kwerfeldein
05. Mai 2009 Lesezeit: ~1 Minute

Jim Rakete: Perfektion langweilt mich

Ich habe grossen Respekt vor Fotografen mit Erfahrung und dementsprechender Weisheit.

Und letzte Woche bekam ich eine Mail, in der ich auf dieses Video mit dem Fotografen Jim Rakete hingewiesen wurde. Ich habe es seither zig Mal angeschaut und denke über die Sätze nach, die Jim in der zweiten Hälfte des Videos äussert. Denn Jim sagt mit wenigen Worten Dinge, die in mir wiederhallen und mich zum Nachdenken anregen.

Jim Rakete spricht auch das Thema Digitalfotografie und Perfektion an, was ja sehr gut hier her passt.

Deshalb möchte ich das Video heute mit Euch teilen und – wenn Ihr Lust habt – gemeinsam besprechen.

Frage:
Wie wirkt das Video auf Euch?
Wo gebt Ihr Jim recht?
In welchen Punkten würdet ihr ihm wiedersprechen?

Jim Rakete: Perfektion langweilt mich

Ähnliche Artikel

72 Kommentare

Schreib’ einen Kommentar

Netiquette: Bleib freundlich, konstruktiv und beim Thema des Artikels. Mehr dazu.

  1. Hmm, gut, Fotografen sind unterschiedlich. Auf der einen Seite hat der Mann recht, dass man im Rahmen der Digitalfotografie mehr auf Perfektion achtet und mehr Arbeit am Rechner getan wird, als hinterm Sucher.
    Aber ich denke, dass ist Geschmackssache. Beides hat seinen Reiz. Ich finde die s/w-Fotos von Jim Rakete absolut klasse. Aber ich finde die „andere Seite“ auch nicht schlecht. Ihn mag das langweilen, aber er hat nicht die niedergemacht, die das nicht so sehen. In sofern eine ausgewogene Sache.

  2. Jim Rakete hat völlig Recht mit dem, was er am Ende des Videos sagt. Digitale Fotografie ist in weiten Teilen nur noch das Mittel zum Zweck. Man schaue sich nur die Titelbilder der Hochglanzmagazine oder Fernsehzeitschriften an. Das geht schon fast in Richtung Illustration. Da ist kein Bit mehr so, wie es aus der Kamera kam.

    Fotografen diskutieren heute nur noch über die Technik und was man so alles mit Photoshop machen kann. Fotografieren in RAW, weil das so viele Möglichkeiten bietet. Kaum einer nutzt die Möglichkeiten, die sich beim Druck auf den Auslöser bieten.

    Jeder wie er mag, aber es sollte mehr Fotografen wie Jim Rakete geben.

  3. „Dabei ist das, was wir haben, schon ziemlich gut.“

    Wie Recht er hat. Auch mit jenem Satz davor, der wiederum auf die „10 weitere Peinlichkeiten von Fotografen“ aufmerksam macht.

    „Nichts ist genug.“

  4. „Wir können uns alle überhaupt nicht mehr mit Realität abfinden. Alles muss immer besser sein als es ist. Jeder braucht immer irgendwas – nichts ist genug. Kein Auto ist groß genug, kein Einkommen groß genug. Alle Welt ist immer unterwegs nach etwas Besseren, dabei ist das was wir haben schon ziehmlich gut.“

    Find ich gut gesagt, aber wenn wir nicht so wären, würden wir uns in Technik und Entwicklungsstand nicht da befinden, wo wir heute sind.

    Ich mag die Ansicht, dass die Perfektion die Fantasie „zuklebt“.

    Auf alle Fälle sehr sehenswert und nen cooler Beitrag.

  5. Moin,

    ich empfinde die Worte Jim Raketes als ehrlich, wahr und ungeschönt. Der digitalen Fotografie kann man ihre Vorteile und ihr Existenzrecht nicht absprechen, aber gerade bei Portraits und Landschaftsaufnahmen finde ich kaum noch Bilder die nicht stark bearbeitet wurden. Mich langweilt es.

  6. Ich bin der totale Fan von Jim Rakete. Seine Website ist übrigens mit tollen Bildern bestückt!

    Wie auch immer, wenn ich Jim Rakete korrekt interpretiere, dann ist für ihn Fotografieren der Zeitraum zwischen dem Satz „nicht bewegen“ und dem „Klick“ vom Auslöser. Alles Andere gibt es bei ihm nicht.

    Ich persönlich probiere das ab und zu und das eine oder andere Bild verwende ich auch so, wie sie aus der Kamera kommen. Das ist bei Portraits deutlich einfachcher als bei Stillleben oder Landschaften.

    Wir hatten hier ja schon mal die Diskussion, dass die digitale Fotografie zum knipsen verleitet. Jeder, der aus der analogen Zeit noch kommt weiß aber, wie es ist, wenn man nur 36 „Versuche“ hat. Daher lohnt es sich, genau das zu versuchen: Bilder zu machen, die man direkt aus der Kamera gut findet.

    Zum Thema Perfektion:
    Ich denke, dass er sich widerspricht. Er hat nur ein anderes Verständnis davon, was „Perfektion“ ist. Wenn man Perfektion so sieht, dass ein perfektes Bild das Bild ist, was einen persönlich befriedigt, dann versuchen wir doch genau dieses Bild zu bekommen. Wenn nicht, könnten wir doch gleich aufhören.

  7. ich finde man kann nicht sagen dass das eine oder das andere falsch ist. eine junge dame die sich die neue modezeitung kauft, will auf dem cover ja ein topmodel sehen und keine verschwitzte ungeschminkte frau. ein kunstliebhaber, der in eine ausstellung geht möchte dagegen in die bilder versinken, drüber nachdenken und fantasieren. ein anderer will einfach nur die schöne stimmung eines bildes betrachten.
    jim rakete sagt ja lediglich das IHN die perfektion langweilt. es gibt genung leute die genau auf die perfektion stehen und auch dazu stehen sollen, da die kunst von abwächslung und neuheiten lebt.
    perfektion muss ja nicht schlecht sein, immerhin hat es in der kunstgeschichte schon öfters den drang hin zum perfektionismus gegeben. (naturalimus bis hin zum fotorealismus)

  8. „Wie wirkt das Video auf Euch?“

    Es ist sehr angenehm jemanden zu hören bzw zu sehen der seine persönlichen An- und Einsichten in wirklich interessante Bilder umsetzt und dabei sichtlich Spass hat.

