kwerfeldein
09. Mai 2009 Lesezeit: ~3 Minuten

Die Zeit – Ein unterschätztes Mittel der Bildgestaltung

Heute morgen bin ich in einem alten Fotobuch „Das Reisefoto“ (1973) über eine Stelle gestolpert, die ich mit Euch teilen möchte:

„Die Zeit ist eines der wichtigsten Gestaltungsmittel des Reisephotographen, denn erst die freie Wahl des Aufnahmezeitpunktes versetzt ihn in die Lage, die charakteristische Stimmung eines Ortes im Bild festzuhalten. Jedes Motiv bietet zu jeder Stunde des Tages, in jeder Jahreszeit, einen anderen Anblick, auf jedes Motiv wirken sich die wechselnden Lichtverhältniss anders aus.

Ein Photograph, der sich die Zeit nimmt, diese Metarmorphosen seines Motivs im Verlauf des Tages zu verfolgen, kann sich den Augenblick aussuchen, in dem eine Aufnahme sowohl dem Objekt als auch seinem eigenen Empfinden am besten gerecht wird.“

Warscheinlich ist für die meisten Leute hier das Gesagte gar nichts Neues. Was ich aber weiss ist, dass Zeit (und damit verbunden das Licht) in der Landschaftsfotografie ein sehr unterschätztes Gestaltungsmittel ist.

Es ist eine Sache, vor Ort die richtige Kompostion zu finden und nachträglich perfekt zu bearbeiten. Es ist aber etwas anderes, zur richtigen (Jahres)zeit wirklich da zu sein und abzudrücken.

Ich möchte einmal an diesen beiden Bildern zeigen, wie unterschiedlich ein und der selbe Baum wirken kann, wenn man ihn einfach zu unterschiedlichen Zeiten fotografiert. Das erste Bild wurde tagsüber in der prallen Mittagssonne aufgenommen und das Zweite 10 Tage später früh morgens.

The One by you.

Und hier das zweite Foto des selben Baumes.

Lonely by you.

Ich muss korrekterweise dazusagen, dass das erste Foto auch aus einer etwas anderen Perspektive geschossen ist. Ausserdem habe ein paar Äste weggestempelt um den Baum bisschen runder zu machen – aber ich glaube das Beispiel zeigt ganz gut, was gemeint ist.

Wenn ich mich zwischen einem der beiden Bilder entscheiden müsste, würde ich das zweite Foto nehmen. Hier ist eine ganz andere, wesentlich melancholischere Stimmung als im Ersten. Und das gefällt mir besser. Es hat sich also gelohnt, diesen Ort nicht nur einmal aufzusuchen.

Update: Einige Kommentatoren hatten angemerkt, dass meine beiden Fotos nicht so gut zum Thema passen, weil eines in Schwarzweiss und beide schon sehr bearbeitet sind. Und ich muß den Kommentatoren teilweise recht geben. Deshalb eine kleine Erweiterung:

Mein Buddy Mace2000 hat ein Jahr lang 2 Bäume fotografiert und dabei jeden Monat ein Foto gemacht. Diese passen sehr gut, um zu zeigen, welchen Einfluss die Zeit auf ein und das selbe Objekt hat. Klickt Euch mal durch.

February - rays by Mace2000 March - snow flakes by Mace2000 April - blooms by Mace2000 May - halo by Mace2000 May - wheat in the wind by Mace2000 June - fields of gold by Mace2000

July - the heat by Mace2000 August - the light show by Mace2000 September's gone by Mace2000 cherry trees vs. sky dragon by Mace2000 Memories by Mace2000 last picture for 2006 by Mace2000


Frage:

Wie sieht es bei Euch mit der Zeit aus?
Habt ihr eine Stelle schon einmal an unterschiedlichen Zeiten fotografiert?
Wie habt ihr das erlebt?

Die Zeit - Ein unterschätztes Gestaltungsmittel

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