kwerfeldein
04. Juni 2009 Lesezeit: ~8 Minuten

Von Anfänger zu Anfänger (Teil 1/2)

http://farm4.static.flickr.com/3400/3548386345_fa78ab3845_m.jpgDer folgende Gastbeitrag stammt von Malte Pietschmann (Flickr, Twitter). Malte (22) studiert derzeit Medienmanagement, hat vor einem Jahr angefangen sich mit Fotografie zu beschäftigen und interessiert
sich hauptsächlich für Reportage- und Modefotografie.

In der letzten Zeit fragen mich viele Bekannte wie man am besten anfängt zu fotografieren. Da ich selbst erst vor ca. einem Jahr angefangen habe, finde ich diese Frage sehr spannend, da man, je nachdem wem man sie stellt, ganz unterschiedliche Antworten bekommt und es klar sein dürfte, dass es darauf keine Pauschalantwort geben kann.

Wenn ein (blutiger) Anfänger diese Frage einem recht erfahrenem Fotografen stellt, so habe ich die Beobachtung gemacht, dass mit dem Erfahrungsschatz des Gefragten auch die Komplexität der Antwort zunimmt. Mir persönlich haben diese, mit Fachbegriffen vollgespickten, Antworten nie wirklich weitergeholfen, sondern mich eher noch verwirrt.

Auf den ersten Blick mag der Einstieg in die Fotografie sehr schwierig erscheinen, eben weil man oft das Gefühl hat von den ganzen Fachbegriffen und der Theorie, die dahinter steckt förmlich erschlagen zu werden. Ich möchte also versuchen aus der Perspektive eines Anfängers zu beschreiben, welche Ratschläge mir persönlich weitergeholfen haben und welche Erfahrungen ich in dieser Zeit gemacht habe.

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1. Fang klein an und bleib auf dem Boden
Ich lese häufig, dass teils kompletten Anfängern zu völlig überdimensioniertem Equipment geraten wird; wegen dem Rauschverhalten, wegen der chromatischen Aberration, wegen der Abbildungsleistung oder dem schönen Bokeh. Meiner Ansicht nach völliger Quatsch. Ein kleiner Body inkl. Kitobjektiv (z.B. 18-55mm) bietet einen überschaubaren  Funktionsumfang und damit alles, was man braucht um die Basics ganz in Ruhe zu erlernen, ohne zwangsweise viel Geld ausgeben zu müssen. Die richtige Kamera für sich selbst zu finden ist nicht leicht. Es gibt eine Vielzahl an
verschiedenen Features, mit denen die Hersteller auftrumphen und die von Fotografen ganz unterschiedlich gewichtet  werden. Für mich ging es in dieser „Phase“ erst einmal darum herauszufinden welche Anforderungen ich selbst an eine  Kamera stelle, bzw. wie und was ich überhaupt fotografiere.

Sobald diese grundlegenden Fragen geklärt sind und es fest steht, dass man tiefer in das Thema Fotografie einsteigen  möchte, würde ich allerdings jedem raten längerfristig zu denken und auch dementsprechend zu investieren. Du wirst es nicht bereuen. Ich persönlich habe die Fotografie durch mein derzeitigen Equipment (Nikon D90, Nikkor 50mm f1.4) komplett neu entdeckt. Gleichzeitig denke ich auch, dass es wichtig ist zu sehen wo man sich selbst bewegt: in der Amateurfotografie. Diese Erkenntnis schont vor allem deinen Geldbeutel. Bei dem Kauf meines neuen Equipments stand ich vor der Wahl zwischen einer Nikon D90 und einer Nikon D300. Im Nachhinein bin ich sehr froh auf den kleineren Body gesetzt zu haben, da er für dort, wo ich mich derzeit befinde mehr als ausreichend ist, auch nach oben hin genügend Freiraum für meine persönliche Entwicklung lässt und so noch etwas Geld für Objektive und Zubehör übrig blieb.


Daher mein Rat wenn es um den Kauf von Equipment geht: Stimme dein Equipment auf deine Fähigkeiten und deine (tatsächlichen) Bedürfnisse ab; nicht andersrum. Teures und gutes Equipment bietet vor allem einen größeren Radius an Möglichkeiten. Möglichkeiten, die man erstmal nutzen können muss und die sicher kein Garant für gute Bilder sind.