    „Wo gebt Ihr Jim recht?“/“In welchen Punkten würdet ihr ihm wiedersprechen?“

    Er hat im selben Maße recht wie auch unrecht. :)
    Erstmal ist er Mensch wie jeder andere auch und hat demzufolge seine eigenen, zutiefst subjektive, Ansichten wie und was er alles mit einem Foto ausdrücken will. Hier unterscheidet er sich in keinster Weise von den millionen Menschen die täglich eine Kamera zu den unterschiedlichsten Zwecken in der Hand haben.
    Womit er sich allerdings unterscheidet ist das Konzept das er dazu entwickelt hat um seine Vorstellungen umzusetzen. Plattenkamera, 1/8 bis 2Sek Belichtungszeit, kein Makeup und keine Retusche funktionieren für ihn und sein Projekt aber für jemanden der „Actionfotos“ machen möchte ist das die denkbar schlechtetste Kombination.
    Genauso verhält es sich mit seinen Ansichten zur Digitalfotografie, man kann ein Bild retuschieren bis kein Pixel mehr dem Orginal entspricht, muss es aber nicht tun.
    Dieses „retuschieren bis zur Sehnenentzündung im Arm“ ist übrigends keine Erungenschaft der Digitalära, das wurde schon im tiefsten Anlogzeitalter von Leuten wie Ansel Adams bis zum Exzess betrieben.

  9. Oha =) ein schwieriges Thema, mit dem ich mich auch jeden Tag auf’s neue herumschlagen muss.

    Da ich selbst ausschließlich People / Fashion-Fotografie betreibe treffen seine Aussagen genau auf meine Arbeiten zu: ewiges Schminken – allerdings nicht nur 2min Shooten (egal ob privat oder Auftrag). Und danach die Retusche am PC.

    Ich habe mir selbst oft die Frage gestellt: wieso retuschiere ich eigentlich? Für mich selbst hab ich eine Antwort gefunden: Während des Shootings / der Auseinandersetzung der Person VOR der Kamera habe ich irgendwann ein bestimmtes – idealisiertes – Bild von der Person in meinem Kopf. Dieses Bild möchte ich auch dem Betrachter vermitteln. Ich möchte keine 1:1 dokumentarische Abbildung mit einer tiefgreifenden Aussage (Stichwort Phantasie) – sondern eher ein idealisiertes „Traumbild“ einer Person. Für mich verschwinden kleine Makel… deswegen sollen sie auch für den Betrachter verschwinden. Wenn ich das Gefühl hatte, dass die Augen des Models förmlich funkelten und vor Energie sprühten, so will ich das betonen. Allesdings alles im Rahmen…

    Etwa so, als wenn man bei einer Landschaftsaufnahme noch „einen Tick Dramatik“ hinzugibt, indem man die Kontraste im Himmel erhöht, oder eine störende Straßenwarnbake herausretuschiert, weil sie die Komposition stört.

    Wo ich mich dann auch schwer tu, sind grundlegende Retuschen – die dann meist von den Auftraggebern (egal ob privat oder kommerziell) kommen – da trifft genau DAS zu, was Jim gesagt hat: nichts ist gut genug, nichts perfekt genug. Das Endergebnis sind die typischen „TV-Spielfim“-Retuschen. porenfreie Haut – perfekt klare Augenfarbe – Faltenfreiheit, dass die Haut schon fast reißen müsste.
    Wenn ich von mir aus eine solche Extremretusche einsetzen würde, muss es auch das Bild insgesamt hergeben – denn dann sollte die Person wie eine Puppe wirken, denn nach etwas anderem sieht die Haut nämlich nach so einer Retusche nicht aus.

    Richtig schlimm finde ich die Einstellung: „Egal was beim Foto passiert – das kann man ja retuschieren“ – echt furchtbar, denn SO sehen dann meist auch die „Originale“ aus, die ich dann teilweise zur Retusche vorgelegt bekomme … da ist manches „Handyknipsbild“ besser.

    Für mich ist die Art der Fotografie, die Jim Rakete betreibt grundsätzlich eine ganz Andere als dis, welches er (sicherlich zu recht) kritisiert. Beide könnten von ihrer Grundaussage nicht unterschiedlicher sein. Auch wenn er Werbeaufnahmen macht – so ist es dann doch eher „dokumentarisch“ … seine Einstellung zur Personenfotografie spiegelt sich auch dort wieder – was ja nicht schlecht ist =)

    J-C

  10. „..dabei ist das, was wir haben schon ziemlich gut…“- dieser Satz sagt für mich alles. Ich selbst habe erst am Wochenende festgestellt, dass es nicht immer mehr sein muss, nicht immer perfekt. Ich habe eine Hochzeit fotografiert, in einem dunklen Dom, mit einer 100er FBW und ohne Blitz. Und diese Bilder sind die wohl emotionalsten, die ich je gemacht habe, nur mit dem nötigsten. Ohne Firlefanz und sie sind technisch nicht perfekt. Jim Rakete hat Recht. In der digitalen Fotografie gibt es doch kein Bild mehr, dass nicht hinterher verbessert, verschönt wurde. Ob man das gut oder schlecht findet, muss man für sich selbst entscheiden. Ich mag seine Sicht auf die Dinge, teile sie aber nicht in allen Punkten. Aber ich liebe seine Fotos.

    • @Jana: Jupp, ich stimme Jim auch nicht in allem zu – ist eben ein komplexes Thema. Aber die Hochzeitsfotos würden mich jetzt schon interessieren – zeigst Du die irgendwo – irgendwann?

  11. Großartiges Statement!

    Vor Allem der Teil, über das Streben nach mehr, mehr, mehr.
    Natürlich sollte beim Fotografieren Jeder sein Ding machen. Sonst würden ja alle Bilder aussehen wie die von Jim Rakete.

    Ich glaub ich muß nochmal überdenken, was und wie ich eigentlich fotografieren will.

