kwerfeldein
13. Mai 2009 Lesezeit: ~4 Minuten

Eine Korrektur zum gestrigen Artikel

Irgendwie fehlen mir grad die Worte, um diesen Text einigermaßen gescheit anzufangen, denn wenn ich ganz ehrlich bin, ist es mir etwas unangenehm, das Folgende zu schreiben. Ich hatte ja gestern eine Kritik über das Wort „Profi“ geschrieben und bekam reges Feedback und so manche Kritik von Euch. Ich habe mir so manchen Kommentar zweimal , dreimal durchgelesen und bin zu dem Entschluß gekommen, dass ich ein paar Sätze zurücknehmen möchte. Nicht alles, was ich geschrieben habe war sinnvoll und dazu möchte ich jetzt stehen.

Zum einen habe ich gemerkt, dass meine Auslegung des Wortes „Profi“ sehr auf Gefühlen und persönlichen Eindrücken basiert. Das hat seine Gründe (und es fühlt sich immer noch einwenig komisch an), aber es ist eben auch sehr einseitig. Das haben mir die vielen Kommentatoren gezeigt, die dargelegt haben, dass Profi sein für sie ganz nüchtern betrachtet heisst, mit seiner Profession Geld zu verdienen.

Dem stimme voll und ganz zu – ihr habt einfach recht.

Erst im Nachhinein, als ich Eure Kommentare gelesen hatte wurde mir klar, dass das Wort „Profi“ auch ganz anderes ausgelegt und bestimmt werden kann. Natürlich macht es wesentlich mehr Sinn, erst einmal der ursprünglichen Wortbedeutung nachzugehen und dann zu schauen, was es damit auf sich hat.

Zum anderen ist mir klar geworden, dass durch meine einseitige Darstellung etwas anderes mit sich brachte, als ich folgendes las.

Marlen’s Kommentar

“ …. Ein Experte ist jemand, der sich auf einem Gebiet gut auskennt – also jemand den man für sein Wissen oder können schätzen kann. Wer sagt denn, daß ein Experte sich nicht weiterbildet oder nichts dazu lernt? Das ist doch Quatsch!

Man kann doch keine ganze Menschengruppe (in dem Fall Profis (und Experten)) in Misskredit bringen bzw. über einen Kamm scheren.
Natürlich gibt es immer Menschen die unangenehm eitel sind oder auf dem hohen Ross reiten, aber das bedeutet doch nicht dass es auch das Gegenteil gibt.

Und was ist so schlimm daran wenn jemand Anzug trägt? Oder eine teuere Ausrüstung benutzt? Der Fotograf wird sich immer die Ausrüstung suchen die seiner Weise zu fotografieren am besten gerecht wird und die für den Kunden erforderliche Qualität bringt. Und wenn das Mittelformat ist, muß es halt Mittelformat sein. Und wenn 3 Assis gebraucht werden damit Lichtdoubles da sind oder was auch immer dann muß es auch sein.
Warum sollte man denn den Fotografen dafür schmähen?

Ich versteh’s nicht.“

Das stimmt. Es war (und ist) einfach nicht gut, eine Gruppe von Menschen über einen Kamm zu scheren. Natürlich ist es quatsch zu sagen, dass ein Experte sich per se nicht weiterentwickelt und alle Profis unerreichbar sind. Dass eine große Ausrüstung und Assistenten automatisch uncool sind. Das muss daneben gehen, weil es Verallgemeinerungen sind. Und die treffen manchmal zu, aber häufig auch gar nicht.

Deshalb möchte ich auch diese Äusserungen zurücknehmen.

Ich denke, dass es einen Grund hat, warum ich mit dem Wort solche negativen Assoziationen habe. Ich habe Fotografen erlebt und kennengelernt, die auf mich eingebildet und mit der Nase ganz weit oben rumgelaufen sind (möchte ich jetzt nicht weiter ausführen). Doch das war zu einseitig.

Denn ich habe auch viele Profis (Menschen die mit Fotografie ihr Geld verdienen) erlebt, die überhaupt nicht so sind. Die an sich arbeiten, sich weiterentwickeln und fair mit ihren Assistenten umgehen. Fotografen, die eine teure Ausrüstung haben und kein bisschen eingebildet sind. Ja, die kenne ich auch. Warscheinlich habe ich nur die negativen Beispiele im Kopf, weil die sich ja bekanntlich eher in unserer Erinnerung festsetzen als die guten Beispiele.

Da sieht man mal, wie schnell man sich unüberlegt in etwas einschiessen kann.

Jedenfalls habe ich durch Eure Kommentare einiges gelernt und auch meine Assotiationen mit „Profi“ sind seit gestern wesentlich nüchterner und sachlicher geworden.

Gut, dass wir gemeinsam auf dem Weg sind.

