kwerfeldein
12. Mai 2009 Lesezeit: ~3 Minuten

Von den „richtigen“ Profis – eine offene Kritik

Ich bin ja gerne stiller Beobachter der Fotoszene und dabei fallen mir ab und zu so Sachen auf, die mir gar nicht gefallen. Und eins ist der Gebrauch des Wortes „Profi“. Den Nutzen des Wortes Profi möchte ich heute stark in Frage stellen.

„Hey, es ist doch nur ein Wort? Wo ist das Problem?“

Stimmt. Es ist nur ein Wort. Doch Worte drücken aus, was wir denken, wie wir handeln und vor allem, wie wir uns selbst und andere sehen. Worte setzen den Ton, gebe eine Richtung vor und bestimmen, wie wir mit anderen reden. Und Worte transportieren weit mehr als den sachlichen Inhalt – wie wir heute noch sehen werden.

Unbehagen

„Du bist doch ein Profi“ – so wurde ich in einer Email vor ein paar Wochen genannt. Da bin ich innerlich zusammengezuckt. Fühlt sich komisch an. Nee – Profi? – nee. In mir löst das Wort Profi Unbehagen aus. Warum?

Weil ich alles andere sein will als ein Profi.

Denn meine Assoziationen mit dem Wort Profi sind vorwiegend negativ belegt.

Wenn ich an einen Profi denke, dann schwingt da immer eine gewisse Unerreichbarkeit mit.

Profi klingt nach zu viel Geld und einer übelst derben Ausrüstung. Profi riecht nach „Nase oben“. Profi klingt nach „ich bin’s und Du nicht“.

Profi klingt nach Etikette, Jackette und 50 L Objektiven, die von einem Assi(stenten) hinterher geschleift werden. Und ehrlich gesagt identifiziere ich mich instinktiv mit dem Assistenten und nicht mit dem Profi.

Dabei stellt sich mir die Frage, wofür es dieses Wort eigentlich gibt, und welchen Sinn es hat. Dabei ist mir aufgefallen, dass es vor allem eines bewirkt:

Trennung.

Zwischen Profis und Anfängern. Trennung zwischen Profis und Amateuren. Trennung zwischen denen, die es offensichtlich checken und denen, die nicht noch nicht so weit sind.

(Update: Wer entscheidet eigentlich, wann jemand ein Profi ist und wie lange er noch Anfänger ist? Die Gesellschaft? Der Erfolg? Der Mercedes? Die 50000 € Kamera?)

Wie unnötig.

Das Wort bewirkt noch etwas.
Wer ein Profi ist, der hat einen gewissen Status erreicht – er ist ja „professionell“. Und schon wieder möchte ich kein Profi sein, denn das klingt mir zu sehr nach Stillstand. Es gibt nichts mehr zu lernen. Sorry. Nix für mich.

Nein. Ich will kein Profi sein.

Es gibt Fotografen (und auch andere), die legen einen immensen Wert darauf, ein „Profi“ zu sein. Diese Leute verlieren bei mir manchmal eine gewisse Portion Glaubwürdigkeit. Denn wer es nötig hat, immer wieder diesen Status in Vordergrund zu stellen, der hat irgendein Problem. Da stimmt was nicht.

Wer weiss, was er kann, der braucht das Wort „Profi“ nicht – denn er überzeugt durch sein Handwerk und nicht mit irgendeinem Titel.

Frage: Welche Assoziationen habt ihr beim Wort Profi?

Von den richtigen Profis und warum ich keiner sein will

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