    • @Teymur: Guter Punkt. Denke es wäre zu einfach zu sagen: Er hat recht! Alle digitale Fotografie ist sch***! Aber Dein Gedanke, dass ältere Leuten die neue Technik missfällt, erklärt für mich ein bissken, warum Jim das so sieht. Was denkst Du darüber?
      @Stefan: Hast Du schonmal mit nem Subjektiv fotografiert? *Neugier ;)
      @Jana: Sehr cool!
      @Pixelboogie: Denke genauso wie Du: Jeder sollte sein Ding machen. Mir hilft das Video, auch mal bissken nach „hinten“ zu schauen und zu sehen, wie andere das Thema angehen. Selbstverständlich könnte ich mir das Leben ohne Lightroom und DSRL nicht mehr vorstellt. Dennoch ist seine Meinung interessant. Wie hast Du das denn bisher gesehen -> weil Du meintest, Du mussts nochmal überdenken?

  12. Ich weiß nicht, ob man sich so extrem retro-orientieren muß – aber die Aussage, daß die Digitalfotografie ständig nach dem überperfekten zu streben scheint, hat ihren Punkt: Zu leicht vergißt man, daß es abseits der Technik auch noch etwas anderes gibt… und daß Foto, Objektiv und Zubehör nur Mittel zum Zweck sind, nämlich ein schönes, aussagekräftiges Bild zu machen.
    Andererseits ist Rakete nicht der einzige, der dem Trend weg von der Perfektion folgt: Nicht ohne Grund gibt es seit wenigen Jahren auch Zubehör wie das Subjektiv oder das Lensbaby zu kaufen.

  13. Ich finde sowieso, dass, wenn man die analoge und digitale Fotografie miteinander vergleicht, dass an das Äpfeln und Birnen gleichkommt. Man heute andere Möglichkeiten. Heute mhat man keine Filme mehr, mit denen man bestimmte Effekte herausholen kann. Dafür hat man andere Dinge.

    Auch die vermeintlich unperfekten s/w-Portraits von Jim Rakete sind auf ihre eigene Art und Weise perfekt, halt mit den Mitteln, die mit den Analogen hat. Es war der perfekte Moment, der perfekte Gesichtsausdruck…

    Und heute ist der digitale Perfektionismus auf einem anderen Blatt. Nicht mehr und nicht weniger perfekt als damals, nicht auf einem anderen Niveau, aber die Technik wird halt anders genutzt. Und was das Schminken anbelangt – hey, das hat man damals auch gemacht. Und hier ist das nun mal 1) reine Geschmackssache, und 2) der Zweck, der die Mittel heiligt.

    Ja, der Mensch will immer alles perfekt haben. Aber ist das nicht der Grund, warum wir den Fortschritt überhaupt haben? Alles andere wäre Stillstand!

  14. Blogartikel dazu: JUERN.DE // JCPHOTO.DE » Wie stark darf eine Retusche sein…

  15. Perfektion ist Definitionssache: Photographen diskutieren meist viel zu viel über Bits und Bytes, über beliebig austauschbare Hardware, Software und Ausrüstung. Dafür bleibt die Debatte über Inhalte von Photographie, über eine eigene photographische „Handschrift“ und unverwechselbare, individuelle Sichtweisen völlig auf der Strecke – zum Schaden einer ganzen Branche, deren Bilder immer ähnlicher, immer perfekter und immer austauschbarer werden.
    Auf der Suche nach der Perfektion kann ebenso heißen: Dem Moment auf der Spur – und möglichst nah dran. Frei nach Cartier-Bresson und seiner Definition des entscheidenden Augenblicks. Auf der Suche nach der Perfektion kann auch bedeuten: Für den Bruchteil einer Sekunde die Seele eines Menschen, eines Augenblicks zu berühren und daraus ein Bild zu schaffen. Das lehrt kein Technikhandbuch dieser Welt.

    (Und aus dem Thema „moderne Technik“ ein ausschliesslich altersbedingtes Problem zu stilisieren, halte ich für deutlich zu kurz gedacht – um nicht zu sagen für dämlich, diskriminierend etc.pp.)

  16. Blogartikel dazu: Debatte « Sudelbuch

  17. @Martin:
    Ich hab in letzter Zeit – seit ich ne vernünftige DSLR hab – versucht immer möglichst technisch korrekte Bilder zu machen. Dabei hab ich aber glaub ich das Motiv aus den Augen verloren. Und da kamen dann so eigentlich ziemlich langweilige Blumenbilder bei raus.
    Die einzigen meiner Bilder, die mich in letzter Zeit überzeugt haben, sind die von meiner 2-jähriigen Tochter. Aber das ist vielleicht auch nicht wirklich objektiv ;)

  18. Ich finde den mann gut und seine Fotografien sprechen mich sehr an. Habe sogar ein STück von dem Beitrag glaube ich letztens gesehen. Gehört eher nicht, wegen meiner 2 Tüchter – Danke :)

    Also jetzt dann nicht zum Video.

    Perfekt ausgeleuchtete Studioaufnahmen öden mich auch extrem an. Da kommt einfach nichts rüber. Ich rede jetzt nicht von interessantem Licht, sondern eben von „perfekt“ ausgeleuchtet.

    Und ebenso damlich wie lächerlich finde ich es, wenn jemand ein Bild in Galerie XY zeigt und da dann zig Kommentare kommen wie „Also ich hätte noch….“ Diesen Leuten würde ich manchmal gerne meine kamera gegen den Schädel hauen.

  19. Find ich ein geiles Video!

    Bei mir hinterlasst das Video einen guten Eindruck. Hat in mir das SW erweckt.
    Jim gebe ich in vielen Punkten recht. Einzig das mit der Digital Fotografie: viele machen es so, aber manche auch nicht! Ich versuche nur mit ein paar Belichtungskorrekturen oder ganz ohne Lightroom auszukommen. Es sei den ich fotografiere in Raw. Aber selbst dann versuchte ich das Bild natürlich zu halten.

  20. Eins vorweg: die Portraits von Jim Rakete gefallen mir sehr.

    Ein paar Ansichten teile ich aber nicht. Obwohl ich ausschliesslich digital fotografiere und ein „Kind“ dieser digitalen Welt bin, kann ich verstehen, warum jemand heute eine analoge Kamera benutzt. Das Auseinandersetzen mit der Technik, sich Zeit nehmen und bewusst fotografieren hat sicher seinen Reiz.

