kwerfeldein
02. Juni 2009 Lesezeit: ~4 Minuten

Von Filmen über die Fotografie lernen

Ich bin mir nicht sicher, ob jeder das so macht wie ich aber: Seitdem ich mit dem Fotografieren angefangen habe, gehe ich mit „ganz anderen“ Augen ins Kino. Ich nehme zunehmende Dinge war, welche mir zuvor entweder völlig wurschd waren oder mir niemals aufgefallen wären. Schließlich schaute ich Filme zu allererst aus Spaß. Heute natürlich auch – doch nebenher läuft manchmal bei mir ein „ganz anderer Film“ – und das oft ohne, dass ich es bemerke.

Filme haben seither eine komplett frische Wirkung und sind für mich eine Inspirationsquelle geworden – ich habe einiges von ihnen über die Fotografie gelernt. Heute möchte ich Euch ganz praktisch erzählen, in welchen Bereichen mich Filme weitergebracht haben. *Räusper: Natürlich ist meine Absicht, Euch dadurch auch anzustupsen, Filme mal mit „fotografischen Augen“ anzusehen ;)

Bildkomposition
Gute Filme leben vor allem von einer aussergewöhnlichen Bildgestaltung. Dabei fallen mir folgende Dinge auf: Ist die Hauptperson in der Mitte des Bildes? Oder wurde dabei die Drittelregel eingesetzt? Sind die Personen mit dem ganzen Körper drauf oder meistens irgendwo „abgeschnitten“? Ein weiteres Element, über das ich besonders gerne nachdenke ist die Position der Kamera (über den Menschen, auf Bodenhöhe, von sehr weit weg) – denn die Kameraposition ist bei Filmen oft sehr unterschiedlich und verdeutlicht, was gesagt werden möchte. Landschaften werden z.B. gerne aus sehr hohen Perspektiven gezeigt.

Hier mal ein Beispiel aus dem neuen The New Moon Trailer (achtet dabei auf die Kameraposition, Drittelregel usw.)

Schärfe
Sehr selten (aber immer wieder mal) fällt mir auf, dass bei Close–Ups, bei denen das Gesicht einen Großteil des Bildes ausmacht die Augen gar nicht scharf sind. Jedesmal läuft bei mir unterbewußt dann „Fehler!“ oder „Ups!“ und ich habe bisher nie verstanden, warum solche Szenen dann doch genonommen werden. Als ich mich vor ein paar Wochen mit meinem Freund Marc Böttler (Cutter, Director) darüber unterhalten habe, wurde mir klar, dass manchmal kurze Szenen trotzdem genommen werden, weil da die Stimmung passt und der Schauspieler die Szene am Besten darstellt (+ viele andere Faktoren). Dennoch ist es gut, festzustellen, wie wichtig Schärfe für ein (fotografisch) gutes Bild mittlerweile ist.

Farbgebung & Bearbeitung
Der nun kommende Trailer für den Film „300“ ist das perfekte Beispiel für unterschiedlichste Farbgebungen in einem Film. Natürlich ist 300 insgesamt sowieso ein Postprocessing-Schwergewicht, aber hier ist auffallend, wie mit unterschiedlichsten Blau-und-Sepiatönen gearbeitet wurde:

Und dieser Film darf beim Thema Farbe natürlich nicht fehlen: Amelie (achtet mal mal auf Farbkontraste)

Licht & Beleuchtung
Wie werden Gesichert ausgeleuchtet? Voll oder nur halb? Von welcher Seite? In welchen Situationen wird wie beleuchtet? Besonders stark in fröhlichen Momenten, eher schwächer in traurigen? Das sind Fragen, die ich mir immer wieder stelle und das inspiriert mich dazu, selbst auszuprobieren. Hier mal ein Beispiel (da kann wirklich jeder Film dienen):

Settings & Umgebung
Auch in der Fotografie wird sehr gerne mit extremem Locations und unterschiedlichen „Hintergründen“ (z.B. die Natur, hihi) gearbeitet, um Menschen in einen Kontext zu setzen. Wie so etwas aussehen kann, lerne ich immer wieder von Filmen – wie zum Beispiel Brokeback Mountain:

Zum Schluß möchte ich mich noch bei Teymur Madjderey (twitter) bedanken, der mich bei der Umsetzung dieses Artikels mit Rat & Tag unterstützt hat. Danke!

Fragen an Euch:
Gibt es noch andere Dinge, die Euch bei Filmen auffallen?
Haben Euch diese Beispiele geholfen, etwas über die Fotografie zu lernen?
Kennt Ihr noch andere Filme, die ein bestimmtes Merkmal besonders gut zeigen?

Von Filmen über die Fotografie lernen

Ähnliche Artikel