Kwerfeldein
08. Mai 2009 Lesezeit: ~ 4 Minuten

Bildkomposition in der Landschaftsfotografie

Bildkomposition in der LandschaftsfotografieDies ist ein Gastartikel von Sven Seebeck. Sven arbeitet als Musiker hoch im Norden Finlands und verbringt seine freie Zeit mit der Landschaftsfotografie. Seine Arbeit kann man auf seinem Blog From 10 to 300mm finden.

Ich habe das Glück hier oben in Finland von schönen Landschaften umgeben zu sein und wollte diese als ich anfing mich mit der Landschaftsfotografie zu beschäftigen nun gerne einfangen. Ich musste schnell lernen, das es nicht allein genügt vor einer schönen Landschaft zu stehen und  zu hoffen das der Rest dann von selber kommt. Deshalb fing ich an die Fotos meiner Lieblingsfotografen zu Analysieren und mich eingehender mit dem Thema der Bildkomposition zu beschäftigen.

Was mir geholfen hat, ist ein Foto wie eine Geschichte zu betrachten. Eine Geschichte (Foto) besteht es aus einem Anfang (Vordergrund), Mittelteil und Ende (Horizont). Zunächst einmal sollte man sich bei seinem Foto Gedanken machen, was man in den Vordergrund stellen will und wo man den Horizont platziert. Der Mittelteil ergibt sich dann fast von alleine.

Wenn ich vor einer Szene stehe, versuche ich zunächst einmal meinen “Vordergrund” zu finden. Dies kann tatsächlich alles mögliche sein, eine Pflanze, ein Stein, eine Felsformation, ein Fluss oder ein Weg der in das Bild führt. Der Betrachter eines Bildes sieht in der Regel das untere drittel eines Bildes zuerst, und dann wandert das Auge nach oben, aus diesem Grund bietet es sich an hier etwas interessantes zu haben.

Wenn ich meinen Vordergrund gefunden habe, mache ich mir Gedanken darüber, wo ich den Horizont platziere und daraus ergibt sich dann automatisch mein Kamerawinkel. Muss ich tief runter, oder etwas höher hinaus und so weiter.

Zur Geschickten Platzierung des Horziontes in einer Komposition kann man zwei gebräuchliche Regeln zur Hilfe nehmen, die “Drittel Regel”  und die 80/20 Regel.

Drittel Regel

Die Drittel Regel ist wahrscheinlich eines der ersten Konzepte von dem man hört wenn es um das Thema der Bildkomposition geht. Im Wesentlichen geht es darum, das man versucht den Rahmen in jeweils drei gleich grosse Abschnitte, Horizontal wie Vertikal, zu unterteilen und zum Beispiel den Horizont auf einer dieser Linien legt. Dieses ist ein allgemeingültiges Konzept, was man sehr häufig in der Fotographie, Malerei sowie Film und Fernsehen findet, es entspricht zwar nicht dem Goldenen Schnitt, sollte aber für den Anfang genügen.

Bildkomposition in der Landschaftsfotografie

Die 80/20 Regel

Die 80/20 Regel ist ein weiteres sehr gebräuliches Konzept. Dieses kann man sehr häufig zum Beispiel in der Arbeit des britischen Fotografen Joe Cornish finden. Die Idee ist hier das man den Rahmen in 80% Vordergrund und 20% Hintergrund/Himmel oder 20% Vordergrund und 80% Himmel unterteilt. Diese Kompositionsmethode findet man häufig in Kombination mit einem Weitwinkelobjektiv und im Portraiformat.

Bildkomposition in der Landschaftsfotografie

Ein weiterer Punkt ist dem Bild eine gewisse Balance zu verleihen.

Ich versuche immer zum Beispiel eine gewisse Balance zwischen Vorder- und Hintergrund zu erzielen, und/oder dem was auf den beiden Seiten des Bildes passiert. Wenn der Himmel zum Beispiel sehr aktiv ist, versuche ich einen etwas ruhigeren Vordergrund zu finden und umgekehrt und wenn ich auf zum Beispiel links unten etwas interessantes habe versuche ich zu gucken ob ich rechts oben eine Wolke finden und plazieren kann. Dieses ist natürlich von den Gegebenheiten abhängig und nicht immer möglich.