    Wenn ich mir aber dieses Gequatsche einiger Fotografen anhöre, die der Meinung sind, nur die analoge Fotografie wäre das einzig wahre, kommt mir der Kaffe hoch. Diese Herrschaften trauern scheinbar der Zeit nach, in der sie noch zu einem elitären Zirkel gehörten. Zu dieser Zeit musste man vielleicht auch nicht „so kreativ“ sein wie heute, wo man schnell in der Masse untergeht. Denn ein gutes hat die digitale Fotografie gebracht: viel mehr Menschen setzten sich heute mit Bildgestaltung auseinander und es entstehen überall kleine Meisterwerke.

    Der Mensch macht das Bild und das Ergebnis zählt, ob analog oder digital ist völlig wuppe.

  21. Geiles Video. Natürlich hat er Recht. In allen Punkten. Denn es ist seine Meinung, und die respektiere ich und schätze ich sehr – wenn man sich seine Bilder anschaut, weiß man, dass dieser Mann SEHR genau weiß, was er tut.

    Auf einem anderen Blatt steht, dass ich seine Meinung eigentlich ausnahmslos teile. „Perfektion langweilt mich.“ Genau das hab ich auch neulich zu nem Model, die an einem Beauty-Shooting interessiert war gesagt – das Shooting findet nicht statt. „Wir wollen immer mehr, dabei ist das, was wir haben, schon ziemlich gut.“ Word. Warum immer das neuste und das tollste? Warum nicht in jpg fotografieren, wenn ich den größeren Farbraum und die lupenreine Detailschärfe des RAW nicht ansatzweise vermisse? Warum habe ich eben ein Bild für eine Veröffentlichung mit meiner 50€ Knipse aus dem Saturn gemacht, und hab meine DSLR im Schrank gelassen? Weil ich sie nicht brauche. Es kommt auf was ganz anderes an als Rauschen und all die anderen leidigen, und nur auf dem Prüfstand entscheidenden totdiskutierten Themen. Vignettierung? Who cares! 24bit Farbtiefe? Na und? Es kommt aufs Bild an. Es kommt darauf an, was drauf ist. Und das hat dieser Mann nicht nur bemerkt – so sicher wie er drüber spricht hat er es sogar erfunden ;-)

    Auch sonst: Eine großartige Antwort auf die Frage, warum schwarzweiß. Die verschwitzt vom Fahrrad gestiegene Frau ohne MakeUp – ein Bild was sich mit Leichtigkeit über Millionen einwandfreier Beauty-Shots stellt. Der Mann weiß was er tut. Das merkt man daran, wie er spricht, und das sieht man an seinen Bildern. Die Frage ist nicht, ob ich ihm Recht gebe. Die Antwort ist: Er HAT einfach recht ;-)

  22. @Martin Gommel: Leider nein – ich hatte bis dato weder Subjektiv noch Lensbaby in den Fingern. Aber der „Haben-will“-Faktor ist schon extrem hoch ;-) Vor allem das „Baukastensystem“ mit der Option, selbst einen Einsatz zu improvisieren, begeistert mich.
    Eigentlich witzig: Fast jeder der Effekte dieser „MacGyver-Linsen“ ließe sich auch so oder so ähnlich mit Photoshop & Co. erzeugen… aber dennoch ist es vom Gefühl her was ganz anderes. Vermutlich würde Rakete dasselbe über die von ihm verwendeten Kameras sagen :-)

  23. kann ich nur unterschreiben, was der herr da als meinung kund tut. (sowohl das über jana palaske, als auch über das, was wir haben) ich bleib aber digital, denn das kann ich wenigstens bezahlen. ;)

  24. Ich persönlich kann ihm nur beipflichten. Und ich finde es gut, dass es Leute gibt die sich trauen öffentlich Stellung zu beziehen. Übrigens richten sich seine Aussagen ja nicht gegen die digitale Fotografie an sich, sondern um die Art und Weise wie diese Technik inzwischen gehandhabt wird – und da kann es einem vor lauter geleckten, unnatürlich dargestellten Menschen schon mal langweilig werden.

  25. Analoge Photographie sei „die einzig wahre“ Photographie, behaupten manche Photographen hartnäckig. Find ich persönlich nicht – mir ist es schnuppe, ob ich auf Film oder Chip Bilder aufzeichne. Auch mache ich nicht mehr Bilder als in prädigitalen Zeiten – Bilder entstehen hoffentlich VOR dem Druck auf den Auslöser im Kopf. Vorteil von digital in meinen Augen: Der größere Spieltrieb, die photographische Entdeckungslust. Nachteil: Daten kann man leichter klauen, verfremden, manipulieren, bearbeiten. Und über deren inflationären Wertverfall in Abhängigkeit von Verfügbarkeit und „die Kameras von heute machen sooo geniale Bilder“ schweige ich. ;)

  26. Ich schließe mich der Meinung zur SW – Fotografie voll und ganz an. Den Einsatz von Digitalfotografie sehe ich nicht so. Ich strebe immer danach, ein Bild so zu fotografieren, dass es anschließend genauso wie es aufgenommen wurde weiter benutzt werden kann.
    Der Aussage zu der Frage warum er nur Prominente fotografiert kann ich mich auch nicht anschließen. Ich finde das was er sagt eher abschreckend da sichtbare Persönlichkeitsmerkmale nicht an Kleidern fest gemacht werden!!! Sorry, das war total danaben.
    Ansonsten finde ich die Bilder von ihm klasse …

    Grüße,

    Patrick

  27. Moin,

    Jim Rakete ist brilliant, seine Wort einfach und Wahr. Seine Kunst ist Zeitlos, der aktuelle Trend der Bearbeitung imo sehr modisch, knallige Studioaufnahmen gab es auch schon in den 80ern – sprich in der bunten Welt der Bilder ist man, bin ich schnell überreizt. Ein Bild ist wie 10000 Bilder. Man klickt sich durch Flickr:“Oh ja, da ist schön, das Weniger usw“, aber es bleibt nicht, was sehr schade ist. Im Bearbeitungsrausch wird das Motiv schnell vergessen, und wenn nix mehr hilft macht man es S/W ;-).

    Andererseits macht der Mann das nicht seit gestern, ich finde man darf ruhig zig tausend mal Bunt durch die Gegend ballern, um einen eigenen Stil ztu finden – wenn man ihn den findet;).

