15. Juni 2009 Lesezeit: ~4 Minuten

Was ist eigentlich der Crop-Faktor?

Die meisten Fotografen wissen, dass der Crop-Faktor Einfluss auf das Bild hat und man die Brennweite des Objektivs mit dem Crop-Faktor multiplizieren muss. Es gibt aber sehr unterschiedliche Auffassungen darüber, was der errechnete Wert denn nun genau bedeutet.

Dabei ist es eigentlich recht einfach, macht man sich folgende Grundlagen der Fotografie bewusst:

  • Wenn wir vom Crop-Faktor sprechen ist die wichtigste Bezugsgröße der Kleinbild-Film. Ein Negativ-Bild einer Kleinbild-Kamera ist immer 36x24mm groß. Genau diese Größe meint man heutzutage, wenn man von Vollformat spricht.
  • Jedes Objektiv, analog wie digital, erzeugt einen Bildkreis. Das ist eine kreisrunde, spiegelverkehrte und auf dem Kopf stehende Abbildung des fotografierten Gegenstands.

Damit das Bild vollständig abgelichtet wird, muss der Durchmesser des Bildkreises mindestens so groß sein, wie die Diagonale des Negativs bzw. des Chips.

Bei einer Kamera mit Crop-Faktor ist nun der Chip kleiner, als bei einer Kleinbild-Kamera bzw. einer DSLR mit Vollformatsensor. Die kleinere lichtempfindliche Fläche bewirkt einen Beschnitt (engl.crop) des sichtbaren Bildausschnittes. Dadurch verkleinert sich der Bildwinkel.

Der Crop-Faktor gibt das Längenverhältnis der Diagonalen im Vergleich zum Vollformat an.

Was ist eigentlich der Crop-Faktor?

In der Grafik sieht man einen Bildkreis, in dem eine Rose abgebildet ist. Der blaue Rahmen entspricht einem Film oder Sensor im Vollformat. Der orangene Rahmen zeigt einen Chip mit Crop-Faktor, der auf Grund seiner Größe weniger Bildinformation abbekommt.

Das Objektiv bildet die Rose also immer gleich ab, nur kommt bei einem Vollformatsensor mehr Umfeld auf das Bild als bei einem kleineren Sensor.Ein 100mm Objektiv ist an einer Vollformatkamera ein 100mm Objektiv.

Ein 100mm Objektiv ist auch an einer Kamera mit Crop-Faktor 1,6 ein 100mm Objektiv, zeigt aber den Bildauschnitt vergleichbar mit einem 160mm Objektiv an einer Vollformatkamera. Daher auch der irreführende Name Brennweitenverlängerung.

Der Crop-Faktor ist übrigens besser als sein Ruf. Kompaktere Bildsensoren sind kleiner, schneller und effizienter zu bauen, was die Kosten reduziert.

Objektive, die speziell für Kameras mit Crop-Faktor gefertigt werden, sind in der Regel kleiner, leichter und kompakter. Das liegt daran, dass nun der Bildkreis an den kleineren Sensor angepasst wurde.

Umgegehrt kann ein Kleinbild-Objektiv, das am Bildrand schon in der Abbildungsqualität abnimmt, ohne Probleme auf einem Body mit Crop-Faktor benutzt werden. Da der Bildkreis bei so einem Objektiv größer als der Sensor ist, wird der Rand abgeschnitten.

Fehler wie z.B. Vignettierung und chromatische Aberration, die vor allem am Bildrand auftreten fallen nicht mehr ins Gewicht.

Allerdings hat der Crop-Faktor nicht nur Vorteile:

Bei gleichem Abstand zwischen Objektiv und Objekt bekommt man bei Vollformat etwas mehr auf das Bild als bei einer Kamera mit Crop-Faktor.

Das kann zu Problemen führen, wenn man z.B. mit einer Festbrennweite Portraitaufnahmen macht und nun etwas weiter vom Model weggehen muss, um mit Crop-Faktor den gleichen Bildausschnitt zu erhalten. Durch den größeren Abstand verändert sich zusätzlich die Schärfentiefe.

Schwierig wird es auch bei der Verwendung von Weitwinkel- und Fisheye-Objektiven. Ein 24mm Objektiv bekommt bei einem Crop-Faktor von 1.6 den gleichen Bildausschnitt wie ein 38mm Objektiv, was nicht mehr unter die Kategorie Weitwinkel fällt.

Ein klassisches Objektiv, das für eine Vollformat-Kamera gebaut wurde, kann ohne Probleme an einer DSLR-Kamera mit Crop-Faktor betrieben werden (z.B. Canon EF-Objektive). Umgekehrt gilt das nicht.

Ein sog. digital Objektiv, das für eine Kamera mit Crop-Faktor ausgelegt ist, kann nicht an einer Vollformat-Kamera betrieben würden. Der Bildkreis wäre kleiner und somit käme es, ähnlich bei extremen Fisheye-Objektiven, zu schwarzen Ecken auf dem Bild.

Der Crop-Faktor hat keinen Einfluss auf die Brennweite. Es verkleinert sich aber der Bildausschnitt und somit der Bildwinkel. Daher entsteht der Eindruck, als hätte man eine Objektiv mit längerer Brennweite.

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