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2. Learning by Doing
Je mehr du produzierst, desto mehr (wertvolle) Erfahrungen wirst du sammeln und desto besser wirst du werden. Während meiner Indienreise habe ich angefangen zu fotografieren, besser gesagt zu knipsen. Überwältigt von den Eindrücken dort, habe ich tonnenweise Bilder geschossen. Letztlich konnte nur ein Bruchteil von ihnen wirklich verwendet werden. Vergeudete Zeit? Keineswegs. Durch diesen hohen Output habe ich die Scheu vor der Technik verloren und Routine bekommen.

Eben diese Routine ist unglaublich wichtig. Denn erst, wenn sich die Fototechnik auf einer eher unterbewussten Ebene abspielt (was bei mir noch lange nicht der Fall ist), ist man wirklich in der Lage sich voll und ganz auf das eigentliche Bild zu konzentrieren. Beim nachträglichen Betrachten der Bilder sind mir viele Details aufgefallen, auf die ich heute viel stärker achte. Ich denke gerade am Anfang geht es nicht primär darum wirklich bewusst zu fotografieren (das kommt der wachsenden Erfahrung von ganz alleine). Für mich ging es eher darum erst einmal ein Gefühl für die Sache zu bekommen und einfach „zu machen“.

3. Sehen, lesen, ausprobieren.
Um die oben genannte Routine zu bekommen muss man sich allerdings erstmal mit der manchmal doch recht trockenen Theorie auseinandersetzen und natürlich üben, üben und nochmals üben. Ich habe lange versucht mich um die theoretischen Grundlagen zu drücken, aber irgendwann festgestellt, dass das doch ein wohl notwendiges Übel ist, weil es mich letztlich weiterbringt und ein grundlegendes fototechnisches Verständnis auch für bevorstehende Kaufentscheidungen wichtig ist.

Wenn man anfängt zu fotografieren stellt sich einem selbst eine schier unendliche Flut an Fragen. Da die Fotografie sostark technik- und equipmentlastig ist, ist es wichtig seine Hausaufgaben zu machen um wirklich zu wissen wie man welchen Bildstil erreicht und was man dazu braucht. Beginnt man dabei sich mit der Materie auseinanderzusetzen versteht man am Anfang nur die Hälfte. Doch je mehr man auf Blogs, in Foren (usw.) liest umso mehr versteht man die Zusammenhänge. Ich selbst habe mir für den Einstieg nur ein einziges Buch gekauft (John Hedgecoe – Fotografieren:Die neue große Fotoschule); das meiste lerne ich aus Blogs und Tutorial-Seiten. Für mich ist es auch immer eine große Hilfe die Arbeiten von Fotografen, die ich sehr bewundere zu analysieren. Von wo kommt das Licht? Weich oder hart?

EXIF-Daten? Wie ist das Bild komponiert? Nach einer Regel oder eher intuitiv? Je mehr man fotografiert, desto mehr achtet man auf solche Details bei den Arbeiten anderer und desto besser kann man letztlich seine eigenen Ergebnisse bewerten. Doch alles Wissen ist nutzlos, solange es nur pure Theorie bleibt. Bei vielen Dingen, die man so liest glaubt man es nun  zu können, weil man es jetzt ja weiß. In der Praxis gestalten sich so manche Technik dann aber doch schwieriger, als es im Youtube-Video scheint.

Ich rate also jedem Anfänger sich mit der Technik, die zur Fotografie eben nunmal einfach dazugehört  auseinanderzusetzen. Aller Anfang ist zwar schwer; wer jedoch aber wirkliches Interesse für die Fotografie hat, dem wird  es nicht wie Arbeit vorkommen sich damit zu befassen. Ein paar interessante Links könnt ihr übrigens in meinen delicious bookmarks (tutorial#1, tutorial#2, fotografie#1, fotografie#2)finden.

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4. Fotografiere und sei kein Technik-Nerd
Anderseits ist es aber auch wichtig nicht zum „Technik-Nerd“ zu werden. Ich kenne einige Leute, die sich offensichtlich mehr für die technischen Aspekte interessieren, als dafür gute Bilder zu schiessen. Diese Leute philosophieren dann gerne über den Nutzen dieser und jener Technik, wieso Nikon nun besser oder schlechter ist als Canon oder sie  jammern auf hohem Niveau warum sie gerade nicht in der Lage sind gute Bilder zu schiessen (á la „wenn ich dieses und  jenes Equipment hätte, dann, ja dann wäre das alles ganz einfach!“).