  28. Ich hätte das Interview besser gefunden, wenn sie es komplett in SW gedreht hätten. So steht es doch sehr stark im Widerspruch zu den gemachten Aussagen von Jim Rakete.

  29. sehr schönes video, man merkt gleich wieviel erfahrung der mann hat, mit der digitalen Fotografie teile ich aber nicht ganz seine Meinung :) . und der kerl hat echt ne playboy-cap auf :D :D

  30. Ich habe selbst in letzter Zeit sehr viel Großformatig gearbeitet. Es macht unheimlich viel Spaß und der Mann hat nur Recht, wenn er sagt, dass man mit dieser Kamera ganz andere Ausdrücke bekommt, als mit einer Digitalkamera. Der zu Portraitierende weiß schon von vornherein, dass es das eine Bild gibt, vielleicht zwei, drei Versuche, aber da ist immer höchste Konzentration. Auch beim Fotografen. Man ist immer gefordert.
    Anders als bei der Digitalen Fotografie. Einmal den Auslöser gedrückt, muss man ihn nicht mehr loslassen und irgendwann kommt schon ein gutes Bild. Das weiß auch das Objekt….

    Ich kann nur sagen, jeder sollte so eine Kamera mal in der Hand gehabt haben und sich danach das Video noch einmal anschauen. Dann sieht man es mit Sicherheit mit anderen Augen ;-)

  31. Klasse Video. Es ist nicht der erste Beitrag den ich mit Jim Rakete sehe und ich finde ihn und seine Bilder klasse. Auch der in dem Video erwähnte Bildband ist absolut sehenswert. Was mich ganz besonders anspricht, ist seine Einstellung zur analogen Fotografie, der ich ja auch nachgehe. Ich denke man kann eine Menge von ihm lernen.

  32. das ist sicher richtig was du sagst basti.

    aber wir sind nun mal im digitalen zeitalter. und dann so machen als wenn das fotografieren 2. klasse ist finde ich das schon bischen abwertend.

  33. Auf jeden Fall habe ich großen Respekt vor Herrn Rakete!
    Habe auch das FotoTV-Vid gesehen und finde allerdings die Aussagen teilweise schwachsinnig-

    Fotos sind heutzutage kein getreues Abbild der Realität-
    also die farbige Wirklichkeit in SW abzubilden ist eine große Verfälschung!…

    Sicherlich wird heute fast alles retuschiert, aber in der Malerei wurde schon wesentlich früher retuschiert und inszeniert. So ein altertümliches Barockkleid z.B. anzuziehen dauerte noch länger als so ein modernes Make-Up…

    Man kann die digitale Fotografie doch nicht komplett verteufeln- es ist einfach ein spezielles Medium-
    und man kann sich bei diesem Medium sogar viel Zeit nehmen,Schnappschüsse machen und SW fotografieren…
    und wenn mans sich richtig schwer machen will, könnte man ja ein 800er Teleobjektiv ,ohne Stativ, bei Nacht, zum Portrait schießen benutzen…

    Wenn jetzt die ganze Welt auf Plattenkameras umsteigen würde-
    würde Herr Rakete wohl auf Digitalkamera umsteigen-
    ist eben ein Revoluzzer.

    Jedenfalls hat der Mann Charakter und irgendwo kann ich ihn verstehen-
    es fehlt die „Seele“ bei vielen „Fotografen“-
    andererseits gibt es aber auch die vielen „Guten“-
    aber das war früher wohl nicht anders als heute.

    PEACE

  34. Perfektion in der Fotografie ist glücklicherweise eine ziemlich subjektive Sache. Ich habe die 1/8 sec Ausstellung von Jim Raktete gesehen und auch den Film, der am Ausgang gezeigt wurde, welcher auch mal bei Arte lief. Ich hab das so verstanden, dass er dieser alten, aussterbenden Technik auch ein Denkmal setzen wollte, darauf hinweisen wollte, wie direkt und unmittelbar charakteristisch Fotografie erfolgen kann. Sicherlich wurde auch da etwas nachgearbeitet, im Video wurden Szenen aus seinem Studio gezeigt, da waren große Rechner mit fleißigen Leuten davor zu sehen ;-)

    Trotzdem war sicherlich der Augenblick des Fotografierens mit dieser alten Technik ein ganz spezieller. Aber jeder kann auch mit digitaler Technik diesen speziellen Moment haben, vielleicht ist das aber etwas problematisch, wenn die Technik in der Situation eine zu große Rolle bekommt. Warum ständig auf das Display schauen, Histogramm kontrollieren, immer wieder Autofokus hin und her, ISO für jedes Bild anpassen etc.

    Auch mit unseren hochgezüchteten D-SLRs können wir sehr einfach und ursprünglich umgehen. Viele versuchen immerzu möglichst neutrale Ergebnisse der Kamera zu entlocken, entweder gleich RAW oder JPEG mit wenig Kontrast, wenig bis keiner Schärfung etc. um in der Bildbearbeitung viele Möglichkeiten zu haben. Das damit Bildbearbeitung zwingend notwendig wird und evt. kein einziges Bild direkt aus der Kamera überzeugt, geht mit der Variante einher.

    Hersteller wie Panasonic mit dem S/W-Modus der LX-3 oder Olympus mit den Artfiltern der E-620 fordern mutige Fotografen heraus. Jeder kann doch einfach mal JPEG einstellen, S/W in der Kamera, ISO 1600, Kontrast und Schärfe auf max. und Vorschau-Display mit Histogramm bitte ausschalten. Dafür vielleicht -2/3 EV unterbelichten, damit die Lichter nicht ausreißen und einfach viel fotografieren. Wir können mit unseren D-SLR so fotografieren wie damals! Nur muttig müssen wir sein, weil wir können dann nicht alles mögliche retten im RAW-Editor. Die Bilder sind dann, wie sie sind, fertig halt!

    Vielleicht würde Hr. Rakete eine D-SLR gefallen, die so konfiguriert ist. Er würde sicherlich großartige Aufnahmen hinbekommen, nachdem er einige Zeit eine so eingestellte D-SLR kennengelernt hat. Wer von uns weiß den schon, was seine Kamera mit den ganzen Einstellungsmöglichkeiten zu produzierem im Stande ist?

    Bitte liebe Hersteller, bringt den D-SLRs Charakter bei, ganz so wie damals dieser riesigen Plattenkamera!

