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05. Juni 2009 Lesezeit: ~7 Minuten

Von Anfänger zu Anfänger (Teil 2/2)

http://farm4.static.flickr.com/3400/3548386345_fa78ab3845_m.jpgDer folgende Gastbeitrag stammt von Malte Pietschmann (Flickr, Twitter). Malte (22) studiert derzeit Medienmanagement, hat vor einem Jahr angefangen sich mit Fotografie zu beschäftigen und interessiert sich hauptsächlich für Reportage- und Modefotografie.

Dies ist der zweite Teil des Artikels. Den ersten Teil findet ihr hier.

5. Hol dir neutrales Feedback
Als Anfänger sieht man viele wichtige Details, die ein gutes Bild ausmachen nicht. Gerade in dieser Zeit neigt man dazu seine eigenen Bilder recht undifferenziert zu sehen, eben weil man viele Kleinigkeiten einfach nicht wahrnimmt. Da reicht manchmal schon ein tiefblauer Himmel um das Foto als gut zu befinden; egal ob die Komposition gelungen ist, egal ob das Motiv was hergibt und egal ob spannende Details ins Schwarze „absaufen“. Wer sich wirklich (effektiv) weiterentwickeln möchte, braucht daher auch Input von außen. Damit meine ich nicht unbedingt Familie oder Freunde, sondern eher neutrale Leute, die keine Angst davor haben dir ganz direktes und ungeschöntes Feedback zu geben.

Nur so hast du wirklich eine Chance an dir und deinen Fehlern zu arbeiten und es das nächste Mal besser zu machen. Aber beachte: Feedback ist nicht gleich Feedback. Daher denke ich, dass es sehr wichtig ist die Meinungen anderer richtig einordnen zu können: Bezieht sich die Kritik an deinem Foto auf eine rein subjektive Empfindung (z.B. die Farbgebung), auf etwas allgemein gültiges (Schärfe, Komposition, Belichtung etc.)? Ich denke gerade als Anfänger sollte man auf die Meinung erfahrener Fotografen und/oder Gestalter achten. Regeln sind zwar manchmal da um gebrochen zu werden; doch um eine Regel brechen zu können muss man sie erst einmal kennen und auch beherrschen.

Eine ganz wichtige Frage ist hier sicherlich auch wie kompetent derjenige ist, der das Feedback äußert. Soulfood á la „really beautiful colors“ oder „perfect composition“ sind schön und sicher auf wichtig, bringen dich aber nur begrenzt weiter. Präsentiere deine Arbeiten daher auf Plattformen wo wirklich konstruktives Feedback gegeben wird (z.B. supertopic.de). Je anspruchsvoller die Community, desto negativer wird die Kritik am Anfang ausfallen. Natürlich scheint negative Kritik auf den ersten Blick sehr unschön, weil sie dich auf den Boden der Tatsachen zurückholt und oft auch sehr frustrierend ist. Im Grunde genommen ist dieses negative Feedback aber das beste, das du bekommen kannst, da es dir wirklich hilft an dir zu arbeiten.  Also trau dich und stell deine Arbeiten zur Kritik.

Am Anfang wirst du vielleicht nur 5 von 10 Punkten bekommen und enttäuscht sein. Lass dich nicht entmutigen, denk über die Kritik, die dir gegeben wird nach und mach es beim nächsten Mal besser. Du wirst sehen wie schnell du dich weiterentwickelst und dementsprechend positiveres Feedback bekommst.

6. Photoshop rocks
Ich möchte an dieser Stelle keine Diskussion über das Für und Wider von Photoshop anzetteln und auch nicht die Frage von analog vs. digital neu stellen, da ich denke, dass sich diese Fragen so oder so jeder Fotograf für sich selbst beantworten muss.

Aus dem Bauch heraus würde ich sagen, dass heute der Großteil aller Anfänger digital fotografiert, eben weil es unkomplizierter und transparenter erscheint. Ich denke viele Anfänger sind schnell frustriert, wenn die Bilder die sie schiessen nicht gleicht so aussehen wie in den ganzen Hochglanzmagazinen. Gerade als Anfänger bietet Photoshop also die Möglichkeit Fehler zu korrigieren und die eigenen Arbeiten optisch aufzuwerten und dadurch auch zufriedener mit ihnen zu sein. Wie stark man seine Bilder verändert muss letztlich jeder für sich entscheiden.