Ich denke wer wirklich lernen möchte gute Bilder zu schiessen, sollte sich nicht zu sehr auf die technischen Aspekte der Fotografie konzentrieren. Für mich persönlich ist ein technisch eher schlechtes, aber fotografisch interessantes Bild mehr wert, als ein technisch perfektes, aber motivisch langweiliges Foto. Sich mit Fototechnik auseinanderzusetzen ist gut und auch wichtig; aber für mich besteht Fotografie aus weit mehr als aus Diskussionen über Bokeh & Co.

Von Anfänger zu Anfänger (Teil 1/2)

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37 Kommentare

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  1. Oh Mann. Den letzten Absatz sollte man manchen Leuten wirklich in A0 ausdrucken und manchen Leuten vor die Birne kleben. Mich nervt nichts mehr, als wenn solche Strategen meine liebsten Available-Light-Fotos bei 100% anschauen wollen, nur damit sie sich am Rauschen ergötzen können.

  2. Ja so ist das mit dem kinipsen. Eine wirkliche wissenschaft daraus zu machen, als Amateurfotograf, ist nach meiner Ansicht albern. Ich glaube man muss einfach nur einen Blick für Proportionen haben, für Licht und Farben. Das muss drin sein, ohne zu überlegen. Es ist heute auch nicht notwendig eine SLR Kamera zu besitze, es gibt auch gute Kompaktkameras. Auch professionelle Fotografen benutzen privat Kompaktkameras und holen da oft mehr raus als ein Amateur mit einer teuren SLR Kamera.
    Ich persönlich, habe mir einige Potcast von Martin Grommel angesehen. Vielleicht sollte man vorher ein kleines script machen wie man reden tuten tut ;-)
    So ist es auch in der professionellen Fotografie, der Fotograf möchte etwas bestimmtes erreichen um den Kunden zufrieden zu stellen und das ergebnis muss dann genau so sein. Davon bin ich weit entfernt und ich muss sagen auch viele hier auf dieser Seite von kwerfeldein.

    Viel Spaß noch beim knipsen.

  3. Hallo,

    vielen Dank für den Artikel. Für mich auch interessant, wie schnell Du zu diesen Einsichten gekommen bist. Bei mir hat es manchmal deutlich länger gedauert. Sehr hilfreich waren auch Arbeiten mit befreundeten Fotografen. Durch die Fachsimpelei habe ich eine deutlich steilere Lernkurve gehabt, als duch einfaches Lesen und Lernen.

    Ein Tipp kann man m. M. nach allerdings immer geben: höre einfach auf Dein Gefühl!

    Gruß!

    Torsten

  4. *nick*
    Aber da ist noch ein weiterer imho wichtiger Teil,
    Gerade als Einsteiger überschätzt man die Technik und unterschätzt welchen extremen Teil eines Bildes das Licht ist.

    Also gerade das letzte Bild, so etwas kann man ohne zu wissen was ein Reflektor und wir man ihn einsetzt ist nicht fotografieren.

    Und natürlich auch Aufbau des Bildes (Hairlight, Blick ins Bild, dritteln …) und natürlich das gute Bilder nicht Postkarten bunt sind (im Bild ist die Sättigung runter)

    Aber wir gessagt, ohne _VIEL_ an gelesenes Wissen ist so etwas extrem schwer nachzuvollziehen und man kann x000eur in die Ausrüstung stecken ohne „schöne“ Fotos zu produzieren

  5. Ein wirklich großartiger Artikel, da freut man sich schon auf Teil 2.
    Da ich selbst noch eher an den Anfängen stehe, kann ich eigentlich alles, was Du schreibst, genau so nachvollziehen und unterschreiben.
    Ich habe mich ebenfalls für eine günstige Kamera (1000D) entschieden und halte das für einen Anfänger auch für sinnvoll. Denn um die Technik Verstehen und möglichst ohne lange nachzudenken bedienen zu lernen, bedarf es keiner Profikamera, die einen am Ende wahrscheinlich noch überfordert.
    Mit der Zeit wachsen natürlich die Ansprüche, aber dann ist man auch in der Lage, gezielt entsprechend den eigenen Bedürfnissen zu erweitern.
    Im Übrigen finde ich es schön zu lesen, dass es noch Menschen gibt, die ein Foto nicht auf die verwendete Technik reduzieren. Das tun neuerdings nämlich einfach zu viele.