    Liebe Grüße
    Stephan

  35. Wieso meint eigentlich alle Welt, Digitalfotografie sei oberflächlich, ohne Konzentration, ohne Gehalt? Das mag für eine Vielzahl von Knipsern der Kategorie „die Kamera wird’s richten und den Rest macht Photoshop“ zutreffen. Ansonsten ist es eine Frage der individuellen Haltung eines Photographen!

  36. Blogartikel dazu: Jim Rakete: Fotografie und das deutsche Personal :: Rebelreflex

  37. „Bitte liebe Hersteller, bringt den D-SLRs Charakter bei, ganz so wie damals dieser riesigen Plattenkamera!“
    Und damals wie heute ist es der Mensch HINTER der Kamera, der über die Frage des Charakters entscheidet…. gänzlich undigital und unzwonullig. ;)

  38. Ich finde Jim schon klasse und seine Aussagen mögen für ihn stimmen. Aber wie alles in der Welt ist gerade die Fotografie sehr subjektiv.
    Es spielt eigentlich keine Rolle wie das Bild aufgezeichnet wurde wenn der Moment und das Licht gepasst haben.

    Ich weiß nicht warum er meint, dass man digital ständig alles nachbearbeiten würde – vermutlich liegt das einfach in der Natur der Sache wenn man einfach mal kurz und knapp einen Gedanken weiter geben möchte. In sofern ist das OK.

    Er kommt aber auch aus dem analogen Zeitalter und weiter oben wurde schon geschrieben, dass eben viele Menschen sich schwer tun mit neuen Techniken. Völlig normal. Jim ist in sofern sehr sympatisch weil er eben nur über sich redet bei solchen Dingen. ER findet das langweilig, ER kann mit digital nichts anfangen – aber gesteht jedem eine eigene Meinung zu. Er ist einfach ein sehr lockerer, cooler Typ.

    Ich persönlich glaube aber, dass er die Bilder sehr wohl kräftig bearbeitet. Irgendwie kommen die ja von der Platte auf ein Fotopapier, nicht wahr? ;) Dass dabei jetzt NICHTS bearbeitet wird (kein länger/kürzer belichten, kein Abwedeln/nachbelichten, kein Ausschnitt wählen, etc.) glaube ich ihm erst, wenn er mich persönlich einlädt und mir demonstriert wie er vorgeht ;)

    Ich persönlich finde aber, dass er mit der „Aussage“ die er erreichen wollte schon etwas zu philosophisch wird. Irgendwie passt das nicht zu ihm (finde ich) und zumindest von diesem Video betrachtet kann ich in den Bildern diese Aussage nicht erkennen – aber vielleicht sollte ich mir die Ausstellung ansehen :)

  39. Ich schätze die Fotos von Jim Rakete auch, aber seine Äußerungen kommen mir dann doch eher spontan als durchdacht vor.

    Digitale Bildbearbeitung glättet alle Unebenheiten weg. Jim Rakete hätte es gern naturalistisch. Aber auch in der Geschichte der Malerei gab es Phasen der geschönten Porträts. Es ist Ausdruck einer bestimmten Haltung. Vielleicht auch einer Angst. Man will die Contenance nicht verlieren und sich auch sonst keine Blöße geben. Andererseits, die Stars die er fotografiert „wie sie sind“, geben sich auch keine. Es sind nämlich Jim-Rakete-Fotos (im Film links eingeblendet steht „Star-Fotograf“), und das „adelt“. Der Betrachter sieht über die Unebenheiten hinweg und nur noch das Star-Porträt vom Star-Fotografen. Retusche im Kopf des Betrachters.
    Und Schwarz-Weiß-Fotografie ist auch eine Form von Retusche an der Realität, das grafische Element darin auch eine Reduktion und Idealisierung.

    Daß gegenwärtig der Trend der Bildbearbeitung zur Verschönerung/Idealisierung geht, ist für mich erstens kein Makel, zweitens muß es historisch betrachtet werden: alles vergeht, auch dieser Trend. In Wirklichkeit gibt die Bildbearbeitung dem „Fotografen“ etwas an die Hand, was er vorher in diesem Ausmaß nicht hatte, nämlich die Mittel, aus einem Foto ein Bild zu machen. Das ist nicht der Schritt von „Gut“ zu „Besser“, sondern das Foto ist Material (wie die Farben, Leinwand, Objekte etc. des Künstlers), aus dem der „Fotograf“ etwas Neues, Anderes macht. Das Ziel ist eine Bildaussage. Die glattretuschierten Fotos der Illustrierten haben auch eine Bildaussage — über die „psycho-ästhetische“ Verfassung unserer Zeit. In diesem Sinne sind sie auch Dokumente.

    Schwer retuschierte Dokumentationsfotos (solche, die von vornherein als solche intendiert sind) sind allerdings keine mehr. Nur sind die Porträts von Rakete ja im Allgemeinen auch keine Dokumentationen, sondern Thesen über den Porträtierten.
    Fast jeder kennt das von sich selbst: es gibt Fotos von uns, auf denen wir uns nicht wiedererkennen. Andere sagen, doch, das seien wir. Die Frage ist: wer bestimmt hier, was Realität und Fiktion ist? Der Fotograf oder der Fotografierte?

    Perfektion, sagt Jim Rakete, langweile ihn. Nun ja, hergestellte, also verfertigte Perfektion ist etwas Seltenes. Die Ausnahme, nicht die Regel. Für die Griechen der Antike war sie in jeder Hinsicht erstrebenswert. Und ein Blick in die Natur zeigt: das Ziel ist Perfektion. Da gibt es Biotope, Lebenswelten, die perfekt ineinandergreifen. Und auch sonst wünschen wir uns Perfektion: Usability, schönes Fußballspiel, perfekte Tanzdarbietung, Orchesterklang usw.

    Die entscheidende Frage ist, ob digitale Retusche Perfektionierung ist, die mit den perfekten Inszenierungen z.B. einer Annie Leibovitz gleichgesetzt werden kann. Ich denke, sie sind es nicht. Und perfekt ist im ersten Fall nicht das Porträt, sondern z.B. nur die Haut oder die Augen. „Perfekt“ im SInne eines abstrakten Maßstabes. Und da fragt man sich, ob das Wort Perfektion hier überhaupt noch einen Sinn macht.