Bildkomposition in der Landschaftsfotografie

Auf diese Weise kann man mit relativ leicht ein interessantes Foto erstellen. Ein Tripod zu verwenden hilft, ist aber selbstverständlich nicht zwingend nötig.

Betrachtet diese paar Ideen bestenfalls als eine Art Mini-Einführung denn das Thema der Bildkomposition ist sehr umfangreich und geht weit über dem hinaus was ich hier beschrieben habe.

Bildkomposition in der Landschaftsfotografie

Ein Buch zu dem Thema was ich Empfehlen kann ist Der Fotografische Blick von Michael Freeman, welches sehr detailierte und gute Beispiele gibt. Falls möglich lest doch die originale, englische Version da die Übersetzung ins Deutsche (ich hab’ es leider selbst nur auf deutsch) etwas Schwerfällig ist.

Bildkomposition in der Landschaftsfotografie

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28 Kommentare

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  1. An sich freut es mich immer, wenn es um Komposition und Landschaft geht, denn das ist eines meiner Lieblingsthemen und ich beschäftige mich damit viel. Der Artikel ist gut geschrieben und nett gemeint, aber schafft es nur an der Oberfläche zu kratzen. Dem Autor ist dies bewusst (“bestenfalls als eine Art Mini-Einführung “) und doch frage ich mich: wozu nutzt mir eine erneute Mini-Einführung? Wozu nutzt ein erneutes Kratzen am Thema Komposition? Warum wird eigentlich nur gekratz ständig? Wann gehts denn ins Eingemachte? Das Thema goldener Schnitt und Drittel-Regel ist darüber hinaus hier schon oft erläutert worden… ich hätte mich über mehr konkrete Hinweise gefreut statt etwas wie “Diese Kompositionsmethode findet man häufig in Kombination mit einem Weitwinkelobjektiv und im Portraiformat.”, was völlig offen lässt, wie dies nun im Portraitbereich tatsächlich aussehen soll…ich jedenfalls kanns mir grad nicht vorstellen. Das sind so Info-Brocken, die einem so hingeworfen werden…so nebenbei…und deren Gehalt sich einem nicht so recht erschließen will.
    Wirklich schlimm finde ich außerdem solche Sätze wie “wo ich den Horizont platziere und daraus ergibt sich dann automatisch mein Kamerawinkel.” die im Grunde genommen null Aussage haben (bzw. eine Aussage, die sich doppelt und die keiner Erläuterung bedarf) und die man in der Art auch immer wieder als Seitenauffüller in Büchern über Fotografie findet.
    Interessant ist die persönliche Herangehensweise mit dem Gedanken “wie eine Geschichte” – das war mir neu und ich werds sicher mal ausprobieren.
    Was hätte ich mir mehr gewünscht: das konkrete Behandeln eines einzelnen Bildes und die Erläuterung, warum gerade so und nicht anders! Wie sah der Weg dahin aus? Und wie sahen auch die “Fehlversuche” dazu aus?

    Grüße Blue

  2. ich mag diesen blog hier wirklich und lese schon längere zeit mit – aber in letzter zeit wird mir hier einfach zuviel geschwafelt…

    fotos sind aber top :)

  3. Ich finde es gut und interessant, dass es hier Gastcolumnen gibt – das weitet wunderbar das Blickfeld (wie schon in anderen Beiträgen diskutiert ;) )

    Die Bilder vom Autor sind definitiv atemberaubend – und das liegt sicher nicht daran, dass es in Norwegen aufgenommen wurde =) sondern – eben genau – an der Komposition und an den brillanten Farben.

    Wo sich mir allerdings die Nackenhaare aufstellen, ist folgende Aussage:
    “Der Betrachter eines Bildes sieht in der Regel das untere drittel eines Bildes zuerst, und dann wandert das Auge nach oben, aus diesem Grund bietet es sich an hier etwas interessantes zu haben.”

