiegel zu Helfen. Du stellst die Kamera auf das Stativ richtest die Kamera auf den Spiegel aus (der winkel ist wichtig) und platzierst dich genau vor dem Spiegel.
    So kannst du deine Posings besser beurteilen und fotografierst eigentlich nur dein Spiegelbild ab-Interessant auch wegen der Schärfe.

  4. TOP Artikel. Wenn ich so mehr drüber nachdenke, lernt man wahrscheinlich wirklich eine ganze Menge selbst dabei. Werd dieses Projekt wohl auch für mich selber Starten.

    @Horst: Stimmt ein schön dicker Fetter Punkt. Vorher noch nie bemerkt.

  5. Ich hätte jetzt gehofft, daß sich Selbstportraits mit tethered shooting vereinfachen lassen. Man guckt eben auf den Monitor. Hat jemand das schon probiert und kann einen Erfahrungsbericht liefern?

    • @Robert: Du sprichst einen Teil an, bei dem es drum geht, viele Fotos zu machen – das meinte ich mit der Erfolgsquote. Wer viele Fotos macht, hat eine höhere Chance, dass auch was dabei ist – gerade am Anfang.

  6. Das wäre mir persönlich zu viel rumgehampel. *g*
    Ich mach das ganze in Verbindung mit dem Laptop. Dann muss ich nicht immer hin und her renne, um zu sehen, ob der SChärfebereich nun getroffen wurde. Ich kann bequem da sitzen bleiben, wo ich bin und seh dann direkt, ob mich nun einfach nur nach vorne, hinten, hoch, runter, links oder rechts bewegen muss.
    Dank mitgelieferter Canonsoftware lässt sich das wunderbar händeln.

  7. kleiner tip für leute die eine canon haben und die keinen fernauslöser haben: auf der cd die mit bei der kamera ist, gibt es eine software mit der man per mausklick die kamera auslösen kann. vllt. ja ganz praktisch für einige.

  8. Sich selbst zu fotografieren ist wirklich eine Herausforderung. Ich habe Phasen, da macht es mir total Spaß und dann aber auch mal wieder überhaupt nicht. Es ist auf jedenfall anstrengender, sich selbst zu fotografieren. Da muss man plötzlich an Dinge denken, über die man sich sonst vielleicht keinen Kopf macht (Aussehen, Haltung, usw..).

    Mir gefallen Deine Selbstportraits immer sehr gut und ich finde Deine Einstellung klasse (keine 0815 Selbstportraits).

    Liebe Grüße
    Julia

  9. Wie immer ein super Beitrag! Danke, dass du dir so viel Mühe machst. War auf jeden Fall interessant zu lesen. Auch ich habe einige Self-Sessions hinter mir. Sei froh, dass du keine Frau bist … da ist nichts mit mal eben 15 min shooten. Da dauerts dann erst im Bad mal ein bisserl :-P Mein jetziges Profilbild war eines von 2 (!) guten aus einer Reihe von an die 100 Stück über 3 Tage verteilt, die mir dann letztendlich wirklich gefallen haben. Es ist wohl ein – mir jedenfalls – unerklärliches Phänomen, warum man sich selbst auf Fotos nicht (so) gefällt.

  10. Schöner Artikel. Das werd ich auch gleich mal probieren…
    Allerdings ist da ein kleiner Fehler im Abschnitt”Schärfe mit dem Selbstauslöser”. Du meintest bestimmt, dass es einem mit großer Blende leichter fällt die Augen scharf zu bekommen. Große Blende = kleine Blendenöffnung. Die Angaben groß und klein bei der Blende beziehen sich auf die Ausdehnung der Schärfentiefe. Kleine Blende = kleine Ausdehnung der Schärfentiefe = große Blendenöffnung.
    Das weißt du sicherlich. Vor allem stell ich fest dass selbst Profis das in Gedanken oft verdrehen. Mir ging das genauso bis ich mir mal die Definition mit der DoF eingeprägt habe…

  11. Ja ist gar nicht so einfach mit den Selbstportraits. ich zum Bleistift habt keinen Fernauslöser und somit heißt es die kamera am langen Arm auszulösen.
    Das geht zum einen auf die Mukkis und zum anderen aufs Gelenk. D200+MB-D200+Objektiv sind meist so schwer das ich nach kurzer zeit absetzen muss weil ich sonst selbst bei 1/250er noch Parkinsonbilder mache…

  12. Hm, ich muss nochmal weiter fragen, weil ich diese Fotos mit schwarzem Hintergrund ziemlich gut finde, wo durch die Unschärfe so weiche Ränder entstehen. Hast du einen Blitz benutzt? Oder eine Lampe stehen gehabt?