  40. @40/Maze: „was ich quatsch finde: dass er den zustand des landes zeigt, indem er promis ablichtet.“ – Stimmt auffallend.

    Rakete unterscheidet zwischen ’normalen Menschen'(die für ihn alle gleich aussehen) und prominenten Menschen, die es einzig deshalb wert sind, abgelichtet zu werden, weil sie bekannt sind.

    Doch statt sie so zu inszenieren, dass ihre Leistungen (welche auch immer das sind) zum Thema der Fotos werden, beschränkt er sich darauf, sie so aufzunehmen, wie man das bei Portraits ’normaler‘ Menschen erwarten würde. Und erwartet (anscheinend) vom Publikum, dass es selbst erkennt/weiß, wieso genau Rakete die Abgebildeten für würdig erachtet, fotografiert zu werden.

    Mit dem Ergebnis, dass diese Fotografien im Grunde genommen maximal unbeschriftete Autogrammfotos sind, welche jemand mit einer selten verwendeten Kamera geschossen hat.

  41. Ich muss zugeben, dass ich in der analogen Fotografie, deutlich mehr Spaßfaktor gehabt habe. Wenn ich zurück denke, konnte ich damals keine teuren Filter für meine Objektive leisten um bestimmte Bildeffekten zu erreichen. Ich hatte mit einfache mittel angefangen, wie z.B. Damen Strumpfhosen benutzt, um Weichzeichnung zu simulieren. Oder mit Vaseline konnte man verträumte Momente erreichen, wenn man sie am Rand des UV Filter schmiert. S/W Filme mit Rotfilter zu Fotografieren usw.. Mann konnte wirklich noch herzhaft darüber lachen, was für Möglichkeiten es gibt in der Analog Fotografie. Oder die gute alte Crossentwicklung, mit Dia-Filmen. S/W Aufnahme auf Barytpapier belichten die über 300 Jahre halten. Kaffe als Färbemittel usw. Die Zeiten sind wirklich längst vorbei.
    Die Fotografen von heute die Ausgebildet werden, werden solche kostbare Kenntnisse nicht zu schätzen wissen… es ist eben halt altmodisch und bescheuert mit Damen Strumpfhose über das Objektive drüber zu ziehen und damit Fotos zu schießen, wenn man es mit Photoshop noch bessere Ergebnisse erzielen kann. Okay blöder Beispiel… welcher Fotograf benutzt noch Weichzeichner – oder Farbfilter für seine Objektive. Analogfotografie ist eben ein Handwerk, die nicht mehr weiter vermittelt wird. Wenn ich heute jemanden etwas über digital Fotografie erklären müsste, dann scheitere ich schon allein bei der Frage, wie viel Bilder man auf einer 2GB SD Karte bekommt. Es gibt keine genaue Antwort darauf, was man hinterher leicht verstehen kann ohne mit Bit und Bytes anzufangen. Ich denke schon, dass man Analog Fotografie schätzen muss um es zu verstehen.
    Auf jeden Fall habe ich großen Respekt vor Herrn Rakete! Er besitzt Kenntnisse und Erfahrung, wo die meisten dieses Wissen nicht mehr auffangen können oder wollen.

  42. @Manne: Hi Manne, ich möchte die digitale Fotografie ja nicht zur zweiten Klasse machen.
    Vielmehr meine ich, dass wir, wenn wir eine Großformat (geht ja auch digital) mal in der Hand hatten, ganz anders auf das Video gucken und noch besser verstehen was er meint.

    Nur weil ich viel Großformat gemacht habe, heißt es ja nicht, dass ich digital nicht mag. Ganz im Gegenteil, ich bin ja auch ein digitales Kind….hab nur in letzter Zeit auch meine positiven Seiten am Analogen entdeckt. Es macht halt einfach Spaß…anderen Spaß als digital. Beides hat seine Vor- und Nachteile!

  43. sehr sympathische ansichten und aussagen – kann ich mich gut drin wiederfinden … wobei digital nicht automatisch perfektion heisst – denke da kommt eben auf die art an, ob man erwischt oder inszeniert … mag seine fotos …

    danke für den artikel

  44. Hallo,

    habe mir gerade das Video angesehen und mir auch einige der Kommentare durchgelesen.

    Die Bilder von Herrn Rakete sind sicherlich genial. Und der Mensch ist Künstler auf einem hohen Level – keine Frage.

    Aber da fängt das Problem auch schon an: Manchmal frage ich mich, warum diese Künstler nicht einmal einen normalen Satz herausbringen können – warum jeder Satz, denn sie von sich geben auch ein Kunstwerk sein muss. Oft frage ich mich hinterher, ob diese Menschen auch das glauben, was sie sagen oder, ob sie, wenn die Kamera hinterher wieder aus ist, wahnsinnig stolz auf ihre hochgestochenen Kommentare sind und sich riesig darüber freuene, dem Proletariat da draußen in der Welt wieder mal erzählt zu haben, wie das Leben wirklich ist.

    Und das stört mich immer an diesen Interviews; warum solche Personen nicht einfach mal sagen können: dies und das gefällt mir nicht.

    Einer dieser Sätze in dem Interview, wo es um die Prominenten geht, die er ablichtet, ist beispielsweise: „Ich glaube dass man aus diesen auch eine ganze Menge herauslesen kann, sofern sie sich im Stillstand befinden“ – wie bitte??? Ich meine, was will er uns mit diesem Satz sagen? Stellt ein stillstehender Mensch die Realität dar oder ist es nicht eher die Realität, dass sich alles im Fluss befindet?

    Und auch dieser andere Satz, dass seine Fotos ein Pendant zu den ganzen bewegten Bildern sind, mit denen wir den ganzen Tag tot geschlagen werden – hört sich super toll an der Satz, hat jedoch null Inhalt. Fotos sind im allgemeinen nicht bewegt und schlagen auch keinen tot. Man kann doch nicht das Unbewegte mit dem Bewegten vergleichen!