    DEM möchte ich doch gern widersprechen.
    Der Betrachter schaut das Bild (hier im westeuropäischen Raum) idR von links oben nach rechts unten an, so dass diesen beiden “Ecken” auch eine besondere Gewichtung zu Teil wird.
    Wenn man jedoch in den oberen 20%/33% wenig interessante Information “versteckt”, dann “fällt” der Blick nach unten … und DORT – das ist richtig – muss er durch etwas interessantes aufgefangen – und wieder zurück ins Bild geleitet werden, wie dies zB bei dem Bild mit der Insel und dem “Weg” der Fall ist.
    man schaut zuerst auf den Himmel – dann flux ‘rüber zur kontrastreichen Insel – und dann fällt der Blick nach unten .. den Weg entlang bis zu den Strukturen der Steine und wander den Perspektivlinien des Weges folgend, wieder zurück.
    -jm2c-

    J-C

  4. @Blue: Was deinen Kommentar zur 80/20 “Regel” angeht: Schau dir mal das Bild unter dem Abschnitt an (das 2. von oben), da sind alle diese Eigenschaften enthalten, 80/20 verhältnis, Weitwinkel und Portrait-/Hochformat.

    Im Prinzip hat @Blue recht, es wird leider (fast) immer nur auf die Grundlagen, selten auf weiterführende Themen eingegangen. Abgesehen davon finde ich den Artikel aber wirklich gut. Eine Grundlagen (80/20 “Regel”) und persönliche Herangehensweisen (Vorder-/Mittel-/Hintergrund als Geschichte zu interpretieren, oder die Balance zwischen Himmel und Vordergrund zu finden) waren mir in dieser Form auch neu.

    Der Empfehlung für das Buch “Der Fotografische Blick” kann ich mich übrigens nur anschließen. Es hat mich sehr überrascht, worauf man bei der Bildkomposition alles achten muss bzw. kann! Das Buch geht wirklich weit über die Grundlagen (Drittelregel usw.) hinaus.

  5. @J-C: Ich glaube mal gelesen zu haben, dass auch die Menschen meist von links-oben nach rechts-unten das Bild betrachten, die in Ländern leben, wo von rechts nach links geschrieben wird, hat also anscheinend nichts mit der Kultur zu tun.

    Manche Elementen können den Blick auch direkt auf sich ziehen, vor allem solche mit einem starken (kompositorischen) Kontrast oder mit einer Signalfarbe (z.B. Rot). Solche Elemente können für die Komposition hilfreich sein, können aber auch vom eigentlichen Motiv ablenken. Man sollte sich dessen jedenfalls bewusst sein.

  6. Auch mir hat der Artikel sehr gut gefallen, weil ich mich mit dem Thema Bildaufbau noch nie so richtig auseinandergesetzt habe, sprich bewusst drauf geachtet. Besonders gut gelungen, war der Vergleich mit einer Geschichte. Ich glaube, das Bild wird noch lange in meinem Kopf rumgeistern.

    Aber ich kann es auch durchaus verstehen, wenn einige das Gefühl haben, dass immer nur das Gleiche kommt und an der Oberfläche gekratzt wird. Im Prinzip müsste ja jetzt auf diesem Wissen, welches durch den Artikel vermittelt wird, aufgebaut werden.

    Ich werde auch gleich mal schauen, ob es das Buch auch in unserer Bibliothek gibt. ;)

  7. Ein schöner Artikel, wenn er auch für mich keine so neuen Erkenntnisse gebracht hat.
    Aber muss man denn immer alle Regeln im Kopf haben? Ist es nicht manchmal viel besser das Motiv “zu fühlen”? Sich ganz von seinem fotografischen Instinkt führen zu lassen?
    Klar habe ich einige Regeln in meinem Kopf, ich kenne auch meine Kamera halbwegs und weiss, welches meiner Objektive für welches Motiv am Besten passt. Aber das Meiste mach ich aus dem Bauch heraus. Wahrscheinlich liegt es daran, dass ich es nie in die FC-Galerie schaffen werde. *grins* Doch wer braucht schon so einen ollen Stern. ;-) LG Frau Zausel

  8. Hallo zusammen. Vielen Dank für Eure zahlreichen Kommentare. Es freut’ mich sehr zu hören das Euch der Artikel und meine Bilder gefallen.

    Zunächst einmal möchte ich hier erwähnen das die Bilder in diesem Artikel nicht ausschliesslich aus Finnland kommen. Die letzten beiden Bilder habe ich auf meiner letzten (eigentlich meiner ersten Reise) nach Cornwall, UK gemacht. Das zweite ist von hier bei fiesen -20 Grad hier oben in Finnland gemacht und das erste bei meinen Eltern um die Ecke in Bremen.