  6. Sehr guter Beitrag mit tollen Bildern, vor allem das vorletze. Dem Inhalt kann ich mich voll und ganz anschliessen.

    Ich denke auch das „Anfänger“ mit den Einsteigermodellen der Kamerahersteller anfangen sollten. Welche Marke ist ebenfalls vollkommen egal. Aber immer schön, die Kamera auf „M“ stellen :) naja fast

  7. Wahre Worte, vor allem der letzte Punkt.
    Nichts ist nervtötender als Techniknerds mit ihren Peniskomplexobjektiven, mit denen sie dann allerdings trotzdem nur beschissene Bilder hinbekommen.
    Am wichtigsten ist Fotografieren. Immer die Kamera dabeihaben. Und natürlich kann man sie auch gern mal im Automatikmodus haben. Bevor man sonst alles mögliche eingestellt hat, ist der entscheidende Moment unter Umständen nämlich schon vorbei.

  8. Also in einem Punkt gebe ich dir nicht recht ;)
    Wenn ich vor einem Gebäude stehe und nur ein 50mm dabei habe oder besitze, dann kann ich beruhigt sagen, dass es besser wäre mit einem z.B. 17mm. Ob dabei wirklich ein tolles Foto entsteht ist das Andere, aber die Möglichkeiten wären wesentlich besser ;)

  9. danke für den artikel. passt super für mich, hab mir vor 6 tagen neu neue kamera gekauft (nikon D40) und versuche nun, die „angelesene“ theorie in die praxis umzusetzen. dafür hab ich in den nächsten 6 monaten viel zeit, da ich nach neuseeland reise…

    matze

  10. ,, wenn die Fotos, die den Artikel begleiten vom Autor sind, erlaube ich mir zwei Anmerkungen:
    1. Anfäanger ist wohl ein wenig understatement :-) (Schwäbisch für dickes Lob)
    2. Anfänger haben selten (professionelle) Modelle, lediglich Bekannte und Freunde
    2a) und deren Fotos zu veröffentlichen ist aus Sicht von Datenschutz und Persönlichkeitsrechten bestenfalls ein Wagnis.
    … und das die Fotos mit Kitobjektiv entstanden sind… eher unwahrscheinlich… da ist noch eine mittlere Beleuchtungseinheit mit am Start, bei einigen jedenfalls.
    Als Anfänger fühle ich mich da etwas verschaukelt…. Sorry!

  11. @Michael:
    Erstmal Danke für das Lob. =)
    Ich sehe mich selbst als Anfänger, ja und fände es anmaßend und unberechtigt nach gerade mal einem Jahr Fotoerfahrung als jemand zu sprechen, der schon alles weiß.
    Ich arbeite derzeit weder mit professionellen Models, noch mit mit professioneller Ausrüstung. Die Leute, die ich fotografiere kommen alle aus meinem Bekanntenkreis und wissen alle natürlich alle, dass die Bilder auch online zu sehen sein werden. Was die Ausrüstung betrifft: viele von den Fotos (gerade die Indienbilder) sind mit dem EF-S 18-55mm entstanden, ja. Aber darum geht es mir auch gar nicht. Ich wollte nur sagen, dass ein Einsteigermodell zum „sich rantasten“ einfach perfekt ist und man keine Nikon D3X plus Nikkor 135mm f1.8er braucht um die ersten, wirklich guten Portraits zu schiessen.

  12. Danke für diesen Artikel! Auch ich zähle mich immer noch zu den Anfängern und mit diesem Artikel sprichst du mir wirklich aus der Seele. Gerade die Sache mit dem teuren Equipment stösst mir immer wieder sauer auf. Ich fotografiere nun seit ein paar Jahren mit meiner Nikon D50, die ich damals im Paket mit zwei Objektiven (18-55 und 55-200) und einem Stativ erstanden habe und ich liebe meine Kamera immer noch. Mittlerweile habe ich sie um ein Tamron Makro 90 mm ergänzt, mit dem ich auch sehr zufrieden bin. Ich werde wohl noch eine Weile bei dieser Ausrüstung bleiben bis ich weiss, wohin mein Weg in der nächsten Zeit gehen soll. Da bin ich mir nämlich noch etwas unschlüssig. Einzig und allein vermisse ich ein paar Megapixel mehr für grössere Ausdrucke, da kommen meine 6,2 nämlich doch irgendwann an ihre Grenze! LG Frau Zausel

  13. Hu, welch wahrer Artikel.
    Ich bin vor knapp nen dreiviertel Jahr nun endlich im Besitz einer Nikon D40X
    Wenn ich mit meiner Kamera unterwegs bin mach ich an die 100 – 150 Bilder, verschiedene Winkel, Einstellungen oder sonstiges mach ich damit, deswegen sind immer nur ne Handvoll letztendlich das was ich meine es ist einiger Maßen gut.