  13. Wäre gut, wenn du nächstes Mal solche Infos mit reinschreiben würdest. Ist ja nicht unwesentlich, denn die Fotos sind wirklich wirklich gut, die würde ich nicht so hinkriegen… mkay, allein schon aus dem Grund, dass ich weder ein schwarzes Tuch noch 2 Stative oder ein Kabel für entfesseltes Blitzen habe, aber gut… ^^

  14. Noch einen Tipp, wer keinen Fernauslöser hat, kann es mit der eingebauten Intervallaufnahme versuchen. Z.B. die Nikon D300 hat das und man kann dann einstellen, daß die Kamera alle 5 sec ein Bild macht und z.B. 10 Bilder am Stück schießt. So bleibt genug Zeit um zischendurch die Pose zu ändern und man kann auch etwas weiter von der Kamera weggehen.

  15. Hallo Martin!

    Ich trage auch schon lange den Gedanken in mir Selbstportraits zu machen. Dein Artikel hat mich einerseits darin bestärkt – andererseits hab ich schon Schiss davor, dass mir keines der Fotos gefällt ;-) Aber meine Mitmenschen müssen mit meinem Anblick auch jeden Tag leben ;-)

  16. Seufz – gute Bilder von sich zu haben ist immer ein Problem. Ich muss das Thema auch gerade dringend mal angehen, von daher vielen Dank schonmal für deinen tollen Artikel. Mit meiner Digitalkompaktknipse (Ixus 80) ist vermutlich in Sachen Schärfentiefe nicht viel zu machen, aber hast du vielleicht noch ein paar Tipps zum Thema Licht gerade für fotografisch unterbelichtete Leute (wie mich ;-)). Die Frage wäre: Wie kann ich mit einfachen Mitteln gutes Licht für Profilfotos machen.

  17. Super Artikel! Mich würden auch mal mehr Details zum Thema Licht interessieren. Vielleicht hast Du ja Lust noch mehr über das Licht-Setup zu verraten, wo platzierst Du welchen Blitz etc.?

  18. Blogartikel dazu: Welches Stativ benutzt ihr? Ein Umfrage. | KWERFELDEIN | Digitale Fotografie

  19. hey :) Dein Bericht ist sehr gut und hilft bestimmt vielen sehr :) Mir hat es zumindest ein wenig “Inspiration” verschaffen :) Jetzt muss ich nur noch ein wenig mit den Kamereinstellungen klarkommen :) Gruß, Cindy.

  20. Ich finde diese Seite der Hammer!!!Ich hab jetzt suuupertolle Portraits zu Hause und kann damit bei meinen Freundinnen punkten!!!!
    Ich hab dank Kwerfeldein auch schon meine Bewerbungsfotos!!!Suuuper!!!!

  21. Blogartikel dazu: Das Profilfoto vom Profi-Fotografen machen lassen? › Kontaktanzeigen.net Online Dating Magazin

  22. Blogartikel dazu: Leseraktion: Selbstportraits - kwerfeldein - Fotografie Magazin

  23. Hey Martin,

    mit welcher Brennweite und mit welcher Blende hast du das Titelbild dieses Artikels gemacht? Sieht echt Klasse aus. Besonders die Schärfe fasziniert mich.

    Freue mich auf deine Antwort auch wenn ich einen eher alten Artikel aufgreife. :)

  24. Danke für die tipps. Sie haben mur sehr viel geholfen ein neues Profilbild hinzubekommen. Hat zwar viel übung gekostet, aber das war es wirklich wert. Das Profilbild ist super.

  25. ich möchte gerne ein Selbstportrait von mir machen und mich dabei einmal von vorne und einmal von hinten fotographieren.
    Das problem ist das die Bilder exakt gleich groß sein sollen damit ich sie Hinterher ausschneiden und übereinanderlegen kann.

    Vielleicht fällt dir was ein

    Gruß Andreas

  26. Ich hätte da noch ein paar Fragen: Wie stellt man den
    piepton bei einer Kamera ein und fokussiert man die Punkte genau ?
    Welche Bearbeitungsprogramme sind am besten und einfach für
    Anfänger zum handhaben ? Sonst prima Seite kann man nur
    weiterempfehlen!

  27. Hallo Ihr Lieben, bin total unbedarft auf dem Gebiet Kamera und Fotos, mache aber seit Jahren Bilder mit dem Laptop und würde jetzt gern bessere Qualität haben – hat hier jemand einen Tipp wo ich schauen kann? Ich weiss für wenig Geld gute Qualität ist vermessen, das hat immer seinen Preis, aber vielleicht gibt’s ja hier doch nen guten Tipp.. taugen Webcams zB. Logitech was für Fotos? Die meisten fangen an zu rauschen, wenn es nicht Taghell ist…

    Merci:) Michelle