    Wollte das nur kurz erwähnen bevor einer die Koffer packt und hierherkommt und das Schloss sucht ;-)

    @Blue: Ich verstehe Dein Problem. Ein Artikel in einem Blogformat kann allerdings nur schwer und wenn überhaupt in die Tiefe gehen. Wenn man zum Beispiel beachtet das das Buch das ich hier erwähne 192 Setien umfasst kann man sich vorstellen wie komplex und umfangreich dieses Thema ist, will man es umfassend beschreiben. Ein Blogartikel zu diesem Thema kann nur oberflächlich bleiben, oder man muss eine ganze Serie oder gar einen ganzen Blog daraus machen. Und das ginge in diesem Fall deutlich zu weit.

    Mir war einfach nur Wichtig eine kleine Einführung mit ein paar Tips zu geben. Im Wesentlichen ist dies die Art und Weise wie ich arbeite, und von daher kommen diese Anregungen aus der Praxis und weniger aus einer theoretischen Herangehensweise.

    @J-C/@Moondragon: Ich will Euch hier nicht dumm widersprechen nur um Recht zu behalten zumal Deine Beschreibung definitv Sinn macht. Ich selbst habe es anders gelesen (fragt mich bitte nicht wo weil keine Ahnung mehr) und bemerke dieses Verhalten zuerst auf den Vordergrund zu achten bei mir selbst. Kann aber durchaus sein, das ich dieses Verhalten antrainiert habe. In jedem Fall hätte ich hier besser recherieren können/müssen/sollen.

  9. Zum Thema Blickrichtung: Ich habe es beim ersten Bild im Artikel bei mir selbst gemerkt, dass ich erst unten geschaut habe und der Blick dann nach oben geschweift ist. Ich stelle jetzt mal eine Theorie auf: Möglicherweise erkennt das Gehirn schneller, was auf dem Bild zu sehen ist, als wir bewusst wahrnehmen. Wenn das Gehirn nun eine Landschaft erkennt, dann blicken wir zuerst auf den unteren Bereich, wo sich der Vordergrund befindet, also das was in der realen Welt nah bei uns ist, und erst dann schweift der Blick “in die Ferne”. Bei anderen (bildfüllenden) Motiven ist das vielleicht wieder anders, z.B. bei einem Portrait zuerst in die Augen… Menschliche Gesichter und v.a. die Augen haben in der Fotografie eh eine sehr starke Blick-auf-sich-ziehende Eigenschaft.

  10. Mir hat der Artikel ganz gut gefallen, da ich selber absoluter Neuling bin. (die goldene Regel weckt bei mir nur schulalptraume…)

    Dennoch hätte ich es begrüßt, wenn man bei den einzelnen Photos ein wort gehabt hätte warum sie das gescriebene illustrieren. Bei dem Finland Photo sieht man ziemlich klar die 80/20 regel, aber bei den anderen? Irgendwo ein “drittel regel” beispiel? mir ist das echt nicht klar…

    Mir hat J-Cs erklärung zu dem Bild mit dem Schloß sehr gut gefallen, das ist wahrscheinlich hilfreicher als Theorie die sich von den 4 Beispiel sehr losgelöst anfühlt… Naja ich geh mal zu deinem Blog um zu sehen was du zu den 4 Fotos geschrieben hast :) (ein link wäre auch super gewesen ;) )

  11. die Behauptung dass man Bilder von links nach rechts “liest” hätte ich gerne mal belegt.
    Gerade bei Fotografien schaut man natürlich zuerst in Richtung Motiv, ungeachtet wo sich dieses befindet.
    Sven These zuerst auf den unteren Bereich zu achten erscheint schon pyhsikalisch logischer, da die Blickrichtung generell nach vorne und leicht nach unten geneigt ausgerichet ist.

  12. Blogartikel dazu: Balance in der Landschaftsfotografie | Digitale Fotografie Lernen - KWERFELDEIN - Martin Gommel

  13. Blogartikel dazu: Was über Fotografie gelernt habe (+Linktipps) | Doms Blog

  14. Blogartikel dazu: Guest Blogging on Composition « Too Much Lattè

  15. Blogartikel dazu: Guest Blogging on Composition – Sven Seebeck Photography