    Und ich glaube auch nicht, das Farben etwas darüber aussagen, wann und in welcher Zeit ein Foto gemacht wurde. Wenn jemand eine Hochsteckfrisur verpasst bekommt, oder einen Topfschnitt kann das Bild noch so bunt oder schwarz-weiß sein – es verrät nichts über die Zeit. Und auch der Raum, in welchem jemand sich befindet, die Art der Austellungsgegenstände darin, seine Kleidung und vieles mehr, sagen mehr darüber aus, in welcher Zeit wir uns befinden, als den Unterschied daran fest zu machen, ob es ein Farb- oder ein Schwarz-weiß-Foto ist.

    Am furchtbarsten finde ich folgenden Satz, worin er begründet, warum er nicht die, wie er sagt, „so genannten normalen Menschen“ sondern die Prominenten fotografiert hat „Es wäre vielleichht noch signifikant gewesen als Durchschnitt, aber es hätte nicht das gezeigt, was ich zeigen wollte: Es hätte nicht mehr gezeigt den Zustand des Landes.“ Das ist nun wirklich Humbug – seit wann zeigt die Prominenz eines Landes, wie es um das Land selbst aussieht? Ist es nicht grad ein Zeichen der Zeit, dass man den Leuten eben nicht mehr an der Nase abliest, welchen sozialen Stand sie haben. Ist das nicht eher der Zustand unseres Landes?

    Und dass im schwarz-weißen die Details verschwinden, finde ich überhaupt nicht. Meiner Meinung nach ist das Gegenteil der Fall. In einem Meer bunter Farben geht das eine oder andere Detail schon einmal schnell unter. Beim schwarz- weißen werden Details sichtbar, die dem Betrachter sonst verborgen bleiben.

    Das einzige, wo ich ihm im Interview folgen kann, ist, dass das Fotografieren mit einer Plattenkamera für ihn eine technische Herausforderung darstellt. Dieses Argument ist für mich schlüssig, was SEINE Art der Fotos angeht und was SEINEN Anspruch an die eigene Person angeht. Nur jeder hat eben seinen eigenen Anspruch an sich selbst und hat andere Ziele.

    Wie gesagt, Herr Rakete ist ein großer Künstler seiner Zeit – aber so sollte man eben auch seine Kommentare ansehen – eben künstlich.

  45. @Sebastian, kunst bedeutet heute ja auch leider nur noch sich zu verkaufen und nicht das was man macht heute ist nur noch das richtige marketing kunst und die die glauben das es kunst ist weil sie es nicht besser wissen kaufen es und je politischer die aussagen zu werken sind um so mehr überzeugt es die unwissenden.

    PS. ICH MÖCHTE NICHT WISSEN WIE OFT J. BEUYS IN SICH HINEINGELACHT HAT WENN ER AN SEINE FETTECKE DENKEN MUSSTE!!!

  46. Blogartikel dazu: Twitter Trackbacks for Jim Rakete: Perfektion langweilt mich | Digitale Fotografie Lernen - KWERFELDEIN - Martin Gommel [kwerfeldein.de] on Topsy.com

  47. Blogartikel dazu: 7 Fragen an Jim Rakete: Ein Interview | Digitale Fotografie Lernen - KWERFELDEIN - Martin Gommel

  48. Ich finde das Video sehr zum Nachdenken anregend, und die folgenden kritischen Reflektionen noch viel mehr. Ich finde er hat in vielen Dingen Recht, kann mich aber auch zB. voll Sebastians Meinung, und der aller anderen anschließen… das zeigt, wie komplex das Thema ist, und das es nicht „eine Wahrheit“ gibt.

    Früher war Fotografie noch etwas besonderes, das von Spezialisten ausgeübt wurde. Heute fotografiert jeder Hanswurst, und es kommen zum teil geniale Fotos dabei raus. Ein großer Teil der Fotos entspricht dem Zeitgeist, oder unserer Gewohnheit zu sehen. Vieles ist auch austauschbar… Für mich liegt die Herausforderung in der Fotografie den Versuch zu wagen ein wenig quer zu diesem Zeitgeist zu stehen, und eine eigene Sichtweise zu finden… Wenn ich Menschen fotografiere, dann dann liegt für mich die „Kunst“ oder besser Herausforderung darin, diesen einen magischen Moment zu erwischen, der die Seele der Person durchschimmern lässt… …das hat eher was mit Intuition, und Bauchgefühl zu tun, das ist meine Art zu fotografieren… die digitale Welt ist dabei Fluch und Segen zugleich… ich finde es dabei hilfreich das Ergebnis sofort sehen und beurteilen zu können, und mal eben 300 Fotos machen zu können, ohne ein Vermögen für Filmmaterial ausgeben zu müssen… Aber ich ziehe es vor mit dem Druck auf den Auslöser eher zurückhaltend zu sein… Auch ziehe ich das digitale Fotolabor der analogen chemischen Keule vor. Für die Bildaussage ist letztlich immer noch das Gespür des Fotografen verantwortlich, und nicht die Technik.. die ist vielleicht nachher das Tüpfelchen auf dem i… Da stimme ich mit ihm sehr überein. Der ganzen Technikdiskussion, und dem daraus resultierenden Perfektionismus kann ich immer weniger abgewinnen… aber auf der anderen Seite muss man natürlich die Kameratechnik irgendwo beherrschen, um überhaupt ein Foto in den Bildspeicher zu bekommen… mich begeistern Menschen, die mit Lowtech tolle, „unperfekte“ Fotos machen… aber auch alle anderen Fotos die was in mir bewegen… egal ob „perfekt“ oder nicht… :-)

    Super Thread!!!

  49. Jim Rakete ist sicherlich einer der tiefgründigsten deutschen Fotografen der Gegenwart. Die Trennung in Digital und Analog Fotografie in Bezug auf Authentizität der Resultate – sprich Bilder kann ich zwar nicht nachvollziehen aber aus Erfahrung leider bestätigen. Es ist der Trend der Zeit oder der Fuch der Technik. Allerdings glaube ich kaum das ein Fotograf den früher schlampig mit seiner Digitalen Kamera fotografiert hat bessere Resultate erhalten wird wenn er zu den analogen Wurzeln zurück kehrt. Es ist immer noch der Mensch der das Bild macht und nicht die Technik – auch wenn es Heute einfacher ist ein durchschnittliches Bild durch aufwendige Photoshop-Retouchen aufzupeppen. Das gerade solche Fotos die Titelbilder dominieren ist aber auch eine Teilschuld der Konsumenten und nicht der Möglichkeiten.