Ich glaube es ist ganz natürlich, dass man sich zu Anfang an den ganzen Möglichkeiten von Photoshop austobt und dann auch schonmal über das Ziel hinausschiesst. Bei den meisten pendelt sich das jedoch mit der Zeit ein und man entwickelt ganz von alleine seinen eigenen Stil wie man an die Nachbearbeitung herangeht.

7. Probier mal was neues
Fotografie ist so unglaublich vielfältig. Wieso also nur immer das gleiche machen? Ich ertappe mich oft dabei wie ich aus  Angst zu scheitern einfach nur das mache, was ich kann und wovon ich schon im Voraus weiß, dass ich gute Resultate erzielen werde. Aber gerade das Nichtvorhandensein von Ansprüchen an deine Arbeiten ist aber doch das Schöne an dieser Zeit. Du kannst (im Gegensatz zu erfahrenen Fotografen, bei den es einfach eine gewisse Erwartungshaltung gibt) tun und lassen was du willst. Als Anfänger hast du sozusagen offiziell die Erlaubnis zum Scheitern. Also stell‘ dich neuen Herausforderungen und experimentiere. Wer immer nur reproduziert entwickelt sich kaum weiter.

8. Photoshop sucks
Gerade wegen der unglaublichen und aus meiner persönlichen Sicht auch ganz tollen Möglichkeiten, die Photoshop bietet neigt man dazu faul zu werden. Während ich fotografiere merke ich öfters, das ich eigentlich wichtigen Details kaum Beachtung schenke, weil ich weiß, dass ich mich darum später auch noch im Photoshop kümmern kann. Fakt ist jedoch: jede Veränderung, die nachträglich digital gemacht wird reduziert die technische Qualität deiner Bilder. Um dir also einen Haufen Arbeit zu ersparen und auch eine möglichst gute Ausgabequalität deiner Fotos zu gewährleisten ist es wichtig schon „on location“ auf störende Details zu achten, ggf. Vorkehrungen zu treffen oder einfach Störfaktoren zu umgehen, indem man beispielsweise einfach den Ausschnitt etwas verändert.

9. Bleib bescheiden

Positive Kritik zu seinen Arbeiten und Anerkennung von Gleichgesinnten zu bekommen ist immer schön und auch wichtig. Beachte jedoch immer von wem dieses Feedback kommt und lass es dir nicht zu Kopf steigen, denn auch hier gilt: Bescheidenheit macht sympathisch. Als ambitionierter Hobbyfotograf neigt man ab und an dazu in einer manchmal recht altklugen Art über die Fotografie zu reden, was vor allem auf Außenstehende oft ziemlich unsympathisch wirkt. Einen wirklich guten Fotografen macht weit mehr aus als nur ein paar gute Bilder.

10. Lass dich nicht entmutigen und bleib am Ball
Das ist vielleicht der offensichtlichste und zugleich wichtigste Tipp, den ich geben kann. Aller Anfang ist schwer und gerade als Anfänger wird man, obwohl man seine Arbeiten doch eigentlich ganz gut findet, oft auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt, was sehr frustrierend sein kann.

Fotografie ist, wie auch alle anderen Bereiche der Kunst, stark subjektiv und daher individuell interpretierbar, sofern man von Aspekten wie z.B. Technik und Ausführung absieht. Was dem einen gerade gefällt, missfällt dem anderen. Also nimm dir die Kritik an deinen Fotos nicht so zu Herzen. Wir alle erleben wahrscheinlich Tage, an denen wir glauben wirklich tolle Sachen zu machen und andere, an denen wir mit nichts zufrieden sind und manchmal alles sogar gerne sein lassen würden; egal wie gut oder schlecht wir wirklich sind.

Von Anfänger zu Anfänger (Teil 2/2)

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