    Ich muss ehrlich aber sagen, dass man vielleicht immer erst mit Stilleben anfangen sollten. XD War Anfang der Woche im Leipziger Zoo und uuiiih,… hab lieber den Automatikmodus genommen, weil die Tiere dann doch zu zackig waren XD (Fotografier normalerweise im M-Modus rum, weil man da so viel zum verstellen hat *G*)

  14. Sehr guter und wahrer Artikel.

    Ich habe selbst die letzten 3 Jahre mit einer alten D70 im Studio gearbeitet – weil ich einfach kein Geld für etwas „größeres“ hatte. Viele waren doch immer wieder erstaunt, was mit so einer „alten Kamera“ möglich ist.
    Gerade für den Einstieg sind die kleineren Modelle wesentlich besser geeignet, da man zu dem Zeitpunkt noch nicht weiß, wie tief man in die Materie einsteigen will. Und wenn man sich wirklich hineinkniet kommt man sicher irgendwann an die Grenzen der Kamera … und DANN gilt es diese kreativ auszuloten und so nah wie möglich dran zu bleiben. Denn erst DANN kann man den Zugewinn an zB Dynamikumfang durch ein größeres Modell erst wirklich schätzen… (ich hatte fast Tränen in den Augen, als ich eine KB-Kamera in der Hand hatte und die Qualität der Bilder gesehen habe).

    J-C

  15. Der letzte Absatz ist echt Gold wert. Ich selbst fotografiere noch kein ganzes Jahr und habe mit einem D40 kit begonnen. Ich hab mich sehr intensiv mit der Materie beschäftigt und habe sie nach 3 Monaten völlig ausgelutscht gehabt, bin dann auf die D200 umgestiegen. Ich hätte mir auch D300/D700 oder D90 leisten können, jedoch fand ich es wichtig, mich nicht von der Technik beherrschen zu lassen, sondern die Technik beherrschen zu lernen.

    In einem Punkt muss ich widersprechen: Klar kann man klein anfangen, doch nicht jeder hat den Nerv bzw das Geld sich nach einer kurzen Zeit schon einen neuen Body zu kaufen. Auch auf teurem Equipment kann man lernen. Das ist aber wohl eher dann eine andere Frage.
    Ich denke der ein oder andere kennt das NF-F. Die Leute dort beschränken sich zu 90% auf die technischen Aspekte.
    Schade eigentlich, denn es geht in der Fotografie wie du schon sagst, um Bilder und den Spaß daran, wenn das Bild gefällt, dann spielt es doch keine Roller ob da nun der Horizont kippt, die Linse nur ein billiges Standardgurkenglas oder ein 2000€ Objektiv ist.

    lg
    pat

  16. Was soll uns der Satz „vor einem Jahr angefangen sich mit Fotografie zu beschäftigen“ mir eigentlich sagen? Warum wird das so betont? Suggeriert der Text nicht: hey, nach einem Jahr machst Du solche Fotos! Und zwar so nebenher und lalala. Halte ich für unglücklich, denn wer solche Fotos nach einem Jahr machen kann, der hat offensichtlich mitteilsame, hilfsbereite Profis als Freunde und kann sich stundenlang mit seinem Hobby beschäftigen. Der normale Knippser erreicht dieses Niveau in 5 Jahren nicht. Die Fotos sind gut, so gut, dass ich sagen würde: zu gut! Zu gut um in einem Beitrag über „Wie fang ich an“ zu sein und zu gut, um das alte, ausgelatschte „Nicht die Ausrüstung zählt“-Argument irgendwie untermauern zu können. Der Satz „Als Anfänger fühle ich mich da etwas verschaukelt…. Sorry!“ kann ich voll unterschreiben. Solche Texte bringen mir als Anfänger rein gar nichts. Schon allein daher nicht, weil es keine Info gibt, wie die tollen Fotos gemacht wurden. Kommt hinzu, dass die abgebildeten Fotos nicht nur toll geknippst sind, sondern auch fett aufgewertet wurden durch die Postproduction am PC – ich tippe mal auf Photoshop.
    Was würde ich mir wünschen: wie immer: konkretes lernen an konkreten Beispielen anstatt Gefasel über „ey, das braucht ihr alle nich“. Was auch interessant wäre: welche Ausrüstung ist denn für Dich noch ok und ab wann ist es denn zu viel? Externer Blitz ok? Softbox auf externem Blitz noch ok? Kabelloses Blitzen – sollte man sich sowas antun als Anfänger oder sollte der arme Anfänger doch lieber bei seinem kleinen Body und Kit-Linse bleiben, bis er kein Spaß mehr an der Fotografie hat? Sorry für die offene Kritik, alle anderen dürfen ruhig weiter jubeln! Aber die Bilder sind wirklich sehr gut! Bin gespannt auf den nächsten Teil.
    Grüße Blue