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21 Kommentare

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  1. Geht leider oft sehr schnell, dass man sich „aufregt“ und seine Gedanken freien Lauf lässt. 2 mal drüber geschlafen sieht man alles aufeinmal etwas anders.
    Aber Respekt, es zeugt echt Charakterstärke von dir dass du heute nochmal Stellung zu beziehst und dir auch gerne andere Meinungen anhörst und drüber nachdenkst. Ist eigentlich eh nichts neues von dir, dass sehen wir alle eigentlich täglich hier. Dennoch macht die heutige Stellungnahme dich echt ein ganzes Stück noch viel Sympatischer als du eh schon bist. Und zeigt trotz deines Ruhmes im Web, dass du weiterhin auf den Teppich bleibst und dich nicht als was besseres hälst, wie so oft bei anderen Blogger geschieht.

  2. @Tamer: Eigentlich wollte ich genau das schreiben, was du soeben gepostet hast.

    Auch ich bin der Meinung, dass es Martin sympathisch macht, dass er sich einmal über etwas aufregen kann und dabei daneben haut. Er ist ein Mensch und hat Emotionen. Dass er damit nicht immer hinter dem Berg hält, kann manchmal auch zu übertrieben positiven Betrachtungen führen, do da regt sich wohl niemand auf…
    Und wenn er merkt, wenn er übers Ziel geschossen hat, dann ist er sich nicht zu gut, dass auch zuzugeben.

    Nachdem die Leser hier auch alle Menschen sind, glaube ich sagen zu können, dass eines der Erfolgsgeheimnisse von kwerfeldein sicher ist, dass es hier „menschelt“…

  3. Da sieht man auch Profis(„Menschen die mit Fotografie ihr Geld verdienen“) machen Fehler. ;-)

    Nein es war kein Fehler, sonder viel mehr auch das Einsehen zu können was andere sagen und vorallem das begreifen. Wie Tamer schrieb: Menschen mit Fehler sind sympatischer als Perfekte Menschen.
    Danke für die Stellungnahme.

  4. Trotzdem kann ich absolut nachvollziehen, was Du meinst. Die Bescheidenheit im richtigen Moment, die Du gern ausdrücken wolltest, kam bei den Erbsenzählern falsch an.. Aber der Grundaussage über eine bestimmte Art Mensch (häufig halt als Profi benannt) stimme ich nach wie vor zu.. :)

    M.

  5. Da kann ich DasMaddin zustimmen. Ich weis was du meintest ;)
    Und ich finde es auch super von dir hier noch Stellungnahme zu beziehen. Denn viele Leute auch Profis ;) gestehen manch ein Fehler einfach nicht ein.
    Aber man kann sich ja auch des besseres immer belehren lassen. Du hast auf jeden Fall eine neue Sicht der Dinge daraus gewonnen.

    LG Rene

  6. Hey Martin,
    ich lese jetzt schon seit etwa 4 Wochen regelmäßig deinen Blog und bin echt begeistert von deiner Arbeit, allerdings hatte sich noch keine Möglichkeit für ein Kommentar gegeben, daher hier mein Erster :D. Ich selbst Fotografiere erst seit ca. 5 Wochen und habe vorallem durch das Schnüffeln im Archiv deiner Seite enorme Fortschritte gemacht und verstehe das Fotografieren von malzumal besser. Dafür erst einmal ein großes Lob und Dankeschön. :)

    Nun zu deinem Artikel von Gestern bzw. Heute:
    Als ich den Artikel von Gestern gelesen hatte, fühlte ich mich in meiner Meinung unterstützt, da ich ein ähnliches Gefühl mit dem Wort „Profi“ verbinde. Aber als ich dann die Kommentare las, merkte ich, wie unrecht doch dieses Gefühl hatte.
    Mir selbst passiert es viel zu oft, dass ich Worte aus meiner eigenen Erfahrung und Gefühlen definiere und dabei in meinem Freundeskreis sehr auf Kontras stoße, da es einfach nicht die richtige Definition ist. Klar wissen sie was gemeint ist und was ich sagen wollte, aber es ist und bleibt falsch ausgedrückt. Allerdings bin ich dann oft zu Eitel, es einzusehen. Erst nach Stunden langer Diskussion lasse ich mich vielleicht auf einen Kompromiss ein. :D
    Du dagegen schaffst es, einen ganzen Blogeintrag deiner Verfehlung zu widmen und Teile deiner Worte zurück zu nehmen. Da gibt es wirklich nur eins zu sagen: Respekt! Es gehört viel dazu, eigene Fehler einzugestehen und das auch noch Öffentlich kund zu tun und das zeichnet dich wirklich aus!

    lg Horst

  7. Die negativen Assoziationen, die Du hier beschreibst, sind aber nichts ungewöhnliches. Ich habe sie auch. Profi klingt halt nach alten, verstaubten und technisch nicht sehr fortschrittlichen Männern mit riesigen Teleobjektiven, die sich bei Bundesliga-Fußballspielen gegenseitig ihre riesigen Teleobjektive zeigen ;). Aber im Grunde meint das Wort Profi was anderes, wie Du auch in dem Artikel selbst sagst…