  17. Gerade der letzte Absatz ist meiner Meinung nach der entscheidende Faktor für gute Fotografien. Ich muss mir selbst eingestehen das eine ums andere Mal meine Fotos zu sehr von der technischen Seite her zu begutachten, als mich um das tatsächliche Bild zu kümmern. Wichtig in einem solchen Moment ist es selbst zu merken, dass man beginnt abzudriften und wieder den „richtigen Weg“ einzuschlagen.
    Ich erlebe es aber immer noch al zu häufig, dass in meinem Bekanntenkreis ein gutes (teures) Equipment mit guten Fotos gleichgesetzt wird. Hier werden dann immer wieder gerne die Datenblätter rauf und runter gepredigt und irgendwelche fadenscheinige Gründe gesucht diese Theorie zu untermauern. Als gutes und immer wieder gern genommenes Beispiel möchte ich hier mal auf die Megapixel Diskussion verweisen ;)

  18. @Blue:
    Ich habe das in dem Artikel immer wieder betont, weil ich weiß, dass es hier Leute mit sehr viel mehr Erfahrung gibt, die die Dinger wahrscheinlich differenzierter sehen, als ich.

    Ich sehe mich als Anfänger, weil ich einfach nicht daran glaube, dass man nach nur einem Jahr ein wirklich routinierter Fotograf sein kann, der schon alles weiß. Ich erlebe momentan bei jedem Shoot einen „aha“-Effekt und lerne was dazu.

    Ganz generell haben die gezeigten Fotos mit dem Inhalt des Artikels nicht viel zu tun; ich wollte damit einfach nur zeigen, dass ich nich total aus dem Blauen heraus Ratschläge gebe. Gerade bei den Modesachen ist ja klar, dass da ein wenig mehr Aufwand hinter steckt, sowohl was das Equipment anbelangt, als auch dann später in der Bearbeitung.

    Die von dir angesprochenen Tutorials und Infos findest du überall im Netz; strobist, One Light Workshop von Zack Arias, Confessions of a Photographer etc.. Ich habe das absichtlich nicht mit rein genommen, weil solche Details am Anfang einfach noch nicht entscheidend sind und es solche Tutorials schon zu genüge gibt.

  19. Malte, ich wollte hier keineswegs nur rumdizzen! Ich finde es anerkennenswert und mutig, einen Gastartikel zu schreiben und denke Du warst Dir da was Stil und Inhalte nageht auch nicht immer sicher. Und natürlich gibt man einem solchen Artikel dann auch ein paar richtig gute Bilder mit auf den Weg, das Auge liest ja mit…
    Um meine Kritik mal zu differenzieren: Erstens steckt da natürlich eine Menge Neid mit drin, weil seit etwa einem Jahr fotografiere ich selber bewusst und da sind solche Bilder einfach noch nicht rausgekommen. Liegt mit sicherheit auch an der Frage des Zeitaufwandes, da gilt die alte dritelteilung 8h Arbeiten, 8h Schlafen und 8h für den Rest. Und Haushalt, Freundin, Netzwerk wollen auch noch nen Teil abhaben.
    Genrefragen sind sicher auch mit dabei, Du hast Dich ganz klar auf Personen in Deinem Portfolio begrenzt und die stehen z.B. bei mir derzeit weiter im Hintergrund, ich bin noch nichtmal soweit mein Portfolio eingrenzen zu wollen/können. Landschaft wird sicher eine Rolle spielen, aber mehr kann ich noch nicht sagen…
    Die Ausrüstungsfrage wird da allerdings schon interessanter, wie Blue ja angesprochen hat, die Kamera ist nur die halbe Miete. Der Rest des Equipments zählt bei Portrait und Studio fast mehr. Zzgl. der Frage der Location oder anders ausgedrückt: Wer hat so große Wohnungen, dass da noch Platz für ein lockeres Shooting mit Backdrop, zwei Reflektoren und nem Blitzschirm ist? Übertrieben, sicher, aber es bringt zum Ausdruck was gemeint ist.
    Die Frage Gearhead oder nicht ist also nicht nur an der Kamera zu entscheiden, sondern greift noch viel weiter aus. Früher mussten wir um Verständnis für die Dunkelkammer im Badezimmer bitten…
    Noch ein Faktor: die Umgebung. Naturgemäß ziehen Bilder in exotischer Kulisse oder mit exotischen Menschen schneller den BLick auf sich, als sagen wir mal die Bilder aus der Fußgängerzone vom letzten Wochenende. Ausserdem klagt der durchschnittliche Slumdog nicht gegen die Verletzung der Persönlichkeitsrechte…
    Insgesamt habe ich da auch viel größere Skrupel als die meisten „Fotographen“ und ich finde es schade, mit welcher Ignoranz hier gegen Persönlichkeitsrechte verstossen wird und mit welcher Gleichgültigkeit wir alle das zulassen. Jeder der einen CCD bedienen kann stellt Fotos von allen möglichen Leuten ins Netz mit der Begründung „Hey, für meine Kumpels ist das OK“. Wozu gab es nochmal den Model-Release? Wie war das mit dem echt am eigenen Bild? Solche Sachen sind solange Lustig, bis der Arbeitskollege mit der latenten Schizose austickt und Fotomontage von der Kollegin Martina auf dem nackten Körper von XXX-Models klebt und das ins Netz zurückstellt, mit Name und Adresse der Kollegin, versteht sich. So schnell habt ihr wahrscheinlich noch nie jemanden eine Geheimnummer beantragen sehen! Spätestens jetzt sollte Martina zwei Anzeigne erstatten, eine gegen unbekannt wg. der Montage und eine wg. Verletzung der Rechte am eigenen Bild gegen den Fotografen, der mit Sicherheit wieder mal keinen schriftlichen Release hatte.
    Tschuldigung, aber bei diesem Thema rege ich mich relativ regelmäßig auf, bin vermutlich inzwischen Schäble-Paranoid geworden.
    Nix für ungut, bin trotzdem Gespannt wies weiter geht und vielleicht könnte Martin hiermal einen Beitrag zum Umgang mit Persönlichkeitsrechten machen? Weiss schon, da war mal dieses Gepsräch mit dem Anwalt, aber über die Folgen einer sich verabschiedenden Rechtskultur war da keine Diskussion drin. Um um genau diesen „Verfall der Sitten“ geht es ja letztlich.
    Und, soviel Selbstkritik sollten wir vielleicht auch haben: Fotografen haben dazu ne ganze Menge beigetragen, gerade die Untergattung des Bildjournalisten.

  20. Bokeh ist wichtig, aber nicht technisch, es sei denn, man will es zwanghaft ;). Supertolle Bilder, übrigens, da könnten sich viele Techniknerds mit ihren schweineteueren Linsen und Kameras fünf dicke Scheiben davon abschneiden. Respekt.

  21. Hey Malte,

    Klasse Artikel, ich freue mich schon auf den 2.Teil.
    Vielleicht kannst du ja auch mal das eine oder andere Bild vorstellen und beschreiben wie du es aufgenommen hast.

    Gruß Arne

  22. Schöner Artikel:

    Und auch wenn es schon wiederholt vorkam hier:
    Den Typus Fotografen, der absolut technikorientiert ist und sich lang und breit über die Pros und Cons von Kameras und den verwendeten Technologien auslässt, ist so alt wie die Fotografie selbst.. das ist historisch belegbar. So unglaublich das klingt. Scheint ein typisch menschlicher Aspekt zu sein.

  23. Blogartikel dazu: Ucki`s Fotoblog

  24. Blogartikel dazu: Verplant vs. Planlos | Digitale Fotografie Lernen - KWERFELDEIN - Martin Gommel