  8. Mir geht es in der hinsicht so das meiner meinung nach das wort „Profi“ viel zu schnell verwendet wird.
    ich glaube selbst wenn ich ein Profi währe würde ich mich nicht als solcher bezeichnen weil ein profi für mich ein mensch ist der etwas so gut beherrscht das da ein gewisser abstand zu meinen fehigkeiten da ist.
    diesen abstand wird immer da sein. auch profis haben ihre vorbilder zu denen sie aufsehen. ich finde das wort profi ist ein dehnbarer begriff :D

    sorry für die komische schreibe….
    lg

  9. das ganze bestätigt aber mal wieder meine annahme von diesem tollen blog, dass die wirklich hilfreichen artikel wie lightroom-tuts etc. und sonntags-auflockerungen alà browserfruits etc. super sind, aber dieses dazwischen eingeschobene „geschwafel“ nicht mehr als platzhalter sind. lieber mal einen tag nichts neues als solch komische beiträge, die mit einer frage an die user enden.

    aber ist ja nur meine meinung ;)
    lg

    • @Yashin: Zunächst einmal danke für Deine Kritik – schade, dass Artikel dieser Form Dir nicht so viel bringen (das kann ich gut verstehen, sie sind nicht jedermanns Sache). Aber Artikel wie dieser sind ein wichtiger Bestandteil, der zum Wesen und der Geschichte kwerfeldein.de’s gehören und deshalb alles andere als Lückenfüller. Klar ist – und da gebe ich Dir recht – dass sie dem Fotografierenden nicht direkt etwas „bringen“. Und dennoch finde ich es wichtig und relevant, Themen auch auf der Meta-Ebene zu diskutieren, weil sie indirekt sehr viel mit unserem täglichen Fotografieren zu tun haben. Deshalb werd ich auch in Zukunft meine Gedanken auf diesem Weg mitteilen und fragen, wie andere Leute das angeschnittene Thema sehen (auch das ist ein mir sehr wichtiger Teil von kwerfeldein.de) ;)

  10. Lieber Martin! Ganz großes „Kino“! Es kostet viel Kraft, sich in aller Öffentlichkeit zu revidieren. Danke! Mir geht es auch oft so, dass ich mit einer Meinung vorpresche, ohne an die Folgen zu denken. Zum Glück hast Du hier ein tolle Community, die einem sowas nicht übelnimmt.

    @Marlen
    Dein Kommentar war spitze und hat alles enthalten, was in meinem Kopf vor sich ging, auch wenn ich das nicht in dem Moment so formulieren konnte.

  11. hm, hab gerade nochmal drüber nachgedacht und gebe dir eigtl recht. wird wohl unter anderem auch gerade das sein, was kwerfeldein ausmacht ;) passt also schon, eigentlich :)

  12. ich fand deinen artikel gestern auch strange, und dachte mir nur: ok Profi sind für den MG einfach nur ein Name für Besserwisser/Nerver.
    Doch dabei: Profi => Professionnel => Beruf =! erfüllt.
    DU hast irgendwie nur die „10 weitere Peinlichkeiten von Fotografen“ (wenn auch nicht komplett, und evtl ergänzt) aufgeführt.
    Immerhin Gratulation zu deiner Begradigung, du machst dir ja doch einige Gedanken über das was du schreibst; und als alleiniger Verfasser kann es schon mal vorkommen daß man in solche gedanklichen Sackgassen gerät.

  13. Du hast gerade gezeigt, dass Du ein absoluter Profi bist! Ich hatte auch so ein komisches Gefuehl im Bauch, es war nicht so ueberzeugend, was Du gestern gepostet hast.

  14. Leider schaue ich hier nicht mehr so oft rein und habe die beiden Artikel zu diesem Thema spät entdeckt. Interessantes, aber auch schwieriges Thema. Man kann „Profi“ und „Amateur“ nicht fein säuberlich voneinander trennen. Die Grenzen sind eher fließend. Wenn es nach der Meinung der vielen Poster hier geht, bin ich ein Profi. Schließlich verdiene ich mein Geld unter anderem auch mit der Fotografie, auch wenn es nur eine von mehreren Aufgaben ist, die ich an meinem Arbeitsplatz habe. Aber ich zucke innerlich zusammen, wenn ich mich als Profi bezeichnen würde. Da geht es mir ähnlich, wie Martin es in dem ersten Artikel zu diesem Thema beschreibt. Wobei meine Reaktion nicht ganz so krass ausfällt. Eher so ähnlich, wie Martin es jetzt beschreibt. Ich sehe das relativ gelassen. Zumal ich „nur“ mit Einsteiger-Kameras arbeite. Nix mit Vollformat. Aber das spielt keine große Rolle. Entscheidend ist derjenige, der am Rädchen dreht und aufs Knöpfchen drückt. Im Prinzip ist es völlig wurscht, ob Profi oder Nichtprofi. Entscheidend ist, dass man Spass hat, sich mit der Materie Fotografie zu beschäftigen. Wenn man auch noch damit Geld verdienen kann, umso schöner.